Tagebuch der Klimakrise 02

Sonntag, 28. Juni 2026

Am letzten Tag dieser unerträglichen und langen Hitzewelle schenke ich uns diesen Link hier zu einer Fediwall, die ich erstellt habe. Unter dieser Adresse hier findet ihr viele gemeinsam gesammelte Hitzelifehacks:
https://fediwall.de/

Ich habe aufgeschnappt, dass vielleicht die Entwarnung und Vorfreude auf die ca. 8 oder noch mehr Grad kühleren Tage, die ab morgen hier anbrechen, illusorisch sein könnten – wegen der erwarteten höheren Luftfeuchtigkeit könnte das Hitzegefühl auch bei tieferen Temperaturen ähnlich sein wie jetzt. Ich hoffe trotzdem auf Abkühlung.

Die folgende Tabelle illustriert das Verhältnis von  Temperatur (zwischen 22° C und 42° C) zu Luftfeuchtigkeit (zwischen 25 % und 100 %).

Kurz gesagt: Je höher Temperatur und Luftfeuchtigkeit, desto gefährlicher für unseren Körper.

Das Bild zeigt eine komplexfarbige Tabelle mit numerischen Werten, die wahrscheinlich eine psychrometrische Tabelle darstellt. Die Tabelle ist vertikal nach Temperaturen von 22° bis 42° Grad Celsius und horizontal nach relativer Luftfeuchtigkeit von 25% bis 100% in 5%-Schritten gegliedert. Jede Zelle der Tabelle enthält eine Zahl, die einen bestimmten Wert für die angegebene Temperatur und Luftfeuchtigkeit darstellt, wobei die Farbgebung von Blau über Gelb bis Rot variiert, was wahrscheinlich eine Skala von niedrigen zu hohen Werten signalisiert. Die höchsten Werte (in Rot) finden sich bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit, während die niedrigsten Werte (in Blau) bei niedrigen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit erscheinen. Die Farben können auf den physiologischen Komfort oder die gefühlte Temperatur hinweisen. Die Komposition ist streng tabellarisch und klar strukturiert, ohne jegliche grafische oder dekorative Elemente. Die Atmosphäre ist rein informativ und wissenschaftlich.

Heute bin ich dreimal in die kalte Badewanne mit dem gesammelten Duschwasser der letzten drei Tage gestiegen. Draußen war es extrem heiß und ich habe es nicht raus geschafft. Der Wald ist zwar nahe, aber bis ich dort bin, bin ich womöglich schon verdorrt – so jedenfalls fühlt es sich für mich gerade an.

Ich habe mir Wasserperlen bestellt, damit ich mir kühlende Accesoires nähen kann. Ich denke an eine Art Kühlweste und an ein Kühlmützchen. Die Inspiration dazu habe ich von Mela Eckenfels, die auf ihrem Blog einen Kühlschal vorstellt, den sie sich genäht hat.

Ich werde berichten. 😉

Screenshot von Melas Webseitenheader

+++

Montag, 29. Juni 2026

Wie ich gestern Abend vorm Zubettgehen – das dritte und letzte Mal im Laufe des Tages – im kalten Wasser meiner Badewanne lag und vor oder besser über mir durch das offene Fenster im Dunkeln ein Stück Himmel voller Sterne  betrachtete: das war schön. Nur das kühle Wasser und ich.

Ich habe gestern Abend das erste Mal ein Kühlbox-Kühlakku in ein nasskaltes Geschirrtuch eingewickelt. Das hab ich schließlich auch mit ins Bett genommen und mir auf die Haut gelegt, auf den Bauch und die Beine. Auch das war sehr angenehm.

Um 5 Uhr wurde ich durch das knallende Zuschlagen meiner bis dahin sperrangelweiten Türen aufgeweckt. Nachdem ich einige Fenster auf Kipp gestellt und alle Türen zuknallsicher arretiert hatte, bin ich zum Glück nochmals eingeschlafen.
Ich bin sooo verdammt hitzemüde. Hoffentlich wird es jetzt ein bisschen kühler. Aber vermutlich ist das nur eine Zwischenphase, und die nächste Hitzewelle steht schon in den Startlöchern.
Kurz nach sieben fühlte sich die Wohnung tatsächlich etwas abgekühlt an. Mein Körper fühlte sich gleich nicht mehr so krank, nicht mehr so fiebrig an wie um fünf Uhr früh. Laut war es draußen, die üblichen Flugzeuge und Autos, für Vogelgezwitscher ist es schon zu spät und dazu bin ich eh zu schwerhörig.
Die Woche beginnt, Montagmorgen, alles wie immer. Nein. Es ist eine neue Zeit angebrochen. Die Klimakatastrophe liegt nicht vor uns, wir stecken bereits mitten drin.
Gleichzeitig ist aber jeder Tag auch einfach nur ein neuer Tag.
Dieser hier ist der erste Tag, ein sehr ersehnter Tag für mich, der hoffentlich nicht mehr zur Hitzewelle gehört. Den Wetterbericht habe ich noch nicht gesehen.
Ich sehne mich so nach Herbst, nach Kühle, nach Normalität, nach meinen gewohnten Abläufen.
Dieser Ausnahmezustand zerrt an meinen Nerven. Die Hitze reibt extrem an meinem Nervenkostüm. Die Hitze überlastet und überfordert meinen Körpers, meiner Sinne.
Diese Hitze ist nicht nur ungesund, sie ist auch einfach unglaublich stressig, sie versetzt mich in stetige Alarmbereitschaft, mein ganzes System kommt kaum mehr richtig zur Ruhe, physisch ebenso wie psychisch bin ich unglaublich erschöpft. Es ist alles furchtbar ermüdend. Dazu die kurzen Nächte, weil ich nicht früh und nicht lange schlafen kann. Es ist alles sehr schwer auszuhalten.
Und immer im Hinterkopf dieser Gedanke, dass es mir ja – wenigsten rein materiell – verhältnismäßig gut geht. Ich habe ein Dach über dem Kopf, doch ich wohne nicht direkt unterm Dachboden. Ja, meine Wohnung kann 30 Grad warm werden, vielleicht noch wärmer, was ich lieber nicht wissen möchte, doch ich kenne Menschen, deren Wohnungen noch heißer waren. Es gibt immer Leute, denen es schlechter geht, deren Lage noch schlimmer ist, besonders in anderen Ländern, wo es noch heißer ist.
Andere Länder haben längst Strategien, haben sich über die vielen Hitzejahre angepasst, doch wir hier sind überfordert, müssen alles irgendwie lernen, uns neues Wissen aneignen, ein Hitzemanagement erschaffen, uns körperlich und mental anpassen – doch wer zeigt uns, wie das geht? Die Klimaleugner*innen in den Regierungen? Eher nicht.
Auf einmal sind mir Klimaanlagen vorstellbar, doch damit kommen neue Energieprobleme auf uns zu. Es braucht rasche Lösungen, gerade für Menschen, die mit Hitze nicht gut umgehen können: kranke Menschen, ältere Menschen, wenig belastbare Menschen. Eigentlich genau die, die eh nur kosten und nichts leisten und am liebsten übersehen werden //ironieoff.
Unsere Regierungen sind so gefragt wie nie. Gesundheit, insbesondere Klima-Gesundheit und Klima-Schutz sind die ganz großen, ganz wichtigen Themen. Gerade jetzt sollte die Solar- und Windenergie gefördert werden wie nie zuvor.
Ich weiß, ich sage da nichts Neues. Das wissen wir alles. Ob sich die Katastrophe wohl noch wenden lässt? Ich bezweifle es ehrlich gesagt.
Eigentlich sind wir ja ein Kollektiv, doch sitzen wir trotzdem nicht alle im gleichen Boot. Die in den großen Booten, die, die den ganzen Scheiß zu verantworten haben, sitzen in ihren klimatisierten Büros und an ihren Pools und bekommen nichts mit. Ja, das alles macht mich fertig.
Dennoch ziehe ich mich gerade ziemlich zurück. Allein lässt sich die Hitze besser ertragen. Da muss ich nur meine Befürfnisse beachten. Es fühlt sich egoistisch an, zugleich ist das Leben gerade mal wieder sehr existentiell geworden.
Wir stehen an einem Wendepunkt: So wie es war, wird es nicht mehr werden, nicht so lange wir leben; nicht, so lange ich noch lebe. Wie die Pandemie ist auch dieser Sommer hier eine Zäsur in der irdischen Klimageschichte: vorher und nachher.
Ja, ich komme irgendwie zurecht, trotzdem will ich mir das hier nicht als Dauerzustand vorstellen. Es graut mir.

#Tagebuch der Klimakrise 01

Der zweitletzte Tag dieser aktuellen Hitzewelle, dazu der heißeste. Wie lange war sie 1o Tage mindestens, Wie heißt wurde es? Bei mir ist heute der heißeste Tag. Ich vergesse bereits … Im Rückblick verschmelzen (ha!) die Hitzetage zu einem einzigen großen Superhitze-GAU.

Im Fediverse zeige ich zu Dokumentationszwecken alle paar Tage meine Wetterapp-Screenshots.

Heute schon fast nicht mehr vorstellbar, aber am 17. Juni waren die Nächte noch unter zwanzig Grad. 15° C war es hier und die nächtliche Durchzuglüftung vermochte die aufgewärmte Wohnung noch bis auf etwa 23° C herunterzukühlen.

Inzwischen bekomme ich die Wohnung trotz Verdunkelung und nächtlichem Durchzug, der bei Windstille so viel nicht bringt, nicht mehr unter 24°C. Heute und gestern waren hier und in ziemlich vielen Teilen Europas die heißesten Tage. Hier 36° C, in der Pfalz teils bis 40°C.

Die meisten von euch, die das hier lesen, werden aktuell ähnliche Temperaturen erleben und erlebt haben. Und es wird euch ähnlich gehen wie mir, oder besser, oder schlechter.

Die letzte Hitzewelle, sie endete genau vor unseren Ferien Anfang Juni, war nicht ganz so lang und nicht ganz so heiß, es war ja immerhin auch noch Frühling (ironieoff).

Das hier ist neu. Nicht nur für mich, die ich doch schon ü60 Jahre auf dem Buckel habe. Ja, es war früher auch manchmal heiß, und ja, die Erde hat sich klimatisch schon immer verändert, aber das hier, das ist nicht mehr das, was die Erde schon immer gemacht hat. Das hier ist das, wovor ich mich schon lange gefürchtet habe. Vor 8 Jahren, als Greta Thunberg mit ihren zuerst sehr einsamen wöchentlichen Schulstreiks die Welt auf die Klimakatastrophe aufmerksam machte, haben viele noch abgewiegelt.

Ich aber hatte schon damals schlaflose Nächte, wenn ich mich der Vorstellung hingab, wie heiß es hier werden könnte. Die Perspektive versetzte mich teils in Panik und machte mich wortwörtlich depressiv.

Heute habe ich schlaflose Näche, weil ich solche heißen Nächte am eigenen Leib erlebe.

Was ich tue, um einigermaßen durch die Tage zu kommen?

Neben Verdunkelungsmaßnahmen – Fensterläden, Vorhänge, Spiegelfolien etc. – habe ich einen kleinen Turmventilator, der zurzeit praktisch rund um die Uhr ackert. Ich lüfte nachts. Am Abend öffne ich die Fenster dann, wenn die Außentemperatur ungefähr die stets gestiegene Innentemperatur (aktuell ca. 29° C) erreicht. Dann stelle ich den Ventilator mit seiner 60°-Rotationsfähigkeit so auf, dass die einströmende Luft und die ausströmende Luft sich austauschen können und mich die Kühle erreichen kann. Das mache ich auch nachts.

Ich sitze minimal bekleidet (das Bikinioberteil halte ich ständig feucht) am Schreibtisch, neben mir eine Kühlflasche Wasser und einen Pflanzenbefeuchter mit kaltem (aka lauwarmem) Wasser, mit welchem ich mich regelmäßig bestäube. Ich bewege mich sehr langsam. Und sehr wenig. Mein Kreislauf dankt es mir.

Die Badewanne sammelt mein tägliches Duschwasser, damit ich mich abends vorm Schlafen nochmals abkühlen kann. Zwischendurch plantsche ich meine Füße in einem Wasserbecken.

Raus gehe ich tatsächlich nur, wenn ich muss (einkaufen, Ärztin, etc.). Ich bin gerade sehr dünnhäutig und leicht reizbar. Die Hitze ist eine Dauerüberreizung, aus der ich gerade kaum mehr herauskomme. Darum treffe ich gerade nur ein Minimum an Menschen und erlebe die aktuelle Zeit wie eine Art Lockdown. Ich bleibe drin. Immerhin kann ich gut mit mir allein sein. Dem Liebsten gehts ähnlich in Sachen Rückzug.

+++

Da mein Blog so eine Art ausgelagertes Gedächtnis ist, schreibe ichab sofort immer mal wieder darüber, wie ich die Klimakatastrophe erlebe, mehr so die alltägliche Seite, die persönliche. Als Chronistin meiner Mitwelt. Kleine Momentaufnahmen. Andere tun das in ihren Blogs ebenfalls. Manche globaler, umfassender, andere wie ich eher persönlich.

Wir Bloggenden sind Chronist*innen unserer Zeit.

Bloß: Wer wird uns je lesen, wenn morgen die Welt untergeht? Oder übermorgen.

So Fragen.

Veränderbar, aber wir müssen es wollen

Unsere Körper gehorchen natürlichen Gesetzmäßigkeiten, körpereigenen Strukturen. So und so funktioniert ein Körper, so und so hat er sich seit Anbeginn der Zeit entwickelt.

Würde die Menschheit – die gesamte menschliche Gesellschaft – wie so ein Körper funktionieren, wie sähe da wohl die natürliche Struktur und Gesetzmäßigkeit aus? Gibt es eine allen Säugentieren übergeordnete Struktur? Wohl kaum, ich glaube, wir müssen da näher hinzoomen und jede Spezies gesondert betrachten.

Wie viele tausend Jahre tun wir Menschen nun bereits so, als wären Patriarchat und Frauenunterdrückung naturgemäße Strukturen und Gesetzmäßigkeiten? Selbst heute, mit all den Erkenntnissen, die wir inzwischen haben, leben wir gemäß verinnerlichten monotheistischen und patriarchalen Weltbildern, die so gar nichts mit der wahren Natur des Menschseins gemein haben. Vielmehr ist es doch die weibliche, die matriarchale Struktur, die der Natur entspricht: Nähren, hegen, wachsen, gemeinsam leben fördern.

Dennoch leben wir alle so, als wären diese patriarchalen Strukturen unabänderlich. Wir verhalten uns diesen verinnerlichten Regeln gemäß, haben sogar (oft) sehr gründlich aufgehört, darüber nachzudenken, wie sich Grundsätzliches verändern ließe, zu tief ist das Gewohnte in all unserm Tun verankert. Zeit und Kraft fehlen, zu sehr sind wir mit dem Erhalt des Status Quo, den wir so gar nicht unbedingt richtig finden, beschäftigt. Mangels Alternativen (aber da bin ich eben gar nicht so sicher. Es gäbe sie, aber wir kennen sie noch nicht).

Ich sehe diese patriarchalen Strukturen, diese Weltbilder, wann immer ich Nachrichten und Bücher lese, Filme gucke. Sie funktionieren ganz automatisch. Die Darstellung von Männer und Frauen – in der Berichterstattung ebenso wie in der Fiktion – vorhersehbar: Die Frau, oft hilfsbedürftig und in der Opferrolle, von physischer, struktureller und/oder sexueller Gewalt bedroht – in den Nachrichten und Krimis ebenso wie in Gesellschaftsromanen. Der Mann, oft stark und nicht selten gewaltbereit. Ausnahmen gibt es zum Glück immer mehr, in der Realität ebenso wie in der Fiktion, doch meistens wissen alle Mitspielenden, wo ihr Platz ist.

Ich sehne mich nach neuen Geschichten. Ich habe zuweilen sogar Lust, selbst eine neue Geschichte zu schreiben. Sie müsste, ahne ich, irgendwo in der (hoffentlich nahen) Zukunft angesiedelt sein, da auf matriarchalen Strukturen basierendes Alltagsleben noch Theorie und Utopie ist. Vielleicht  gibt es ja bald ein neues Untergenre von Fantasy? Hoffentlich.

Mit solchen Gedanken beschäftigte ich mich gestern Abend, nachdem ich mir einen weiteren Teil der vierteiligen Miniserie ’Unorthodox’ auf Netflix angeschaut hatte. Ich ertrage es, zugegeben, nur sehr schlecht, Esther und den anderen jungen Frauen beim Leben in ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft in New York zuzuschauen. Am schwersten auszuhalten ist für mich, wie manche Frauen ’das traditionellen Wissen’ an die jüngeren Frauen weitergeben. Wissen à la ’Wie macht man einen Mann glücklich?’ Dabei bleibt die natürliche weibliche Lust auf der Strecke – denn sie ist sündig. Eine Frau ist in erster Linie Gebärmaschine. Wenn ich von dieser einen Gemeinschaft den Blick weite und all die unzähligen Gesellschaften rund um den Erdball betrachte, in denen Frauen keine oder kaum Rechte auf eigene Bedürfnisse und Entfaltung haben (Iran, Afghanistan, Asien, Afrika), wird mir das Herz schwer. Für mich persönlich am schlimmsten empfinde ich es dort, wo die Regeln (angeblich) aus monotheistischen Quellen stammen – von männlich gelesenen Göttern diktiert. Genitalverstümmelungen und andere Verbrechen am weiblichen Körper. (Wie können Menschen an Götter glauben, die solche Dinge von den Menschen verlangen?)

Ob ich noch Hoffnung für die Menschheit habe? Ein bisschen. Wenn wir das Betriebssystem von patriarchal auf matriarchal zu drehen vermögen, könnte es funktionieren. Vielleicht.

Alt wird neu – und immer weiter

Jetzt sind wir also drüben in der eben noch weitwegen Zukunft. Aber nein, wir sind doch immer in der Gegenwart, die letztlich illusorisch ist, denn kaum erlebt, ist sie schon vergangen.

Das erste Mal seit ich denken kann, schenkte ich dem Jahreswechsel kaum Aufmerksamkeit. Keine großen mentalen Vorbereitungen. Keine Karten zum Jahreswechsel. Keine geplanten Neujahrsansprachen im Blogformat. Und der histaminfreie Versecco, mit dem wir angestoßen haben, stammte sogar noch vom Vorjahr.

Kurz und gut: Da ist wenig Ambition in Sachen 2022, dass das neue Jahr so viel anders und so viel besser werden könnte als das letzte. Obwohl das vergangene so schlecht auch nicht war. Es war einfach. Es hat stattgefunden und wir haben uns rund um die Pandemie so gut es eben geht eingerichtet. Haben uns mit den Ängsten und Gefahren arrangiert. Haben Erfahrungen gemacht und Erlebnisse gesammelt. Vieles war gut, vieles war doof, vieles war ungewohnt.

Und ausgerechnet an einem der letzten Tage des Jahres passiert Irgendlink und mir dann etwas ziemlich Verrücktes. Mein Autoradio ist seit etwa einem Monat am Zicken und seit einer Woche konnte ich noch nicht einmal mehr die Lautstärke regulieren. Hörbücher via Handy zu hören, ging nicht mehr. Kurz gesagt: Doof.

Kurzerhand guugelte ich Radioreparatur-Anleitungen und recherchiert was ein gebrauchtes Ersatzradio kosten würde. Ich sagte zu Irgendlink: Lass uns mal testweise gucken, ob wir das Radio überhaupt ohne professionalle Hilfe ausbauen können. (Kleiner Hintergedanke dabei war natürlich, dass da vielleicht nur ein Kabel falsch eingestöpselt sein könnte, das wir wieder einstöpseln könnten.) Das taten wir. Alle Kabel sahen richtig verortet und in Ordnung aus, weshalb wir das Radio wieder einbauten. Siehe da – alles geht wieder! Alles.

Fazit: Manchmal hilft ein Neustart. Schön wär’s, wenn wir das im Leben auch so einfach könnten …

Bloß klappen Neuanfänge selten ohne Umdenken und Veränderungen. Wie sagte doch Albert Einstein so schön (oder vielleicht auch seine Frau, bei der er ja ziemlich viel abgekupfert haben soll):

»Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.«

Sinngemäß haben wir uns die letzten Tage oft über den Inhalt dieses Satzes unterhalten, ohne ihn zu kennen. (Gelesen habe ich ihn nämlich erst neulich das erste Mal auf Twitter.)

Wie bereit sind wir, uns zu verändern, anders gesagt: Brauchen wir erst einen gewissen Leidensdruck, um etwas zu verändern? Und lässt sich wirklich alles verändern, was auf der Seele drückt oder im Körper zwickt?

Und was ist mit den andern, denn wir alle tragen ja auf die eine oder andere Weise Verantwortung für unsere Mitmenschen. Darüber sprachen wir, als wir gestern Nachmittag zu unserm Freund S. fuhren, der dem Virustod von der Schippe gesprungen ist. Kurz zuvor war Freundin S. kurz vorbeigekommen, die sich aktuell neben ihrer eigenen Trauer um den verstorbenen Vater intensiv um ihre verwitwete Mutter kümmert.

‚Das eigene Leben temporär hintanstellen‘ ist also dieser Tage immer mal wieder Thema bei uns. Man kann sich ob all der Bedürfnisse und Bedürftigkeiten anderer, um die wir uns kümmern, geradezu verlieren, sagen wir zueinander. Wichtig ist doch, sagt der Liebste, dass wir uns dieser Gefahr bewusst sind. Dass solche Vorgänge mitgedacht werden, während sie geschehen. Zwar werde ich phasenweise buchstäblich zum andern, aber ich bleibe dennoch ich selbst, weil ich das Geschehen verstehe. Genau das ist, finden wir, die ganzgroße Herausforderung, Ich-Sein im Wir-alle-Sein, denn niemand ist eine Insel – es sei denn sie oder er lebe einsiedlerisch und autark. Wir sprechen über all die Einflüsse, die uns formen und verändern, über Wirkung und Ohnmacht. Manches geht, manches eben nicht.

Silvesterspätnachmittag. Wir waren vor 13 Uhr noch schnell in den Bioladen gehuscht, dessen Öffnungszeiten ich im Internet erfragt hatte. Ich kaufte ein paar Vorräte für meine histaminfreie Brotbäckerei. Das gleiche Internet, das mir die korrekten Öffnungszeiten des Bioladens verraten hatte, behauptete, dass unser bevorzugter Supermarkt bis 21 Uhr geöffnet sei – ja, trotz Silvester! Also planten wir, nach unserm kleinen Wanderausflug nach Bitche, dort noch schnell unsere Gemüse- und Käsevorräte aufzustocken.

Den Ausflug genossen wir sehr. Ferien spielen nennen wir solche Ausflüge zuweilen.

Auf dem Heimweg steuerten wir Supermarkt 1 an. Geschlossen. Auch Supermarkt 2, unser bevorzugter, war zu, als wir dort aufschlugen. Tja. Selbstverständlich gönne ich den Kassiererinnen ihren frühen Feierabend. Sehr sogar. Dennoch hat mich die Angelegenheit verstört. Zum einen natürlich ganz materiell, weil wir unsere Vorräte nicht auffüllen konnten und nun drei Abendessen würden aus Bordmitteln bestreiten müssen,  zum anderen aber, weil im Netz falsche Öffnungszeiten verbreitet worden waren. Das ist mir tatsächlich bisher noch nie passiert. Klar stimmt nicht alles, was das Internet sagt, kein Thema. Aber Öffnungszeiten? Bitte, Internet, bitte nicht auch noch die Öffnungszeiten verfälschen!

Was ist eigentlich noch selbstverständlich? Wie twitterte ich neulich?

Ein gutes Neues wünsch ich euch. Leben, Jahr oder was immer ihr euch gerade gut und neu wünscht.

Cartoon. Dialog zwischen Cowboyskelett und Vogel, beide auf Fässern sitzend. Skelett sagt: Eigentlich kann es ja nur besser werden, ne? Vogel antwortet: Machen wir das Beste draus?! Gutes Neues!

Falsche Rücksichten

Manchmal wünsche ich mir die Naivität zurück, die ich noch vor wenigen Jahren hatte: Den ziemlich festen Glauben daran, dass wir als Gesellschaft das Steuer nochmals herumreißen können. Die Illusion, dass wir alle es im Grunde gut miteinander meinen und unser Bestes geben, um die Welt einen lebenswerten Ort sein zu lassen oder sie wieder zu machen.

Die letzten zwei Jahren haben meine Naivität und meine Illusionen nachhaltig zerstört.

Die aktuelle Lage ist desolat. In vielerlei Hinsicht. Klimakatastrophe und Pandemie. Das Virus breitet sich wieder fast ungezügelt aus. Es bräuchte dringend Maßnahmen. Für alle. Leider auch für jene, die geimpft sind. Doch unsere Regierungen sind stagniert, resigniert vermutlich, und lassen uns im Stich.

Ich habe ehrlich gesagt Angst davor, dass wir da nie wieder rauskommen, weil es immer wieder Menschen gibt, die sich dagegen sperren, solidarisch zu sein. Spaltung!, rufen sie. Und genau jene Menschen, die über Spaltung jammern, tragen meiner Meinung nach am meisten zur Spaltung bei. (Ob diese meine Meinung objektiv wahr ist, lässt sich wohl nicht feststellen.) Am meisten auf die Nerven geht mir die Diskussionen auf den einseitigen Anspruch auf Schonung jener, die sich impfen lassen könnten, es aber nicht tun.

Sollen wir also lieber weiterhin Rücksicht auf
a.) die wenigen Lauten und Gesunden, welche die Impfung (angeblich) ’nicht brauchen’ und darum unerwünschterweise an der Durchseuchung der Gesellschaft arbeiten,
nehmen, oder sollen wir uns wieder, wie am Anfang auf
b.) jene konzentrieren, die des Schutzes wirklich bedürfen, weil die Impfstoffe bei ihnen unzureichend wirken, weil sie krank, alt oder zu jung für eine Impfung sind, oder aus anderen Gründen besonders verletzlich.

Nein, es sind nicht die die Schwächsten der Gesellschaft, die sich heldenhaft nicht impfen lassen wollen (Betonung auf wollen), denn sie haben eine Wahl und bekunden mit ihrer Weigerung ihren freien Willen.

Die Schwächsten sind die, die keine Wahl haben. Kinder, Alte, Menschen in Pflegeheimen …

Ich freue mich für alle, die geimpft oder ungeimpft ihre Covid-Infektion gut überstanden haben. Gratuliere! Ihr seid privilegierte Menschen. Doch leider haben nicht alle so viel Glück. Es gibt nämlich keine Garantie für einen milden Verlauf und es ist nicht euer Verdienst, wenn eure Erkrankung glimpflich verlaufen ist, es ist schlicht ein Privileg.

Denn Gesundheit – machen wir es uns mal wieder bewusst –, Gesundheit ist ein Privileg, ein Geschenk, vielleicht Veranlagung und Erbe, vielleicht Zufall, aber Gesundheit ist sicherlich kein Verdienst. (Obwohl es natürlich helfen kann, wenn wir gut zu uns zu schauen in der Lage sind.) Trotzdem zählt vor dem Virus Vorgesundheit nicht wirklich und nicht immer. Manch vorher superfitter gesunder Mensch hatte einen schlimmen Verlauf. Oder zwar einen milden, leidet aber noch viele Monate später unter LongCovid – ohne Garantie, ob sich der Körper je wieder von diesem Infekt erholen wird.

Denn Krankheit ist etwas, das allen passieren kann. Auch jenen, die sich Sorge tragen. Krankheit ist keine Strafe. Kein Selbstverschulden.

Vor zwei Jahren, also noch vor der Pandemie, hat der Journalist Christian Kreil für Der Standard einen sehr spannenden Artikel über den Graben zwischen der sogenannten Schulmedizin und der Alternativen Medizin geschrieben. Und über die Impffrage. ( https://www.derstandard.de)

So viel ist klar: Ich werde den Begriff Schulmedizin nicht mehr verwenden, da ich jetzt seine heikle Herkunftsgeschichte kenne.

Ich zitiere:

»Impfgegner aus alternativen, grünen und veganen Milieus reagieren in der Regel verschnupft bis empört, wenn sie auf diese Geistesverwandtschaft angesprochen werden. Allerdings gedeiht die Attitüde der Seuchenfreunde nicht im ideologischen Vakuum. Die sprichwörtliche Anti-Vax-Mom der Gegenwart, die ihr Kind mit keinem „Giftcocktail“ von „Big Pharma“ „vollspritzen lassen“ will, die stand schon 1933 Modell – in einem Sonderdruck des Nazi-Hetzblatts „Stürmer“. Die Anti-Vax-Mom der Nazis ist blond und hält ein deutsches Baby am Arm. Der „naturferne und verirrte Mediziner“ hat eine Spritze in der Hand und eine Hakennase. Der Stürmer legt der Frau die Worte in den Mund: „So ist mir sonderbar zumut – Gift und Jud tut selten gut.“

[…]

Der Rechte wünscht sich die Auslese der Lebensunwerten durch die Natur, was uns nicht umbringt macht uns stärker. Das vulgär-darwinistische Denken hat überdauert. Wer heute in „impfkritischen“ Foren Diskussionen verfolgt, wird das entlang zweier Phänomene beobachten: Zynismus gegenüber Kranken und Verklärung von Krankheit.

Die Natur sortiert Schwache aus – das gefällt Impfgegnern

Maserntote von heute sind nicht etwa Opfer der Impfmüdigkeit. Sie hätten – Impfungen hin oder her – ohnehin eine zu „schwache Konstitution.“ Mit anderen Worten: Die Natur putzt aus, die Schwachen bleiben zurück. Die Krankheiten der eigenen Kinder werden als Stahlbad eines natürlichen Erwachsenwerdens verklärt, mitunter mit bizarren Vergleichen. Die von der Anthroposophie begeisterte Schauspielerin Sara Koenen vergleicht die Masern ihrer Kinder in einem Aufsatz mit einer Bergtour. „Wir feiern die gesunde Wiederkehr von der großen Masern-Bergtour.“ Während der Masern musste eines ihrer Kinder mit Fieberschüben jenseits der 40 Grad übrigens im Krankenhaus versorgt werden. Trotzdem schwärmt Koenen rückblickend: „Mit Ehrfurcht erfüllt mich der Berg. Manche sind umgekehrt. Manche haben es nicht geschafft.“ Das sind die Schwachen, und das ist damals wie heute offenbar gar nicht so schlecht.«

Quelle: Standard.at

Warum überhaupt?

»[Ich habe] die Verantwortung dafür, daß Etwas festgehalten wird,« schreibt Emil*. Es geht um Gedachtes, Erkanntes, Erlebtes. Es geht um das Bedürfnis, schriftlich und verarbeitend festzuhalten, was war, was in uns ist, quasi Chronist:in der eigenen Geschichte zu sein.

Zuerst nicke ich, doch schon gleich steigt eins meiner typischen Ja-aber in mir auf. Da sind die Fragen nach dem Für-Wen und dem Wozu, die mich anspringen.

Ich persönlich mache mir da nichts mehr vor: Mein Geschreibsel hat letztlich nur für mich Bedeutung und auch das nur für die Jetzt-Zeit. Oder vielleicht für später einmal, für einen reflektierenden Rückblick. Aber vermutlich ist das genug, jedenfalls was die Verantwortung für das Festhalten von Dingen wie Gedachtes, Erkanntes und Erlebtes betrifft.

Und irgendwann wir die Zeit des Loslassens kommen und vermutlich können wir erst dann loslassen, wenn wir einmal etwas gehalten und gehabt haben, das sich festzuhalten lohnte. Für eine Weile. Vielleicht gelangen wir nur über das Festhalten zum Loslassen, welches ja angeblich so lohnend ist und so befreiend. Ist es nicht sogar der Weg der Natur? Wie die Bäume, die ihre Früchte und ihr Laub wachsenlassen, festhalten und irgendwann fallen lassen, um neuen Platz zu schaffen. Immer und immer wieder von Neuem.

Vielleicht wären wir ohne solche Gedanken, ohne solche Reflektieren selbst für uns ganz und gar bedeutungslos und wäre das wirklich so schlimm, für uns ohne Bedeutung zu sein, sozusagen frei von Deutungen, befreit und losgelassen vom Drang etwas darstellen zu müssen?

Doch wer bin ich noch ohne all das Gedachte, Erkannte, Erlebte, Interpretierte, Gedeutete und Reflektierte? Bin ich überhaupt noch und warum auch nicht?

Machen meine Fähigkeiten und Kenntnisse denn wirklich mein Sein aus? Dass ich etwas zu erzählen habe – mir oder anderen –, dass ich mich an Vergangenes erinnern kann, dass ich auf etwas vielleicht Kommendes hoffen kann, dass ich …

[Spoiler: Nein, natürlich nicht! Es braucht nur meine Erlaubnis.]

Wir stellen unglaublich viele Bedingungen fürs Sein an uns. So viele Hindernisse haben wir uns aufgebaut, bevor wir uns endlich das Sein um des Seins willen erlauben können!

Bedingungsloses Seindürfen – wie so eine Katze – das wär schön.

(Miss you, Miss Mietze.)


*Danke, Emil!

Ein Rätsel

Gesucht wird hier ein sprachaffines Fünfer-Team …

N.
rück grat!
Wer sonst?
Oben. Unten.
Eindeutig klar!

G.s Hingabe galt der Diagonalen,
schon immer.
Schiefe Ebene,
weich.

Wem D. gefällt,
gefällt auch mir.
Liegt braun
und erdig da.
Gehört allen.

A., wen suchst du?
Sind alle schon weg!

Das heißt:
Ganz hinten steht noch einer,
durch den heute keiner mehr will.

Doch die alten Römerinnen mochten A..
Wozu auch immer.
Oder wodurch?
Weil er die Antworten kannte womöglich.


Dieses lyrisch-grammatikalische Rätsel fand ich neulich in meinem Uraltblog.

Wer sind N., G., D., A. und A.?

Notizen am Rande #7

Spuren hinterlassen oder doch lieber nicht.
In der Natur.
Als Mensch.
Spuren welcher Art?

+++

Ich glaube sehr an die Natur und ihre Ordnung. Ich glaube an den Trost der in der natürlichen Ordnung, in den Naturgesetzen liegt. Mich tröstet der Gedanke daran, dass alles zusammenhängt und wie alles in sich selbst ordentlich aufgebaut ist. Alles Lebendige folgt einer ihm selbst innewohnenden ästhetischen Ordnung. Nehmen wir das Muster der Sonnenblumenkerne im Kopf einer Sonnenblume. Oder menschliche Zellen. Oder wie ein Baum im Laufe des Jahres funktioniert. Die Natur mit ihrer Vergänglichkeit, mit ihrem Talent zur Erneuerung. Werden und Vergehen. Regeneration. Jahreszeiten. Zyklen. Rhythmen. Ja, daran glaube ich. Immer noch.

Da steckt für mich keine übergeordnete, göttliche Intelligenz drin, das ist für mich die Natur der Natur. Inbegriffen darin ist Erholung, nennen wir es Heilung, nach schlimmen Erfahrungen. Regeneration, die aber nicht zwingend geschehen muss, denn die Bedingungen sind oft nicht ideal. Weder im Wald noch im menschlichen Körper oder in der menschlichen Seele. Aber manchmal geschieht sie eben doch.

Manchmal.

+++

Nichts zurücklassen
versus
viel zurücklassen.

Was zurücklassen?
Was loslassen?
Was festhalten und warum?

+++

Sein hat mehr Aggregatszustände zu bieten als Genuss.

+++

Kein Verständnis dafür haben, wenn Krankheiten gegeneinander aufgerechnet werden.

+++

Sein ist nicht nichts.

Notizen am Rande #6

Andere Wortmenschen in meinem Umfeld schreiben zuweilen, dass es nichts zu erzählen gäbe, weil ja nichts passiere, was die Frage aufwirft, wie viel Stimulanz wir von außen brauchen, um etwas erzählen zu können.

Wie steht es mit der bildenden Kunst? Ist Erzählen, ist Kunstschaffen wirklich nur eine Reaktion auf Geschehnissem, auf die sich verändernde Welt in Resonanz, in Relation und in gleichsam planetarischer Konjunktion zur:m Kunstschaffenden?

Brauche ich zwingend – und wenn ja wie viele – Reize, um zu kreieren? Brauche ich gar Reize um zu überleben?

Dieses ’Nichts’ ist – so behaupte ich – in unserer dualen, materiellen, sich ständig wandelnden Welt eine Illusion. (Möglicherweise taugen statt ’nichts’ Begriffe wie ’reizfrei’ oder ’reizarm’.)

Diese für viele verlangsamte, ereignisarme Zeit, die wir gerade durchleben, lässt sich möglicherweise künstlerisch als Chance begreifen, wieder mehr auf die leisen Reize zu hören und zu blicken.

+++

Irgendlink bloggte gestern über Altlasten in Abstellkammern, unspaltbare Holzstapel und das Altwerden am Holzofen.

»Unsere Räume und Umgebungen, Sphären unseres materiellen Seins sind zugerümpelt mit Ideen und Könntemanmals. Vor ein paar Tagen dachte ich, Aufgeben, nur Aufgeben, oder um es positiver auszudrücken, Loslassen, kann dich noch retten und sieh dich doch mal um hier, es sind ja nicht nur die eigenen Träume und Ideen, die auf dich eindreschen, da ist ja noch das Erbe deiner Vorfahren. […] Es gibt alleine sieben Schubkarren, teils uralte Dinger, vermutlich gar welche, mit denen die ersten Reichsautobahnen schon gebaut wurden … zuviel zuviel zuviel. Zuviel Dinge. Zuviel Träume. Zuviel Blockaden.

Nicht so gestern. Komischerweise waren sich Hirn und Körper einmal einig und so spaltete ich das gesamte Pappelholz – wirkliche Schufterei. Geht doch, dachte ich.« (Zitat)

Ich antworte:
»Geht doch, aber nur manchmal, nämlich dann wenn es zu einer Konjunktion von Geist und Körper kommt, die wie Planeten ihre ganz eigenen Umlaufbahnen haben, ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.«

+++

Ich beobachte bei mir, dass ich bei Menschen, die ich persönlich kenne, weniger Angst habe, mich von ihnen mit Covid anzustecken als bei mir unbekannten Menschen.

Eine trügerische Annahme, wenn man bedenkt, dass sich mutmaßlich die meisten Menschen im privaten Umfeld anstecken.

Natürlich spielt es eine große Rolle, wie sich jede und jeder Einzelne verhält, aber letztlich können wir uns überall anstecken.

+++

In meinem Kanton kann man sich seit zwei Wochen auch als Normalsterbliche:r für die Covid-Impfung registrieren. Hab ich gemacht. Online. Vermutlich wird nach Dringlichkeit geimpft und danach nach dem Prinzip Wer-zuerst-kommt-kriegt-zuerst. Das finde ich zwar ethisch fragwürdig, weil so Menschen, die keinen Internetzugang haben und/oder von dieser Möglichkeit nichts mitbekommen, benachteiligt sind. Andererseits sehe ich es auch aus einer anderen Perspektive. Viele wollen eh erstmal abwarten, heißt: wenn die Versuchskaninchen es gut überleben, lassen sie sich auch impfen.

Oke, dann bin ich halt ein Versuchskaninchen. Die braucht es ja auch, sonst könnten die andern ja noch lange warten. Ich betrachte nämlich diese pandemiebedingte Impfung nicht nur als Schutzmaßnahme für mich allein, sondern und vor allem als notwendiger Solidaritätsakt, damit wir bald eine Herdenimmunität erreichen und wieder ’normaler’ leben können. Ich sehe es als (m)ein Dienst für die Gemeinschaft sozusagen.