Von Leere und Fülle

Ich mag es eigentlich nicht so, wenn in Foodblogs zu viel getextet wird. Ich will einfach ein Rezept – und gut ist. Wie immer gibt es natürlich Ausnahmen. Denn bei Herr Grün ist es anders. Er schreibt oft kleine Geschichten zu seinen Rezepten.

Heute diese hier.

Heute erzählte mir der Professor beim Mittagessen von einem Kaufhaus, das er mit dänischen Professor*innen entwickelt hatte. Das Projekt hieß »Kaufhaus der Wünsche«.

Es handelte sich um ein leerstehendes Kaufhaus in der Innenstadt von Åbenrå, einer kleinen Stadt in der Region Syddanmark.

Zu Beginn sollte das Kaufhaus keine Waren enthalten und nur leere Regale und einen Tresen. Die Kaufhausbesucher*innen konnten beim Personal etwas bestellen, dass es in der Stadt nicht gab oder auch einen Stadtveränderungs-Wunsch äußern. So würde das Kaufhaus langsam mit den Produkten bestückt. Wünsche zur Veränderung der Stadt wurden in der Stadtverwaltung bei Häufung diskutiert und eventuell umgesetzt.

Mh – also ich fand die Idee super und fragte den Professor, ob ich mir auch etwas wünschen könne. Das ginge nur beim Besuch der Stadt – so könne Åbenrå ein Attraktion werden, meinte er.

Ich werde Åbenrå auf jeden Fall besuchen. Einen Wunsch habe ich auch schon. Dabei geht es um Pizza und … Aber mehr verrate ich noch nicht 🙂

Zum Rezept geht es hier lang. (Mit ein paar Anpassungen kann ich das sogar histaminfrei kochen. Klingt nämlich sehr lecker.)

Und ja, mir gefällt dies Idee mit dem am Anfang leeren Laden und dass darin Waren anhand der Bedürfnisse der Kund:innen angeboten werden sollen statt Bedürfnisse zu wecken, die zuvor gar nicht vorhanden waren.

Konsumieren neu denken.
Bedürfnisse neu definieren.

Was wohl in meinem einstmals leeren Laden in den Regalen läge?
Und in deinem?

Ausnahmsweise mache ich die Kommentare auf, denn ich bin gespannt auf eure Ideen und Bedürfnisse.

Notizen am Rande #7

Spuren hinterlassen oder doch lieber nicht.
In der Natur.
Als Mensch.
Spuren welcher Art?

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Ich glaube sehr an die Natur und ihre Ordnung. Ich glaube an den Trost der in der natürlichen Ordnung, in den Naturgesetzen liegt. Mich tröstet der Gedanke daran, dass alles zusammenhängt und wie alles in sich selbst ordentlich aufgebaut ist. Alles Lebendige folgt einer ihm selbst innewohnenden ästhetischen Ordnung. Nehmen wir das Muster der Sonnenblumenkerne im Kopf einer Sonnenblume. Oder menschliche Zellen. Oder wie ein Baum im Laufe des Jahres funktioniert. Die Natur mit ihrer Vergänglichkeit, mit ihrem Talent zur Erneuerung. Werden und Vergehen. Regeneration. Jahreszeiten. Zyklen. Rhythmen. Ja, daran glaube ich. Immer noch.

Da steckt für mich keine übergeordnete, göttliche Intelligenz drin, das ist für mich die Natur der Natur. Inbegriffen darin ist Erholung, nennen wir es Heilung, nach schlimmen Erfahrungen. Regeneration, die aber nicht zwingend geschehen muss, denn die Bedingungen sind oft nicht ideal. Weder im Wald noch im menschlichen Körper oder in der menschlichen Seele. Aber manchmal geschieht sie eben doch.

Manchmal.

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Nichts zurücklassen
versus
viel zurücklassen.

Was zurücklassen?
Was loslassen?
Was festhalten und warum?

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Sein hat mehr Aggregatszustände zu bieten als Genuss.

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Kein Verständnis dafür haben, wenn Krankheiten gegeneinander aufgerechnet werden.

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Sein ist nicht nichts.

Dem Liebsten sei’ Brötchen und die Sache mit dem Horten von Dingen

Ja, klar kann ich Genitiv, Dialekt klingt aber im Dativ einfach besser.

Weil wir dieser Tage an einem zukünftigen Hof-Loppis  aka Hof-Brocante schuften, hat der Liebsten vergessen, sich am Montag Brot zu backen. Das kann er nämlich inzwischen richtig gut. Kurz nach dem Beginn der Pandemie, mit wachsendem Ekel vor virenbehafteten Bäckereifachverkäufer:innenhänden, begann sein Brotbackabenteuer. Mal mit wenig Hefe, mal mit Sauerteig, experimentierend mit verschiedenen Getreiden, mal hell und dunkel. Meistens lecker.

Im gleichen Aufwisch vergrößerte er auch die Gartenfläche, versorgte sich weitestgehend mit Selbstgeerntetem und bekochte sich, statt regelmäßig bei Muttern zu futtern, hinfort selbst. #Stayathome-sei-Dank. So gibt es seither viel weniger Fleisch und viel mehr Gemüse. Das aber nur am Rand, denn hier soll es ja um Brot gehen. Und, nun ja, auch um Besitz.

Da ich – im Gegensatz zu ihm – aus gesundheitlichen Gründen keine Hefe- und Sauerteigbrote mehr essen kann und schon eine Weile meine glutenfreien Brote mit Weinsteinbackpulver backe (guckt hier), backen wir zweierlei Brote. Gestern Morgen nach dem Aufstehen schlug ich ihm, dem Brotlosen, vor, für ihn nicht-glutenfreie, nicht-histaminfreie Brötchen mit Backpulver statt Hefe zu backen. Weil ich das schon immer mal ausprobieren wollte. Durfte ich. Weil er Lust auf etwas mit Roggen hatte – und davon auch genug Mehl im Haus –, recherchierte ich ein wenig im Netz, kombinierte das Gelesene mit meinen bereits gesammelten Erfahrungen und bastelte eine Backmischung für ihn. Und, was soll ich sagen, das Ergebnis schmeckte ihm auf Anhieb sehr lecker.

Roggendinkelbrötchen auf Teller
Roggendinkelbrötchen

»Was hat es denn da drin?«, fragte er beim Frühstück. »Nein, sag nichts, ich kann es bestimmt später in deinem Foodblog nachlesen!«

»Ähm, nein, kannst du nicht, weil … nun ja, das ist ja eben nicht ganz histaminfrei, was du da isst!«

»Ach ja. Hm. Ich verstehe. Da fehlt dann aber auf deinem Foodblog eine Rubrik mit Rezepten für die nicht histaminintoleranten Angehörigen!«, sagt er und grinst.

»Oder aber,« sage ich, »ich widme ’dem Liebsten seinen neuen Brötchen’ einen kleinen Blogartikel im Soso-Blog, damit du sie jederzeit nachbacken kannst!«

Und das, obwohl ich ja neulich angekündigt habe, dass es hier keine Rezepte-Artikel mehr geben werde. Egal. Ich darf. (Rezept siehe unten).

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Die Idee mit einem Hof-Loppis samt Hof-Café taucht regelmäßig in unseren Köpfen auf. To do or not to do? Warum eigentlich nicht? Und jetzt, da unser Freund S. ins Pflegeheim umgezogen ist, Irgendlink die letzten Wochen mit dessen Wohnungsauflösung verbracht und viele Dinge während unzähliger Umzugsfahrten in ebensovielen Kisten auf den Hof geholt hat, wird die Idee konkreter denn je. Menschenskinder, sind das viele Bücher! Und Geschirr. Töpfe. Gläser. Deko. Küchendinge. Eine alte Registrierkasse.

Kleiner Exkurs in die Welt der Bücher: Was so ein Buch wohl alles schon gesehen hat? Das wäre eigentlich auch mal ein literarisches Schreibprojekt. Jemand fängt die Geschichte damit zu erzählen an, wie ein Buch vom Laden zur ersten Leserin kommt. Die gibt es weiter. Der nächste Leser legt es in eine Bücherkiste. Später Flohmarkt, noch später Bookcrossing.

Fließen lassen statt besitzen. Denn ja, die Frage stellt sich, warum wir alle – nun ja: fast alle – so viele Sachen anhäufen. Nein, eigentlich ist es keine Frage. Die Antwort liegt wohl im Menschsein. An der Natur der menschlichen und tierischen Natur. Jagen und Sammeln. Sicherheitsdenken. Habenwollen. Die Freude und die Last des Besitzens.

Am Montagabend, als wir das letzte Mal in der Wohnung sind, um die großen Dinge zu holen, die Irgendlink allein nicht hatte transportieren können, füllen wir nebenbei erneut ein paar Kisten mit Büchern. Diesmal auch mit Dingen, die wir persönlich haben wollten. Ich sage nur Astrid Lindgren und Christa Wolf. Und Lavendelbadezusatz. Und Wäschekorb. Und, und … so weiter und so fort. Diese ambivalente Gier gepaart mit dieser Scham vor dem eigenen Hamstertrieb. Die Sache mit dem Haben also, dem Besitzen. Mit der Anhaftung. Mit dem Loslassen.

Nachdem wir den Wäschetrockner und das Bücherregal im Auto verstaut haben, gehen wir ein letztes Mal durch die halbleeren Räume, die demnächst ein Entrümpelungsunternehmen noch vollständig leeren wird.

Wir sehen viele Jahre gelebtes Leben, verdichtet in Materie. Unzählige Besuche unsererseits fallen uns ein. Endgültigkeit, Vergänglichkeit und Unwiederbringlichkeit rauben uns beinahe den Atem. Immerhin ist niemand gestorben. Weh tut es trotzdem. Leben ist ganz schön krass. Wir werden geboren und wir sterben. Dazwischen liegen ein paar Jährchen Lebenszeit mit viel Fühlen und Denken, Lernen und Leiden, Essen und Trinken. Und Brotbacken. Des Liebsten Roggen-Dinkel-Brötchen zum Beispiel.

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Rezept für drei | sechs Brötchen

• 125 g | 250 g Dinkelmehl
• 60 g | 120 g Roggenmehl
• 65 g | 130 g Roggenvollkornmehl
• 2 EL | 4 EL Chiasamen
• 0,5 EL | 1 EL Flohsamenschalenmehl
• 2,5 EL | 5 EL Kürbiskerne
• 0,5 EL | 1 EL Haferflocken
• 0,5 TL | 1 TL Salz
• 7 g | 14 g Weinsteinbackpulver
alles gut mischen

• 2,5 dl | 5 dl lauwarmes Wasser
zugeben und zuerst mit dem Löffel, später von Hand gut mischen und kneten (ein paar Minuten). Der Teig ist noch feucht.

1. Teig eine Viertelstunde stehen lassen. Danach auf dem Tisch auf wenig Mehl drei | sechs Brötchen formen und auf gefettetes Blech/Backpapier oder in Cakeform legen.
2. Im auf 230° vorgeheizten Ofen bei Ober- und Unterhitze eine Viertelstunde backen. Danach den Ofen auf 200° herunterschalten und weitere ca. 30 (25-35) Minuten ausbacken (Backzeit hängt von Ofen ab.)

Roggendinkelbrötchen, aufgeschnitten auf Teller
Roggendinkelbrötchen

Tipps

1. Der Teig kann natürlich auch als (Kasten-)Brot ausgebacken werden, dann erhöht sich die Backzeit entsprechend.
2. Im Backofen eine Schale mit heißem Wasser ’mitbacken’ macht Brote und Brötchen knuspriger

Lecker seien sie, sagt der Liebste, außen knusprig, innen fluffig.

Neue Fallmaschen 153 | 2021

ausbaldowert | Seit wenigen Tages gibt es nebenan ein neues Blog, genauer gesagt ein Foodblog. Es wächst täglich und steckt schon jetzt voller histaminfreier Rezepte. So kann das Blog hier wieder mehr ein Es-lebe-der-Alltag-Blog sein. Die histaminfreien Rezepte haben nun eine eigene Heimat. Das Neue ist sowohl als persönliches Archiv als auch zur Inspiration für andere gedacht.
Guckt hier: histaminfrei.blogda.ch

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ausgelesen | Kennt hier jemand die Krimis um die junge Journalistin Emma Vonderwehr von Mechthild Lanfermann? Kannte ich nicht. Bücherschrankseidank habe ich den vierten und letzten Band entdeckt. Und verschlungen. Und danach den ersten Teil in der Bibliothek ausgeliehen. Und Band zwei und drei vorgemerkt. Mir gefallen die Figuren ebenso wie Schreibstil, Tempo und Themenwahl. Keine leichte Kost. Herzliche Leseempfehlung!

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gepikst | Vorletzten Montag habe ich meinen ersten Impfpiks bekommen. Dank vorheriger Einnahme eines Antihistaminikums hatte ich keine Nebenwirkungen bis auf wenig Kopf- und Bauchweh am Abend – Ibuseidank war es schnell wieder weg.
Der Schmerz am Tag darauf an der Impfstelle war erträglich und erinnerte mich daran, dass mein Körper gerade Antikörper kreiert. Ein gutes Gefühl und große Erleichterung. Neun Tage später fühle ich mich dem Virus gegenüber jedenfalls weit weniger ausgeliefert als davor.
Ich bin zwar keine Influencerin, doch mache ich euch hiermit gern und herzlich Mut, euch ebenfalls impfen zu lassen. Als solidarischer Akt und Beitrag zur Herdenimmunität und natürlich zum Schutz für euch selbst.

Immer wieder neu denken

Veränderungen mag ich nicht wirklich. Jedenfalls nicht jene, die ich nicht selbst beschlossen oder zumindest mitentschieden habe.

Das letzte Jahr aber hat (wohl nicht nur) mich mit einigen Veränderungen konfrontiert, die ich so nicht gewählt hätte, hätte ich denn eine Wahl gehabt. Corona zum Beispiel.

Vom Virus lehrt lerne ich eins: Demut. Zu wissen, dass wir diese Krise – ebenso wie die Klimakrise – nur gemeinsam schaffen, hilft mir dabei, die persönlichen Schleifspuren der aktuellen Lebensphase besser zu ertragen. Die Geschichte lehrt uns, dass Gesellschaften, die ein kollektives Bewusstsein haben, Krisen besser schaffen als jene, in denen das Individuum das Maß aller Dinge ist. Ein aktueller Blick in das eine oder andere Land betätigt diese Erkenntnis.

Ich glaube ja nicht, dass uns ’das Leben’ Dinge absichtlich lehren will oder dass wir gar diese Leben hier leben, um zu lernen. Was ich aber glaube, ist, dass wir laufend dazulernen sollten, wenn wir als menschliche Gemeinschaft überleben, gut leben wollen.

Bei allem kollektiven Bewusstsein mit all den globalen Herausforderungen trägt jede:r von uns auch ihren:seinen eigenen Rucksack. Ich bin keine Ausnahme, denn seit etwas über einem Jahr bin ich krank. Mal mehr, mal weniger. Natürlich dachte ich im Frühling an Covid, doch mein Antikörpertest war negativ. Also suchte ich weiter. Reizdarm? Allergien? Borreliose? Die Nadel im Heuhaufen suchen, nannte es meine Hausärztin. Dank einer lieben Freundin kam ich im Herbst auf die Idee, mal bei der Ernährung genauer hinzuschauen, und siehe da: Als ich ohne Histamin zu kochen begann, ging es mir innert kurzer Zeit deutlich besser.

Seit ich das herausgefunden hatte, suchte ich nach einem hefefreien Alltagbrot, das ich mit wenig Aufwand und ohne exotische teure Zutaten aus dem Ärmel schütteln kann. Und das vor allem gut schmeckt.

(Da ich noch nicht ganz sicher bin, wie es bei mir mit Gluten ist, habe ich mich bei der Rezeptsuche an glutenfreiem Backen orientiert, mich also auf Flohsamenschalenmehl als Bindemittel fokussiert. Statt Hefe oder Sauerteig verwende ich Weinsteinbackpulver, das ich sehr gut vertrage.)

Gluten- und histaminfreies Reis-Hafer-Brot

20 g Flohsamenschalenmehl
5,5 dl Wasser – Beides gut mischen, damit es keine Klumpen gibt, und den Mix eine Stunde (oder länger) quellen lassen.

160 g Reisvollkornmehl
130 g Hafervollkornmehl (ich mahle Vollreis und Bio-Haferflocken im Nussmahlaufsatz meines Standmixers fein)
95 g Kartoffelmehl (aka Kartoffelstärke)
40 g Tapiokamehl (geht vermutlich auch mit Maisstärke)
50 g Leinsamen, geschrotet
30 g Kürbiskerne (wer mag, oder auch andere Kerne)
1 TL (5 g) Steinsalz
20 g Weinsteinbackpulver – alles gut mischen
1 EL Öl
1 EL Branntweinessig oder Verjus – dazugeben und mischen

  1. Mehlmischung und Flohsamenschalen-Gel sehr gut mischen und kneten, bis eine homogene, dichte Masse entstanden ist.
  2. Einen länglichen Brotlaib formen und in eine gefettete Kastenform geben. Die Oberfläche glattstreichen und einschneiden. Während der Vorheizzeit das Brot noch etwas quellen lassen.
  3. Ofen auf 220°C Ober- und Unterhitze (keine Umluft!) vorheizen. Eine ofenfeste Schüssel mit Wasser füllen und auf den Backofenboden stellen.
  4. Die Backform auf mittlerer Schiene 10 Minuten bei 220°C backen. Danach auf 200°C stellen und das Brot für weitere 80 Minuten backen.
  5. Brot aus dem Ofen nehmen und auf einem Gitter abkühlen lassen.

Es schmeckt übrigens so richtig nach Brot!

Dass ich zurzeit keine Tomaten essen kann, da gerade diese sehr histaminhaltig sind, hat mich am Anfang sehr genervt, doch InternetseitDank fand ich da und dort das eine oder andere Rezept und ich fand heraus, dass sich sogar Tomatensauce ersetzen lässt.

Pizza-und-Pasta-Sauce
(rote Basissauce, für 2-3 Personen)

1/2 Zwiebel
2 gehobelte Karotten
(alternativ: 1 Stück rohe Rote Beete/Randen*)
1/2 rote Paprika
wenig Wasser
Steinsalz
süßes Paprikapulver – alles zusammen weichdämpfen
(*alternativ: 1/4 Knolle Rote Beete/Rande (gedämpft, pasteurisiert) sehr fein würfeln und mitkochen bis alles schön rot ist.) alles im Mixbecher (wegen Spritzer) pürieren.

1/4 dl Kokosmilch (oder Pflanzenmilch oder was geht)
1/4 dl Wasser
1-2 EL Maisstärke – anrühren

  1. Gemüsepüree und Milch-/Stärkemix mischen und kurz aufkochen.
  2. Mit Gewürzen und Kräutern nach Gusto abschmecken.
  3. Wie Tomatensauce verwenden für Pizza oder Pasta.
Histamin- und glutenfreie Pizza
Histamin- und glutenfreie Pizza

(Den Pizzateig habe ich übrigens analog zu obigem Brotrezept gemacht. Zutaten: 90 g Reismehl, 30 g Kartoffelmehl, 10 g Tapiokamehl, 6 g Weinsteinbackpulver, 7 g Flohsamenschalenmehl, 1,5 dl Wasser (nachträglich ergänzt), 1/4 TL Steinsalz, wenig Olivenöl und wenig Branntweinessig/Verjus)

Pastasauce mit Gemüse
(für 1 Portion)

2/3 relativ große Karotte, fein gereiben
1 TL Kokosfett
wenig Wasser – weichdämpfen
bisschen pasteurisierte oder gedämpfte Rote Beete (Rande), fein geschippelt oder gerieben – mitdämpfen

Würzen mit
Steinsalz
bisschen Apfeldicksaft (oder Zucker oder was man mag)
bisschen Branntweinessig
verträglichen Gewürzen (süßes Paprikapulver, Curcuma etc.)

  1. Gemüse nach Wahl*, fein geschnitten/gewürfelt – dazugeben und weichdämpfen
    (*z. B. Zucchini, 1/3 Karotte, Paprika etc.)
  2. Wenig Kartoffelstärke, mit Pastawasser aufgerührt – zugeben, kurz mitkochen
  3. Herd ausschalten, zur Krönung Kräuter nach Wahl und Verträglichkeit zugeben.
Meine rote Gemüsesauce aus dem Rezept
Meine rote Gemüsesauce aus dem Rezept

Ich gestehe, dass es mir hin und wieder, trotz meiner Ambivalenz Veränderungen gegenüber, doch auch Freude macht, manche Dinge neu zu entdecken. Das Kochen zum Beispiel.

Notizen am Rande #6

Andere Wortmenschen in meinem Umfeld schreiben zuweilen, dass es nichts zu erzählen gäbe, weil ja nichts passiere, was die Frage aufwirft, wie viel Stimulanz wir von außen brauchen, um etwas erzählen zu können.

Wie steht es mit der bildenden Kunst? Ist Erzählen, ist Kunstschaffen wirklich nur eine Reaktion auf Geschehnissem, auf die sich verändernde Welt in Resonanz, in Relation und in gleichsam planetarischer Konjunktion zur:m Kunstschaffenden?

Brauche ich zwingend – und wenn ja wie viele – Reize, um zu kreieren? Brauche ich gar Reize um zu überleben?

Dieses ’Nichts’ ist – so behaupte ich – in unserer dualen, materiellen, sich ständig wandelnden Welt eine Illusion. (Möglicherweise taugen statt ’nichts’ Begriffe wie ’reizfrei’ oder ’reizarm’.)

Diese für viele verlangsamte, ereignisarme Zeit, die wir gerade durchleben, lässt sich möglicherweise künstlerisch als Chance begreifen, wieder mehr auf die leisen Reize zu hören und zu blicken.

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Irgendlink bloggte gestern über Altlasten in Abstellkammern, unspaltbare Holzstapel und das Altwerden am Holzofen.

»Unsere Räume und Umgebungen, Sphären unseres materiellen Seins sind zugerümpelt mit Ideen und Könntemanmals. Vor ein paar Tagen dachte ich, Aufgeben, nur Aufgeben, oder um es positiver auszudrücken, Loslassen, kann dich noch retten und sieh dich doch mal um hier, es sind ja nicht nur die eigenen Träume und Ideen, die auf dich eindreschen, da ist ja noch das Erbe deiner Vorfahren. […] Es gibt alleine sieben Schubkarren, teils uralte Dinger, vermutlich gar welche, mit denen die ersten Reichsautobahnen schon gebaut wurden … zuviel zuviel zuviel. Zuviel Dinge. Zuviel Träume. Zuviel Blockaden.

Nicht so gestern. Komischerweise waren sich Hirn und Körper einmal einig und so spaltete ich das gesamte Pappelholz – wirkliche Schufterei. Geht doch, dachte ich.« (Zitat)

Ich antworte:
»Geht doch, aber nur manchmal, nämlich dann wenn es zu einer Konjunktion von Geist und Körper kommt, die wie Planeten ihre ganz eigenen Umlaufbahnen haben, ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.«

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Ich beobachte bei mir, dass ich bei Menschen, die ich persönlich kenne, weniger Angst habe, mich von ihnen mit Covid anzustecken als bei mir unbekannten Menschen.

Eine trügerische Annahme, wenn man bedenkt, dass sich mutmaßlich die meisten Menschen im privaten Umfeld anstecken.

Natürlich spielt es eine große Rolle, wie sich jede und jeder Einzelne verhält, aber letztlich können wir uns überall anstecken.

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In meinem Kanton kann man sich seit zwei Wochen auch als Normalsterbliche:r für die Covid-Impfung registrieren. Hab ich gemacht. Online. Vermutlich wird nach Dringlichkeit geimpft und danach nach dem Prinzip Wer-zuerst-kommt-kriegt-zuerst. Das finde ich zwar ethisch fragwürdig, weil so Menschen, die keinen Internetzugang haben und/oder von dieser Möglichkeit nichts mitbekommen, benachteiligt sind. Andererseits sehe ich es auch aus einer anderen Perspektive. Viele wollen eh erstmal abwarten, heißt: wenn die Versuchskaninchen es gut überleben, lassen sie sich auch impfen.

Oke, dann bin ich halt ein Versuchskaninchen. Die braucht es ja auch, sonst könnten die andern ja noch lange warten. Ich betrachte nämlich diese pandemiebedingte Impfung nicht nur als Schutzmaßnahme für mich allein, sondern und vor allem als notwendiger Solidaritätsakt, damit wir bald eine Herdenimmunität erreichen und wieder ’normaler’ leben können. Ich sehe es als (m)ein Dienst für die Gemeinschaft sozusagen.

Das Leben neu denken

In bisher keiner andern Lebensphase außer der einen alles verändernden, war ich so vielen Gleichzeitigkeiten ausgesetzt wie in der aktuellen.

Gleichzeitig während ich endlich den Ursachen einer langjährigen körperlichen Erkrankung auf die Spur komme, geschehen auch innerhalb meines Seelengewandes viele umwälzende Dinge, die schon lange auf ihr Geschehendürfen und Gesehenwerden warteten. Gleichzeitig verändert sich mein Hormonhaushalt von der einen in die andere Phase, die das Älterwerden von mir fordert. Und gleichzeitig passieren auch um mich herum unfassbare, große, unglaubliche Dinge, die ich mir vor einem Jahr nicht hätte vorstellen können. Gleichzeitig resonniert alles von innen nach außen und von außen nach innen.

Wie jedes einzelne Wesen auf dieser Erde unzählige Zellen in sich trägt, die alle letztlich die gleichen Zellinformationen in sich tragen, stelle ich mir auch unsere Erde mit ihren unzähligen Geschöpfen vor. Alle, die auf ihr herumwuseln, tragen letztlich, so meine These, die gleichen irdischen Meta-Informationen in sich. Informationen über das Überleben ebenso wie über das Vergehen, über das Wachsen ebenso wie über das Sterben.

Doch ebenso wie ein Mensch allzu oft mit sich selbst im Unreinen ist und wie Widersprüche und Paradoxien Teil unserer Lebensrealität sind, bekämpfen wir Menschen auch einander. Eigene Wahrnehmungen und Erkenntnisse, Wissen und Glauben stoßen auf die Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Fakten anderer.

Kein Wunder, dass das nicht ohne Probleme abläuft, denn noch nie haben je so viele Menschen auf dieser Erde gelebt. Zugleich gab es wohl noch nie so viele Möglichkeiten und Erkenntnisse, wie wir mit uns selbst und miteinander in Frieden leben könnten. Und noch nie hatten wir so viele Gelegenheiten, mit- statt gegeneinander zu arbeiten.

Die Welt – das Leben – immer wieder neu zu denken, ist anstrengend. Im Großen und Ganzen ebenso wie im Kleinen, im Persönlichen.

Da mein Körper jedoch nachdrücklich darauf drängt, dass ich ihm endlich zuhöre und ihn anders füttere, weil er mit manchen Dingen überfordert ist, kann ich nicht anders als ihm zu gehorchen. Und siehe da, er mag das neue Futter. Ich lerne einmal mehr, dass mich zu viele Reize überfordern. Körperlich ebenso wie mental. Im Großen ebenso wie im Kleinen.

Ich richte meinen Blick von der Übersicht zur Detailaufnahme. Von der Sorge um die ganze Welt zur Sorge für mich. Ich übe noch. Auch was die Ernährungsumstellung betrifft.

Ernährung neu zu denken heißt Gewohnheiten zu hinterfragen und das Kochen neu zu erfinden. Manchmal finde ich das eine tolle Herausforderung, manchmal finde ich es einfach nur mühsam. Ich bin müde. Dieses Jahr hat uns allen so viel abverlangt und uns an neue Grenzen gebracht. Wir sind unterwegs auf einem Marathonlauf ohne Kenntnis der Strecke und Dauer. Anstrengend.

Da tun die kleinen Erfolgserlebnisse und Glücksmomente doppelt gut. Und wenn dabei etwas so Geniales wie das Brot auf dem Bild hier dabei herauskommt, freue ich mich, dass doch nicht alles schwieriger geworden ist. Erstaunlicherweise schmeckt sogar manch Neues besser als das Altvertraute – durchaus metaphorisch gemeint.

Und auf einmal ist es kein Verzicht mehr, sondern eine Bereicherung.

Dunkles Körnerbrot auf Holzbrett auf rotem Tischtuch, rechts ein Brotmesser parallel zum rechten Bildrand
Superbrot in Action

Mein Rezept:

150g Haferflocken (z. B. 100 g kernig, 50 g zart)
80 g Leinsamen
30g Kokosschnitze (getrocknet, zerbrochen) (geht auch mit Sonnenblumenkernen)
60g gehackte Paranüsse (geht auch mit anderen Nüssen)
60g Kürbiskerne
20g Chiasamen
20g Flohsamenschalenmehl
1 TL Salz
2 EL Xylit
3 EL Pflanzenöl (Kokosfett, flüssig)
350ml warmes Wasser

Weil ich keine histaminhaltige Zutaten mehr vertrage, habe ich das Original-Rezept* meinen Bedürfnissen entsprechend angepasst.

Vorgehen: Alle trockenen Zutaten gut mischen, dann die Flüssigkeiten Öl und Wasser dazugeben, von Hand zu einer möglichst einheitlichen Masse kneten. Den Teig abgedeckt für mindestens 2 Stunden ziehen lassen. Ich habe, wie im Rezept*, das Brot in einer 25 cm langen Backform gebacken. (Bei kürzeren oder längeren Formen Zeit und Temperatur etwas anpassen.)

Im vorgeheizten Ofen 30 Minuten auf 180 Grad und 30 min auf 200 Grad und die letzten zehn oder fünfzehn Minuten je nach Brotfarbe bei 200 Grad oder bei 180 Grad (damit das Brot nicht zu dunkel wird). Die Backzeiten und Temperaturen dem Brot anpassen.

Vor dem Anschneiden unbedingt komplett abkühlen lassen, sonst zerfällt das Brot! Nach dem Auskühlen ist es fest und saftig. Und köstlich.


*Quelle: Superbrot-Originalrezept auf Youtube

Siphon und Filter

Heute soll es hier für einmal um Dreck gehen. Also … nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Dreck hätte – abgesehen von Besen, Lappen und Putzmitteln. Eigentlich ist fast alles dreckig. Und außerdem kommt es schwer drauf an, wo der Dreck hockt. Aber können wir uns darauf einigen, dass zu viel zu viel ist? So langsam dünkt es mich nämlich, wir alle kommen nicht mehr mit Putzen hinterher. Wir alle sollten damit anfangen, weniger Dreck zu machen. Finde ich. Und aber auch den, der da ist, abarbeiten.

Ich fange bei meinem Siphon unter der Küchenspüle an (unter dem Schüttstein, wie das hierzulande heißt). Alle paar Monate behandle ich meinen Abfluss mit dem Stöpsel und meiner Geheimwaffe aus Backpulver, Salz, Zitronensäure und heißem Essigwasser. Doch nach einigen Wochen ist alles wieder wie vorher. Trotz Auffangsieb, das ich regelmäßig putze.

Beherzt  beschließe ich also, nicht mehr länger nur an den Symptomen sondern an den Ursachen zu arbeiten. Dazu muss ich mir aber erst einmal den Weg zum Siphon freiräumen, sprich: den Müllbehälter ausbauen und ein Becken darunter stellen. Endlich kann ich den Siphon aufschrauben. (Kleine Notiz an mich: Wo ist eigentlich mein metaphorischer Siphon?)

Boah, wie das stinkt! (Wetten, dass es auch bei euch stinkt, die ihr das hier lest?) Was da alles drin steckt! Ein Netz aus Haaren – wie kommen die da bloß rein? – scheint sich mit allmöglichem Kleinkram in fünfzig Schattierungen von Kaffeesätzen verbündet zu haben. Ich pule alles raus und bürste mit einem Flaschenreiniger ums Eck, pardon: ums Rund, so gut es eben geht. Bis ich zufrieden bin. Von oben spüle ich mit heißem Wasser nach und siehe da: der Weg des Wassers ist wieder frei. Alles fließt.

Und weil ich gerade so schön putzwütend bin, öffne ich auch gleich die WC-Lüftung und putze den dortigen Filter, dessen Flusen vermutlich dafür verantwortlich sind, dass die Lüftung zuweilen viel zu lange nachlüftet, selbst wenn die Lüftung längt wieder aus ist.

Ach, wie schön es wär, wenn wir in diesem Draußen, das gerade so am Durchdrehen ist, auch einfach mal den Siphon durchspülen könnten. Oder den Filter auswaschen oder wechseln.

Calzoni* mitbringen, nicht anziehen

Unser Sonntag fing mit Regen an. Wohltuendes Prasseln auf dem Dachfenster der Künstlerbude. Der Garten freute sich. Wir uns auch.

Am Nachmittag oder gegen Abend wollten wir unsern Freund S. besuchen. Lieber um vier zu Kaffee und Kuchen oder um fünf mit Calzoni?, fragte Irgendlink den Freund per Mail. Gern die Calzoni, mailte S. zurück.

Vor ein paar Wochen haben wir dieses feine Rezept bei mir daheim das erste Mal ausprobiert (abgeguckt aus einem Outdoor-Video (Lagerfeuerpizza) – damals mit selbstgemachtem Pizzateig, diesmal mit gekauftem.

Während Irgendlink eine köstliche Füllung aus dem, was Kühlschrank und Garten hergaben, kreierte, knetete ich den ausgewallt gekauften Teig zusammen und formte sieben flache, handgroße Teigkreise (ca. 20 cm im Durchmesser).

In diese legten wir je etwa anderthalb Suppenlöffel der leckeren Füllung und verschlossen sie durch zuklappen. Bisschen andrücken und gut.

Auf dem gelochten Pizzablech fanden die sieben Calzoni perfekt Platz und weil unser Blech wegen der Löcher die Temperatur gut leitet, war ein Wenden der Gebäckstücke nicht nötig. Bei mir daheim, auf dem Kuchenblech, haben wir die Dinger mittendrin mal gedreht.

Was soll ich sagen? Wir haben ein tolles Mitbring-Rezept entdeckt, das super schmeckt. Jedenfalls aus dem Ofen. Und bestimmt auch vom Grill. Das werden wir das nächste Mal testen.

fertig gebackene Mini-Calzone
fertig gebackene Mini-Calzone

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Unsere Füllung bestand aus:
einer kleinen Zwiebel (angedämpft)
einem großen Champignon (mitangedämpft)
(ebenfalls möglich: andere Gemüse wie Karotten, Knoblauch, Lauch, Kohlarten etc.)

ungedämpft außerdem:
3/4 Paprika, fein gewürfelt
1/4 Zucchini, fein gewürfelt
etwa zwei EL fertige Tomatensauce
etwa 100 g geriebener Mozzarella
ein paar Löffel Kapern
(das sind ein paar Möglichkeiten)
frisch gemörserter schwarzer Pfeffer
ca. ein TL Salz

Alles gut mischen.

Gekauften Teig nehmen und in kleine Stücke teilen oder ihn selbst machen. Für unsern Teig für ungefähr 6-8 Calzoni nahmen wir:
300 g Dinkelmehl (halb hell, halb Vollkorn oder nach Belieben)
1/3 Hefewürfel, mit lauwarmem Wasser (von der Gesamtmenge) anrühren
1 – 2 El Olivenöl (nach Gefühl)
1 TL Salz
ca. 1,9 dl lauwarmes Wasser

Teig anrühren, gut kneten, bis er sich so richtig nach Pizzateig anfühlt.
Mit feuchtem Tuch zugedeckt an einem lauwarmen Ort (im Sommer reicht Zimmertemperatur) ein paar Stunden gehen lassen.

Aus dem Teig kleine Kugeln um die 60 – 80 g formen, zu Kreisen entweder flach drücken/ziehen oder auswallen.

Die Füllung in die Mitte der Kreise geben und die Kreise durch Zusammenklappen in kleine Calzoni verwandeln, Hosenbeinen* übrigens gar nicht mal so unähnlich. Was vielleicht sogar den Namen erklärt.

Im Backofen dauerte es ca. 15 Minuten bei 230 Grad, bis die Höschen fertig gebacken waren. Und wie gesagt: Sie waren sehr sehr lecker!

Und ach: Aus der restlichen Füllung gab es gestern Morgen ’Tortilla-Rühreier’ zum Frühstück.


*Calzone ist – wen wunderts? – italienisch und heißt Hose. Calzoni sind mehrere Calzone aufs Mal. 🙂

Das geheime Leben der Ameisen vom Katzenfels

Alles vibriert. Die Luft schwirrt. Unzählige winzige Insekten glitzern im Sonnenlicht. Vor uns Bäume, hinter uns eine Felswand und rechts ein kleiner Wasserfall. Idylle vom feinsten. Blauhimmel, dazu eine sehr angenehme Lufttemperatur.

Rechts oben, am Hang, beobachte ich etwas Dunkles. Zuerst halte ich es von der Größe her für ein Eichhörnchen, doch dann stelle ich fest, dass es ein großer Vogel ist. Eine Krähe? Oh, der hat ja eine rote Haube, guck mal!, sage ich zu Irgendlink. Also doch keine Krähe. Was für ein schönes Tier!

Nun setzt sich der große Vogel auf einen abgebrochenen Baumstamm und hämmert los. Ein Specht? Hätte ich doch in der Schule besser aufgepasst! Sein Ruf tönt wie ein Ballon, den man – aufgeblasen – losfliegen lässt. Die entweichende Luft klingt dem Ruf dieses Vogels sehr ähnlich. Heute schließlich verrät mir das Internet, dass es ein Schwarzspecht ist. (So klingt er: Und so sieht er aus: ecosia.org/images?q=schwa)

Später, am Kneippbecken, eine kleine Wassertreten-Pause. Und der Beschluss noch nicht zurück zum Auto zu gehen, sondern noch einen zum Katzenfels zu spazieren, etwas mehr als einen Kilometer entfernt, wo wir uns, kurz pausierend und philosophierend, an den Holztisch setzen, der dort für müde Wandersleute steht.

Seit ich das Buch von der Schnecke lese [Das Geräusch einer Schnecke beim Essen von Elisabeth Tova Bailey], achte ich mich mehr denn je auf Unscheinbares in der Natur. (Vielleicht ist sogar der Lockdown mitverantwortlich.) Ich nehme Umwelt und Natur jedenfalls noch sinnlicher wahr als zuvor.

Der Tisch wirkt wie ein natürliches Terrarium für Ameisen. Wie wenig ich doch von ihnen weiß!, geht es mir durch den Kopf. Ich lasse mich ein und beobachte. Natürlich betrachte ich ihr Verhalten mit menschlichen Augen und natürlich versuche ich mit meinem menschlichen Wissen und Bewusstsein zu verstehen, was sie tun und warum. Wohin sie wuseln und was sie beabsichtigen.

Grundlosigkeiten kann ich mir bei einem Tier wie der Ameise, die es gemeinsam mit ihren Artgenoss:innen immerhin schafft, eine hochkomplexe Ameisenkolonie zu bauen, kaum vorstellen. Und doch: Meine eine Ameise hier, auf dem Tisch, wirkt trotz ihrer vermeintlichen Zielstrebigkeit doch sehr desorientiert.

Wohin will sie mit dem winzigen Holzstückchen hin, das etwa dreimal so lang ist wie sie selbst? Soll es Teil ihrer Behausung werden? Zuerst hängt sie es unter sich fest und geht damit wie mit einem dicken Bauchbeutel ein paar Zentimeter weit. Nur um sich einmal im Kreis gedreht wieder an der Ausgangsstelle einzufinden. Das Ding ist ihr aus den Armen und Beinen gerutscht. Sie lässt es los und geht ein bisschen ohne Ballast herum. Vielleicht ruft sie um Hilfe? Vielleicht überlegt sie, wäre sie denn ein Mensch, warum sie dieses Ding gleich noch wohin tragen wollte und ja, wohin überhaupt?

Sie packt es wieder an, allerdings nicht mehr so behände wie vorhin. Eher ein bisschen wacklig. Diesmal krabbelt sie über die etwa zwei Milimeter hohe Kante vom einen Tischbrett zum andern hoch und wäre dabei fast in der Ritze hängengeblieben. Sie schiebt sich nun etwa zwanzig Zentimeter weiter, immer geradeaus. Aha, doch irgendwie eine erkennbare Richtung! Kurz hilft ihr eine andere Ameise, die dann aber wieder loslässt und weiter in die vorher eingeschlagene Richtung rennt. Überhaupt: Wie sie rennen, die Ameisen!

Bald hilft eine zweite, aber auch sie hat bald genug. Oder wollte sie sogar meiner Ameise das Holzstück abnehmen? So richtig klar wird es nicht. Bald ist meine Ameise wieder müde vom Schleppen und macht erneut eine Pause. Geht ein bisschen ohne Ballast umher. Sondiert das Gelände. Kommt wieder zurück zum Holz, lädt es sich wieder auf und geht damit weiter. Aber zurück, also in die Richtung, woher sie kam. Zurück zur Ritze also. Diesmal fällt sie hinein. Oder lässt sie das Stück gar absichtlich hineinfallen? Und gibt es da eine Absicht? In der Ritze tummeln sich viele Ameisen und nun ist meine für mich, so ganz ohne Holzstück, nicht mehr als meine Ameise erkennbar.

Menschliche Effizienz geht anders. Oder bilden wir uns wenigstens ein.

Was weiß denn ich? Was weiß denn ich vom Leben in der Natur und vom geheimen Leben der Ameisen? Eins weiß ich allerdings: Ameisen hinterlassen ihre Umgebung niemals so kaputt wie wir. Und Hühner eher auch nicht.