20 Jahre Webloggerei, ein Rückwärtssalto und ein großes Sorry

Zur Feier des Jahres sind seit heute mein Uraltblog und mein aktuelles Blog vereint. Ich habe die Daten meines ersten im Juni 09 begonnenen WordPressblogs in dieses Blog hier integriert.

Nicht integriert habe ich mein ururaltes, nicht mehr im Netz hängendes Internettagebuch, das ich von 2004-2008 am einen und von 2008-2009 an einem weiteren Ort geführt hatte. (Die Daten gibt es noch, aber ich weiß nicht, ob ich mir so viel Arbeit machen will, die fürs Blog kompatibel zu machen.)

Summa summarum blogge ich also inzwischen zwanzig Jahre. Am Freitag, den 23. April 04 habe ich – damit angefangen und nie damit aufgehört.

Ich glaube, da darf ich mir schon mal ein wenig auf die Schultern klopfen?


PS: Nicht auf die Schultern klopfe ich mir dafür, dass ich vorhin mit den alten Blogartikeln meinen Mastodon-Kanal – @sofasophia@sofasophia.blogda.ch –, der eigentlich ja nur meine neuen Blogartikel spiegeln soll, vollgespamt habe. Die alten Texte, die ich ja eigentlich hier nur archivieren wollte, wurden dort ebenfalls gespiegelt, so als hätte ich heute hunderte neue Blogartikel geschrieben.

Liebe Mastodon-Abonnent*innen, verzeiht bitte. Das war so nicht gedacht.

Ausgelesen #42 | Die Wahrheiten meiner Mutter von Vigdis Hjorth

Sie hat damals ihren Mann, die Schwester und die Eltern von einem Tag auf den anderen verlassen und ist ihrer neuen Liebe von Norwegen in die USA gefolgt. Inzwischen ist Johanna erfolgreiche Künstlerin, Witwe und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Nach dreißig Jahren kehrt sie – anlässlich einer Retrospektive ihres Kunstschaffens – in die Stadt ihrer Kindheit zurück, wo sie wieder Fuss fassen will. Dass sie feststeckt, begreift sie erst allmählich.

Das Buchcover zeigt in grafischen, mehrfarbigen Elementen und Schrift den Titel, Autorin- und Verlagsnamen. Dominant sind Blau- und Rottöne.
Das Buchcover zeigt in grafischen, mehrfarbigen Elementen und Schrift den Titel, Autorin- und Verlagsnamen. Dominant sind Blau- und Rottöne.

In kurzen Kapiteln spricht die Ich-Erzählerin davon, wie damals die Beziehung zu ihrer Familie kaputt gegangen ist. Sie erinnert sich an versteckte seelische Schmerzen der Mutter und begreift diese im Rückblick als Ausgangspunkt für die späteren Spannungen zwischen ihnen. Spontan wählt sie Mutters Telefonnummer. Trotz der räumlichen Nähe bleiben Mutter und Schwester jedoch unerreichbar. Verwundet und verwundert spielt Johanna mit Was-wäre-wenn-Szenarien, versucht den neuen Zurückweisungen eine Gestalt zu geben und zu verstehen, warum die Mutter das Telefongespräch nicht annimmt und die Schwester Nachrichten nicht beantwortet. «Vielleicht will Mutter mich nicht sehen, um nicht zu erfahren, was sie verloren hat? […] Ich zeichne mich als Mutter im Spiegel und entdecke, dass Mutters Mund spricht, er sagt, dass sie meinetewegen viel gelitten hat.»

Mir ging es beim Lesen ähnlich wie der Mützenfalterin, die mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Vigdis Hjorth erzählt eine Geschichte, die erschüttert und unter die Haut geht.

Roman, S. Fischer 2023
Aus dem Norwegischen übersetzt von Gabriele Haefs

Ausgelesen #41 | Worum es geht von H. C. Rosenblatt

Als Hannah C. Rosenblatt im Frühling in ihrem Blog bekanntmachten, dass sie ein weiteres Buch – Worum es geht – publiziert haben, wollte ich es unbedingt lesen, denn ich folge ihnen schon seit Jahren; im Blog ebenso wie auf Mastodon. Ihr erstes Buch, aufgeschrieben, habe ich hier besprochen.

Cover des Buches
Cover des Buches “Worum es geht, Autismus, Trauma und Gewalt” von H. C. Rosenblatt, mit dem Logo der edition assemblage in pink.

Dass es so lange gedauert hat, bis ich mich endlich auf Worum es geht einlassen konnte, tut mir leid. Das Jahr war kein einfaches. Dazu wusste ich, dass mich das Thema auch diesmal sehr berühren würde. Wie schon in aufgeschrieben geht es auch in Worum es geht um Gewaltstrukturen. Und wie schon bei aufgeschrieben fällt es mir erneut sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, um dem so wichtigen Inhalt von Worum es geht halbwegs gerecht zu werden.

Es geht darum, Zusammenhänge zu erkennen, denke ich beim Lesen immer mal wieder. Und darum, auf all die Gewaltstrukturen sensibilisiert zu werden, in denen wir alle tagtäglich leben. Rosenblatt reflektieren aus autistischer, komplex traumatisierter Perspektive und schaffen ein Bewusstsein dafür Alltägliches zu hinterfragen, ganz besonders auch all die unterschiedlichen therapeutischen Hilfsangebote. Es geht ihnen allerdings nicht darum, anzuprangern, sondern den Kern des Dramas ihrer Erfahrungen aufblättern. Um zu verstehen. Um einordnen zu können. Dabei helfen auch Rosenblatts treffende Illustrationen.

»Eine Idee davon geben, was für ein Leben mir damals ständig gerettet wurde. Klarmachen, dass die, die mir die Handgelenke zugenäht und den Magen ausgepumpt haben, nicht diejenigen waren, die mich aus dem organisierten Verbrechen gerettet haben. Und dass es auch nicht die organisierte Intensiventspannung nach Gongschlag eingehüllt in Lavendelduft war, die mir in irgendeiner Weise dazu verholfen hat, meine Perspektive als autistische und komplex traumatisierte Person in einer nicht-autistischen Welt zu validieren, zu normalisieren und zu verkörpern.« (Zitat, Quelle: einblogvonvielen.org)

»Nach der Diagnose ’dissoziative Identitätsstörung’ (DIS) versuchen Rosenblatt über ein Jahrzehnt die angebotene Traumatherapie zur Verarbeitung zu nutzen. Allerdings mit so wenig Erfolg, dass sie auch lange nach ihrem Ausstieg aus organisierter Gewalt und Ausbeutung immer wieder um ihr Leben kämpfen müssen und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen bleiben.«
(Zitat, edition assemblage)

Rosenblatt erzählen in Worum es geht von der Verarbeitung eigener Gewalterfahrungen als lange unerkannt autistische Person mit komplexer Traumafolgestörung. Nach ihrer späten Autismus-Diagnose beginnen Rosenblatt über Gewalt als immanente Funktion unserer Gesellschaft zu forschen und eröffnen ihnen und uns Lesenden Zugang zu Erkenntnissen darüber, was Heilung und Hilfe mit Gewalt zu tun haben.

Auch wenn wir hier Teile von H. C. Rosenblatts Lebensgeschichte lesen, ist dieses Buch doch weit mehr als eine persönliche Geschichte, denn das hier geht uns alle an. Sachliches und Persönliches wechseln sich ab und verbinden sich miteinander. Ich lege dieses Buch allen ans Herz, die wissen wollen, worum es wirklich geht. Denn Autismus, Trauma und Gewalt sind keine Privatsache.

Das Schlusswort übergebe ich H. C. Rosenblatt:
»Ich teile das alles, weil ich glaube, dass in Kontakt miteinander zu gehen, Ver.Bindung anzubahnen und darüber Empathie, Mut, Kraft zu entwickeln, wichtig ist, um das gute Leben für alle zu gestalten. Das gute Leben, das wir alle verdient haben.«
(Zitat: H. C. Rosenblatt, Worum es geht, Seite 20)

»Verstehen, das ist für mich die ultimative Verbindung.«
(Zitat: H. C. Rosenblatt, Worum es geht, Seite 21)


Ich bedanke mich bei H. C. Rosenblatt herzlich für das Rezensionsexemplar.


Taschenbuch
144 Seiten
140 x 200mm
978-3-96042-158-0 / 2-973
19,80 Euro

Edition Assemblage
März 2023

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 26-30

Ich habe es geschafft! Und sogar auf die extakte Wortzahl. Und das ohne, dass ich es darauf angelegt habe. Ich freue mich sehr.

Wenn ich mein Manuskript noch ein wenig gehätschelt und gekämmt haben werde, brauche ich ein paar liebe Erstleser*innen. Details gern per Mail.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Heutiger Wörterstand: 50’010

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 23-25

Endlich bin ich richtig gut im Schreibmodus gelandet. Meine Geschichte verdichtet sich stetig und die Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Ich hoffe, ich finde für alle einen passenden Abschluss.

Die beste Schreibzeit ist für mich definitiv der Morgen. Im Bett. Ich habe schon vor Wochen auf meinem iPad eine Office-App installiert, die sich mit unserer Nextcloud verbinden lässt und so kann ich mein Romanmanuskript direkt und überall mit Nachschub füttern. Externe Tastatur sei Dank.

In einer Stunde schaffe ich so ungefähr 1700-2000 Wörter, das Tagessoll. Manchmal kann ich länger schreiben, manchmal reicht die Zeit dafür nicht.

So oder so: Schreiben ist genial. Es tut gut, sich in die Figuren hineinzuversetzen und mit ihnen Schwieriges und Erfreuliches zu erleben. Selbst Erlebtes bekommt, quasi von außen betrachtet, eine ander Dimension. Dass ich mich darauf eingelassen habe, war eine so gute Entscheidung!

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Heutiger Wörterstand: 44’000

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 19-22

Heute wieder einmal ein kleines, müdes Update.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Heutiger Wörterstand: 34’914

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
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#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 16-18

Heute wieder einmal ein kleines, müdes Update aus der Novemberschreiben-Wörterküche.

Es geht voran. Und es fühlt sich gut an.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Heutiger Wörterstand: 28’224

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
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#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 13-15

»In mir ist ein tiefes Bedürfnis danach, ganz und gar echt zu schreiben. Ungekünstelt, ohne jegliche Effekthascherei.« Das habe ich am dritten November geschrieben. Inzwischen ist da noch eine weitere Erkenntnis dazu gekommen.

Täglich befasse ich mich mit meiner noch frischen ADHS-Diagnose und dem damit einhergehenden Thema ’Masking’ (maskieren = unbewusste Anpassungsleistung an neurotypische Normen, das von ADHS- und Autismusbetroffenen aus Selbstschutzgründen praktiziert wird.)

Ich realisiere – und erschrecke dabei –, dass die meisten meiner Figuren aus meinen alten Romanmanuskripten ’falsch’ waren. Ich habe mir beim Schreiben eine neurotypische Normalität zusammenfantasiert, in der meine Figuren agieren. In meinem aktuellen Text lasse ich alle Figuren so authentisch wie möglich agieren und es gibt natürlicherweise weit mehr Diversität als ich es früher zu schreiben gewagt und gekonnt hätte.

Von außen sieht vermutlich niemand einen Unterschied, aber für mich ist er gefühlt riesengroß.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Heutiger Wörterstand: 23’129

Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.

#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 10-12

Ein Update. Wenig Worte, denn die meisten sind heute woanders gelandet. Im Novembermanuskript.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.
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#Novemberschreiben23 #NaNoWriMo23 | Tage 6-9

Wieder mal ein kleines Update.

Ich bin immer noch unter dem mir vorgenommenen Tagesdurchschnitt. Aber das hier ist ja kein Wettbewerb. Steter Tropfen und so. Außerdem ist der Liebste da und es gibt ja auch noch andere Baustellen. Isso.

Meine persönliche kleine Zählmaschine sieht (als Screenshot) so aus:
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Screenshot einer Tabelle mit Listen und Grafiken, die die täglichen Fortschritte dokumentiert.

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