Karlsborg

Hej! Danke für die lieben Kommentare! Mit müden Füssen, doch glücklich, dass ich hier einen freien Internetzugang gefunden habe, will ich doch mal wieder ein kleines Blogtextchen weben.

Karlsborg. Ein kleines Dorf am großen See. Es gefällt mir auf Anhieb. In Jönköping, wo ich zwei Tage verbracht habe, gefiel es mir auch, doch irgendwie sehnte ich mich eben nach noch mehr Natur, noch mehr Weite, noch mehr Grün und noch mehr See. In Jönköping habe ich nach einer ersten Krise eine intensive Grenzerfahrung machen dürfen. Mein (Plastik-)Hotel – ich sage nur Accor! – lag zwar am Rande eines Industriegebietes. Doch gleich in der Nähe befindet sich ein geniales Naturschutzgebiet. Nachdem ich also mein Plastikzimmer bezogen hatte, musste ich unbedingt joggen gehen. Mich erden. Obwohl es dicke Regenwolken hatte. Ich fand auf Anhieb den kleinen Strand und joggte von da aus weiter und weiter. Wie weit es war, sah ich erst gestern, als ich den Weg nochmals – spazierend – zurücklegte. Die Aussicht auf den See, die fetten Gewitterwolken, die Felswand – absolut magisch. Hell direkt über dem See, darüber gruselig schwarz. Wie in Mankells Krimis erwartete ich demnächst über eine Leiche zu stolpern. Tat ich zum Glück nicht. Doch dafür öffnete sich der Himmel und leerte sich aus. Ich joggte weiter und weiter. Klitschnass. Kilometer um Kilometer. Völlig berauscht. Später, im Zimmer, war es mir wie nach einer Sauna. Und noch später, als ich nochmals spazieren ging, war die Luft in mir drin und auch außerhalb wieder klar. Ein Regenbogen grüßte mich.

Gestern Nachmittag mit einem gemieteten Velo die Stadt erkunden … Rauf und runter. Der Strandpromenade entlang. Am Morgen war ich vom Hotel dem See entlang in die Stadt spaziert (ca. 4-5 km), abends dann wieder alles zurück. Genial war es und müde war ich.

Heute mit Zug und Bus nordwärts. Als ich um eins den Bus verließ, wähnte ich mich zuerst am A… der Welt. Ist zwar so, aber positiv. In einer syrischen Pizzeria stärkte ich mich erst mal. Wir konnten uns zwar kaum verständigen, aber der Koch war trotzdem herzig. Ich fand gleich um die Ecke ein herziges B&B, zwar wegen Saisonende nur für eine Nacht, doch das ist okay. Zahlbar und sehr angenehm. Morgen werde ich in die Jugi ziehen, wo ich ein Velo mieten kann. Ich denke, dass ich vorerst hier bleibe.

Bald ist die Mitte der Reise erreicht. Mitte. Noch bin ich auf dem Hinweg. Ich bin müde von den vielen Eindrücken, doch es geht mir gut. Ich fühle mich wohl. Und doch … Reisen ist anstrengend. Die vielen Reize. Die vielen Bilder. Die vielen Geräusche und Sätze und Wörter. Innen und außen. Ich grüße euch herzlich vom Vätternsee!

Göteborg

Ich kann es nicht lassen. Die Versuchung ist aber auch gar zu groß. Gratisinternet. Müde Füße und zwei freie Computer. Dazu ein voller Kopf, den ich auskippen möchte. Einmal bloggen ist eh keinmal. Auch wenn ich vorgestern zum Abschied gewinkt habe.

Hej, alle zusammen! Ein Gruß wie eine frische Brise. Hej. Einfach überall und zu allen. Hej.

Göteborg – eine Stadt, die mich von der ersten Minute an begeistert hat. Abgesehen von der Tatsache, dass ich erst  seit heute Morgen weiß, dass mein Rucksack das Flugzeug verpasst hat. Dass er nicht mitgeflogen ist, wusste ich, als ich am Schluss alleine am Gepäckband stand. Der Alptraum aller Flugreisenden. Ich meldete den Verlust bei einer netten Lady am Schalter, bekam ein Survival-Kit (T-Shirt und so) und das Verspechen, dass mir das Teil baldmöglichst ins Hotel gebracht werde. Auch schön. So muss ich nicht selber schleppen.

Schon gestern Abend habe ich die nähere Umgebung erkundet, die Universität, den Park. Da will ich heute noch joggen gehen. Falls der Rucksack kommt. Und die Joggingschuhe.

Ich bin von den Farben dieser Stadt, dieses Landes, fasziniert. Vom roten Backstein, von der Architektur, von der Atmosphäre auch und von den Straßennamen und -schildern. Gatan überall. Wie in Mankells Krimis. Schade habe ich den neuen nicht dabei.

Das Frühstücksbüffet hier im Hotel hat mich fast umgehauen. Alles, was das Herz auch nur im geringsten begehren könnte. Will heißen, der Magen. Nur schon diese Auswahl an Knäckebroten. Tausende. Ohne Witz. Schade, dass ich keine große Frukost-erin bin. Habe mir drum ein Sandwich für später gemacht. Dann ein kurzer Blick auf Mails und Blog. Ersteres, weil ich einen Schreibauftrag bestätigen musste, zweiteres, weil ich süchtig bin.

Später finde ich auf Anhieb das Kunsthaus. Oder vielleicht auch es mich. Diese Woche Gratiseintritt! Wie schön! Wegen der Kunst- und Kulturfestwoche, die aktuell läuft. Genial!

Und genial auch, die Welt, in der ich mich die nächsten paar Stunden verliere. Eine Reise durch Zeit und Raum. Ich durchquere Meere, leide mit Kriegsopfern, sitze an mittelalterlichen Gelagen mit zu Tische. Stillleben – Nature morte. Ich tauche in Geschichte, Gesichter, Landschaften und Farben ein und begreife einmal mehr: Ein Leben ohne Kunst, ohne Kultur, ohne Bilder, ohne Ein- und Ausdrücke ist mir unvorstellbar. Atemlos stehe ich vor Rubens. Drei Meter Leinen. Ich japse nach Luft.

Die meisten der ausgestellten Bilder haben nordische Künstler geschaffen. Und Künstlerinnen. Letztere tauchen allerdings erst in den letzten hundertfünfzig Jahren auf. War ja bei uns nicht anders. Die Palette der Ausstellung umfasst auch Kunstschaffende wie Picasso, Matisse, Modigliani, Munch, Kandinsky. In Stunden und an Orten wie diesen bin ich so dankbar, dass ich das Staunenkönnen nicht verlernt habe.

Auch die aktuellen Gegenwartsausstellungen sind genial. Originell. Aussagekräftig. Nur schon darüber könnte ich jetzt seitenweise schreiben. Bilder durfte ich ja leider keine machen. Nur das Notizbuch kam mit. In ihm sind meine Eindrücke festgehalten. So wie dieser hier: Ziel aller Kunst, allen künstlerischen Ausdruckes ist immer die Berührung. Der Mensch, der das Objekt kreiert, hofft mit seinem Ausdruck das Erlebte an die Betrachtenden, die Hörenden, die Lesenden, weiterzugeben. Um in ihnen das gleiche, das ähnliche Betroffensein auszulösen. Berührung weitergeben. Betroffenheit. Verbindung zwischen Subjekt und Objekt. Wiedererkennungseffekt.

Falls bei Kunst denn von Ziel geredet werden kann. Denn, wie ich früher schon geschrieben habe, steht letztlich im Kunstschaffen das Kreieren selber im Vordergrund.

Den Rest des Tages kreiere ich mir laufend selber. Laufend, will heißen, gehend. Die Stadt entdeckend. Wie im „richtigen Leben” weiß ich nicht wirklich, wo ich hinkommen werde. Ungefähre Richtung: Hafen. Doch entscheide ich an jeder Kreuzung neu, welchen Weg ich einschlagen werde. Wer mich kennt, weiß, dass ich selten den direkten Weg wähle. Ist der längere Weg schöner, nehme ich diesen. Auch hier und jetzt. Querstadtein, durch alle möglichen Parks. Durch Flaniergassen. Und plötzlich finde ich mich mitten an einem RockOpenAir im Stadtzentrum. Fünf herzige Jungs, die professionellen satten Sound bauen. Coversongs zwar, doch eine gute Bühnenpräsenz, eine echt gute Stimme, gekonntes Spiel und viel Begeisterung. Später überall Straßenmusik. Jaaa! Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Inzwischen, so hoffe ich, ist mein Rucksack angekommen. Will joggen gehen. Danach ins Sprudelbad und/oder in die Sauna. Mal gucken.

Wohin ich morgen weiterreisen werde, weiß ich nicht. Und wo ich landen werden, ebenfalls nicht. Ob es da Internet hat? Keine Ahnung.

Wieder Winkewinke. Bis bald oder später oder irgendwann.