Neue Fallmaschen 62 | 2021

dies gelesen | Frau Larapalara denkt nach über Sartres Hölle.
»Die Problematik sah er wesentlich im Blick des anderen. Denn der Blick des anderen objektiviert mich, indem er mich so sieht, wie ich bin, wie ich mich aber niemals sehen werde. Die Hölle ist die Erfahrung der Scham, die durch den Blick des anderen hervorgerufen wird, die Erfahrung des meiner Selbst als ein Für andere. Der Konflikt liegt in der eigenen Abhängigkeit von der Freiheit des anderen, mich zum Objekt zu degradieren und als Mittel für Zwecke zu benutzen, die mir nicht bekannt sind. […]
Wer jemanden fotografiert, sieht ihn so, wie er sich selber niemals sieht. Der Fotografierende erfährt etwas, was der andere von sich selbst niemals erfährt. Das Fotografieren verwandelt Menschen in Objekte, die man symbolisch besitzen kann.«
Quelle: larapalara.wordpress.com

das gedacht | Wenn ich diesen Text in meinem Blog pingbacke, ist das nicht auch irgendwie eine objektivierende und besitzergreifende oder zumindest besitzenwollende Handlung?
Wie verhält es sich mit dem Teilen von Inhalten im Internet? Wie viel Identifikation mit oder Berührtheit durch nicht von uns selbst erstelltem Inhalt braucht es, bis wir etwas teilen?

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dies gelesen | In Solminores neuem Blog geht es  umd das Weglaufen. Darüber, das Haus zu verlassen ohne zurückzuschauen. Ausgehend von Peter Stamms Roman Weit über das Land fragt er sich, was wäre, wenn.

das gedacht | Und – was wäre, wenn? Bei mir? Und bei dir?

Ausgelesen #36 | Es wird wieder Tag von Minka Pradelski | #keinvergessen

Es hat gedauert, bis ich mich an den autofiktiven Roman der Frankfurter Soziologin Minka Pradelski gewagt habe. Bereits letzten Sommer habe ich diesen Buch bekommen, doch das Lesen immer wieder vor mich her geschoben. ’Es wird wieder Tag’ erzählt die Geschichte der jungen Familie Bromberger im und nach dem zweiten Weltkrieg. Wir lesen hier die Geschichte zweier KZ-Überlebender und ihres nach dem Krieg geborenen Kindes.

Das Buchcover zeigt einen Ausschnitt eines tanzenden Paares. Zu sehen sind die Arme und der blassrote Rock und die schwarze Jacke des Paares. Zwischen ihren Bäuchen sind der Name der Autorin und der Buchtitel auf weißem Hintergrund gedruckt. Am unteren Bildrand, auf rotem Streifen, steht der Verlagsname.
Buchcover Es wird wieder Tag von Minka Pradelski

Allen drei Stimmen erteilt Pradelski abwechselnd das Wort. Als Leser:innen begleiten wir Klara, Leon und schließlich auch deren Sohn Bärel durch die Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Wie der Sohn der beiden ist übrigens auch die Autorin in den ersten Nachkriegsjahren im Lager für Displaced Persons in Zeilsheim geboren. Ihr Roman erweitert mein Wissen um die Shoah um eine weitere persönliche Perspektive.

Das Schweigen, das sich nach dem zweiten Weltkrieg auf viele KZ-Überlebenden gelegt hat, um am Erlebten nicht zu zerbrechen, trifft auch Klara und Leon, denn vieles ist unaussprechlich. Alles verändert sich, als Klara eines Tages, bei einem Spaziergang mit ihrem Sohn, einer ihrer Aufseherinnen aus dem KZ begegnet. Ihre Wege kreuzen sich, doch Klara gibt sich nicht zu erkennen. Dennoch gibt es keinen Zweifel, dass sie ’Liliput’ gesehen hat.

Diese Begegnung triggert sie zutieftst und ihre traumatischen Erlebnisse tauchen aus dem Verdrängen an die Oberfläche. Klara gerät in eine existenzielle Krise, die alle Ängste, alle gesammelten Erfahrungen und gemachten Erlebnisse in die Gegenwart holt; sie droht daran zu zerbrechen.

Leon, der ebenfalls einige Jahre in einem KZ verbracht und wie Klara nur knapp überlebt hat, verzweifelt beinahe. Auch weil Klara ihren Sohn vernachlässigt. Dennoch wollen beide nicht, dass Leon Bärel bei Verwandten unterbringt. Klara weigert sich, Hilfe von außen anzunehmen oder sich in eine Klinik zu begeben. Als Leon sich keinen Rat mehr weiß, fordert er Klara auf, alles aufzuschreiben. Ihre Geschichte in Worte zu fassen. Das tut sie schließlich auch und es hilft ihr tatsächlich.

Nach dem Prolog des Romans, in welchem Bärel sein Geburtserlebnis aus der Sicht eines neunmalklugen Kindes erzählt, übernimmt Klara den Faden und erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, der Umsiedlung in ein polnisches Ghetto und der Flucht aus diesem, vom Aufenthalt im KZ und ihrer dortigen Arbeit in einer Flugzeugfabrik. Sie erzählt, was sie nach dem Ende des Krieges erlebt hat und sie erzählt vor allem von ’Liliput’, jener Aufseherin, welche sie kürzlich auf der Straße gesehen hat, die damals mit ihrer subtil ausgeübten Macht das ganze Lager dominiert und schikaniert sowie sich am quslvollen Sterben vieler Gefangener schuldig gemacht hat.

Unterbrochen wird ihre Geschichte mit von Bärel erzählten Momentaufnahmen aus der Gegenwart der Protagonist:innen. Die Familie hat sich nach dem Krieg in Frankfurt ein neues Leben aufgebaut. Leon ist ein geschickter Geschäftsmann, der sich anfänglich mit Schwarzhandel und später mit einer Transportfirma einen Namen gemacht hat. Über allem schwebt der Traum von der Auswanderung nach Amerika.

Erst im vorletzten Kapitel  hören wir Leons Geschichte und erfahren, wo und wie sich das Paar kennen- und liebengelernt hat. Auch seine Erfahrungen gehen mir sehr unter die Haut und ich bewundere seine Überlebenskräfte und -strategien.

Sowohl er als auch Klara erzählen sehr nüchtern, beinahe unemotional. Beide schönen ihre Erfahrungen nicht. Eindrücklich jene Szene, in welcher Klara als Fünfzehnjährige aus dem Ghetto flieht. Da ist keine Dankbarkeit gegenüber ihren Eltern dafür, dass sie ihr die Flucht ermöglicht haben.

Zu guter Letzt hören wir wieder Bärel, der inzwischen schon ein paar Jahre alt ist. Gewohnt neunmalklug und für meinen Geschmack schon von Anfang an ziemlich überzeichnet und allzu zynisch erzählt er aus seinem Alltag. Er fand sich erst allmählich mit der Tatsache ab, dass diese beiden Menschen tatsächlich seine Eltern sein sollen. Seine Zugewandtheit zu ihnen wächst erst allmählich. Fast hätte Bärel es übrigens geschafft, dass ich das Buch nach dem Prolog zugeklappt und auf die Seite gelegt hätte. Doch zum Glück habe ich weitergelesen.

Minka Pradelski hat mit ’Es wird wieder Tag’ einen wichtigen Beitrag zum Thema Judenverfolgung im Nationalsozialismus geleistet. Zwar habe ich schon viele Bücher über das Leben in Konzentrationslagern gelesen, doch über die Jahre des Wiederaufbaus ist mir wenig bekannt.

Die Autorin ist eine sehr exakte Beobachterin, die kluge, passende, berührende Worte für ein historisches und persönliches Trauma gefunden hat. Weder sentimental noch moralisierend macht sie sichtbar, was Krieg mit Menschen macht.

Minka Pradelski ist ein wichtiges, lesenswertes Buch gelungen. Ich danke ihr und der Frankfurter Verlangsanstalt für die aufwühlenden Lesestunden mit meinem Rezensionsexemplar.


FVA
384 Seiten
August 2020
Hardcover
ISBN 9783627002770
24,00
E-Book
ISBN 9783627022877
15,99 €

Neue Fallmaschen 57 | 2021

herausgefunden | Zuerst dachte ich ja, ich finde den richtigen Autolack-Blauton, um die kleine Beule am Autochen zu kaschieren per Auge. Einfach so, in dem ich im Internet Farben angucke.

Dass es innerhalb einer Automarke sooo viele Blautöne gibt, hätte ich nicht erwartet. Pre-beulede Autos sind praktischer in der Handhabung, meinte der Liebste neulich, da spiele eine Beule mehr oder weniger keine Rolle mehr. Stimmt. Aber da mein Citrönli ansonsten ein unverbeultes Anlitz hat, soll es wieder so werden.

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geappt | Heute habe ich uns ein GIF gebastelt. (Mirror Lap-App und GIMP)

Neue Fallmaschen 56 | 2021

zugehört | Meine Freundin Talitha hat mit ihrer Mutter Ruth einen Podcast gestartet. Gespräche über das Mutter-und-Tochter-Sein. Persönlich, sensibel, bärndütsch.

»Unsere gemeinsame Geschichte beginnt im Jahre 1981. Ruth träumte, sie habe ein Baby in England im Abfall gefunden. Kurz darauf brach sie als junge Aupair nach Manchester auf … wie wir uns schlussendlich fanden, zusammen durch die Hölle gingen und unsere Beziehung durch viele Gespräche stets pflegten, erfährst du, wenn du dir unseren Podcast anhörst.«

[Hier lang.]

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gelesen und nachgedacht | Manche sagen und schreiben, die Welt sei klein geworden. Da ist diese Aussage über eine als geschrumpft wahrgenommene Welt, doch was mein dieses Klein eigentlich? Wir konnotieren es spontan mit beengend, langweilig, nicht erstrebenswert.

Möglicherweise könnten wir es, umständehalber, neu mit Begriffen wie natürlicher (als groß), überschaubar, wohltuend, entschleunigt füllen? Nur so als Versuch? Weil sich die Umstände gerade nicht ändern lassen und weil dieses Klein vermutlich, wenn wir auch die Klimakrise ernst nehmen, mehr und mehr Teil unserers zukünftigen Alltags wird? Und weil es uns vielleicht dabei hülfe, uns nicht so hilflos zu fühlen?

Vielleicht ist ja Weniger das neue Viel und Klein das neue Groß (mal abgesehen davon, dass ich diesen Spruch nicht mag).

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entdeckt | Ich habe auf meinem Android-Tablet eine Bildbearbeitungsapp installiert, die süchtig macht (Mirror Lab) und mega entspannt. Wieder einmal zu appen tut gut und bringt den Kopf zur Ruhe.

Buntes Bild mit Wiederholungen in den Farben hellgrün, blau, braun und gelb.
Moos unter Mikroskop, künstlerisch bearbeitet

Neue Fallmaschen 55 | 2021

Eine neue Rubrik ist geboren. Unter Neue Fallmaschen mixe ich (un)regelmäßig Entdecktes, Aufgefallenes, Wahrgenommenes, Gedachtes, Gefühltes, Ärgernisse, Freuden, Bestrickendes, Heruntergefallenes, Aus- und Aufgelesenes.

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gedacht | In einer idealen Welt hätten wir Menschen kollektiv und solidarisch beschlossen, uns alle für fünf Wochen zu isolieren und so das Virus auszuhungern. Den Menschen, die kein Zuhause haben, hätten wir unkompliziert Räume in Hotels zur Verfügung gestellt.

In einer alles andere als idealen Welt brauchen wir Bestimmungen und finden es je länger je schlimmer, wegen ebendieser Bestimmungen ein langfristig eingeschränktes Leben führen zu müssen, um jenen kleinen, besonders anfälligen, gefährdeten, verletzlichen Teil der Menschheit zu schützen.

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aufgeschnappt | Bei HEKS Schweiz fällt mir das Wort Herdensolidarität sehr positiv auf und regt zum Träumen an.

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gefühlt und erinnert | Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliffener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

(Selbstzitat. Quelle: sofasophia.blogda.ch)

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ausgelesen | Tove Ditlevsens ersten Teil der Trilogie Kindheit, Jugend und Abhängigkeit. Eine Kindheit, die in vielem – trotz einem halben Jahrhundert Abstand – meiner ähnelt im Gefühl des Sich-selbst-Fremdseins.


(Durchnummeriert wird mit der Zahl der gelebten Tage des jeweiligen Jahres.)

Nachdenken über die Bloggerei

Das neue Blog fordert mich zum Innehalten auf. Zum Nachdenken.

Seit knapp 17 Jahren blogge ich – das hier war der fünfte Umzug. War es am Anfang noch eine Art Trauertagebuchschreiben gewesen, füllte sich das Blog nach und nach im Laufe der Jahre mit Reise- und Alltagsabenteuerberichten, Gemeinschaftsprojekten, Geschichten, Buchbesprechungen, sofasophischen und politischen Essays – und neuerdings sogar, gesundheitsbedingt, mit Rezepten. Was es immer war: ein Ausschnitt aus meinem gelebten Leben, und damit auch ein Zeitdokument.

Mehr und mehr abhanden gekommen  sind mir das Spontane, Banale, Alltägliche, das früher so anwesende, ungehemmte Drauflosschreiben und Mich-Warmschreiben.

Es fehlt mir der Fluss, der Antrieb. Kann sein, dass das letzte Jahr mit all seinen Herausforderungen nicht ganz spurlos an meinem Schreibbedürfnis vorbeigezogen ist. Was wurde da doch alles geschrieben, geredet, gemeint, behauptet, in Zweifel gezogen, auf den Kopf gestellt. Ganz allmählich ist dabei die eigene Stimme stiller und stiller geworden.

Doch da gibt es zum Glück ein paar feine Blogger:innen, die das tägliche Schreiben pflegen. Manche habe es auch eben erst für sich reanimiert. Sie pflegen ihre Blogs wie einen Garten, der täglicher Pflege bedarf.

Warum also nicht auch ich? Wieso also nicht auch dieses Blog reanimieren, es wieder bewohnen, es wieder  mehr und mehr als Wohnraum betrachten, als Terrasse oder Wintergarten?

Seit ein paar Tagen ist es frühlingshaft. Auch wenn die Welt Kopf steht und ganz vieles im Argen ist, möchte ich hier ein neues, kleines Pflänzchen setzen und ihm beim Wachsen zuschauen.

Ich bin gespannt.

Herzlich willkommen in meinem neuen Bloghaus

Nach fast zwölf Jahren bei WordPress ist es Zeit für einen neuen, für einen werbefreien Raum.

Ich freue mich auf neue Begegnungen, neue Ideen, neue Bücher und Rezepte, neue Mikroabenteuer …

(Schön wärs, wenn man auch die Welt – jedenfalls in mancherlei Hinsicht – auf Neuanfang stellen könnte.)

Auf ein Neues und demnächst mehr!


Ihr könnt, so ihr wollt, dieses neues Blog entweder per Mail abonnieren (Seitenleiste) oder aber die URL in den Reader eures Vertrauens einfügen, damit ihr meine neuen Beiträge angezeigt bekommt.

#MutHoch2 Kunstaktion #CoronART

Reblogged von atelierachtweb.wordpress.com.

Teena schreibt über ihr aktuelles Kunstprojekt:


Collaboration-Art

Ich stARTe eine Mutmacher-Kunstaktion für freischaffende KünstlerInnen & andere soloselbständige Kreative, die von ihrem eigenen Schaffen leben …

Die Pandemie ist eine ganz besondere Herausforderung für uns soloselbständige Kunst-/Kulturschaffende.

Mit meinen Mutboards mache ich mir selbst und anderen Mut, Perspektiven zu wechseln, mit Kunst zu spielen, trotz allem Freude zu empfinden und das Beste aus dieser schwierigen Situation zu machen.

Aufgrund des sehr positiven Mutboard-Feedbacks und im Dialog mit Sofasophia entstand die Idee, das Thema Mut zu potenzieren. Andere KünstlerInnen, Kulturschaffende einzuladen, mitzumachen.

Meine Kunstaktion #MutHoch2 war geboren

#MutHoch2

Artist in Motion Jürgen Rinck, der viel Erfahrung in Sachen Collaboration Art hat, kam unterstützend hinzu. Die Idee durfte langsam reifen und heute kann ich Euch die ersten beiden Gemeinschaftsarbeiten präsentieren:

  • Teena Leitow, MutHoch2, Collaboration Art, CoronART, Kunstprojekt
Collaboration Art mit Sofasophia

Für #Muthoch2 #CoronART habe ich folgendes Material und Format gewählt:

  • Mixedmedia auf MDF-Block
  • Format 15 x 15 x 3 cm tief
  • Aufhängung rückseitig
  • Auch als Objekt zum Hinstellen gut geeignet

Ziel dieses Kunstprojektes ist es, den Mut nicht zu verlieren, gemeinsam Mut zu machen, Freude am gemeinsamen künstlerischen Schaffen zu haben, auch wenn wir uns zur Zeit nicht persönlich treffen und austauschen können.

#SupportTheArtist(s)

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Immer wieder neu denken

Veränderungen mag ich nicht wirklich. Jedenfalls nicht jene, die ich nicht selbst beschlossen oder zumindest mitentschieden habe.

Das letzte Jahr aber hat (wohl nicht nur) mich mit einigen Veränderungen konfrontiert, die ich so nicht gewählt hätte, hätte ich denn eine Wahl gehabt. Corona zum Beispiel.

Vom Virus lehrt lerne ich eins: Demut. Zu wissen, dass wir diese Krise – ebenso wie die Klimakrise – nur gemeinsam schaffen, hilft mir dabei, die persönlichen Schleifspuren der aktuellen Lebensphase besser zu ertragen. Die Geschichte lehrt uns, dass Gesellschaften, die ein kollektives Bewusstsein haben, Krisen besser schaffen als jene, in denen das Individuum das Maß aller Dinge ist. Ein aktueller Blick in das eine oder andere Land betätigt diese Erkenntnis.

Ich glaube ja nicht, dass uns ’das Leben’ Dinge absichtlich lehren will oder dass wir gar diese Leben hier leben, um zu lernen. Was ich aber glaube, ist, dass wir laufend dazulernen sollten, wenn wir als menschliche Gemeinschaft überleben, gut leben wollen.

Bei allem kollektiven Bewusstsein mit all den globalen Herausforderungen trägt jede:r von uns auch ihren:seinen eigenen Rucksack. Ich bin keine Ausnahme, denn seit etwas über einem Jahr bin ich krank. Mal mehr, mal weniger. Natürlich dachte ich im Frühling an Covid, doch mein Antikörpertest war negativ. Also suchte ich weiter. Reizdarm? Allergien? Borreliose? Die Nadel im Heuhaufen suchen, nannte es meine Hausärztin. Dank einer lieben Freundin kam ich im Herbst auf die Idee, mal bei der Ernährung genauer hinzuschauen, und siehe da: Als ich ohne Histamin zu kochen begann, ging es mir innert kurzer Zeit deutlich besser.

Seit ich das herausgefunden hatte, suchte ich nach einem hefefreien Alltagbrot, das ich mit wenig Aufwand und ohne exotische teure Zutaten aus dem Ärmel schütteln kann. Und das vor allem gut schmeckt.

(Da ich noch nicht ganz sicher bin, wie es bei mir mit Gluten ist, habe ich mich bei der Rezeptsuche an glutenfreiem Backen orientiert, mich also auf Flohsamenschalenmehl als Bindemittel fokussiert. Statt Hefe oder Sauerteig verwende ich Weinsteinbackpulver, das ich sehr gut vertrage.)

Gluten- und histaminfreies Reis-Hafer-Brot

20 g Flohsamenschalenmehl
5,5 dl Wasser – Beides gut mischen, damit es keine Klumpen gibt, und den Mix eine Stunde (oder länger) quellen lassen.

160 g Reisvollkornmehl
130 g Hafervollkornmehl (ich mahle Vollreis und Bio-Haferflocken im Nussmahlaufsatz meines Standmixers fein)
95 g Kartoffelmehl (aka Kartoffelstärke)
40 g Tapiokamehl (geht vermutlich auch mit Maisstärke)
50 g Leinsamen, geschrotet
30 g Kürbiskerne (wer mag, oder auch andere Kerne)
1 TL (5 g) Steinsalz
20 g Weinsteinbackpulver – alles gut mischen
1 EL Öl
1 EL Branntweinessig oder Verjus – dazugeben und mischen

  1. Mehlmischung und Flohsamenschalen-Gel sehr gut mischen und kneten, bis eine homogene, dichte Masse entstanden ist.
  2. Einen länglichen Brotlaib formen und in eine gefettete Kastenform geben. Die Oberfläche glattstreichen und einschneiden. Während der Vorheizzeit das Brot noch etwas quellen lassen.
  3. Ofen auf 220°C Ober- und Unterhitze (keine Umluft!) vorheizen. Eine ofenfeste Schüssel mit Wasser füllen und auf den Backofenboden stellen.
  4. Die Backform auf mittlerer Schiene 10 Minuten bei 220°C backen. Danach auf 200°C stellen und das Brot für weitere 80 Minuten backen.
  5. Brot aus dem Ofen nehmen und auf einem Gitter abkühlen lassen.

Es schmeckt übrigens so richtig nach Brot!

Dass ich zurzeit keine Tomaten essen kann, da gerade diese sehr histaminhaltig sind, hat mich am Anfang sehr genervt, doch InternetseitDank fand ich da und dort das eine oder andere Rezept und ich fand heraus, dass sich sogar Tomatensauce ersetzen lässt.

Pizza-und-Pasta-Sauce
(rote Basissauce, für 2-3 Personen)

1/2 Zwiebel
2 gehobelte Karotten
(alternativ: 1 Stück rohe Rote Beete/Randen*)
1/2 rote Paprika
wenig Wasser
Steinsalz
süßes Paprikapulver – alles zusammen weichdämpfen
(*alternativ: 1/4 Knolle Rote Beete/Rande (gedämpft, pasteurisiert) sehr fein würfeln und mitkochen bis alles schön rot ist.) alles im Mixbecher (wegen Spritzer) pürieren.

1/4 dl Kokosmilch (oder Pflanzenmilch oder was geht)
1/4 dl Wasser
1-2 EL Maisstärke – anrühren

  1. Gemüsepüree und Milch-/Stärkemix mischen und kurz aufkochen.
  2. Mit Gewürzen und Kräutern nach Gusto abschmecken.
  3. Wie Tomatensauce verwenden für Pizza oder Pasta.
Histamin- und glutenfreie Pizza
Histamin- und glutenfreie Pizza

(Den Pizzateig habe ich übrigens analog zu obigem Brotrezept gemacht. Zutaten: 90 g Reismehl, 30 g Kartoffelmehl, 10 g Tapiokamehl, 6 g Weinsteinbackpulver, 7 g Flohsamenschalenmehl, 1/4 TL Steinsalz, wenig Olivenöl und wenig Branntweinessig/Verjus)

Pastasauce mit Gemüse
(für 1 Portion)

2/3 relativ große Karotte, fein gereiben
1 TL Kokosfett
wenig Wasser – weichdämpfen
bisschen pasteurisierte oder gedämpfte Rote Beete (Rande), fein geschippelt oder gerieben – mitdämpfen

Würzen mit
Steinsalz
bisschen Apfeldicksaft (oder Zucker oder was man mag)
bisschen Branntweinessig
verträglichen Gewürzen (süßes Paprikapulver, Curcuma etc.)

  1. Gemüse nach Wahl*, fein geschnitten/gewürfelt – dazugeben und weichdämpfen
    (*z. B. Zucchini, 1/3 Karotte, Paprika etc.)
  2. Wenig Kartoffelstärke, mit Pastawasser aufgerührt – zugeben, kurz mitkochen
  3. Herd ausschalten, zur Krönung Kräuter nach Wahl und Verträglichkeit zugeben.
Meine rote Gemüsesauce aus dem Rezept
Meine rote Gemüsesauce aus dem Rezept

Ich gestehe, dass es mir hin und wieder, trotz meiner Ambivalenz Veränderungen gegenüber, doch auch Freude macht, manche Dinge neu zu entdecken. Das Kochen zum Beispiel.

Notizen am Rande #6

Andere Wortmenschen in meinem Umfeld schreiben zuweilen, dass es nichts zu erzählen gäbe, weil ja nichts passiere, was die Frage aufwirft, wie viel Stimulanz wir von außen brauchen, um etwas erzählen zu können.

Wie steht es mit der bildenden Kunst? Ist Erzählen, ist Kunstschaffen wirklich nur eine Reaktion auf Geschehnissem, auf die sich verändernde Welt in Resonanz, in Relation und in gleichsam planetarischer Konjunktion zur:m Kunstschaffenden?

Brauche ich zwingend – und wenn ja wie viele – Reize, um zu kreieren? Brauche ich gar Reize um zu überleben?

Dieses ’Nichts’ ist – so behaupte ich – in unserer dualen, materiellen, sich ständig wandelnden Welt eine Illusion. (Möglicherweise taugen statt ’nichts’ Begriffe wie ’reizfrei’ oder ’reizarm’.)

Diese für viele verlangsamte, ereignisarme Zeit, die wir gerade durchleben, lässt sich möglicherweise künstlerisch als Chance begreifen, wieder mehr auf die leisen Reize zu hören und zu blicken.

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Irgendlink bloggte gestern über Altlasten in Abstellkammern, unspaltbare Holzstapel und das Altwerden am Holzofen.

»Unsere Räume und Umgebungen, Sphären unseres materiellen Seins sind zugerümpelt mit Ideen und Könntemanmals. Vor ein paar Tagen dachte ich, Aufgeben, nur Aufgeben, oder um es positiver auszudrücken, Loslassen, kann dich noch retten und sieh dich doch mal um hier, es sind ja nicht nur die eigenen Träume und Ideen, die auf dich eindreschen, da ist ja noch das Erbe deiner Vorfahren. […] Es gibt alleine sieben Schubkarren, teils uralte Dinger, vermutlich gar welche, mit denen die ersten Reichsautobahnen schon gebaut wurden … zuviel zuviel zuviel. Zuviel Dinge. Zuviel Träume. Zuviel Blockaden.

Nicht so gestern. Komischerweise waren sich Hirn und Körper einmal einig und so spaltete ich das gesamte Pappelholz – wirkliche Schufterei. Geht doch, dachte ich.« (Zitat)

Ich antworte:
»Geht doch, aber nur manchmal, nämlich dann wenn es zu einer Konjunktion von Geist und Körper kommt, die wie Planeten ihre ganz eigenen Umlaufbahnen haben, ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.«

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Ich beobachte bei mir, dass ich bei Menschen, die ich persönlich kenne, weniger Angst habe, mich von ihnen mit Covid anzustecken als bei mir unbekannten Menschen.

Eine trügerische Annahme, wenn man bedenkt, dass sich mutmaßlich die meisten Menschen im privaten Umfeld anstecken.

Natürlich spielt es eine große Rolle, wie sich jede und jeder Einzelne verhält, aber letztlich können wir uns überall anstecken.

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In meinem Kanton kann man sich seit zwei Wochen auch als Normalsterbliche:r für die Covid-Impfung registrieren. Hab ich gemacht. Online. Vermutlich wird nach Dringlichkeit geimpft und danach nach dem Prinzip Wer-zuerst-kommt-kriegt-zuerst. Das finde ich zwar ethisch fragwürdig, weil so Menschen, die keinen Internetzugang haben und/oder von dieser Möglichkeit nichts mitbekommen, benachteiligt sind. Andererseits sehe ich es auch aus einer anderen Perspektive. Viele wollen eh erstmal abwarten, heißt: wenn die Versuchskaninchen es gut überleben, lassen sie sich auch impfen.

Oke, dann bin ich halt ein Versuchskaninchen. Die braucht es ja auch, sonst könnten die andern ja noch lange warten. Ich betrachte nämlich diese pandemiebedingte Impfung nicht nur als Schutzmaßnahme für mich allein, sondern und vor allem als notwendiger Solidaritätsakt, damit wir bald eine Herdenimmunität erreichen und wieder ’normaler’ leben können. Ich sehe es als (m)ein Dienst für die Gemeinschaft sozusagen.