Schneeeeeee

Je mehr Schnee liege, desto mehr E brauche das Wort, meinte der Liebste neulich. Sieben E kommen, wenn ich es mir recht überlege, hin für den Schnee, den wir hatten.

Seit heute Nacht regnet es. Bis auf Weiteres ist der Schnee Geschichte. Ein guter Grund, ein bisschen Schnee zu posten. Einfach weil ich es kann. Weil ich so viele Bilder habe. Und um mich zu erinnern.

Aufgenommen habe ich die Bilder zwischen dem 6. und dem 23. Januar.

Bildbeschreibung für Sehbeeinträchtigte: Es handelt sich um in der Natur und im Dorf aufgenommene Bilder. Sie zeigen verschneite Bäume, Bänke, Wiesen, Hügel und Häuser. Und manchmal sogar einen Fotografen und Schlittler von hinten. Das Wetter ist mal bedeckt, mal sonnig. Hauptfigur ist diesmal immer der Schnee.

Copyright bei mir.

Da draußen

Wie schrieb gleich Herr Buddenbohm vor ein paar Tagen über das viele Nichts da draußen in dieser auf Pause gestellten Welt?

»Ich habe in mehreren Blogs eine Zeile oder einen Satz gelesen, der in etwa besagte, dass gerade nichts passiere, dass man nichts mehr schreiben könne. Dann folgte dennoch überall ein längerer Text, natürlich war das so, wie das bei uns schreibenden Menschen nun einmal ist – wenn nichts ist, dann befinden wir das immer noch und gründlich, dass nichts ist, und wir erklären das Nichts allen ganz genau. Es ist allerdings tatsächlich nichts oder doch verdammt wenig.«

Nun, ich schaute es mir auch an, dieses Nichts. Zumal sich das Wetter offenbar entschieden hatte, mit dem endlich doch noch beschlossenen (Beinahe-)Lockdown am gleichen Strang zu ziehen. Flockdown*. Also schneite es diese Woche wie noch nie in meinem Leben als Flachländerin. (Ja, ja, lacht nur, deutsche Freund:innen! Auch in der Schweiz gibt’s Flachland. Selbst wenn es natürlich drumrum fast überall hügelig ist, gilt dennoch alles unter – sagen wir mal – fünfhundert Höhenmetern als Flachland. Das Quasi-Gegenteil von Oberland.)

Schnee also. Viel Schnee. Sehr viel Schnee. Nun ja, Schnee ist allerdings nicht wirklich nichts.

Während es schneit ist Schnee zu schippen wenig sinnvoll. Und so schneite und schneite es mit ein paar wenigen Unterbrüchen fast einen Tag lang. Und die Schneeschichten wurden höher und höher.

Die meisten Schneeschipper:innen warten, bis der Schneesegen Pause macht. (Auch jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, schneit es wieder. Nicht mehr so dicht wie neulich, und weil es nicht mehr unter Null Grad ist, ist es eher ein nasser Schnee. Dieser Tage habe ich sie alle gesehen, alle Schneearten: die Schneekörner, die Flocken, die Nassflocken, die Schneeschnüre, ach … alle eben.)

Vorgestern, die Sonne hatte sich aus dem Urlaub zurückgemeldet, zog es mich in den Wald. Weit kam ich leider nicht, denn da lagen einige Bäume quer. Manche richtig dick, so dass ich fürs Drüberklettern zu kurz Beine gehabt hätte. Und auch die Lust fehlte mir. Also zurück durch den knietiefen Schnee. Watend. Schöner fluffiger Pulverschnee, der zum Schlitteln und Skifahren perfekt ist. Dachten sich auch viele Kinder, wie ich später sehe, als ich auf Quartierwegen durchs Dorf spaziere und mir wie in einem Skiort vorkomme. Am Dorfhügel unter der Linde sausten sie auf ihren Bobs und Davoser Holzschlitten hinunter, um gleich von neuem heraufzukraxeln. Ein Jauchzen ist in der Luft und mein Herz wird Kind und freut sich.

Viele Leute sind unterwegs. Seit dem ersten Lockdown im März/April 2020 habe ich nicht mehr gleichzeitig so viele Spazierende angetroffen. Alle in sicherem Abstand. Vor den Häusern wird Schnee geschaufelt. Jede und jeder schippt sich den Weg zur Straße frei. Da kommt der Schneepflug und räumt die Straße frei, schwarz, während die kleineren Wege weiß geräumt werden, was bedeutet, dass der Schnee liegenbleibt, aber immerhin platt gedrückt wird. Viele Trottoirs sind nicht begehbar, so dass die meisten Leute auf den Straßen gehen und so die Autos zum Langsamfahren zwingen. Ich sehe viele lächelnde Münder und Augen. Freundliche Worte tanzen da und dort.

Der Schneepflug also. Er macht die Straßen und Wege frei, doch den Pfad zu den Straßen und Wegen freizumachen, liegt an uns einzelnen. Wie im richtigen Leben sozusagen. Denn schippe ich den Weg frei, aber der Schneepflug fährt nicht, habe ich ein Problem. Der Schneepflug fährt, aber ich schippe den Weg zur Straße nicht frei? Auch dann habe ich ein Problem.

So irgendwie denke ich herum, doch jetzt werde ich am besten den Besucherparkplatz freischippen gehen, damit der Liebste später einen Platz für sein Autochen hat.


*Wortschöpfung von Patti Basler

The Days after

Zugegeben, die letzten Tage war ich ein wenig neben der Spur. Schuld daran war sicher das Patent Ochsner-Konzert am Freitagabend im Bierhübeli Bern. Ein wunderbares und sehr beglückendes Erlebnis, das ich um keinen Preis missen möchte. Wie wir zu viert ganz oben auf der Galerie standen und bei den Songs mitrockten, die umwerfende Erkenntnis:
Hey! Ich bin rundum glücklich. Hier mit Irgendlink, T. und R. zu sein ist einfach nur und  total schön!
Zuvor waren wir zwei noch an unserm geliebten Glasbrunnen im Bremgartenwald gewesen. Bereits unterwegs zum Bierhübeli, kam der Anruf meiner Ticketkäuferin. Sie sagte, wo sie mich erwarte. Somit hat auch dieser Teil des Abends super geklappt.

Patent Ochsner im Bierhuebeli_by Irgendlink
Pic by Irgendlink

Gestern fuhren wir nach Baden zum Geocachen. Ein schöner Burgruine- und Altstadtspaziergang, obwohl es geflockt hatte und wir uns beinahe den A*** abgefroren haben.
Baden von der Ruine aus
Baden an der Limmat
Heute schien bereits am Morgen die Sonne. Wir beschlossen nach Obersiggenthal zu fahren. Dort hatte ich auf der Karte einige überblickbare Multicaches gesichtet. Heute zog es uns nämlich eher in den Wald.

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Unten im Dorf parken wir und steigen danach die wirklich steile Dorfstraße bergan.
Obersiggenthal Tuer im Dorf
Am Waldrand angekommen finden wir auch schon die erste Station, eine Verkehrstafel aus deren Piktogrammen und Beschriftung es die Zahlen zu generieren gilt. Mit diesen – wenn man sie denn richtig interpretiert – lässt sich die Richtung und die Entfernung peilen um die zweite Station zu finden.
Meine Hand als Notizzettel
Es ist wieder furchtbar kalt und schneit. Vielleicht deshalb sind wir nicht gleich aufmerksam und gründlich wie sonst. Anders kann ich es mir nämlich nicht erklären, dass wir nicht merken, dass der Pfeil uns an einen Ort, der 250m entfernt war, hinschickt. Ist ja unlogisch, wo wir doch 153 Meter Luftlinie eingegeben haben. Zu unserer Verteidigung sei gesagt, dass Irgendlink seine Brille nicht dabei hat, wir aber die Koordinaten in seine GPS-App eingeben. Wir gehen durch den tiefverschneiten, Stein und Bein gefrorenen Wald und lassen uns zu Abkürzungen hinreissen, die uns zu schönen Hochsitzen führen. Doch irgendwann begreifen wir, dass etwas nicht stimmen kann. Irgendwann drückt mir Irgendlink sein Telefon in die Hand, weil er ja doch nicht genau sieht, wohin wir eigentlich müssen. Einzig den Richtungspfeil erkennt er. Ich sehe, dass wir inzwischen um die dreihundert Meter vom eigentlich 153 Meter entfernten Basis-Punkt sind. Klar, Luftlinie und Waldwege sind zweierlei, das weisß jede Cacherin, aber eine so große Abweichung kann eigentlich auf so kleine Distanzen nicht sein.
Schließlich übertrage ich die Daten von seiner GPS-App auf meine, da ich übers Schweizer Handy-Netz die Karten laden und so unseren Standort besser orten kann. Ich überprüfe dabei auch gleich die Peildaten und begreife endlich: Wir sind von falschen Basisdaten ausgegangen! Da ein paar Caches, die wir geladen haben, zur gleichen Serie gehören und ähnliche Namen haben, haben wir schlicht und einfach die Daten eines anderen Caches als Basisdaten für die Peilung eingegeben *shameonus* …
Wie blutige Anfänger!, sage ich. Wir lachen über uns, denn letztlich ist es eben einfach schön, wo wir sind. Inzwischen schneit es auch nicht mehr. Mir macht der Spaziergang durch den Wald, trotz gefrorener Rotznase, total Spaß. Das Sonnenlicht durchbricht beinahe die Wolkendecke. Hell ist es wieder geworden und der Schnee blendet.
Wer viel im Wald unterwegs ist, weiß es: Längst ist nicht jeder Wald gleich. Dieser hier hat, finde ich, etwas märchenhaftes an sich. Es ist sehr ruhig hier und ich genieße es, hier zu sein. Und die tollen Hochsitze hätten wir ohne unser Missgeschick auch nie entdeckt.
Bei den errechneten Koordinaten finden wir den versprochenen Grenzstein – ta-ta-ta-taaaa! – nein, nicht auf Anhieb, sondern gar nicht! So betrachte ich erneut unsere Berechnung und stelle fest, dass ich statt eine drei- nur eine zweistellige Zahl für die Gradberechnung ermittelt habe. Schnell korrigiere ich den Fehler und notiere mir mit zunehmend klammen Fingern im Schnee die neuen, richtigen Koordinaten, um sie von der einen in die andere App, ins GPS-Kit, eingeben zu können.
Heute ist mein brillenloser Liebster für einmal wenig aktiv, was die technische Seite der Cachesuche betrifft. Dafür muss schon bald seine linke Hand als Notizzettel hinhalten, als wir beim gesuchten Grenzstein ankommen und die neuen Zahlen finden, mit denen wir die Koordinaten für den Finalcache ermitteln.
Seine Hand als Notizzettel
Leider liegt der Cache, wie wir bald entdecken müssen, mitten zwischen zwei Wegen an einem vollgeschneiten Hang. Wir zwei Weichei- und Warmdusch-Cachende frieren inzwischen doch zu sehr und haben keine Lust darauf, durch den halbschienbein hohen Schnee zu waten. So drehen wir, zehn Meter vor der Findung, einfach um.
Und die Moral von der Geschicht’?, sage ich. Manchmal sind Umwege dazu da, schöne neuen Ecken zu entdecken.
Aber,
entgegnet mein Liebster, aber wer weiß schon, welchen schönen Platz wir entdeckt hätten, wenn wir diesen Umweg NICHT gemacht hätten, sondern von Anfang an richtig gelaufen wären? Die Moral heißt also eher: Wir können nie zwei Wege gleichzeitig gehen und wir wissen auch nie, was uns auf dem anderen Weg erwartet hätte.
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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).
* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

freitags unterwegs

Manchmal braucht es nicht mal Sonnenschein, um das Leben genießen zu können. Ein Spaziergang mit Irgendlink über die weiße Triesch. Eine kleine HochSIEtz-Tour.
Während der Liebste Bilder schießt, schießt es mir durch den Kopf, wie es wohl wäre, jetzt irgendwo in Lappland zu sein. Weit und breit keine anderen Menschen. Nur der Winter und wir. Da freu ich mich sogar über einen Strommast, der aus dem Nebel auftaucht. Und wenn hin und wieder ein Hochsitz Menschennähe vorgaukelt.


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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).