Was haben Schwerhörigkeit und Autismus gemeinsam?
Du kannst sie – meistens – nicht sofort sehen.
Was machst du, wenn ich sage, dass ich dich nicht verstanden habe, weil ich schwerhörig bin und leider meine Hörgeräte zuhause vergessen habe?
Du wiederholst das vorher Gesagte, diesmal sprichst du lauter und deutlicher, obwohl du keine Beweise dafür hast, ob ich wirklich schwerhörig bin oder nur so tue.
Was machst du, wenn ich sage, dass ich dich nicht verstanden habe, weil ich autistisch bin und leider deine Art, dich auszudrücken nicht auf Anhieb verstanden habe?
Du wiederholst das vorher Gesagte mit anderen Worten, diesmal ohne Drumrumgerede, sondern direkt auf den Punkt gebracht, obwohl du keine Beweise dafür hast, ob ich wirklich autistisch bin oder nur so tue.
Schön wärs. Häufiger ist die Reaktion: Was!? Du!? Autistisch? Und ich frage mich jedes Mal, woher eigentlich dieses grundsätzliche Misstrauen gegenüber unsichtbaren Abweichungen von der sogenannten Norm oder auch gegenüber psychischen Beeinträchtigungen kommt.
Es sind übrigens deine Grenzen, die dazu führen, dass ích dich nicht auf Anhieb verstehe. Weil du davon ausgehst, dass das, was du sagst, selbstverständlich verständlich ist. Ist es aber nicht. Nicht zwingend, nicht für alle.
Und ja, natürlich gilt all das auch umgekehrt. Aber nur wenn wir alle es uns bewusst machen und auf einander achtgeben, funktioniert Kommunikation. Sie ist keine Einbahnstraße, in die sich Menschen, die anders ticken als diese unfassbare Norm, einzufügen haben.
Kommunikation funktioniert nur, wenn beide Seiten mitmachen. Logisch eigentlich.
@sofasophia
Wie ich das kenne und hasse. "Alle" kapieren das, nur ich angeblich nicht. Was sich häufiger rausstellt: Alle anderen gehen von einem bestimmten Narrativ aus, das doch wahr sein muss, weil es alle sagen. Ich habe aber Fakten an der Hand, die nicht dazu passen. Ich entdecke einen Denkfehler, Widerspruch. Den darf es nach allgemeiner Überzeugung nicht geben. Also bin ich der Querschläger.
Am allerschlimmsten sind sehr einfach gestrickte Leute, die eine komplexere Realität gerne komplett ausblenden, bewusst oder unbewusst.
Oder die Leute gehen automatisch davon aus, dass ich gewisse Dinge weiß. Und ich frage mich woher.
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Ja, genau. Es ist so ermüdend und anstrengend, dieses Anders-Sein: entweder passt du dich an oder du fällst raus. Wieso nicht einfach anderes Sein sein lassen, bejahen, akzeptieren? Ich akzeptiere ja das Andersein der andern auch. Ich hasse diese überflüssigen künstlichen Gräben, die so entstehen.
sich ausgegrenzt, nicht zugehörig fühlen ist schwer zu ertragen, führt zu immer weiterem zurückziehen…
liebe Grüße Wolfgang
Ja, das ist eine Reaktionsoption. Oder aber sich mit Menschen, die ähnlich anders sind, zu verbinden.
Danke für diesen Text! Ich bin selbst schwerhörig und kenne die Schwierigkeiten der Kommunikation vor allem aus dieser Warte. Deutlicher sprechen? Bestenfalls zwei Sätze lang. Respekt: vorgeblich meist vorhanden, aber nicht immer augen- oder ohrenfällig.
Eine dritte Option scheint mir: die Kontakte mit Normalos sorgfältig zu dosieren, so dass sie nicht allzu ermüdend sind. Das ist per se aber auch Mehrarbeit und bedeutet ein bestimmtes Mass an Isolation.
Ja, da sagst du was! Ich teile deine Erfahrungen mit Rücksicht und Respekt. Theorie ja, Praxis nein. Dosieren muss ich eh, sonst reicht meine Kraft nicht.