Wieder mehr bloggen

Bei Herr Buddenbohm habe ich heute Morgen gelesen, dass wir wieder mehr bloggen sollen. Er hat es übrigens woanders gelesen, nämlich hier, wobei jener Autor es ebenfalls woanders gelesen hat, nämlich hier

Wie auch immer: ich bin in bester Gesellschaft mit meinen Vorsatz, wieder mehr zu bloggen. Ja, im Alltag wieder vermehrt kleine Aufsätze oder Essays schreiben will ich.

Ich habe außerdem gelernt, dass der Begriff essay aus dem Französischen (essai) stammt und sich mit „Versuche“ oder „Tests“ übersetzen lässt.

Maurice Renck

In diesem Sinne wird es bei mir vielleicht ein Jahr des lauten Denkens werden und der kurzen oder längeren Randnotizen. Weniger Fertiges, Hochglanzpoliertes, Zu-Ende-Gedachtes (gab es das hier denn überhaupt?), mehr Drauflos-Überlegtes, Notiertes, Gefühltes, Aufgeschnapptes. Weniger Druck, mehr Freiraum …

In den letzten Wochen, teils in purer Natur im Juragebirge unterwegs, teils bei mir zuhause und teils beim Liebsten, ist dieser Wunsch nach und nach gewachsen. Ja, ich will meine Gedanken und Gefühle wieder mehr in Worte kleiden.

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Heute Morgen hörte ich mir endlich die WissPod-Adventskalenderspodcastfolge des Was-denkst-du-denn?-Teams an. Hier der Link. Das Thema: Kinderrechte.

Rita Molzberger und Nora Hespers diskutierten in dieser Folge unter anderem die Frage, ab wann eigentlich Kinder in unserer Gesellschaft als Kinder wahrgenommen wurden und nicht als kleine Erwachsene, die man durchfüttern musste und im Gegenzug dazu ausbeuten konnte.

»Stimmt eigentlich!«, dachte ich. Ja, früher wurden Kinder weit weniger als wertvolle Menschen, die auf Hilfe, Führung und Schutz angewiesen sind, betrachtet. Und es gibt auch heute noch viele Länder, die es anders halten als wir in Mitteleuropa. Stichwort Kinderarbeit.

Heute wissen wir, dass sich Traumata epigenetisch von Generation zu Generation vererben, wenn sie nicht aufgelöst werden, wenn nicht alte Muster aufgebrochen und neue heilere Arten zu leben gelernt werden.

Ich stelle mir vor, wie all die Wunden und traumatisierenden Erfahrungen auf den Kinderseelen unserer Ururururahninnen und -ahnen weiter- und weitergereicht wurden und werden. Da mal weiter drübernachdenken. Ist es da nicht irgendwie logisch, dass die Menschheit so kaputt ist und dass so viele Menschen wunde Seelen haben?

Wie froh ich bin, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Arbeit auf solche Sachverhalte aufmerksam machen.

Eine herzliche Hör- und Folgeempfehlung für den »Was denkst du denn?«-Podcast, für alle, die ein wenig mehr als nur bis zum Tellerrand denken wollen.

Link zum »Was denkst du denn?«-Podcast

Ausgesperrt und wieder drin

Mein Schutzengel ist aus Fleisch und Blut. Dass ich jetzt wieder an meinem Schreibtisch sitze, ist der Beweis. Dass ich nicht mehr draußen vor dem Haus stehen, mir nicht mehr die Hände und Füße abfrieren muss und die Nasenspitze. So ganz ohne Jacke, ohne Schuhe, ohne Schirm.

Heute und morgen sind Waschtage. Ich nehme oft, wenn ich die Wäsche aus der Waschküche hole, den kleinen Komposteimer mit nach unten, um ihn in die grüne Tonne zu kippen. Bei dieser Gelegenheit leere ich meistens auch gleich noch den Briefkasten.

Soweit so gut.

In der Milisekunde, bevor die Tür hinter mir ins Schloss fällt, realisiere ich, dass ich den Briefkastenschlüssel, sprich: meinen Schlüsselbund, nicht eingesteckt habe. Mist-Mist-Mist. Liebe Grüße von meiner ADHS. Sie will auch mal wieder zuschlagen. Nichtsdestotrotz kippe ich den Inhalt des kleinen Eimers in die Tonne.

Als erstes klingle ich bei der Nachbarin unter mir, die nachmittags oft frei hat, denn sie arbeitet Teilzeit im Kindergarten auf der anderen Straßenseite. Ich warte. Es passiert nichts. Als nächstes klingele ich bei der Nachbarin unten links, das ist die mit dem Engelfimmel. Aber die Engel sind heute offensichtlich ausgeflogen.

Deshalb kommt die junge Nachbarin über mir, die erst neu eingezogen ist, in den Genuss meiner Klingelattacke, doch auch sie ist nicht zuhause. Ebenso reagiert das ältere Paar oben links nicht auf mein Läuten. Last but not least kommt die letzte Nachbarin, die mir vis-à-vis wohnt, dran. Sie arbeitet Schicht, weshalb ich mir gewünscht habe, nicht bei ihr klingeln zu müssen. Außerdem hat sie mich schon am häufigsten gerettet, wenn ich den Schlüssel verschusselt habe, was ADHS-bedingt öfter mal vorkommt. Doch auch sie ist nicht da. Oder schläft tief und fest, es sei ihr gegönnt.

Zwischendurch suche ich mir einen kleinen Ast. Damit versuche ich den Umschlag mit dem Schlüssel, den ich per Magnet und Klebstreifen in mein Briefkastenfach gehängt habe, auf dem Schlitz zu angeln. Es gelingt mir immerhin, den Umschlag von der Rückwand loszulösen, doch ich bekomme ihn nicht zu fassen. Meine Finger sind zu kurz und der Schlitz zu schmal.

Da die Nachbarin unter mir nicht da ist, überlege ich, könnte sie ja im Kindergarten sein, oder? Falls ja, würde sie mir bestimmt kurz ihren Schlüssel ausleihen, nicht wahr?

Also tappe ich frierend und in Hausschlappen über die regennasse Straße, es regnet zum Glück nur wenig. Als ich die Treppe zum Kindergarten hochsteige, sitzt auf der Pausenbank unter dem Vordach eine Frau, die ich nach zwei Nachdenk-Sekunden schließlich wiedererkenne – und sie mich.

Es ist L., die Putzperle des Wohnhauses, das ich bis vor anderthalb Jahren  bewohnt habe. Sie putzt unter anderem Gebäude, die der Gemeinde gehören, so auch den Kindergarten. Gerade raucht sie vor dem Putzen eine Zigarette. Wir freuen uns sehr über dieses unerwartete Wiedersehen. Wie toll ist das denn? Ich erzähle ihr mein Dilemma und wir überlegen, mit welchen Werkzeugen ich den Umschlag wohl aus dem Briefkasten ziehen könnte. Ich bekomme eine Schere, einen Schraubenzieher und – tadaaa! – eine Müllauflesezange ausgeliehen. Kurz entschlossen kommt sie mit rüber, zu meinem Briefkasten, und zusammen fischen wir den Umschlag samt Schlüsseln aus dem Schlitz. Juhuu!

Ich lade sie ein, bald auf eine Tasse Kaffee oder Tee zu mir zu kommen. Schon in der alten Wohnung tranken wir das eine oder andere Mal zusammen Heißgetränke. Ich mag sie sehr. Früher hat sie manchmal meine Pflanzen gegossen, wenn ich in den Ferien war, doch dann hatte sie eine Weile Rückenprobleme und ich verzichtete darum auf ihre Hilfe.

Beide haben wir uns über das Wiedersehen gefreut. Ich finde es total verrückt, dass sie es ist, die mir geholfen hat. Und dass wir uns nach anderthalb Jahren unter diesen Umständen wiedergesehen haben.

Im Briefkasten ein Spendenaufruf der Heilsarmee, die jährliche Weihnachtssammlung. Auf den Bildern Menschen ohne Dach überm Kopf. Ich werde etwas spenden. Wie dankbar ich doch für meine Wohnung und die Wärme des Heizkörpers neben mir bin!

 

#blogfragen | Blogparade

Frau Melli und Herr Tommi rufen zu einer Blogparade auf, die meinem Aufruf von neulich ganz ähnlich ist. Inspiriert dazu hat ihn eine aktuelle im englischen Raum laufende Blogparade called ‚Blog Question Challenge‘, weshalb seine Blogparade   heißt.

Ich publiziere unten die Fragen, die es – vollständig oder in Teilen – zu beantworten gilt.

Verlinkt euren Text bitte mit Tommis und Mellis Blog, damit Tommi dort seine Liste weiterführen kann. > LINK

Wenn ihr nur Lust auf die erste Frage habt, … dann verlinkt eure Artikel gern mit meinem Aufruf > LINK

  1. Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?
  2. Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?
  3. Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?
  4. Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?
  5. Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?
  6. Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?
  7. Über welche Themen schreibst Du generell?
  8. Für wen schreibst Du?
  9. Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog?
  10. Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?
  11. Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?
  12. Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?

Selbstverständlich könnt ihr die Fragen und den Aufruf weiterteilen …

Ich bin gespannt auf eure Texte.

Herbst

Da isser ja, der Herbst. Und mit ihm wieder einmal ein kleiner Test, äh, Text, um zu testen, ob meine ActivityPub-Verbindung wieder geht.

20 Jahre Webloggerei, ein Rückwärtssalto und ein großes Sorry

Zur Feier des Jahres sind seit heute mein Uraltblog und mein aktuelles Blog vereint. Ich habe die Daten meines ersten im Juni 09 begonnenen WordPressblogs in dieses Blog hier integriert.

Nicht integriert habe ich mein ururaltes, nicht mehr im Netz hängendes Internettagebuch, das ich von 2004-2008 am einen und von 2008-2009 an einem weiteren Ort geführt hatte. (Die Daten gibt es noch, aber ich weiß nicht, ob ich mir so viel Arbeit machen will, die fürs Blog kompatibel zu machen.)

Summa summarum blogge ich also inzwischen zwanzig Jahre. Am Freitag, den 23. April 04 habe ich – damit angefangen und nie damit aufgehört.

Ich glaube, da darf ich mir schon mal ein wenig auf die Schultern klopfen?


PS: Nicht auf die Schultern klopfe ich mir dafür, dass ich vorhin mit den alten Blogartikeln meinen Mastodon-Kanal – @sofasophia@sofasophia.blogda.ch –, der eigentlich ja nur meine neuen Blogartikel spiegeln soll, vollgespamt habe. Die alten Texte, die ich ja eigentlich hier nur archivieren wollte, wurden dort ebenfalls gespiegelt, so als hätte ich heute hunderte neue Blogartikel geschrieben.

Liebe Mastodon-Abonnent*innen, verzeiht bitte. Das war so nicht gedacht.