Was fehlt?

Es war einer der ersten wieder halbwegs hellen Tage nach den gefühlt wochenlangen Eisheiligen Mitte Mai, als ich mit Freundin L. ins Thermalbad ging. Während wir unsere Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur von Wasserdüsen massieren ließen, erzählten wir uns, wie es uns in den letzten Wochen, seit dem letzten Wiedersehen, ergangen ist.

Ich mag es, wie Freundin L. von ihrem Schulalltag erzählt. Manche Schulklassen sind als Ganzes herausfordernder als andere. Ihre aktuelle, die sie nun noch einige Wochen bis zu deren Ende der Mittelstufenzeit begleitet, war eine von der sehr herausfordernden Sorte. Wobei: Oft sind es eher noch die Eltern, welche schwer erträglich sind.

Uneinsichtigkeit, Unreife, Intoleranz, Unverständnis, fehlendes Gemeinschaftsbewusstsein – die Liste ist lang. Dazu die Stellenkollegin, die kurz vorm Ausbrennen steht. Ein Teufelskreis, denn die Jugendlichen  Schwäche schamlos ausnützen.

»Was fehlt unseren Jugendlichen eigentlich am meisten?«, frage ich. Später erzähle ich ihr von jenem Thriller, den ich neulich gelesen habe. Von Vera Buck, Die Wolfskinder.

Drei Kinder aus einem entlegenen Bergdorf, die ohne technische Errungenschaften leben, gehen im nächstgelegenen Dorf zur Schule. Der 17-jährige Jesse, einer der Ich-Erzählenden der Geschichte, erkennt glasklar, dass den Kindern im Dorf, die ihn täglich mobben, weil er nach Stall riecht und seine Kleider abgetragen und unmodisch sind, eine Aufgabe fehlt, Verantwortung, die sie tragen sollten, Werte und ein Gemeinschaftsbewusstsein.

Das erzähle ich L. und will auf diesen einen Punkt hinaus, den ich inzwischen als etwas vom überhaupt wichtigsten begriffen habe:

Wir alle wollen etwas bewirken, wir alle wollen selbstwirksam sein.

Wenn wir uns selbst als wirksame Menschen verstehen, können wir Aufgaben als hilfreiche Herausforderungen betrachten und weniger als Bedrohungen. Doch wenn uns nicht zugetraut wird, dass wir dies oder jenes schaffen, wenn uns nie zugemutet wird, einen schwierigen Weg allein zu gehen. Auch wenn uns immer alle Steine aus dem Weg geräumt werden, weil uns nie dahingehend vertraut wird, dass wir ein Problem auf unsere Weise lösen können, fehlt uns etwas: nämlich das Wissen darum, wie es sich anfühlt, etwas zu bewirken.

Viele Eltern meinen es so gut mit ihren Kindern, dass sie ihnen ersparen, im Haushalt das eine oder andere zu erledigen. Oder sie räumen ihren Kindern immer hinterher. Kindern fehlt oft der Bezug zur physischen Umwelt, wie alles zusammenhängt. Wie das Essen auf den Tisch kommt. Warum die Wäsche im Schrank sauber ist.

Es geht mir nicht um Schuld, es geht darum, zu verstehen, wie Dinge zusamnmenwirken, was passiert, wenn wir handeln oder es unterlassen. Und wie wichtig es ist, dass wir alle unsere Aufgabe und unseren Platz finden, die unseren je individuellen Fähigkeiten entsprechen. Wie wichtig es für uns alle ist, eigenen Raum in der Gesellschaft zu haben. Sich einzubringen. Die eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Sich selbst gut zu kennen und die eigenen Grenzen zu verstehen. Ja, das hängt für mich alles zusammen. Auch mit Gewaltprävention. Gesundheitsfürsorge, insbesondere auch mentale, ist für mich die beste Investition in unser aller Zukunft – persönlich und gesellschaftlich.

Die Sprudeldüsen des Thermalbades bringen unsere Gedanken in Schwung. Zugleich wirken sie entspannend und wir erholen uns zusehends. Wie wichtig solche Auszeiten doch sind. Ich freue mich einmal mehr darüber, wie gut mir Wasser tut.

Im Kreis

Verloren habe ich schon viel
Den Glauben an Gottheiten zum Beispiel
Gefunden habe ich stattdessen
das Glitzern des Flusses
die Freude am Zusammenhang
den Zauber des Kreises

Der Kreis und sein Fließen
ganz und gar Physik
ganz und gar Naturgewalt
Kommen und Gehen
empfangen und verschenken

Geben und nehmen
teilen

Immer
für immer

Ostermontagsrückblick

Bereits wieder zwei Tage her und die ganzen schönen spontanen Gedanken, die ich hatte aufschreiben wollen, sind mit Verblassen beschäftigt.

Was bleibt, ist dieses große Gefühl von Verbundenheit. Dort anknüpfen und weitermachen, wo wir das letzte Mal aufgehört haben.

Mit Frau Lakritze zu wandern ist immer wohltuend. Alle Jahre, alle paar Jahre tun wir es, aber, huch, sind wirklich schon fünf Jahre vergangen seit dem letzten Mal, sagt mein Blogarchiv! Wie kann das sein? Gesehen haben wir uns aber zwischendurch schon, zum Glück.

Wohltuend ist wandern ja sowieso, einfach darum, weil wandern entschleunigt. Gehen, Erzählen und Zuhören ist eine Kunstform, die ich liebe. Wir werfen einander Stöckchen zu, reden über Alltägliches, Lachen über Krudes, es gibt auch ein paar ‚Wisst-ihr-Noch?’s,  – natürlich, die gibts immer, wenn Menschen, die sich schon eine Weile kennen*, miteinander sprechen – und dann gibt es die stillen Momente, wo sich alle in eigene Gedanken zurückziehen. Teilen und teilhaben. Und zusammen hinschauen. Und staunen.

Zusammen zu staunen ist für mich eine richtig schöne Tätigkeit.

»Schaut doch nur wie schön der Rotenfels bei diesem frühen Abendlicht aussieht?«

Wir betrachten ihn, schon fast auf dem Rückweg, von einer riesigen Bank aus, auf der nur über eine Holztreppe zu sitzen überhaupt möglich ist. Hinter uns drei nordpfälzische Hotspots – der Disibodenberg mit seinen Klosterruinen, die Montfort-Ruine mit ihren hohen, noch immer erhaltenen Mauern, die ein Eidechsen-Dorado sind und dem Silbersee, in welchem Herr Irgendlink seinerzeit ein dreieckiges Floß gewässert hat. »Muss 50 Jahre her sein«, sagt er.

Erinnerungen, die ich zwar nicht habe, weil ich fern von der Nordpfalz aufgewachsen bin, aber ich kann meine eigenen Erinnerungen mit Irgendlinks und Lakritzes verweben. Natur, Berge, Wälder. Ich begreife, wie sehr sie für mich zum Glücklichseit nötig sind.

Für mein Glück brauche ich genau das: Ein Draußen ohne oder nur mit wenigen Menschen, Weitblick, Grün, Erde unter den Füßen, über mir der Himmel und dazwischen ein rauschendes, hellgrün schimmerndes Blätterdach oder im Winter auch nackte Bäume. Wir picknicken gemeinsam auf einer Bank im Klosterruinengelände, wo auf einmal immer mehr Leute herumspazieren. Unaufgeregt die meisten.

Im Labyrinth neben uns, das ein bisschen an das in Chartres erinnert und am Eingang der Klosterruinen-Anlage auf dem Disibodenberg angelegt ist, nehme ich den falschen Anfang – ja, sowas kann ich ziemlich gut, obwohl sich in einem Labyrinth zu verlaufen nicht vorgesehen ist –, nehme später eine kleine Abkürzung, doch dann lasse ich mich ein auf das Gehen von innen nach außen und von außen nach innen. Wie auch so oft im richtigen Leben gibt es hier kein Falsch und kein Richtig und ich entscheide, wo ich hingehe. Manchmal tut es dennoch gut, einem Weg zu folgen, den anderen bereits vor mir gegangen sind.

Alles hat seine Zeit und genau hier und genau jetzt fühle ich das mit all meinen Sinnen.

Ich hoffe, bis zum nächsten Mal warten wir nicht wieder so lange. Da wollen wir nämlich den Rotenfels erkunden.

[Nachtrag: Auch Irgendlink hat über unsere Wanderung gebloggt.]


* Kennengelernt haben wir uns im Oktober 2012, verrät mir mein Blogarchiv, bei einer Ausstellung gemeinsamer Blogkolleg*innen in Karlsruhe.

Notizen am Rande #8

Diese Woche hab ich endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufgeräumt und die diversen Handnotizen, teils jahrealt und in diversen Mappen gesammelt, auf einem Stapel zusammengeführt.

Kleine Gedankenfetzen, die ich am Rande des Alltags, wann immer sie mir eben einfielen, auf kleine Zettel, Makulatur zumeist, notiert habe. Sie spiegeln mir im Rückblick, wohin meine Gedanken jeweils gereist sind.

Und vielleicht sind ja alle einzelnen Gedankenfitzelchen, Handlungen und Textfragmente – einzelnen Pixeln eines riesigen digitalen Bildes gleich –, für sich gesehen unverständliche Punkte und nur als Ganzes, zusammenhängend, verständlich?

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Sich Gutes zu tun ist aufwändiger als das, was mir schadet.

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Person 1: Sag mal, läuft da was zwischen dir und mir?

Person 2: Hilfe, meine Bierflasche ist umgekippt!
oder
Person 2: Darf ich vorstellen: Snoopy, mein Hund.
oder
Person 2: Spring ruhig rüber, der Bach ist soo tief nicht.

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Wider besseres Wissen
will sie wissen
was wirklich
wesentlich und wichtig
ist

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Die einen von uns sind aus Baumwolle
andere synthetisch
andere gasförmig
manche wattig
oder
aus Gummi
Nicht alles
passt
überall

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Wird, was noch nicht da ist,
noch?

Ist alles, was da ist,
schon immer
da gewesen?

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Zigarettenstummel
auf der Straße.
Erzählen Geschichten.
Ganze Leben.
Erzählen
von Kindheiten.
Spuren.
Muster,
die lesen kann,
wer sie lesen kann.

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Die Maßeinheiten von Glück ist nicht die Minuten oder Stunden gar,
es sind unsere Sinne.

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Wenn die Nachbarin über mir gleichzeitig auf dem Klo sitzen würde, wären wir dann Blasen- oder Darmverwandte, Seelenverwandte ja eher nicht?

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(Fortsetzung folgt)

Ich will noch nicht nach Hause gehen | #Zitatgeschichten

Alle Tische sind abgeräumt, der Tresen glänzt und die Stühle auf den Tischen geben den Boden frei. Ein paar Bierdeckel und Fritten dekorieren den Boden. Nur Olga sitzt noch da. Wie immer ist sie die Letzte. Und wie immer diskutiert sie mit der Wirtin um weitere Minuten im schummrigen Licht.

Viel hat sie nicht getrunken. Ein Bier reicht viele Stunden. Sie nuschelt. Müde vom Leben. Und vielleicht weil sie sich so sehr daran gewöhnt hat, die Silben zu verschlucken, weil ihr ja eh nie jemand mehr wirklich zuhört.

Sie ist eine der Abgesägten. Eine der Verbrannten. Nach viele Jahren und vielen Jobs gleichzeitig.

Drei Kinder hat sie großgezogen. Schließlich der Unfall. Wegen Übermüdung und Unachtsamkeit. Selbst schuld, aber der Rücken ist für immer kaputt. Kündigung. Sozialamt.

Und daheim wartet schon lange niemand mehr.

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Die Aufgabe:
Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt.

Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes, Trauriges, Menschliches … ohne allzu viel nachzudenken.

Den heutigen Satz habe ich bei Sybille Lengauer aufgeschnappt.

Mitmachen erlaubt.

Vor zehn Jahren? | Januar 2016

Gerade blicken da und dort Menschen auf das Jahr 2016 zurück. Eine Idee, die bei mir auf fruchtbaren Boden fällt, denn in meiner Erinnerung ist fast jede vergangene Zeit besser als die Jetzt-Zeit – zumindest was die Lage der Welt betrifft. Persönlich nicht unbedingt, persönlich ist es jetzt besser als auch schon.

Januar 2016 also. Was sagt mein Blog dazu?

Das hier zum Beispiel …

Ohne Titel #1

Die Schreiblust kommt und geht. Ist mir Freundin, wie immer.
Die Lust, geschriebenes zu veröffentlichen, zu verbloggen, jedoch ist verblasst.
Noch ist da irgendwo eine Art Hoffnung, dass diese verblasste Lust verstanden werde.

Das Blog als Notizbuch zu verwenden, wie mir vorgeschlagen wurde, könnte eine Idee sein, das Blog nicht einäschern zu müssen.
Nur … wozu sollte ich veröffentlichen, was ich mir notiere?

Als Prozesstagebuch könnte ich es einsetzen, riet eine andere weise Stimme. Ja. Gute Idee.
Aber wozu sollte ich veröffentlichen, was in mir an Prozessen abläuft?

weiterlesen …

Es scheint ein Kehrreim meines Lebens zu sein, dass ich immer mal wieder Phasen mit und ohne Schreibmotivation habe. Aber auch, dass ich doch immer wieder zum Schreiben zurückfinde.

Möge mir diese Fähigkeit erhalten bleiben, denn sie hilft sehr dabei, das Leben besser zu ertragen.

„Du hast neben mir gesessen.“ | #Zitatgeschichten

Du neben mir.
Meine Hand in deiner.
Das Atmen fällt schwer.
Ich blinzle die Tränen weg,
obwohl sie nie besser passten.
Dass ich nicht allein bin,
hier,
dass du mich hältst …
Nie war ich dankbarer.

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Die Aufgabe:
Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt.

Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes … ohne allzu viel nachzudenken.

Auch den heutigen Satz habe ich bei Frau Mützenfalterin aufgeschnappt. Allerdings diesmal ein wenig gekürzt.

Mitmachen erlaubt.

„Ich habe die Freundin meines Bruders kennengelernt.“ | #Zitatgeschichten

Zehn Jahre alt, älter war sie damals nicht gewesen. Ihr Bruder dagegen war schon richtig alt. Älter jedenfalls, mehr als doppelt so alt wie sie. Und schon richtig erwachsen war Per. Wohnte nicht mehr zuhause. Ein paar Freundinnen hatte er bereits gehabt. Manche hatte er sogar hergebracht, sie den Eltern und den jüngeren Geschwistern vorgestellt. Wobei. Eigentlich erinnert Mila sich nur an eine, bevor Per Carola kennengelernt hatte.

Jahre später, als sie verstanden hatte, dass sie nur zehn Jahre von Carola trennen, waren sie Freundinnen geworden. Oder vielleicht Schwestern. Mehr Schwestern jedenfalls als die anderen Schwestern.

Für die zehnjährige Mila war Carola damals all das, was Mila eines Tages zu werden hoffte.

Erwachsen — aber auf eine gute Art, lieb, hübsch, ernst, reif. Und vor allem fand Carola bei den Eltern, sogar bei der Mutter(!), den richtigen Ton. Und ließ sich nichts gefallen. Auch von der Mutter nicht, denn natürlich nörgelte diese später auch an Carola herum — wie immer und wie an allen. Dies macht sie nicht richtig und jenes auch nicht.

Carola und Per also, und ja, ein bisschen beneidete Mila die beiden umeinander. Sie hatten sich. Wie waren sich Heimat.

Doch als eine, die Carola ebenfalls kennt, fiel auch für Mila ein bisschen Heimat ab.

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Die Aufgabe:
Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt.

Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes … ohne allzu viel nachzudenken.

Den heutigen Satz habe ich gestern bei Frau Mützenfalterin aufgeschnappt.

Mitmachen erlaubt.

„Was mache ich hier?“ | #Zitatgeschichten

Die Aufgabe, die ich mir stelle, ist theoretisch einfach: Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt. Der Plan ist, dass ich so wieder in den Blog-Schreibflow komme. Weil Schreiben gut tut und meinen Fokus kurzzeitig weg vom schwer erträglichen Weltgeschehen nimmt. Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes … ohne allzu viel nachzudenken.

Den heutigen Satz habe ich bei Bruce Chatwin gefunden (Buchtitel) und bei Herrn Buddenbohm aufgeschnappt.

—– —–

Sie sitzt. Mehr macht sie hier gerade nicht. Stimmt. Stimmt nicht. Natürlich nicht.

Sie atmet ja auch. Und ihr Herz schlägt. Und sie guckt aus dem Fenster und sie hört und riecht und zwinkert; und sie verdaut und denkt und schreibt; und sie friert ein bisschen an den Füßen.

Viel ist das ja nicht!, sagt der Souffleur auf ihrer Schulter. Sie hört hin. Hört zu. Dem Souffleur, der sich immer breiter macht und ihr aufs Rückgrat drückt. Abschütteln sollte sie ihn. Das wäre dann ja mal etwas ganz Großes, etwas ganz und gar Aktives sogar, das sie hier und jetzt machen könnte. Etwas, das sie wirklich dringend machen sollte.

—– —–

(Meine Schreibanregung darf gern nachgeahmt werden … vielleicht können wir uns ja gegenseitig inspirieren?)

Wieder mehr bloggen

Bei Herr Buddenbohm habe ich heute Morgen gelesen, dass wir wieder mehr bloggen sollen. Er hat es übrigens woanders gelesen, nämlich hier, wobei jener Autor es ebenfalls woanders gelesen hat, nämlich hier

Wie auch immer: ich bin in bester Gesellschaft mit meinen Vorsatz, wieder mehr zu bloggen. Ja, im Alltag wieder vermehrt kleine Aufsätze oder Essays schreiben will ich.

Ich habe außerdem gelernt, dass der Begriff essay aus dem Französischen (essai) stammt und sich mit „Versuche“ oder „Tests“ übersetzen lässt.

Maurice Renck

In diesem Sinne wird es bei mir vielleicht ein Jahr des lauten Denkens werden und der kurzen oder längeren Randnotizen. Weniger Fertiges, Hochglanzpoliertes, Zu-Ende-Gedachtes (gab es das hier denn überhaupt?), mehr Drauflos-Überlegtes, Notiertes, Gefühltes, Aufgeschnapptes. Weniger Druck, mehr Freiraum …

In den letzten Wochen, teils in purer Natur im Juragebirge unterwegs, teils bei mir zuhause und teils beim Liebsten, ist dieser Wunsch nach und nach gewachsen. Ja, ich will meine Gedanken und Gefühle wieder mehr in Worte kleiden.

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Heute Morgen hörte ich mir endlich die WissPod-Adventskalenderspodcastfolge des Was-denkst-du-denn?-Teams an. Hier der Link. Das Thema: Kinderrechte.

Rita Molzberger und Nora Hespers diskutierten in dieser Folge unter anderem die Frage, ab wann eigentlich Kinder in unserer Gesellschaft als Kinder wahrgenommen wurden und nicht als kleine Erwachsene, die man durchfüttern musste und im Gegenzug dazu ausbeuten konnte.

»Stimmt eigentlich!«, dachte ich. Ja, früher wurden Kinder weit weniger als wertvolle Menschen, die auf Hilfe, Führung und Schutz angewiesen sind, betrachtet. Und es gibt auch heute noch viele Länder, die es anders halten als wir in Mitteleuropa. Stichwort Kinderarbeit.

Heute wissen wir, dass sich Traumata epigenetisch von Generation zu Generation vererben, wenn sie nicht aufgelöst werden, wenn nicht alte Muster aufgebrochen und neue heilere Arten zu leben gelernt werden.

Ich stelle mir vor, wie all die Wunden und traumatisierenden Erfahrungen auf den Kinderseelen unserer Ururururahninnen und -ahnen weiter- und weitergereicht wurden und werden. Da mal weiter drübernachdenken. Ist es da nicht irgendwie logisch, dass die Menschheit so kaputt ist und dass so viele Menschen wunde Seelen haben?

Wie froh ich bin, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Arbeit auf solche Sachverhalte aufmerksam machen.

Eine herzliche Hör- und Folgeempfehlung für den »Was denkst du denn?«-Podcast, für alle, die ein wenig mehr als nur bis zum Tellerrand denken wollen.

Link zum »Was denkst du denn?«-Podcast