Tagebuch der Klimakrise 05

14. August
Ab und zu gönne ich mir statt nur 0,5 oder 1 mg Melatonin auch mal 2 mg. Wenn ich soo (hitze)erschöpft bin wie gestern nämlich. Nur ab und zu, damit der Körper sich nicht dran gewöhnt.

Ich habe sagenhafte 9 Std mit nur 1x Klo geschlafen und fühle mich gerade fast unkaputtbar. Was guter Schlaf so kann.

Noch heute und morgen brutalheiß, am Sonntag endlich wieder ‚nur noch 28 °C’ – plus eventuell sogar ein bisschen himmlische Feuchtigkeit. Wie war gleich noch dieser Fachbegriff?

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15. August
Meine neue Wetterstation behält immer einen Kalendertag lang die höchste gemessene Temperatur. Die Außenstation hängt am Fensterladen auf dem Balkon und muss nach Mitternacht 30 °C gemessen haben. Und selbst wenn der Standort zu hausnah für totale Zuverlässigkeit ist, plusminus 1 °C macht keinen großen Unterschied.

Um 4:21 waren draußen und im Schlafzimmer (offene Fenster) immer noch je 25 °C.

Wie machen anderen sowas? Ich belege mich am Kopf mit nassen Tüchern und Buff, der Ventilator läuft, an den Füßen oder am Körper ein Kühlakku in einem Kissenbezug.

Es war immerhin for now die letzte 20/ü20-Nacht. Und heute der letzte ü30-Tag. Morgen und die nächste Woche 2x 30 °C, der Rest darunter.

Meine Tapferkeit im Aushalten bekommt immer mehr Risse, ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr. Hitze tut weh.

Ein Wettervorhersagebildschirm, auf dem das Datum, die aktuelle Temperatur (22 °C) und die Wetterlage („Meist bewölkt“) angezeigt werden. Er zeigt die Vorhersage für die nächsten zehn Tage mit Temperaturen zwischen 15 °C und 34 °C, der Regenwahrscheinlichkeit, Gewittermöglichkeit, Bewölkung und vereinzelt Sonnenschein an.
Ein Wettervorhersagebildschirm, auf dem das Datum, die aktuelle Temperatur (22 °C) und die Wetterlage („Meist bewölkt“) angezeigt werden. Er zeigt die Vorhersage für die nächsten zehn Tage mit Temperaturen zwischen 15 °C und 34 °C, der Regenwahrscheinlichkeit, Gewittermöglichkeit, Bewölkung und vereinzelt Sonnenschein an.
Das Display einer digitalen Wetterstation zeigt eine Außentemperatur von 25,3 °C, eine Luftfeuchtigkeit von 36 %, eine Innentemperatur von 25,7 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 48 % an. Außerdem verfügt es über Wettersymbole für Sonne und Wolken sowie eine digitale Uhrzeitanzeige: Es ist 4:21 am 15. August.
Das Display einer digitalen Wetterstation zeigt eine Außentemperatur von 25,3 °C, eine Luftfeuchtigkeit von 36 %, eine Innentemperatur von 25,7 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 48 % an. Außerdem verfügt es über Wettersymbole für Sonne und Wolken sowie eine digitale Uhrzeitanzeige: Es ist 4:21 am 15. August.

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17. August
So langsam sickert die Erkenntnis in meinen Körper und meine Wohnung. Die 30+-Tage sind vorbei, for now. Die 20+-Nächte ebenfalls. Es warten Tage & Nächte ohne Ventilator auf mich, Tage ohne Verdunklung, vielleicht sogar mit Regen.

Ich fühl mich, als wäre 1 langer Lockdown aufgehoben worden.

So viel will ich endlich wieder tun, endlich wieder Alltag, Normalität, meine Ankerhandlungen.

Jetzt bloß nicht wieder einknicken ob des Endes der langen Zusammenreißphase.

Ich habe die Energie der Morgenstunden, die kühl waren und kühl blieben, genutzt, um die Wohnung zu ent-spinnweben und mal wieder durchzuputzen. Die gefühlt schweißklebrigen Böden fühlen sich nun wieder ‚richtig‘ an. Auch sonst ein paar liegengebliebene Dinge. Und dann aber aufgehört, weil ich gemerkt habe, wie der Energieschub sonst zu schnell verbraucht ist. Denn ich will unbedingt heute mal wieder raus. Ohne Hitze auf der Haut. Spazieren oder mit dem Rad. Einfach raus ohne Hautschmerz.

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19. August
Heute also nochmals 31 oder 32 °C, je nach Prognosetool. Gestern 30 °C. Und dann endlich fertig mit der Hitze?

Da es zum Glück nachts gut runterkühlt, gehts mir okay, ich hoffe jedoch, dass der seit Tagen angekündigte Regen endlich doch noch kommt.

Am Abend:
Es waren 33 °C.
🥵 ich habs soo satt.

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20. August
Verschlafen (immerhin mal wieder genug), dazu hat der Wind die Fenster zugebatscht, so dass die Morgenkühle es nicht reingeschafft hat und die vom gestrigen 33 °C-Tag noch in der Wohnung klebt. Dazu wurde die Prognose für heute von okayen 26 °C auf 28 °C erhöht.
Und der Regen erneut vertagt.

Ich bin sooo angfressen, habe diese verdammte Hitze so satt, könnte heulen und Dinge werfen.

Ich möchte das alles nicht, bin total überfordert. 🥵🤬

Temperaturverlaufskurve in der Nordschweiz Die Kurven zeigen die Zeit vom 22. Juni bis Ende August, wobei die letzten Augusttage noch fehlen. Die täglichen und nächtlichen Mittelwerte betragen 30,5 und 17 °C. Die letzten kühleren Tage sind aus der Prognose meiner Wetterapp entnommen.
Temperaturverlaufskurve in der Nordschweiz Die Kurven zeigen die Zeit vom 22. Juni bis Ende August, wobei die letzten Augusttage noch fehlen. Die täglichen und nächtlichen Mittelwerte betragen 30,5 und 17 °C. Die letzten kühleren Tage sind aus der Prognose meiner Wetterapp entnommen.

Vorhin hat es eine Minute geregnet. Die Tagestemperatur wurde von 28 auf 27 °C korrigiert und ab 16 Uhr soll es regnen. Für morgen sind 19 °C angesagt, tagsüber. Wer’s glaubt.

Tagebuch der Klimakrise 04

6. August
Ich weiß auch nicht … diese Prognosen und diese Klima-Realität … mir fehlen die Worte.

Mein Ventilator ist aktuell mein Lieblingshaushaltgegenstand.

Soll ich jetzt wirklich noch, wie meine innere Vernuftstimme sagt, raus & mit dem Rad an die Reuss? Von wegen Bewegung und Abkühlung.

(Um im gleichen Aufwisch noch Glas zum Container zu bringen und die neuen in Folie gefassten Bücher in der Bib abzuliefern und Nachschub zu holen?)

Ist ja auch ‚nur noch‘ 29 °C draußen.

Innerer Sauhund sagt: Nein, Sofa!

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7. August
Die Wohnung ist dank nächtlichem Durchzug ‚nur‘ noch 23 °C und es wird heute ‚nur’ 30 °C. Zudem geht die Sonne täglich früher unter und später auf.

Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal denken könnte: Oh, ‚nur‘ 30 °C.

Alles eine Frage erlernter Überlebensstrategien und der Relativität.

Es ist nach über 30 °C relativ kühl. Heute Nacht wars 17 °C und am Morgen noch immer 18 °C und das war soooo schön. Die Wohnung ist mal wieder runter auf 23.

Es ist ein Eiertanz mit Lüften und Zumachen und ich habe eben ne Weile mit Recherche nach zahlbaren und passenden Klimageräte verbraten. Das wird wohl eine größere Recherche brauchen. Zumal ich keine Ahnung habe, was wirklich gut funktioniert und so …

Das Schlimmste an der Hitzewelle ist für mich immer das Nicht-wissen-wie-Lange. Es ist eine viel zu lange dauernder Ausnahmezustand, der die letzten Reserven an Durchhalteenergie auffrisst und mich täglich müder macht.

Ich mache gefühlt ständig Tippfehler, brauche für alles länger, bin träger, stoße mich auch ständig wo an, bin schussliger, kann mich weniger lang fokussieren … Matschehirn.

Und dazu ständig die Reizüberlastung der Haut durch die Hitze.

Mit dem Kühlakku unter den Füßen gehts mir deutlich besser im Homeoffice. Aber das Hirn macht trotzdem immer so viele Fehlzündungen, denen ich mit Akzeptanz nicht beikomme.

Es ist ja nicht nur das Denken, da ist auch ein von einem sensorisch überreizten Hirn gesteuerter Körper.

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8. August
Die kühle, windige Nacht (16 °C) hat der Wohnung und mir gut getan.

Ich hoffe, der 32 °C-Tag wird sie nicht wieder allzu sehr aufheizen. Nach der Bib-Schicht will ich mit dem Rad & der eingepackten Hängematte einen ruhigen Badeplatz ansteuern.

Am Sonntag in einer Woche sind erstmals wieder kühle Tage (= 29 °C) angesagt. Schauen wir mal.

12. August
Der viertletzte ü30-Tag dieser Hitzewelle. In einer Woche werde ich mich morgens vielleicht wieder in meinen Morgenmantel kuscheln können.

Temperaturverlaufskurve in der Nordschweiz Die Kurven zeigen die Zeit vom 22. Juni bis Ende August, wobei die zweite Augusthälfte fehlt. Die täglichen und nächtlichen Mittelwerte betragen 31 und 17 °C. Die letzten kühleren Tage sind aus der Prognose meiner Wetterapp entnommen.
Temperaturverlaufskurve in der Nordschweiz Die Kurven zeigen die Zeit vom 22. Juni bis Ende August, wobei die zweite Augusthälfte fehlt. Die täglichen und nächtlichen Mittelwerte betragen 31 und 17 °C. Die letzten kühleren Tage sind aus der Prognose meiner Wetterapp entnommen.

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13. August

Ich glaube, persönlich war das jetzt die schlimmste aller Hitzenächte. Manchmal denke ich, dass die Nächte eigentlich noch schlimmer sind als die Tage, weil ich mich tagsüber irgendwie (theoretisch) ablenken kann, nachts aber will ich ja eigentlich ‚nur schlafen‘. Doch das ist einfach schwer, wenn die Luft trotz Rundum-Durchzug dich fast erdrückt und die Haut gefühlt brennt.

Um 2:00 waren noch immer 26 °C im Zimmer bei draußen 24 °C. Dank meiner neuen Wetterstation (endlich!) kann ich selbst messen.

Im Wohnzimmer hatte es am Abend wieder 28 °C gehabt.

Das Bild zeigt einen Wecker, eine Wetterstation mit Uhr und ein Thermometer. Die Uhren zeigen die Uhrzeiten 6:46 und 6:47 an, während die Wetterstation Temperaturen von 20,7 °C (außen) und 24,2 °C (innen) anzeigen. Die Luftfeuchtigkeit beträgt innen 39 % und außen 43 %. Oben links ist das Datum eingeblendet: 13. 8. 26
Das Bild zeigt einen Wecker, eine Wetterstation mit Uhr und ein Thermometer. Die Uhren zeigen die Uhrzeiten 6:46 und 6:47 an, während die Wetterstation Temperaturen von 20,7 °C (außen) und 24,2 °C (innen) anzeigen. Die Luftfeuchtigkeit beträgt innen 39 % und außen 43 %. Oben links ist das Datum eingeblendet: 13. 8. 26

Vielleicht jetzt einkaufen wegen Kühle und alle hilfreichen Morgenroutinen auf danach verschieben? Oder wird mir das den ganzen Tag zerschießen?

So Fragen während Tag X dieser Hitzewelle.
(Hitzewelle versus Autismusspektrum)

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Das waren weitere Momentaufnahmen aus meinem Alltag. Für die Akten. Archiv eines Lebens am Limit.

»Die Hitze belastet auch psychisch«, titelte heute das Republik-Magazin seinen Klima-Newsletter: https://www.republik.ch/

Link zum Artikel: Zu heiß für klare Gedanken
PDF zum Artikel: Zu heiß für klare Gedanken

Über die wegbrechende Lebensqualität schrieb ich ja schon. Bis jetzt waren die Katastrophen immer anderswo, weit weg. Jetzt ist die Klimakatastrophe auch bei uns Wirklichkeit geworden. Und an der Hitze wird so viel gestorben wie schon lange nicht mehr. 

Ein winziger Teil von mir findet es gerecht, dass es nun auch uns an den Kragen geht und nicht nur immer den Menschen in all den Ländern, die der Westen schon immer ausgenutzt hat und noch immer ausnutzt.

Der anderere, größere Teil in mir möchte, dass es niemandem an den Kragen geht und dass wir alle die vielfältigen Krisen endlich gemeinsam lösen und die Geschichte der Menschheit drehen können; der Wunsch nach einer idealen Erde ist groß in mir.

Meine Fluchtorte sind Bücher und Filme.

Dazu sehne ich mich nach dem Ende dieses Ausnahmezustandes, nach Herbst, nach kühleren Tagen, nach kühleren Nächten, nach mehrheitlich tagsüber geschlossenen Fenstern, nach Ruhe, ohne immer die ganzen Außengeräusche – Baustellenverkehr und Kirchenglockenlärm – durch das einzige tagsüber auf Kipp stehende Fenster hören zu müssen.

Mir – und den Menschen, die ich im realen Leben normalerweise sehe –, ist es zu heiß für Treffen. Die Hitze zwingt mich und viele zu einem Leben in der halbwegs kühlen Wohnung (aktuell 27 °C, bei Außentemperatur auf dem Balkon im Schatten: 34 °C).

Die Ventilatoren haben viel zu tun: entweder trösten sie uns mit kühler Luft oder aber sie pusten die warme Luft abends nach draußen, damit die kühlere Luft hineinströmen kann. Wohl denen, die so ein Gerät haben.

Ich bin froh, dass ich meinen stets glühendheißen Füßen – dank Kühlakku in einem alten Kissenanzug – etwas Gutes tun kann. So geht es einigermaßen. Sich im Überlebensmodus einrichten ist die Herausforderung der Stunde. Und möglichst nichts Anstrengendes tun. (In dieser Hinsicht bin ich mir sehr meiner Privilegien bewusst.)

Tragen wir uns Sorge, uns und unseren Mitmenschen.

Tagebuch der Klimakrise 03

16. Juli
Kühle regenfrische 17-18 °C draussen. Die Wohnung das erste Mal seit langem wieder 23 °C kühl.

Noch ein heißer Tag (30 ° C), dann werden weniger heiße mit kühleren Nächten folgen. (Für wie lange wohl?)

Es tut sooo gut!

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24. Juli
Derweilen macht sich die nächste Hitzewelle auf den Weg in die Schweiz.
Vielleicht doch Sommerschlaf (analog zu Winterschlaf)?

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27. Juli
Ab morgen wieder nur noch ü30 °C-Tage und nur noch 2-3 u20 °C-Nächte. Wobei 18 °C auch schon quasitropisch ist.

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31. Juli
Abgesehen vom reißerischen Titel lesenswert:
»Neue absolute Hitzerekorde auf der Alpennordseite«

Die 4. Hitzewelle dieses Sommers. Erst der 3. Tag und kein Ende in Sicht …(Die erste war Ende Mai)

https://www.meteoschweiz.admin.ch/ueber-uns/meteoschweiz-blog/de/2026/07/neue-absolute-hitzerekorde-auf-der-alpennordseite.html

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1. August (Nationalfeiertag)
In der Nacht regnete es zum einen Fenster rein, die anderen sind zum Glück alle unter Dächern. Doch ausgerechnet gestern ist der Veloüberzug von der Sonne zerrissen. Jetzt ist der Sattel plotschnass.  Weil der Schutz nicht drauf war.
Jä nu … der trocknet wieder.

Ich hoffe, es regnet noch mehr … die Prognosen sind gruselig.

Immerhin das: Der Nationalfeiertag wurde gesamtschweizerisch ohne Feuerwerk und Augustfeuer begangen (wegen Waldbrandgefahr).

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2. August
Diese kurzen zwei Minuten der gefühlten Abkühlung nach der kalten Dusche. Hachz.

Gestern sind wir mit den Rädern bei lieben Menschen gewesen, 15 km hin (mittendrin ein Aarebad mit Abendpicknick), und später, als es kühle Nacht ist, wieder alles zurück, alles auf Aareradwegen. Ich liebe die Schweiz einfach für ihr Radwegenetz.

Dieses Nachtsfahren hat was. Ich glaube, das könnte meine neue Hitzewellenmedizin werden.

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3. August
Ich hab eben die neuen Wetterprognosen angeschaut. Mir wird ganz anders. Gestern sah es nach einer längeren ‚Unterbrechung der Hitze‘ aus, heute sieht es nach gerade mal 4 abkühlenden Nächten unter 18 °C aus. Und u30-Tage werden auch nur 4 angezeigt. Dann gehts wieder aufwärts.
Es ist so unglaublich anstrengend

Ich habe Glück, dass ich inmitten von Flüssen und Wäldern wohne. Immerhin viele Abkühlungsorte (Wasser) in der Nähe. Aber nur schon das Rausgehen ist Horror. Ich muss mich ständig kühl halten mit Venti, kühlen Tüchern, nassem Bikinioberteil …
Die Notwendigkeit, damit einen besseren Umgang zu finden, hasse ich. Es sollte nicht notwendig sein.

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4. August
Für die Akten:
Erste Laubbläsersichtung am 4. August! Immerhin fällt der Hitze wegen Rasenmähen weg.

Morgendliches Durchzug-Lüften als akustischer Super-GAU.

(Sind jetzt eigentlich alle durchgedreht?)

Diese 3. abendliche Radtour gestern war so genial. Diesmal wegen Hitze später und ohne Picknick. Anfängliches Fahren wie durch Haarföhnhitze, am Waldrand dann endlich ein Mü kühler. Vor dem letzten Drittel das erlösende, aaaah-auslösende Limmatbad, wo jetzt vermutlich irgendwo meine Radhandschuhe liegen. Der Rückweg schließlich im herrlich hautliebkosenden Regen.

Und den ebenfalls verloren geglaubten Schlüsselbund finden wir später in meiner Fronttasche unter dem Flickzöix.

Nasses Handtuch um zwei Kühlelemente (für Kühlboxen) wickeln, auf den Boden und – ah! – heiße Füße drauf.

Bei mir sind die Fußsohlen fast immer die schmerzhaft-heißesten Körperstellen. An den Füßen tut mir die Hitze regelrecht weh, und am Kopf. Der restliche Körper leidet auch, aber weniger im schmerzhaften Sinn, eher durch die sensorische Reizüberflutung der Haut.

Juhu, es regnete. Nur noch 27 °C in der Wohnung und 29 °C draußen. Alle Fenster auf, fast so was wie Wind gibts auch. Luftaustausch tut gut.
Vielleicht wirds heute keine Radtour, aber ein Spaziergang?
Oder Sofa? Sofa geht immer.

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5. August
Aus den 4 u30-Tagen und u20-Nächten ist ein einziger u30-Tag geworden und die u20-Nächte sind auch eher zufällig verstreut …

Ich mag nicht mehr.

Morgähn. Wir machen das jetzt wahr mit dem frühen Losfahren. Nach Tee/Kaffee auf die Räder Richtung Rhein. Ich nur ein Stück, der Liebste weiter Richtung Schwarzwald und nach Hause …
So lange es ‚kühl‘ ist.
Jedenfalls war es temperaturmäßig eine relativ erträgliche Nacht u20, auch wenn ich doof geschlafen habe.

Später: Noch nicht mal 12 Uhr und ich bin schon 25 km geradelt, war einkaufen und in der Bib Bücher zum Einfassen holen – ich mache das von daheim aus, weil es in der Bib so heiß ist –, habe das Bett frisch bezogen, zwei Waschmaschinen gewaschen, eine schon gehängt, die zweite gleich. Ach, und gefrühstückt hab ich zwischendurch und den Pillenvorrat für eine Woche gerichtet. Und geduscht …

Langsam kommt die Müdigkeit und ich verstehe so langsam dieses Konzept mit der Siesta in heißen Ländern.

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Das sind ein paar Momentaufnahmen aus meinem Alltag. Für die Akten.

Wie eine so lebt, während draußen die Welt kollabiert.

Die Surrealität dieses Sommer haut mich immer wieder aus den Socken; zwischendurch fühlt es sich aber auch so an, als sei es immer schon so heiß gewesen. Doch auch das ist irgendwie unwirklich.

Mit dem Wegbrechen von ansonten in diesen Gegenden üblichen Sommertemperaturen geht nicht nur unsere Lebensqualität verloren. Ganze Perspektiven brechen weg, die Natur leidet – die Wälder, die Ernten, die Tiere, Wasser wird immer kostbarer. Die Frustration über all die jahrelang verpassten und vertanenen Gelegenheiten, politisch sinnvolle Entscheidungen zu treffen, macht mich unglaublich müde und wütend.

Über Denkmodelle nachdenken

Den Anstoß gab ein Tröt im Fediversum.

Wenn ihr euch unbedingt jetzt sofort auf einen Gedanken konzentrieren müsst, wie schafft ihr es dann, die anderen 3 Dutzend Gedanken, die gerade eine Stampede machen, aus eurem Kopf zu verbannen oder wenigstens in den Hintergrund zu schieben?

Quelle

Daraufhin sprachen Irgendlink und ich heute darüber, wie wir unsere Gedanken und Ideen priorisiert und in die Realität umgesetzt bekommen.

Wir erzählten einander unsere Denkmodelle.

Irgendlink erklärte mir sein Modell als eine Art Jonglage. Zitat:

Ich jongliere. Meist gehts gut und alle Gedanken bleiben in der Luft und das jeweils dahinter Stehende wird nach und nach fertig. Es bedeutet, dass ich mich nicht auf den einen Gedanken konzentriere, sondern auf alle immer so lange bis der nächste ‚dran‘ ist. Die dahinter stehenden abzuarbeitenden Dinge dauern ewig bis sie fertig werden. Als Arbeitnehmer in produktivem System würde ich damit sicher scheitern. Als selbständiger Künstler kann ichs mir erlauben, in anderen Zeitzyklen zu denken und zu handeln.

Als er mir sein Modell erklärt, sehe ich eine Art Mobilé vor mir, das mehrere Aufgabenbälle ausbalanciert. Nachteil: Wenn der eine Ball bearbeitet wird, verlieren die anderen Bälle Luft. Außerdem muss, bei jeder Neubearbeitung jedes Mal fast von vorn angefangen werden, wenn auch nicht ganz bei Null.

Mein Modell geht so, dass ich, wenn eine bestimmte Idee, ein bestimmter Gedanke nicht schon situationsbedingt schwer genug ist, um automatisch prioritär zu sein, den zu denkenwollenden Gedanken aktiv aufladen muss, damit er eine höhere Priorität bekommt. Ich kreise ihn gedanklich ein. Gebe ihm eine andere Farbe als die der anderen, ziehe ihn aus der Wulst der anderen Gedanken sozusagen heraus, verdichte ihn mit Assoziationen. Und beginne mit ihm eine neue, leere Gedankenzeile. Erst dann kann ich ihn fokussieren. Nachteil: Oft genug verliere ich die anderen Ideen aus dem Kopf. (Aufschreiben hilft.)

Das geschieht bei mir alles blitzschnell und beschreibt eher meine ADHS-Seite. Seit ich Medis als Unterstützung für mein Leben als ADHS-lerin nehme, sitzt mein autistischer Anteil häufiger am Schaltpult und dort dominiert zuweilen das monotrope Denkmodell mein Denken. Oft ist es auch eine Art Seilziehen in mir zwischen diesen beiden Anteilen.

Kann ich mich schließlich auf eine Aufgabe einlassen, geschieht das sehr tief und intensiv und ich blende dabei am liebsten alles anderes aus.

Monotropismus beschreibt eine bestimmte Art, Aufmerksamkeit zu organisieren:

Statt viele Dinge gleichzeitig im Blick zu haben, richtet sich der Fokus auf ein Thema – dafür mit großer Intensität.

Oder anders gesagt: Das Gehirn baut Aufmerksamkeitstunnel.

Quelle

Ich vermute, dass Irgendlink und ich eher neurodivergente Denkmodelle praktizieren.

Die meisten Menschen funktionieren allerdings neurotypisch. Wie genau sie funktionieren, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. In meiner Vorstellung tauchen beim Großteil der Menschen die Aufgaben und Ideen schon beim Drandenken pfannenfertig umsetzbar auf einer Art Priorisierungsliste auf. So lassen sie sich in dieser Reihenfolge abarbeiten, ohne dass dabei etwas verloren geht. Oder jedenfalls nicht sehr viel.

Vermutlich habe ich aber über neurotypische Menschen genauso viele Vorurteile, wie diese sie über neurodivergente Menschen haben.

Darum träume ich von einer Gesellschaft, in der alle unterschiedlichen Arten, zu denken, zu träumen, zu planen, zu arbeiten etc., gleichberechtigt nebeneinander stehen, als gegenseitige Ergänzung nicht als Ausschluss und Bewertung. Auch sollten Arbeitsfelder all die unterschiedlichen Ansätze möglich machen.

Denn wir sind nämlich alle genau richtig so, wie wir sind, wie wir denken und wie wir fühlen.

Ich freue mich darum, wenn ihr in den Kommentaren eure ganz unterschiedlichen Denkmodelle erklären mögt. Es leben die Vielfalt.


Mehr über Monotropismus:

https://au-adhs-ambulanz.de/adhs-autismus-und-monotropismus-die-wissenschaft-hinter-dem-hyperfokus/

Was fehlt?

Es war einer der ersten wieder halbwegs hellen Tage nach den gefühlt wochenlangen Eisheiligen Mitte Mai, als ich mit Freundin L. ins Thermalbad ging. Während wir unsere Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur von Wasserdüsen massieren ließen, erzählten wir uns, wie es uns in den letzten Wochen, seit dem letzten Wiedersehen, ergangen ist.

Ich mag es, wie Freundin L. von ihrem Schulalltag erzählt. Manche Schulklassen sind als Ganzes herausfordernder als andere. Ihre aktuelle, die sie nun noch einige Wochen bis zu deren Ende der Mittelstufenzeit begleitet, war eine von der sehr herausfordernden Sorte. Wobei: Oft sind es eher noch die Eltern, welche schwer erträglich sind.

Uneinsichtigkeit, Unreife, Intoleranz, Unverständnis, fehlendes Gemeinschaftsbewusstsein – die Liste ist lang. Dazu die Stellenkollegin, die kurz vorm Ausbrennen steht. Ein Teufelskreis, denn die Jugendlichen  Schwäche schamlos ausnützen.

»Was fehlt unseren Jugendlichen eigentlich am meisten?«, frage ich. Später erzähle ich ihr von jenem Thriller, den ich neulich gelesen habe. Von Vera Buck, Die Wolfskinder.

Drei Kinder aus einem entlegenen Bergdorf, die ohne technische Errungenschaften leben, gehen im nächstgelegenen Dorf zur Schule. Der 17-jährige Jesse, einer der Ich-Erzählenden der Geschichte, erkennt glasklar, dass den Kindern im Dorf, die ihn täglich mobben, weil er nach Stall riecht und seine Kleider abgetragen und unmodisch sind, eine Aufgabe fehlt, Verantwortung, die sie tragen sollten, Werte und ein Gemeinschaftsbewusstsein.

Das erzähle ich L. und will auf diesen einen Punkt hinaus, den ich inzwischen als etwas vom überhaupt wichtigsten begriffen habe:

Wir alle wollen etwas bewirken, wir alle wollen selbstwirksam sein.

Wenn wir uns selbst als wirksame Menschen verstehen, können wir Aufgaben als hilfreiche Herausforderungen betrachten und weniger als Bedrohungen. Doch wenn uns nicht zugetraut wird, dass wir dies oder jenes schaffen, wenn uns nie zugemutet wird, einen schwierigen Weg allein zu gehen. Auch wenn uns immer alle Steine aus dem Weg geräumt werden, weil uns nie dahingehend vertraut wird, dass wir ein Problem auf unsere Weise lösen können, fehlt uns etwas: nämlich das Wissen darum, wie es sich anfühlt, etwas zu bewirken.

Viele Eltern meinen es so gut mit ihren Kindern, dass sie ihnen ersparen, im Haushalt das eine oder andere zu erledigen. Oder sie räumen ihren Kindern immer hinterher. Kindern fehlt oft der Bezug zur physischen Umwelt, wie alles zusammenhängt. Wie das Essen auf den Tisch kommt. Warum die Wäsche im Schrank sauber ist.

Es geht mir nicht um Schuld, es geht darum, zu verstehen, wie Dinge zusamnmenwirken, was passiert, wenn wir handeln oder es unterlassen. Und wie wichtig es ist, dass wir alle unsere Aufgabe und unseren Platz finden, die unseren je individuellen Fähigkeiten entsprechen. Wie wichtig es für uns alle ist, eigenen Raum in der Gesellschaft zu haben. Sich einzubringen. Die eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Sich selbst gut zu kennen und die eigenen Grenzen zu verstehen. Ja, das hängt für mich alles zusammen. Auch mit Gewaltprävention. Gesundheitsfürsorge, insbesondere auch mentale, ist für mich die beste Investition in unser aller Zukunft – persönlich und gesellschaftlich.

Die Sprudeldüsen des Thermalbades bringen unsere Gedanken in Schwung. Zugleich wirken sie entspannend und wir erholen uns zusehends. Wie wichtig solche Auszeiten doch sind. Ich freue mich einmal mehr darüber, wie gut mir Wasser tut.

Im Kreis

Verloren habe ich schon viel
Den Glauben an Gottheiten zum Beispiel
Gefunden habe ich stattdessen
das Glitzern des Flusses
die Freude am Zusammenhang
den Zauber des Kreises

Der Kreis und sein Fließen
ganz und gar Physik
ganz und gar Naturgewalt
Kommen und Gehen
empfangen und verschenken

Geben und nehmen
teilen

Immer
für immer

Ostermontagsrückblick

Bereits wieder zwei Tage her und die ganzen schönen spontanen Gedanken, die ich hatte aufschreiben wollen, sind mit Verblassen beschäftigt.

Was bleibt, ist dieses große Gefühl von Verbundenheit. Dort anknüpfen und weitermachen, wo wir das letzte Mal aufgehört haben.

Mit Frau Lakritze zu wandern ist immer wohltuend. Alle Jahre, alle paar Jahre tun wir es, aber, huch, sind wirklich schon fünf Jahre vergangen seit dem letzten Mal, sagt mein Blogarchiv! Wie kann das sein? Gesehen haben wir uns aber zwischendurch schon, zum Glück.

Wohltuend ist wandern ja sowieso, einfach darum, weil wandern entschleunigt. Gehen, Erzählen und Zuhören ist eine Kunstform, die ich liebe. Wir werfen einander Stöckchen zu, reden über Alltägliches, Lachen über Krudes, es gibt auch ein paar ‚Wisst-ihr-Noch?’s,  – natürlich, die gibts immer, wenn Menschen, die sich schon eine Weile kennen*, miteinander sprechen – und dann gibt es die stillen Momente, wo sich alle in eigene Gedanken zurückziehen. Teilen und teilhaben. Und zusammen hinschauen. Und staunen.

Zusammen zu staunen ist für mich eine richtig schöne Tätigkeit.

»Schaut doch nur wie schön der Rotenfels bei diesem frühen Abendlicht aussieht?«

Wir betrachten ihn, schon fast auf dem Rückweg, von einer riesigen Bank aus, auf der nur über eine Holztreppe zu sitzen überhaupt möglich ist. Hinter uns drei nordpfälzische Hotspots – der Disibodenberg mit seinen Klosterruinen, die Montfort-Ruine mit ihren hohen, noch immer erhaltenen Mauern, die ein Eidechsen-Dorado sind und dem Silbersee, in welchem Herr Irgendlink seinerzeit ein dreieckiges Floß gewässert hat. »Muss 50 Jahre her sein«, sagt er.

Erinnerungen, die ich zwar nicht habe, weil ich fern von der Nordpfalz aufgewachsen bin, aber ich kann meine eigenen Erinnerungen mit Irgendlinks und Lakritzes verweben. Natur, Berge, Wälder. Ich begreife, wie sehr sie für mich zum Glücklichseit nötig sind.

Für mein Glück brauche ich genau das: Ein Draußen ohne oder nur mit wenigen Menschen, Weitblick, Grün, Erde unter den Füßen, über mir der Himmel und dazwischen ein rauschendes, hellgrün schimmerndes Blätterdach oder im Winter auch nackte Bäume. Wir picknicken gemeinsam auf einer Bank im Klosterruinengelände, wo auf einmal immer mehr Leute herumspazieren. Unaufgeregt die meisten.

Im Labyrinth neben uns, das ein bisschen an das in Chartres erinnert und am Eingang der Klosterruinen-Anlage auf dem Disibodenberg angelegt ist, nehme ich den falschen Anfang – ja, sowas kann ich ziemlich gut, obwohl sich in einem Labyrinth zu verlaufen nicht vorgesehen ist –, nehme später eine kleine Abkürzung, doch dann lasse ich mich ein auf das Gehen von innen nach außen und von außen nach innen. Wie auch so oft im richtigen Leben gibt es hier kein Falsch und kein Richtig und ich entscheide, wo ich hingehe. Manchmal tut es dennoch gut, einem Weg zu folgen, den anderen bereits vor mir gegangen sind.

Alles hat seine Zeit und genau hier und genau jetzt fühle ich das mit all meinen Sinnen.

Ich hoffe, bis zum nächsten Mal warten wir nicht wieder so lange. Da wollen wir nämlich den Rotenfels erkunden.

[Nachtrag: Auch Irgendlink hat über unsere Wanderung gebloggt.]


* Kennengelernt haben wir uns im Oktober 2012, verrät mir mein Blogarchiv, bei einer Ausstellung gemeinsamer Blogkolleg*innen in Karlsruhe.

Notizen am Rande #8

Diese Woche hab ich endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufgeräumt und die diversen Handnotizen, teils jahrealt und in diversen Mappen gesammelt, auf einem Stapel zusammengeführt.

Kleine Gedankenfetzen, die ich am Rande des Alltags, wann immer sie mir eben einfielen, auf kleine Zettel, Makulatur zumeist, notiert habe. Sie spiegeln mir im Rückblick, wohin meine Gedanken jeweils gereist sind.

Und vielleicht sind ja alle einzelnen Gedankenfitzelchen, Handlungen und Textfragmente – einzelnen Pixeln eines riesigen digitalen Bildes gleich –, für sich gesehen unverständliche Punkte und nur als Ganzes, zusammenhängend, verständlich?

+++

Sich Gutes zu tun ist aufwändiger als das, was mir schadet.

+++

Person 1: Sag mal, läuft da was zwischen dir und mir?

Person 2: Hilfe, meine Bierflasche ist umgekippt!
oder
Person 2: Darf ich vorstellen: Snoopy, mein Hund.
oder
Person 2: Spring ruhig rüber, der Bach ist soo tief nicht.

+++

Wider besseres Wissen
will sie wissen
was wirklich
wesentlich und wichtig
ist

+++

Die einen von uns sind aus Baumwolle
andere synthetisch
andere gasförmig
manche wattig
oder
aus Gummi
Nicht alles
passt
überall

+++

Wird, was noch nicht da ist,
noch?

Ist alles, was da ist,
schon immer
da gewesen?

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Zigarettenstummel
auf der Straße.
Erzählen Geschichten.
Ganze Leben.
Erzählen
von Kindheiten.
Spuren.
Muster,
die lesen kann,
wer sie lesen kann.

+++

Die Maßeinheiten von Glück ist nicht die Minuten oder Stunden gar,
es sind unsere Sinne.

+++

Wenn die Nachbarin über mir gleichzeitig auf dem Klo sitzen würde, wären wir dann Blasen- oder Darmverwandte, Seelenverwandte ja eher nicht?

+++

(Fortsetzung folgt)

Vor zehn Jahren? | Januar 2016

Gerade blicken da und dort Menschen auf das Jahr 2016 zurück. Eine Idee, die bei mir auf fruchtbaren Boden fällt, denn in meiner Erinnerung ist fast jede vergangene Zeit besser als die Jetzt-Zeit – zumindest was die Lage der Welt betrifft. Persönlich nicht unbedingt, persönlich ist es jetzt besser als auch schon.

Januar 2016 also. Was sagt mein Blog dazu?

Das hier zum Beispiel …

Ohne Titel #1

Die Schreiblust kommt und geht. Ist mir Freundin, wie immer.
Die Lust, geschriebenes zu veröffentlichen, zu verbloggen, jedoch ist verblasst.
Noch ist da irgendwo eine Art Hoffnung, dass diese verblasste Lust verstanden werde.

Das Blog als Notizbuch zu verwenden, wie mir vorgeschlagen wurde, könnte eine Idee sein, das Blog nicht einäschern zu müssen.
Nur … wozu sollte ich veröffentlichen, was ich mir notiere?

Als Prozesstagebuch könnte ich es einsetzen, riet eine andere weise Stimme. Ja. Gute Idee.
Aber wozu sollte ich veröffentlichen, was in mir an Prozessen abläuft?

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Es scheint ein Kehrreim meines Lebens zu sein, dass ich immer mal wieder Phasen mit und ohne Schreibmotivation habe. Aber auch, dass ich doch immer wieder zum Schreiben zurückfinde.

Möge mir diese Fähigkeit erhalten bleiben, denn sie hilft sehr dabei, das Leben besser zu ertragen.

Ausgesperrt und wieder drin

Mein Schutzengel ist aus Fleisch und Blut. Dass ich jetzt wieder an meinem Schreibtisch sitze, ist der Beweis. Dass ich nicht mehr draußen vor dem Haus stehen, mir nicht mehr die Hände und Füße abfrieren muss und die Nasenspitze. So ganz ohne Jacke, ohne Schuhe, ohne Schirm.

Heute und morgen sind Waschtage. Ich nehme oft, wenn ich die Wäsche aus der Waschküche hole, den kleinen Komposteimer mit nach unten, um ihn in die grüne Tonne zu kippen. Bei dieser Gelegenheit leere ich meistens auch gleich noch den Briefkasten.

Soweit so gut.

In der Milisekunde, bevor die Tür hinter mir ins Schloss fällt, realisiere ich, dass ich den Briefkastenschlüssel, sprich: meinen Schlüsselbund, nicht eingesteckt habe. Mist-Mist-Mist. Liebe Grüße von meiner ADHS. Sie will auch mal wieder zuschlagen. Nichtsdestotrotz kippe ich den Inhalt des kleinen Eimers in die Tonne.

Als erstes klingle ich bei der Nachbarin unter mir, die nachmittags oft frei hat, denn sie arbeitet Teilzeit im Kindergarten auf der anderen Straßenseite. Ich warte. Es passiert nichts. Als nächstes klingele ich bei der Nachbarin unten links, das ist die mit dem Engelfimmel. Aber die Engel sind heute offensichtlich ausgeflogen.

Deshalb kommt die junge Nachbarin über mir, die erst neu eingezogen ist, in den Genuss meiner Klingelattacke, doch auch sie ist nicht zuhause. Ebenso reagiert das ältere Paar oben links nicht auf mein Läuten. Last but not least kommt die letzte Nachbarin, die mir vis-à-vis wohnt, dran. Sie arbeitet Schicht, weshalb ich mir gewünscht habe, nicht bei ihr klingeln zu müssen. Außerdem hat sie mich schon am häufigsten gerettet, wenn ich den Schlüssel verschusselt habe, was ADHS-bedingt öfter mal vorkommt. Doch auch sie ist nicht da. Oder schläft tief und fest, es sei ihr gegönnt.

Zwischendurch suche ich mir einen kleinen Ast. Damit versuche ich den Umschlag mit dem Schlüssel, den ich per Magnet und Klebstreifen in mein Briefkastenfach gehängt habe, auf dem Schlitz zu angeln. Es gelingt mir immerhin, den Umschlag von der Rückwand loszulösen, doch ich bekomme ihn nicht zu fassen. Meine Finger sind zu kurz und der Schlitz zu schmal.

Da die Nachbarin unter mir nicht da ist, überlege ich, könnte sie ja im Kindergarten sein, oder? Falls ja, würde sie mir bestimmt kurz ihren Schlüssel ausleihen, nicht wahr?

Also tappe ich frierend und in Hausschlappen über die regennasse Straße, es regnet zum Glück nur wenig. Als ich die Treppe zum Kindergarten hochsteige, sitzt auf der Pausenbank unter dem Vordach eine Frau, die ich nach zwei Nachdenk-Sekunden schließlich wiedererkenne – und sie mich.

Es ist L., die Putzperle des Wohnhauses, das ich bis vor anderthalb Jahren  bewohnt habe. Sie putzt unter anderem Gebäude, die der Gemeinde gehören, so auch den Kindergarten. Gerade raucht sie vor dem Putzen eine Zigarette. Wir freuen uns sehr über dieses unerwartete Wiedersehen. Wie toll ist das denn? Ich erzähle ihr mein Dilemma und wir überlegen, mit welchen Werkzeugen ich den Umschlag wohl aus dem Briefkasten ziehen könnte. Ich bekomme eine Schere, einen Schraubenzieher und – tadaaa! – eine Müllauflesezange ausgeliehen. Kurz entschlossen kommt sie mit rüber, zu meinem Briefkasten, und zusammen fischen wir den Umschlag samt Schlüsseln aus dem Schlitz. Juhuu!

Ich lade sie ein, bald auf eine Tasse Kaffee oder Tee zu mir zu kommen. Schon in der alten Wohnung tranken wir das eine oder andere Mal zusammen Heißgetränke. Ich mag sie sehr. Früher hat sie manchmal meine Pflanzen gegossen, wenn ich in den Ferien war, doch dann hatte sie eine Weile Rückenprobleme und ich verzichtete darum auf ihre Hilfe.

Beide haben wir uns über das Wiedersehen gefreut. Ich finde es total verrückt, dass sie es ist, die mir geholfen hat. Und dass wir uns nach anderthalb Jahren unter diesen Umständen wiedergesehen haben.

Im Briefkasten ein Spendenaufruf der Heilsarmee, die jährliche Weihnachtssammlung. Auf den Bildern Menschen ohne Dach überm Kopf. Ich werde etwas spenden. Wie dankbar ich doch für meine Wohnung und die Wärme des Heizkörpers neben mir bin!