Zwei Tage Ferien

Dass ich mich so spontan auf ein kleines Zeltabenteuer eingelassen habe, ist nicht wirklich typisch für mich. Meistens brauche ich viel mehr Anlauf. Dennoch habe ich am Dienstag meine Siebensacken gepackt, das Auto beladen, das Handynavi gestellt und dann bin ich losgefahren, um Freundin K. und ihre zwei Mädchen auf einem Zeltplatz in relativer Nähe zu besuchen. Und es nicht bereut. Im Gegenteil!

Auf dem Camping angekommen war ich sogar so übermütig, ohne auch nur einen Blick auf die Übersichtskarte am Eingang zu werfen, drauflos zu spazieren. Schließlich hatte ich ja die Parzellennummer und ein Bild vom Zelt auf dem Handy – damit würde ich K. und die Mädchen schon finden. Nachdem ich meine Ich-bin-da-Nachricht abgesetzt hatte, schlüpfte ich also durchs Tor und folgte einem von ein paar zur Auswahl stehenden Wegen, einfach drauflos. Und zwar genau in die verkehrte Richtung, wie ich bald feststellen musste.

Bald stelle ich fest, dass der Campingplatz viel größer ist, als ich am Anfang gedacht habe. Die Tasche, die ich trage, wird immer schwerer, die Hitze immer drückender. Ein paar Nachrichten später – ‘Ich warte bei den Waldsofas neben dem grünen Haus auf dich!’ – findet K. mich schließlich und wir spazieren zu ihrem mobilen Zuhause, einem großen Familienzelt mit Luftkammern statt Stangen.

Erstmal ankommen. Die Mädels sind irgendwo unterwegs, G. (5) im nahen Spielzelt, P. (10) mit ihrer neuen Freundin im und am Badesee. Wir sitzen noch im Schatten, doch die Sonne verschiebt diesen allmählich und es wird heißer. Überhaupt: Es ist endlich Sommer geworden. Die Regenmassen der letzten Woche hat man allerdings auch hier oben im Schwarzwald mitbekommen. Die Zeltwiese, auf der ich später mein Zelt aufbauen werde, sei noch am Vortag noch überflutet gewesen.

Wir reden kurz übers Essen und einigen uns auf Pellkartoffeln, da die Kinder die mögen und ich diese wegen ihrer Histaminarmut gut vertrage. Es stellt sich heraus, dass ich genau die richtigen Sachen für mich und die andern mitgebracht habe – verträgliche Gemüse, eine Honigmelone, Brot. Das hier ist nämlich mein Outdoor-Test: Geht Camping für Histaminintolerante? Na ja, so richtig übersetzen lässt dich das Experiment allerdings nicht. Denn wir haben ja keinen Kühlschrank in unseren Rucksäcken, Irgendlink und ich. Dennoch ist das hier ein erster Schritt.

Toll ist es mit den drei Frauen, der großen, der mittleren und der kleinen. Einer der Unterschiede zwischen Kindsein und Erwachsensein, so überlegen K. und ich am Abend, liegt wohl in der Erkenntnis, dass die klaren und idealen Vorstellungen vom Leben,  wie es zu sein hätte, nicht immer und – falls doch – selten gleich umsetzbar sind. Und falls doch, dann ist es ein Glücksfall. Und den haben wir hier ein bisschen. Ich sage nur: Badesee.

Vor dem Essen gehen wir zu viert genau dorthin, er liegt auf der andern Seite des Zeltplatzes. Klein und herrlich erfrischend, dazu nicht mehr sehr bevölkert.

Auf dem Zeltplatz gibt es zudem zwei Minigolfplätze, erfahre ich. Ein klassischer und einer, der fast ein bisschen aussieht wie ein richtiger Golfplatz. Mit Kunstrasen und so. Den wollen die beiden Mädchen heute mit mir bespielen. Unbedingt!, sage ich.

Nach einem unkomplizierten Essen – ich erzähle in aller Kürze, dass ich manche Dinge nicht essen kann, weil ich sie nicht vertrage –, spülen wir das Geschirr und machen uns auf zur Minigolfanlage. Für ein 2 Euro-Depot bekommt man Minigolfkugeln und die Schläger sind sogar kostenlos. So eine tolle Bahn habe ich echt noch nie bespielt. Sie erinnert mich an jene auf dem Campingplatz in Örebro. Lange her.

Die erste Runde spiele ich mich mit K. durch die Bahnen. Wir spielen ungefähr gleich gut, eine Mischung aus Können, Zufall und Glück. Der Kunstrasen macht das Abschlagen ziemlich angenehm und ich treffe erstaunlicherweise ziemlich gut. Ohne die sonst üblichen vielen Fehlversuche. Während der zweiten Runde – diesmal gegen P. – wird es dunkel und wir machen uns auf den Rückweg zu unseren Zelten.

G. will noch unbedingt auf die eine Schaukel, doch sie ist so übermüdet, dass K. den Wunsch auf den nächsten Tag verschiebt. Ich will aber!!!, sagt G.. K. lässt sich nicht unter Druck setzen.

Der Zeltplatz ist schon sehr still, jedenfalls an dem Wegstück, wo wir zelten. Auch die anderen Zeltnachbarn haben Kinder, teils noch kleinere als G. es ist, die noch früher zu Bett gehen. Ich glaube fast, so einen nachtruhigen Zeltplatz habe ich überhaupt noch nie bezeltet. Wir sitzen noch ein wenig vor dem Zelt und reden leise. Außer G.s ‘Ich will aber!!!’ ist kaum etwas zu hören. Wir warten ab. Irgendwann wird G. ruhig und einsichtig. Im Bett darf sie noch ein bisschen Zeichentrickfilm auf dem Tablet gucken, bis sie einschläft.

Auch K. und ich gehen nicht allzu spät ins Bett. Meine neue Luftmatratze aus dem Discounter erweist sich als sehr bequem. Dennoch liege ich mitten in der Nacht ein paar Stunden wach. Ich bin ja doch sehr aufgekratzt. Ein bisschen überdreht. Das Herz rast. Ich atme mich in die Ruhe, lese ein bisschen in ‘Stille’, einem E-Book, das mir die liebe U. zum Geburtstag geschenkt hat. Aufsätze über die Stille, beschrieben vom Antarktis-Wanderer Erling Kagge. Die Ab- und Umlenkung auf diesen ruhigen Text lässt mein Herz bald ruhiger schlagen.

Gegen fünf oder so schlafe ich dann doch nochmals ein. Irgendwann nach sieben, die Sonne wärmt das Zelt bereits ein bisschen, wache ich langsam auf. Ich mag es ja, dieses Aufwachen im Zelt, dieses Ankommen im Tag, dieses Mich-aus-dem-Schlafsack-Schälen … Im Badezimmer putzt sich K. gerade die Zähne, als ich pinkeln gehe. Wir setzen uns vor ihr Zelt. Sie mischt Pancaketeig zusammen, fürs Frühstück, während wir uns leise das eine und andere aus unseren Leben erzählen. Noch immer ist es sehr still auf dem Platz. Uns zwei ehemaligen Buchhändlerinnen kommen die einen oder andern Erinnerungen in den Sinn.

Noch ist es kühl, angenehm frisch, doch für mein angedachtes Seebad ist es mir dann doch zu kühl.

Als P. aufsteht und den Pancake-Teig sieht, bekommt sie Hunger. Appetit. Lust. Sie fragt, ob sie die Pancakes backen darf. Sie darf und als P. ihre erste Portion gebacken und gegessen hat, will sie weiterbacken, weil es so viel Spaß macht. Zum Glück kriecht nun auch G. aus dem Zelt und hat Hunger. P.s Pancakes werden immer schöner und irgendwann werden Pancake-Herzen aus dem Teig. Wunderschöne kleine Kunstwerke. Was ist doch die Welt ein schöner Ort!, denke ich glücklich.

Später wollen die drei ins Hallenbad. Zuerst zögere ich, doch da ich inzwischen schwitze und mich gut ans Kindergewusel akklimatisiert habe, wage ich mich ins doch sehr laute Hallenbad.  Überall stehen Mütter oder Väter oder gleich beide, die ihren Kindern schwimmen beibringen. In der Beckenmitte ist es am ruhigsten, dort lege ich mich zuweilen auf den Rücken, die Ohren im Wasser. Stille.

Nach einer Dreiviertelstunde gehen wir wieder hinaus und knabbern, zurück am Zelt, an unsern jeweiligen Zwischenmahlzeiten herum. Melone. Brot. Chips. Beeren. Pfirsiche.

Gut erholt gehen wir zum klassischen Minigolfplatz. Trotz Mittagshitze. Todesmutig versuchen wir die Löcher zu treffen. Nach der andern Wohlfühminigolflanlage fühlt sich der harte Boden sehr ungemütlich an. Wir stellen uns, wann immer möglich, in den Schatten. Und dann geschehen zwei Wunder: Das erste Mal in meiner Minigolfkarriere treffe ich – bei zwei Bahnen sogar! – das Loch mit nur einem einzigen Schlag. Vor Freude darüber hüpfe ich herum und jauchze laut. Das Kind in mir! Bei andern Bahnen übe ich dafür gefühlt stundenlang und treffe das Loch doch nicht. Zum Glück haben wir uns auf maximal acht Versuche geeinigt.

K. hat heute einen Lauf und schafft die meisten Löcher mit zwei oder drei Schlägen. P. und ich sind etwa gleich treffsicher oder treffunsicher. Weil es heiß ist, gehen wir zurück zum Zelt, wo es noch einigermaßen schattig ist. Ich lege mich in die Hängematte, die ich zwischen einem Baum und K.s Autodachträger aufgespannt habe. Eine Dreiviertelstunde Siesta, wie gut das tut!

Als K. mit G. einkaufen geht, spaziere ich mit P. zum Badesee. Viele Leute hat es diesmal. Wir schwimmen und liegen eine Weile herum, warten auf K. und G. und als die nicht kommen, gehen wir zurück zum Zelt. Die Nachrichten, die mir K. geschickt hat und ich ihr, kommen verzögert. Das Netz und auch das WLAN sind sehr wackelige Angelegenheiten. Auch Irgendlinks Anrufe haben nicht wirklich geklappt. Immerhin bekommt er meine Nachrichten und Bilder.

Während K. und die Mädchen nochmals ins Hallenbad gehen, baue ich das Zelt ab und fange damit an, das Abendessen vorzubereiten. P. hat sich Grillen gewünscht. Es gibt Fetakäse mit Gemüse für K. und mich. Kartoffelsalat für alle, die mögen. Grillfleisch für alle, die mögen, Vegispießchen für alle, die mögen. Jede hat am Schluss eine andere Mahlzeit auf dem Teller als die anderen, jede hat eine Extrawurst und das fühlt sich saugut an. Die Botschaft kommt an. K. sagt: Bei uns hat immer jede ihre Extrawurst.

Nach einer Runde Boule auf der Zeltwiese verabschiede ich mich von den Mädchen und spaziere mit K. zum Auto. Dankbar nehmen wir Abschied.

Auf dem Heimweg realisiere ich, dass ich meine Seelenbatterien aufgeladen habe. Sie sind nicht leer wie sonst oft nach so viel Menschenkontakt, sie sind gut gefüllt. Nicht nur mit Sonnenenergie.

Auf den Spuren der Keltinnen

Nichts sei älter als ein Wanderbericht von letzter Woche, sagte ich gestern.
Andererseits altere ja manches ganz gut, hielt er dagegen.
Und gerade schönen Erinnerungen und Erfahrungen räumten wir eh nie zu viel Platz ein, denn Wohltuendes habe wenig Unterhaltungswert, antwortete ich.

Es war der 6. Februar dieses Jahres, als Irgendlink und ich von Maßweiler aus die erste Hälfte des dortigen Keltenpfads erwanderten. Wegen drohender Regenfälle beschloßen wir jedoch bald, nur die südliche Hälfte zu wandern, zumal es ziemlich genau in der Mitte Wege gibt, die Runde querend zu halbieren und sie so abzukürzen. Auch den südlichsten Zipfel schnitten wir ab. Ob wir nass geworden sind oder nicht, weiß ich nicht mehr, doch wurde es auf jeden Fall früher dunkel als am letzten Freitag.

Irgendwann, so sagten wir auf dem Heimweg, daran erinnere ich mich noch genau, irgendwann wandern wir die zweite Hälfte.

Letzten Freitag waren wir ohne Plan losgefahren. Irgendwo wandern, mit Wald und Weitblick, das war unsere Absicht. Und dann standen wir auf einmal auf dem Wanderparkplatz bei der Maßweiler Kneispermühle. Und auf einmal stiegen wir bergan und auf einmal begriffen wir, dass wir ja nun auf dem Keltenpfad waren und den nördlichen Teil desselben wandern könnten. Tse. Was ein Zufall aber auch!

Wieder wanderten wir im Uhrzeigersinn, so dass wir diesmal in Gegenrichtung abkürzten. So begegneten wir erneut jenem sehr speziellen Jagdhochsitz, unserm Déjà-vu, der auf den Bildern unten zweimal zu sehen ist (Bild 4 und Bild 6).

Was für eine tolle, sehr abwechslungsreiche Runde wir doch hier gefunden haben! Bloß Kelten und Keltinnen sind wir unterwegs keinen begegnet.

(Die ersten vier Bilder sind vom Februar, die andern vom letzten Freitag.)

Link zur Karte

Schritt für Schritt durch den erwachenden Frühling

Neulich, im Wald, sprachen der Liebste und ich darüber, wie gut es uns doch tut, einfach zu gehen. Beim Gehen – spazieren oder wandern ist dabei egal –, gelangen wir in einen Zustand von Gleichzeitigkeit, von Synchronsein mit uns selbst. Das Gehtempo entspricht, sage ich zu ihm, meinem Denktempo, ich hole mich beim Gehen wieder ein. Bin gegenwärtig. Radeln ist eigentlich schon fast zu schnell für all die Eindrücke am Wegrand. Gehen ist genau richtig.

Beim Gehen mache ich immer nur genau den Schritt, den ich genau jetzt gehe. Ich wünsche mir, dass ich das aufs Leben übersetzen kann. Dass ich mich auch immer nur auf den einen Schritt fokussieren kann, während ich ihn gehe. Klar brauche ich einen Richtung, klar brauche ich eine Vorstellung, wohin ich will, aber das Leben hat mich schon so oft gelehrt, dass es fast nie so herauskommt, wie ich es mir vorgestellt habe (vielleicht bin ich ja einfach nicht gut genug im Vorstellen und Visualisieren? Oder es sind all die Unwägbarkeiten, die wir nicht in der Hand haben??.

Eine Richtung, ja, die brauche ich. Aber ich will nicht schon im Voraus alle Schritte denken und mich vor all den möglichen Hürden fürchten. Sonst könnte ich ja die einzelnen Schritte nie tun.

Wie damals, als wir die Reuss von der Aaremündung aufwärts Richtung Gotthard gewandert sind. Meine erste längere Wanderung mit Zelt und Rucksack. Sieben Jahre her. An einem Fluss zu wandern, so stellte ich es mir im Voraus vor, kann ja so schwierig nicht sein. Immer schön flach. Dass die Quelle irgendwo in den Bergen, hoch oben, sein könnte, ist mir beim Loswandern nicht wirklich klar gewesen. Schon gar nicht, dass dieses Bergwandern etwas sein könnte, das das mir liegen könnte, etwas, das ich lerne, während ich es tue. Diese Erkenntnis hat mich ganz besonders erstaunt. Und gefreut. Das war und ist eine dieser Lektionen, die sich als sehr wertvolle Lernerfahrung in mir eingebrannt hat: Alles wird letztlich anders, als ich es mir im Voraus denken kann; aber darum nicht weniger gut.

Wer weiß: Vielleicht gucke ich ja in zehn Jahren, falls es uns Menschen dann noch geben sollte, zurück auf diese Jahre und sage: Wow, das haben wir gut gemacht. Das wäre schön.

Und darum gibt es heute, mit einiger Verspätung, ein paar Bilder vom Frühling, wie wir ihm letztes Wochenende begegnet sind. Während es jetzt und hier draußen kalt ist und regnet und so gar nicht nach Frühling aussieht.

Freitag, 23.4.21 – Wandernd überm Baldeggersee

Samstag, 24.4.21 – Radelnd via Villigen auf den Bözberg

Sonntag, 25.4.21 – Wandernd von Biberstein auf die Gisliflue

Montag, 26.4.21 – Spazierend durch Wald und Dorf

Mikroabenteuer, aber in groß und in Farbe

Etwas über zwei Jahre sind seit meiner ersten allein und ohne Zelt in der Natur verbrachten Nacht vergangen. Ausgeheckt hatte ich die Idee damals mit der lieben Freundin M. (2). Beide übernachteten wir irgendwo an der Aare, sie dort, ich hier in der Nähe. Ein Erlebnis, das ich damals als sehr bereichernd erlebt habe und gerne als Inspiration weiterempfehle.

Ich brauche sie hin und wieder, diese Abenteuer außerhalb meines gewohnten Alltags. Ich brauche Wald, ich brauche Erde unter den Füßen. Ich brauche Abenteuer und Abwechslung, auch wenn es oft nur etwas relativ Kleines, zeitlich Kurzes ist – ein sogenanntes Mikroabenteuer also, wie Outdoorerlebnisse in nächster Nähe neuerdings heißen. Aber besser klein als gar nicht. Und ja, ich weiß, dass das ein Privileg ist. Privilegiert bin ich auch dadurch, dass ich auf dem Land, inmitten von Flüssen und Wäldern, wohne.

Seit einiger Zeit geistert die leise Idee in M.s und meinem Kopf herum, dass wir eigentlich auch mal zusammen eine Nacht in der Natur verbringen könnten. Anläufe genommen haben wir dazu schon einige, doch entweder spielte das Wetter nicht mit oder der einen oder anderen kam etwas Kurzfristiges oder die Befindlichkeit dazwischen.

Vor einigen Tagen war ich mit dem Gedanken aufgewacht, dass dieses Wochenende eigentlich ein neuer Anlauf fällig wäre. Vielleicht würde es ja endlich klappen. Irgendwie wunderte es mich so gar nicht, dass ich – als ich an jenem Morgen mein Mailprogramm öffnete – eine Mail von M. fand, die genau die gleiche Idee gehabt hatte. Nach ein paar Hin- und Hermails einigten wir uns darauf, uns am Samstag Nachmittag um 16 Uhr am Bahnhof Brugg zu treffen.

Kurz nachdem wir uns begrüßt haben, beichtet M. mir, dass sie später Lust auf ein Bierchen haben können würde. Ich meinerseits beichte ihr, dass ich nur eine Flasche Bier mitgenommen hätte, für mich, aber selbstverständlich würde ich diese gerne mit ihr teilen oder – noch besser – ich würde ihr schnell eine kaufen gehen. Für sie hätte ich darum keine mitgenommen, weil sie ja keinen bis nur sehr wenig Alkohol trinke. Ich hupse schnell in den nahen Laden und schon bald wandern wir los. Vorbei an Königsfelden, runter an die Aare. Wie erwartet tummelt sich dort viel Volk. Fast jede Badebucht ist besetzt. Für uns kein Problem, denn wir wollen ja eh weiter wandern, vorerst nordwärts zum Wasserschloss.

Inzwischen ist es richtig warm geworden und uns beiden ist nach einem baldigen Hupser in die Aare, die Reuss oder die Limmat. Sobald wie möglich verlassen wir die Straße und wählen aarenahe Waldweglein. Bei der Brugger Kläranlage überqueren wir die kleine Fussgänger:innenbrücke um auf der anderen Seite eine erste Badestelle zu finden.

Ab ins Wasser, wie gut das tut! Ein Nebenarm der Aare, lauschig, wohltuend kühl. Erfrischend.

Nach einer kleinen Pause gehen wir über die Brücke zurück und schlagen uns auf schmalen Pfaden zum Wasserschloss durch, wie der Zusammenfluss der Reuss in die Aare heißt. Hier gilt es nun, eine Entscheidung zu treffen. Rechts, der Reuss entlang Richtung Süden, links der Aare entlang Richtung Stroppelinsel.

Seit ich diese Halbinsel vor einigen Jahren zufällig entdeckt habe, ist sie rasch eine meiner liebsten Badestellen geworden. Zwar sind immer ein paar Menschen dort, aber immer sehr angenehme. Auch ist sie nie überlaufen, denn man kommt nicht direkt mit dem Auto hin. Selbst das Fahrrad muss draußen warten, denn um auf die Wiese zu kommen, muss man durch ein Drehkreuz. Eingezäunt ist der Zipfel der Halbinsel, weil auf dem Grasland eine Herde Hochlandrinder weidet. Friedliche, sanfte, zottelige Tiere mit schönen, riesigen Hörnern. Und ja, auch mit M. war ich schon das eine und andere Mal hier und so wundert es mich nicht, dass sie sich für diesen Platz entscheidet. Eine falsche Entscheidung kann es hier eh gar nicht geben.

Ich lotse uns also über die Eisenbahnbrücke nach Vogelsang und schließlich quer durch Wohnquartiere zum Anfang des Wanderwegs, der in die Badestelle am nördlichen Zipfel der Halbinsel mündet.

Unterwegs überlegen wir, wo wir später unser Lager aufschlagen könnten. Die Badewiese noch außerhalb der Kuhweide ist, so denken wir, eine erste ernsthafte Alternative. Dass wir auf der weitläufigen Weide übernachten könnten, ist noch kein Thema. Schließlich sind wir fast die einzigen, die sich an diesem Samstagspätnachmittag noch hier aufhalten. Angenehm ruhig ist es. Schnell klettern wir in die Schwimmanzüge und stürzen uns ins die Nicht-Fluten. Ah, herrlich! Genau die perfekte Temperatur. Wohltuend kühl, aber nicht kalt.

So langsam macht sich ein kleiner Hunger breit. Wir arrangieren ein Picknickbüffet auf der Wiese und genießen die mitgebrachten Leckereien. Und Bier. Und mal wieder eine Zigarette oder zwei.

Inzwischen sind alle anderen Menschen, die da gewesen oder nach uns gekommen sind, wieder weg. Und so langsam kommt die Müdigkeit. Die letzten Nächte habe ich nicht sonderlich gut oder viel geschlafen. Wir beschließen also, solange wir noch genug sehen, unsere Lager auszubreiten. Unterlagen, Matten, Schlafsäcke. Die Rucksäcke stellen wir vorsorglich an einen nahen Baum, an welchem auch unsere nassen Badesacken hängen. Ein tolles Lager das!

Zähneputzen, Pinkeln und ab ins Bett. Langsam ist es kühler geworden, der Schlafsack wärmt. Wir genießen den Sonnenuntergang, die Abendstimmung, erzählen einander von anderen Wildübernachtungen. Das Feierabendkonzert der Vögel untermalt unser Gemurmel. Die äsenden Rinder, eben noch weit weg, näheren sich einer Futterstelle mit Heu. Immer noch ziemlich weit weg. Ich strecke mich aus – ah – und schließe mich entspannend die Augen. M. sagt: Du, da sind zwei Kühe.

Wie jetzt? Huch, die sind ja direkt hinter uns und dann auch schon direkt neben mir. Nein, ich habe keine Angst. Nicht um mein Leben jedenfalls. Respekt aber schon, denn ich möchte nicht wirklich und unbedingt so nahen Kuhbesuch. Das dann doch nicht. Der Bulle und die Kuh haben sich nun zwischen mich und den Baum geschoben und schnuppern an unseren Rucksäcken herum. Sie gehen sehr behutsam und bewegen sich unendlich langsam. Von ihnen geht keine Bedrohung aus. Weil ich dennoch Respekt vor den großen Hörnern, halte ich mir den Arm übers Gesicht, wir verhalten uns ruhig. Da der Bulle immer näher kommt und mich nun ein bisschen anstupst, wirklich nur ganz sachte, aber bei jeder Kopfbewegung die Hörner mitbewegt, wird es mir doch ein bisschen mulmig (da wusste ich übrigens noch nicht, dass es ein Bulle ist). Ich rede ruhig mit den Tieren und bitte sie, doch woanders hinzugehen. Die einzige Angst, die ich habe, ist, dass die Rinder meine Luftmatratze betreten und sie so kaputt machen. Ganz langsam schlüpfe ich aus meinem Schlafsack, umkreise M., die noch links von mir in ihrem Lager liegt, und gehe von vorne auf die Tiere zu. Ich versuche, die Technik, wie man Pferde ohne Peitsche, mit bloßem Gegenübertreten, zu Rückschritten bringt, auf die Kühe anzuwenden, doch ich scheitere. Ich bin zu wenig überzeugend. Und zu wenig überzeugt. Schließlich sind wir hier die Gäste. Die beiden schauen mich mit lieben Augen an und warten einfach ab, was wir zu tun gedenken.

Inzwischen ist auch M. aufgestanden und wir versuchen gemeinsam mit sanftem Bitten die beiden Tiere wegzuschicken. Als wir auch zusammen keinen Erfolg haben, ziehen wir unsere Schlaflager, soweit es geht, aus dem Einflussgebiet der großen Kuhfüße. An meine Turnschuhe komme ich nicht ran, die liegen genau zwischen den beiden Tieren. Auch M.s Flipflops müssen wir liegen lassen, ebenso wie unsere Rucksäcke und die Badesachen am Baum. Den Rest packen wir so gut es geht zusammen und spazieren mit dieser ersten Ladung – es ist schon nach Sonnenuntergang, doch noch hell genug, um den Weg zu sehen – zum nördlichsten Zipfel der Wiese und der Insel. Dahin, wo sich die Insel verjüngt, mit unmittelbarem Blick auf den Zusammenfluss von Limmat und Aare. Eine wunderbare Stelle, flacher als der erste Lagerplatz. Absolut perfekt. Hier wollen wir bleiben.

Mit wieder leeren Händen gehen wir nochmals zurück, um zu sehen, ob wir an unsere restlichen Sachen herankommen. Können wir. Einzig M.s Flipflops bleiben irgendwo unter dem Bullen liegen, denn ja, der Bulle hat sich genau da hingelegt, wo eben noch M.s Lager war. Oke. Die wollen ja nur schlafen. Gut so, gut für uns.

Als M. später nochmals nachschauen geht, liegt die ganze Herde genau dort, wo wir eben noch lagerten. Ob diese Tiere immer am gleichen Ort schlafen? Ob wir ihre Lieblingsstelle besetzt hatten? Oder ob es für die Rinder deshalb dort so spannend war, weil wir uns dort hingelegt hatten? Wir werden es nie erfahren.

Noch eine ganze Weile liegen wir kichernd undzuweilen prustend in den Schlafsäcken und erzählen uns das Erlebte immer wieder neu. Herrlich, trotz des Schreckens. Als es immer dunkler wird, zündet der volle Mond wie ein Suchscheinwerfer direkt auf unser Nachtlager. Wow! Hat was.

Später, ich bin das erste Mal eingedöst, höre ich plötzlich Menschenstimmen und Ghettoblaster-Musik. Ganz nahe. Huch, da sind ja doch Menschen!, sage ich erwachend. Ein paar Taschenlampen leuchten zu uns. Die Musik verstummt. Flüsternde Stimmen junger Menschen, die sich wieder entfernen und sich woanders einen Platz suchen. Später hören wir Stimmen, nicht laut; junge, rücksichtsvolle Menschen, die sich vermutlich ein Nachtbad gönnen wollen. Später Gitarrenklänge und Gesang, weit genug weg um nicht zu stören.

Ich schlafe in Etappen. Das Rauschen der beiden Flüsse, der Tinnitus, Frösche, Enten, irgendwann größtmögliche Stille. Sterne am Himmel. Der wandernde Vollmond. Der Geruch von Gras und Erde und Wasser. Und ein bisschen Kuhmist, ja, das auch.

Gegen Morgen sehe ich die orangefarbene Sonne hinter den Bäumen, wie schön!, doch ich döse erneut ein. Gegen sieben ist die Blase dann bereit für eine erste Leerung und so ziehe ich mir die warme Jacke an und schlüpfe in die geretteten Turnschuhe. Für barfuß ist es mir doch noch ein klein bisschen zu kühl. Ein erster kleiner Spaziergang. Wie schön es ist. Wie still. Wie friedlich. Wie schön doch so ein Sommermorgen ist! Diese saubere Luft.

Die Rinder sind bereits am futtern und auf unserm ehemaligen Lagerplatz liegen einsam und verlassen M.s Flip-Flops, die ich mitnehme, im Fluss wasche, die Wassertemperatur teste und ein Bad zu nehmen beschließe.

Zurück beim Lager ist M. auch aufgewacht. Sie hat Cold Brew-Kaffee dabei, ich eine Thermosflasche mit gestern gekochtem Heißwasser für meinen Tee (zur Nachahmung empfohlen), sodass wir beide mit unseren Aufwachgetränken in den Tag starten können. Schließlich das Morgenbad, wohltuend, erfrischend. Schnell in die Kleider, bevor ich friere.

Ich bekomme fast nicht genug von dieser Insel, spaziere herum, genieße die Stimmung, die Sonne, die langsam zu wärmen beginnt.

Es ist halb neun, als wir unsere Sachen gepackt haben und loswandern wollen. Während ich noch die letzten Dinge verstaue, merke ich gar nicht, dass eine der Kühe sich uns genähert hat. Nummer 3802, unser Abschiedskomitee. Neugierig beschnuppert sie meinen Rucksack. Ich kann es nicht lassen und muss unbedingt ein Bild schießen. Irgendwie mag ich diese sanften, diese beharrlichen Tiere.

Barfuß spaziere ich neben M. zurück zur Straße. Bevor wir wieder ein Stück durch die Quartierstraßen gehen müssen, ziehe ich mir die Schuhe wieder an. Auf weichen Wegen gehe ich sehr gern barfuß, Straßen aber sind nichts für mich.

Als wir wieder zurück über der Eisenbahnbrücke sind, schlage ich vor, dass wir der Reuss entlang zurückzuwandern könnten. Zurück durchs Kunzareal und am Wehr vorbei über eine weitere Brücke. Bei der Gebenstorfer Reuss-Badi hupsen wir nochmal kurz ins kühle Nass. Diesmal ist es die Reuss. Es ist bereits wieder heiß geworden und wir schwitzen. Eine junge Frau, die einzige Anwesende auf dem Platz, warnt uns vor der starken Strömung, weshalb wir nicht schwimmen, sondern nur ein kleines Reintunk-Erfrischugsbad nehmen und uns anschließend unter die Duschen stellen. Aaaah. Wie gut das tut. Ich beschließe, das Badekleid anzubehalten, da wir ja eh bald daheim sind.

Dort gibt es Frühstück. Und endlich noch mehr Kaffee, diesmal heißen, für die liebe M.; was muss, das muss.

Was für ein tolles Abenteuer das war! Aber, äh, so Mikro nun auch nicht, nein, eigentlich richtig groß und in 3D.

Die Route: Hier klicken.

Fast wie eine Woche Ferien

Wenn ich so erschöpft bin wie diese Woche, hilft eigentlich nur noch wandern.

Wie oft, wenn die Wanderschuhe locken, fahren wir nach Bözberg auf den Bözberg. Im Dorfteil Kirchbözberg der sehr weitläufigen Gemeinde parken wir bei der Kirche und beschließen spontan, Richtung Sennhütten zu wandern, diesem kleinen Weiler, den ich bisher nur vom Hörensagen kannte.

Kaum haben wir Oberbözberg hinter uns gelassen, bergan wandernd, betreten wir Neuland. Verrückt eigentlich, wie sehr uns die nahe Umgebung oft unbekannt bleibt. Normalerweise lockt ja das Ferne mehr, doch gerade in den letzten zwei Monaten haben wir sowohl hier als auch ins Irgendlinks Wohnumgebung neue, nahe Wanderschätze entdeckt. Gestern auch wieder. Eintauchen in die Wald-und-Hügelwelt. Wohltuendes Im-Wald-Gehen, moderat bergan, hinter uns ein herrliches Alpenpanorama, die Schneeberge der Zentralschweiz zum Greifen nah.

Unterwegs zwischen Wiesen und Feldern philosophieren wir, wie schön und wertvoll doch Alleen sind, wie sehr doch Schattenbäume rechts und links des Wegen sowohl der Umwelt gut tun als auch uns Wandernden doch das Leben versüßen würden. Immerhin können wir uns immer mal wieder von Kirschbaum zu Kirschbaum mundrauben, denn ein paar Bäume stehen zum Glück ja doch am Wegrand. Und ach, was für eine wunderbare Frucht doch so eine Kirsche ist!

Und auf einmal sind wir im Weiler Sennhütten. Ein kleines Bergrestaurant, Take & Sitz, lädt zum Verweilen ein. Schön weit auseinander sind Tische auf dem Gelände verteilt, ein paar Menschen wuseln herum, vom Nachbarhof ennet der Weges dudelt Volkstümliches, das ich sonst ja nicht wirklich mag, aber hierher passt, und wir holen uns am Tresen etwas zu trinken. Kaum haben wir uns hingesetzt, hopst ein Kater auf unsern Tisch und will nur genau etwas: Gestreichelt werden. Zuerst oben, dann am Bauch. Wie so ein Brotteig breitet er sich auf dem Tisch aus und lässt es sich gut gehen.

Später gesellt sich die Wirtin zu uns und wir erzählen uns gegenseitig Geschichten von Katzen und Hunden und werden auch gleich noch ihrer Hündin Carma vorgestellt, einer sehr zutraulichen Mischlingshündin. Kater Courage hat sich nun wieder verabschiedet und später tun wir es ihm gleich, holen beim Wirt noch ein paar Tipps für die Weiterwanderung über Kästhal zurück nach Kirchbözberg ab und machen uns auf den Weg.

Zuerst Richtung Effingen, hat er gesagt, dann aber steil runter nach Kästhal. Der schmale Wanderweg nach Kästhal ist fast zugewachsen, so dass wir an einer besonders dichten Stelle beschließen, direkt querfeldein durch den Wald abzusteigen. Unten, am Waldrand, angelangt hält uns ein elektrischer Zaun auf. Die Kuhweide ist groß und die Kühe weit weg, weshalb wir beschließen, ein Stück über die Kuhweide zu gehen. Wozu gibt es schließlich Wanderstöcke, wenn nicht um elektrische Zäune herunterzudrücken um bequem darüber steigen zu können? Nach einem weiteren Wald- und Quer-über-die Wiese-Stück sind wir wieder auf Kurs.

Kästhal ist ein Nest am Ende der Welt. Oder mittendrin? Wer weiß das schon so genau. Jedenfalls kommen wir uns vor wie irgendwo in den Bergen, nicht wie gerade mal ein paar Kilometer von den nächsten Kleinstädten in einem sehr dicht besiedelten Kanton entfernt.

Wieder bergan steigend peilen wir wieder jenen Weg nach Bözberg an, den wir teils bereits gegangen sind. Auf einer schattigen Bank angelangt vespern wir Mitgebrachtes und genießen das Alpenpanorama in der Ferne, den Blick in die Weite.

Kurz vor Kirchbözberg dann eine letzte Schattenbank. Unter uns das Dorf. Du, wie lange waren wir eigentlich unterwegs? Eine Woche? Ach nein, nur ein paar Stunden.

Eine Biene setzt sich auf meinen Arm und leckt mich ab. Hat die mich eben Blüte genannt? Ich mag das, ihr zuzugucken, wie sie sich ganz langsam vorantastet bis sie genug hat und weiterfliegt.

Als wäre das alles nicht schon genug des Guten steht auch noch unweit des parkenden Autos ein Bücherschrank und natürlich können wir nicht widerstehen, lesen je ein Buch aus und geloben, das nächste Mal neue Bücher mitzubringen.

Gestrige Wanderroute

Auf dem Flösserweg

Wir könnten doch den Flösserweg wandern?, sagte Irgendlink. Es war Pfingstsamstagmorgen und wir beide wieder genesen. Dann müssten wir nicht autofahren. Dann könnten wir einfach von hier aus loslaufen.

Gute Idee. Anfangen tut der Weg nämlich in Stilli, ein paar Kilometer von hier aus. Mit den ungefähr zwanzig Kilometern der kleinen Fernwanderung wäre das doch eine perfekte Zweitageswanderung. Die könnten wir doch?

Also packen wir unsere Wanderrucksäcke. Wie immer nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Diesmal nehme ich meinen leichten Wanderrucksack, den ich zwar schon ewig, aber kaum je eingesetzt habe, da er als Tagesrucksack zu groß ist und für mehrtägige Wanderungen knapp zu klein. Wir haben wohl mit je anderthalb Liter Wasser je so um die zehn Kilo auf dem Rücken, inklusive Essen und Kocher. Ohne Zelt und ohne Tarp, nur mit Schlafsäcken und Matten.

Zuerst runter an die Reuss. Zum Wasserschloss, dem Wasserzusammenschluss von Reuss und Aare, von da aus die Limmat ihr letztes Stück begleiten bevor sie zur Aare wird. Schließlich überqueren wir bei Stilli die Aarebrücke, wo am Ortseingang der Flösserweg offiziell beginnt. Oder aufhört. Denn eigentlich fängt er ja in Laufenburg an, wo wir aufhören werden. Und Flösserweg heißt er deshalb, weil ihn die Flösser nach getaner Arbeit gegangen sind. Mit den zu Flossen zusammengebundenen Baumstämmen sind je drei Mann zusammen nach Laufenburg geflösst, haben dort ihre Stämme verkauft und sind mit den Seilen auf dem Rücken wieder zurück nach Stilli gewandert. (Filmtrailer)

Da wir außer uns selbst keine Baumstämme oder Seile von A nach B bewegen müssen, haben wir uns für die Gegenrichtung entschieden. Auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir – sollten wir doch noch nicht ganz fit sein – recht schnell wieder daheim wären.

Sehr abwechslungsreich ist diese Wanderung, meistens Kies- oder Waldwege, mal Wiesen, mal Trampelpfade und so wenig Teerstraßen wie möglich. So in etwa würde ich das Terrain beschreiben. Die Steigungen waren nicht ganz ohne, aber immer absehbar. Und wann immer wir uns eine Ruhebank gewünscht haben, hat sie sich um die nächste Ecke materialisiert.

Dennoch meldet sich meine noch immer nicht verheilte Fersenspornentzündung je länger je schmerzhafter und als wir über Hottwil ins Tal heruntergucken, es war kurz vor sieben Uhr, beschliessen wir, ein Nachtlager zu suchen. In den Hügeln nicht immer ganz einfach, weil Hügel eben hüglig sind, sprich abschüssig. Wir haben den Wald verlassen und werden von einer Herde Schafe herzlich begrüßt. Oder jedenfalls lauthals. Vor uns liegen Weinberge, die wir uns spontan nicht als Nachtlager vorstellen können. Oder doch? Hm.

Warte nur, der Lagerplatz wird uns finden!, spricht Irgendlink uns Mut zu. Die langjährige Wander- und Reiseerfahrung hat es uns ja gelehrt: Es gibt immer einen Platz, an den wir unsere müden Häupter und Knochen betten können würden.

Ich schlage vor, dass wir uns zwischen zwei Reihen Reben, da wo die breiteren und flacheren Stellen sind, aufbauen. (Wobei aufbauen so ja nicht ganz stimmt, denn da war ja kein aufbaubares Zelt im Gepäck.) Diese Denke gehört zur Strategie. Sich gedanklich mit einer nicht ganz idealen Lagerstelle anfreunden, die wir bereits auf sicher haben könnten und dann aber trotzdem weitergucken. Nochmals ein paar hundert Meter weiter gehen.

Die Hüttchen zwischen den Reben sehen alle privat aus. Bis auf das eine, das mit Infotafeln zum Weinanbau behängt ist, einen Unterstand mit einem Tischchen hat und genug Bodenfläche für zwei Schlafende. Wäre ein Klasse Windschutz!, sagen wir und haben nun schon zwei nicht ganz ideale Optionen. Oder da drüben, bei jenem Hüttchen, das Wieschen? Da könnten wir uns doch hinlegen!, sage ich. Wir schauen es uns von nahem an, schauen weiter, schauen herum.
Was ist denn das dort?, fragt Irgendlink und deutet etwa zwanzig oder dreißig Meter weiter. Eine Art halb bewachsenes Rebendachgitter verheißt Gutes.

Wir finden einen sehr schönen Rastplatz mit Feuerschale, Brennholz, zwei großen Steintischen und genug Bodenfläche für uns zwei. Perfekt! Ein bisschen windgeschützt sind wir hier sogar auch. Es ist langsam kühl geworden, die Sonne ist im Landeflug und putzt sich die Zähne, während wir unser Fertigreisgericht auf dem Feuer wärmen.

Irgendlink hat zwei Bierflaschen mitgeschmuggelt. Was für ein Schelm! Wir genießen die abendliche Stille. Das Dorf unter uns, Hottwil, wirkt von hier oben wie ausgestorben. Nur die Kirchenglocke zählt die Stunden. Nicht zu laut zum Glück; und gut, dass sie die Viertelstunden ungezählt verstreichen lässt.

Mit Bier am Feuer. Was für ein Glück. Was für ein Tag. Was für eine Stimmung. Die fetten dunklen Wolken haben sich verzogen. Der Mond steigt auf. Noch halb, aber zunehmend. Ich mache, bevor es dafür zu dunkel sein wird, mein Nestchen für die Nacht bereit. Auch Irgendlink rollt die Matte und packt den Schlafsack aus und als es dunkel wird, schlüpfen wir, schon ein bisschen fröstelig, in die warmen Hüllen.

So warm wie auch schon geben sie uns aber diese Nacht nicht, denn die Luft ist feucht und legt sich als Kondenswasser auf alles. Nicht dass ich total schlottern würde, aber so richtig warm geht anders. Und schlafen ebenfalls. Ich döse immer ein bisschen ein, bis ich wieder frierend die Seiten wechseln muss. Unten ist warm, oben und auf der Irgendlink abgewandten Seite ist kalt.

Irgendlink geht es ähnlich. Ohne die Seideninlays hätte ich wirklich gelitten, so ist es eher ein erdulden. Es ist wohl schon nach Mitternacht, als wir endlich im Taschenlampenlicht die Schlafsäcke zusammenkoppeln. Beide liegen wir nun im je eigenen Seideninlay wie in einem Kokon als kalte Löffelchen in der noch kälteren Besteckschublade und versuchen dem Nicht-Schlafenkönnen die kalte Schulter zu zeigen.

Erst gegen Morgen findet uns der Sandmann. Auf einmal schlafen wir da und dort die eine oder andere Halbstunde. Und irgendwann ist es auf einmal wieder richtig hell, als ich aus dem Traumland auftauche, die ganzen vielen Sterne – die Himmelssonnensprossen, die ich zu zählen versucht hatte -, sind wieder weg und die Sonne färbt die Hügel vis-à-vis rötlich. Und das ist es, warum ich es so liebe, draußen zu übernachten, ohne Zelt. Die Morgen sind anders als im Haus, draußen sind sie freundlicher. Die Morgen sind Geburten. Immer wieder.

Als ich mich aufsetzen will, hält ich die Schwerkraft zurück. Hoppla, ich bin ja angekoppelt. Autsch. Ein Lachflash am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Muskelkater nicht unbedingt, aber der darf. Der gehört dazu.

Die Schlafsäcke sind oberflächlich klitschnass, kein Wunder, dass sie nicht wärmen konnten. Ich entkopple mich und packe Irgendlink wieder schön ein. Es ist nun schon ein paar Grad wärmer. Vielleicht schon elf oder zwölf Grad. Beim Pinkeln bestaune ich die Sonntagmorgenwelt.

Als das Wasser im Trangiatopf kocht, ist auch Irgendlink aufgestanden und die Sonne hat nun auch unseren Platz erreicht und wärmt uns auf. Ein feines, rustikales Frühstück aus Brot und Käse stärkt uns für die Weiterwanderung. Inzwischen trocknen die Schlafsäcke. Bald packen wir und wandern weiter.

Nach dem Abstieg ist zuerst ein ziemliches Stück Dorf- und Landstraße angesagt, bis wir wieder über Feld-, Wald- und Wiesenwege gehen können. Wil. Mettau. Orte, die ich nur dem Namen her kenne. Oder noch nicht mal das.

Ein Gefühl von Ferienwanderung macht sich breit. Weit weg von daheim. Diese gute Art von Fremdsein. Alles ist gut.

Wir rasten im Stundentakt. Müeslistängel. Und Kirschen sowieso. Wir mundrauben uns an Kirschbäumen entlang durch die Lande, sozusagen. Mit stets vollem Mund. Sie sind aber auch zu gut, diese Fricktaler Kirschen.

Auf einmal sehen wir die Aare. Aber nein, das ist ja der Rhein. Hier ist die Aare ja bereits Rhein geworden. Langsam steigen wir ab und irgendwann sind wir unten, am Fluss, der uns nun bis Laufenburg begleiten wird. Und wir ihn.

Noch etwa anderthalb Kilometer sind es. Ein letztes Stück Weg. Pralle Sonne. Mittagshitze. Hunger. Lass uns rasten, sage ich. Wir suchen einen Picknickplatz und finden Halbschatten, Gras und Rheinrauschen. Wir essen das letzte Stück Brot und die Käsereste, nichts schmeckt besser unterwegs. Wasser haben wir noch genug, an einem Hottwiler Brunnen aufgefüllt. Und noch ein Müeslistängel. Und eine Mütze Schlaf auf Irgendlinks Matte. Die Köpfe auf den Rucksäcken in einer jahrelang erpropten Liegetechnik namens Po-an-Po, bei der beide auf einer Matte Platz finden.

Und dann rückt dieses Laufenburg immer näher. Wie oft ich Irgendlink hier schon abgeholt habe! Ich mag das herzige Städtchen mit seiner gut erhaltenen Altstadt. Einige Leute baden im Rhein. Der Anfang sei kalt, sagt einer, den wir fragen. Aber nur ein paar Sekunden, nachher sei es himmlisch. Glaube ich aufs Wort, bin dann aber doch froh, dass ich das Badezeug nicht dabei habe.

Wir spazieren zum Bahnhof, es ist knapp nach halb vier, ein Postauto nach Brugg steht da. Er fahre in zwei Minuten wird uns beschieden. Was für ein Timing!

Als wir unsere Plätze ganz hinten, maximal weit weg von allen andern, gefunden haben, löse ich unsere Tickets auf dem Handy. Die Zivilisation hat uns wieder.

Guck, das sind wir alles gewandert, sagt Irgendlink als wir auf dem Rückweg bis Mettau fahren, bevor die Busroute dann von unserer Wanderroute abweicht.

Das letzte Stück dann wieder zu Fuß. Nicht der kürzeste Weg, sondern der angenehmste. Boah, was sind die Beine und Füße müde, als ich mich daheim aufs Sofa plumsen lasse! Glücklich und wohlig müde bin ich. Und reif für die Badewanne.

(Unser Wanderkarte-Link)

Das geheime Leben der Ameisen vom Katzenfels

Alles vibriert. Die Luft schwirrt. Unzählige winzige Insekten glitzern im Sonnenlicht. Vor uns Bäume, hinter uns eine Felswand und rechts ein kleiner Wasserfall. Idylle vom feinsten. Blauhimmel, dazu eine sehr angenehme Lufttemperatur.

Rechts oben, am Hang, beobachte ich etwas Dunkles. Zuerst halte ich es von der Größe her für ein Eichhörnchen, doch dann stelle ich fest, dass es ein großer Vogel ist. Eine Krähe? Oh, der hat ja eine rote Haube, guck mal!, sage ich zu Irgendlink. Also doch keine Krähe. Was für ein schönes Tier!

Nun setzt sich der große Vogel auf einen abgebrochenen Baumstamm und hämmert los. Ein Specht? Hätte ich doch in der Schule besser aufgepasst! Sein Ruf tönt wie ein Ballon, den man – aufgeblasen – losfliegen lässt. Die entweichende Luft klingt dem Ruf dieses Vogels sehr ähnlich. Heute schließlich verrät mir das Internet, dass es ein Schwarzspecht ist. (So klingt er: Und so sieht er aus: ecosia.org/images?q=schwa)

Später, am Kneippbecken, eine kleine Wassertreten-Pause. Und der Beschluss noch nicht zurück zum Auto zu gehen, sondern noch einen zum Katzenfels zu spazieren, etwas mehr als einen Kilometer entfernt, wo wir uns, kurz pausierend und philosophierend, an den Holztisch setzen, der dort für müde Wandersleute steht.

Seit ich das Buch von der Schnecke lese [Das Geräusch einer Schnecke beim Essen von Elisabeth Tova Bailey], achte ich mich mehr denn je auf Unscheinbares in der Natur. (Vielleicht ist sogar der Lockdown mitverantwortlich.) Ich nehme Umwelt und Natur jedenfalls noch sinnlicher wahr als zuvor.

Der Tisch wirkt wie ein natürliches Terrarium für Ameisen. Wie wenig ich doch von ihnen weiß!, geht es mir durch den Kopf. Ich lasse mich ein und beobachte. Natürlich betrachte ich ihr Verhalten mit menschlichen Augen und natürlich versuche ich mit meinem menschlichen Wissen und Bewusstsein zu verstehen, was sie tun und warum. Wohin sie wuseln und was sie beabsichtigen.

Grundlosigkeiten kann ich mir bei einem Tier wie der Ameise, die es gemeinsam mit ihren Artgenoss:innen immerhin schafft, eine hochkomplexe Ameisenkolonie zu bauen, kaum vorstellen. Und doch: Meine eine Ameise hier, auf dem Tisch, wirkt trotz ihrer vermeintlichen Zielstrebigkeit doch sehr desorientiert.

Wohin will sie mit dem winzigen Holzstückchen hin, das etwa dreimal so lang ist wie sie selbst? Soll es Teil ihrer Behausung werden? Zuerst hängt sie es unter sich fest und geht damit wie mit einem dicken Bauchbeutel ein paar Zentimeter weit. Nur um sich einmal im Kreis gedreht wieder an der Ausgangsstelle einzufinden. Das Ding ist ihr aus den Armen und Beinen gerutscht. Sie lässt es los und geht ein bisschen ohne Ballast herum. Vielleicht ruft sie um Hilfe? Vielleicht überlegt sie, wäre sie denn ein Mensch, warum sie dieses Ding gleich noch wohin tragen wollte und ja, wohin überhaupt?

Sie packt es wieder an, allerdings nicht mehr so behände wie vorhin. Eher ein bisschen wacklig. Diesmal krabbelt sie über die etwa zwei Milimeter hohe Kante vom einen Tischbrett zum andern hoch und wäre dabei fast in der Ritze hängengeblieben. Sie schiebt sich nun etwa zwanzig Zentimeter weiter, immer geradeaus. Aha, doch irgendwie eine erkennbare Richtung! Kurz hilft ihr eine andere Ameise, die dann aber wieder loslässt und weiter in die vorher eingeschlagene Richtung rennt. Überhaupt: Wie sie rennen, die Ameisen!

Bald hilft eine zweite, aber auch sie hat bald genug. Oder wollte sie sogar meiner Ameise das Holzstück abnehmen? So richtig klar wird es nicht. Bald ist meine Ameise wieder müde vom Schleppen und macht erneut eine Pause. Geht ein bisschen ohne Ballast umher. Sondiert das Gelände. Kommt wieder zurück zum Holz, lädt es sich wieder auf und geht damit weiter. Aber zurück, also in die Richtung, woher sie kam. Zurück zur Ritze also. Diesmal fällt sie hinein. Oder lässt sie das Stück gar absichtlich hineinfallen? Und gibt es da eine Absicht? In der Ritze tummeln sich viele Ameisen und nun ist meine für mich, so ganz ohne Holzstück, nicht mehr als meine Ameise erkennbar.

Menschliche Effizienz geht anders. Oder bilden wir uns wenigstens ein.

Was weiß denn ich? Was weiß denn ich vom Leben in der Natur und vom geheimen Leben der Ameisen? Eins weiß ich allerdings: Ameisen hinterlassen ihre Umgebung niemals so kaputt wie wir. Und Hühner eher auch nicht.

Die Provence der kleinen Frau und des kleinen Mannes

Hier nun noch der visuelle Soundtrack zu Irgendlinks heutigem Blogartikel über unsere kleine Wanderung vom letzten Sonntagnachmittag, nachzulesen bei ihm drüben. (Link)

Schönheit, so nah …

Noch immer da.

Gestern die Entscheidung, doch noch bis morgen zu bleiben. Einen Tag länger als anfänglich geplant. Den Abschied aufzuschieben. Zu gut tut es, hier zu sein. Am liebsten bin ich ja beim und mit dem Liebsten.

Wie die Welt in zehn Tagen aussehen wird, wenn wir uns – würden wir unsern präcoronaesken Rhythmus als Maß nehmen – das nächste Mal sehen wollen, weiß niemand. Ich hoffe, dass weder die Deutschen noch die Schweizer:innen über die Stränge hauen und so einen neuen Lockdown nötig machen. Vernunft hülfe allen.

Doch ich will jetzt und hier nicht über Corona reden, nicht über die Dummheit jener Menschen, die die Gefahren leugnen, auch nicht jener, die dafür sogar aktiv Gefahren heraufbewören.

Heute will ich über die Natur reden und wie gut sie mir tut. Über den Wald. Über die Wiesen. Über das Grün da draußen. Gestern habe ich nach über sechs Wochen das erste Mal wieder einmal anderne als die Waldgebiete meines Dorfes betreten. Irgendlink ebenfalls. 

Gerademal neun Bilder habe ich gemacht, so ungewohnt war es, dieses Draußen-auf-freier-Wildbahn-Sein. Genossen haben wir es. Sehr. All diese Gerüche nach den reichen Regengüssen. Die Luft riecht lila. Nach Flieder. Das Grün ist jetzt satt, nicht mehr frühlingsfrisch-hell. Da und dort pfützen ein paar Tümpelchen vor sich hin und bilden den Himmel ab. Und die Luft ist so sauber wie lange nicht mehr, nicht mehr so dicht und voller Blütenstaub wie noch vor ein paar Tagen.

Wie gut es tut!

Im Wald guck ich überall hin, nehme wahr, schaue und staune und vergesse, dass ich Bilder machen wollte. Erst, als wir bereits auf dem Rückweg sind, über Land, denke ich daran. Mache ein paar Aufnahmen. Für andere Zeiten. Vorrat. Herzfutter.

Diese Tage dehnen sich, breiten sich aus, umarmen mich, umhüllen mich wie eine kuschelige Decke. Trotz Krise zusammensein zu dürfen ist ein großes Glück. Gnade von mir aus.

Aus dem Stricken der Socken für Freundin Lakritze ist nun doch (noch!) nichts geworden, weil der rechte Arm wieder zickt. Nähen geht. Also nähte ich noch ein paar Masken. Von Hand. Einen Abend lang stichle ich, was mit der Maschine zehn Minuten dauert. Egal. Die Langsamkeit tut gut.

Diese Art Maske finde ich persönlich von den inzwischen Genähten und Getesteten die am angenehmsten zu Tragende. Ist aber bestimmt Geschmackssache. Weil es recht dünner Stoff war, den ich diesmal verwendet habe, wurde die untige Maske vierschichtig. Die Obenrumbändel mit der Bindung im Nacken ist übrigens sehr ohrenschonend. Irgendlink mag sie jedenfalls.

Ach. Und zu guter Letzt hat sich meine Befürchtung vom letzten Sonntag nicht bestätigt. Nämlich dass Herr Irgendlink sein aktuelles Reiseblogprojekt nicht mehr weiterführen könnte. Ihr erinnert euch?
»Noch weiß ich also nicht, ob die (fiktive) Vélodysee weitergeschrieben wird oder nicht. Und das macht mich traurig«, schrieb ich.

Hat er aber dann doch. Und wie! Diesmal – anders als auf irgendlink.de die Route Zweibrücken-Andorra – ist die Tour am Atlantik entlang ganz und gar fiktiv. Und zwar so fiktiv wie ein Roman. Dennoch so echt, dass Mitlesende zugegeben haben, dass sie dachten, Irgendlink sei wirklich mit dem Rad unterwegs. Und schreibe wirklich von unterwegs.

Wer also ein bisschen Meeresbrise braucht: Herzlich willkommen auf Irgendlinks Gepäckträger:
radlantix.de

Screenshot des Reiseblogs
Screenshot des Reiseblogs

Lebenswege

Zwölf Tage her, bereits, dass Irgendlink und ich uns endlich wieder einmal mit Frau Lakritze zusammen auf den Weg gemacht haben. Die Pfalz erkunden war unser Ziel. Einen kleinen Ausschnitt derselben jedenfalls.

Und zwar wollten wir dort anfangen, wo die Alsenz entspringt: in Alsenborn. Dass es diesmal keine Winterwanderung werden würde, ahnten wir bereits im Voraus. Eher noch würde es regnen denn schneien. Das als trocken angekündigte Zeitfenster war nicht allzu groß und so machten wir uns schon bald auf den Weg, nachdem wir Frau Lakritze am Enkenbach-Alsenborner Bahnhof eingeladen hatten.

Den Alsenborner Lebenspfad hatten wir zu gehen beschlossen, da selbiger sich auf einer Wanderwebseite in Irgendlinks Blickfeld geschoben hatte; eine nur paar Kilometer lange Wanderung, die meiner aktuellen Befindlichkeit – Fersensporn und Knieschmerzen – sehr entgegen kam.

Unterwegs gab es ein paar Stationen wie beispielsweise ’Unfalltod’ nahe der Autobahn oder ’Familienbaum’, die zum Innehalten und Nachdenken einluden. Natürlich waren wir eh gemütlich unterwegs, denn es gab so viel zu sehen und zu fotografieren, so viel zu erzählen und zu erfahren. Mittendrin, am langen Tisch der Gemeinsamkeit, teilten wir Speis und Trank.

Höhepunkt der Wanderung war für mich definitiv das wunderschöne Labyrinth – gelegt aus Rindenmulch mit roten Sandsteinkanten – das wir still von außen nach innen gehend abschritten. Einen Kilometer Weg lege man zurück, wenn man ihn gehe, las ich eben auf der verlinkten Webseite. Hoppla, soo weit? Dieses Im-Kreis-Gehen hat echt was und beruhigt sehr.

Zurück im Ort besuchten wir das kleinste mir bekannte Museum. Es ist den früher hier ansäßigen Zirkusfamilien gewidmet und erzählt unter anderem die Geschichte vom Ackerelefanten, den wir auf einem Kreisel im Ort bereits gesehen haben. Lakritze berichtet.

Nach einer kleinen Stärkung mit Torte und Heißgetränken fanden wir beim Spazieren eine Kathedrale, die mich – obwohl ich sonst so gar nicht mit Kirchen und sakralen Dingen kann – sehr anrührte. Diese Stille tat einfach gut.

Wie Lakritze so schön schreibt: Ja, so was dürfte ruhig öfter mal stattfinden, so ein pfälzisches Wandertreffen! Und das nicht erst wieder im nächsten Winter.

(Mit Bildbeschreibungen)

Auch Frau Lakritze hat hier und hier über unsern Wandertag berichtet und gebildert.

Lesenswert, unbedingt!