Göteborg

Ich kann es nicht lassen. Die Versuchung ist aber auch gar zu groß. Gratisinternet. Müde Füße und zwei freie Computer. Dazu ein voller Kopf, den ich auskippen möchte. Einmal bloggen ist eh keinmal. Auch wenn ich vorgestern zum Abschied gewinkt habe.

Hej, alle zusammen! Ein Gruß wie eine frische Brise. Hej. Einfach überall und zu allen. Hej.

Göteborg – eine Stadt, die mich von der ersten Minute an begeistert hat. Abgesehen von der Tatsache, dass ich erst  seit heute Morgen weiß, dass mein Rucksack das Flugzeug verpasst hat. Dass er nicht mitgeflogen ist, wusste ich, als ich am Schluss alleine am Gepäckband stand. Der Alptraum aller Flugreisenden. Ich meldete den Verlust bei einer netten Lady am Schalter, bekam ein Survival-Kit (T-Shirt und so) und das Verspechen, dass mir das Teil baldmöglichst ins Hotel gebracht werde. Auch schön. So muss ich nicht selber schleppen.

Schon gestern Abend habe ich die nähere Umgebung erkundet, die Universität, den Park. Da will ich heute noch joggen gehen. Falls der Rucksack kommt. Und die Joggingschuhe.

Ich bin von den Farben dieser Stadt, dieses Landes, fasziniert. Vom roten Backstein, von der Architektur, von der Atmosphäre auch und von den Straßennamen und -schildern. Gatan überall. Wie in Mankells Krimis. Schade habe ich den neuen nicht dabei.

Das Frühstücksbüffet hier im Hotel hat mich fast umgehauen. Alles, was das Herz auch nur im geringsten begehren könnte. Will heißen, der Magen. Nur schon diese Auswahl an Knäckebroten. Tausende. Ohne Witz. Schade, dass ich keine große Frukost-erin bin. Habe mir drum ein Sandwich für später gemacht. Dann ein kurzer Blick auf Mails und Blog. Ersteres, weil ich einen Schreibauftrag bestätigen musste, zweiteres, weil ich süchtig bin.

Später finde ich auf Anhieb das Kunsthaus. Oder vielleicht auch es mich. Diese Woche Gratiseintritt! Wie schön! Wegen der Kunst- und Kulturfestwoche, die aktuell läuft. Genial!

Und genial auch, die Welt, in der ich mich die nächsten paar Stunden verliere. Eine Reise durch Zeit und Raum. Ich durchquere Meere, leide mit Kriegsopfern, sitze an mittelalterlichen Gelagen mit zu Tische. Stillleben – Nature morte. Ich tauche in Geschichte, Gesichter, Landschaften und Farben ein und begreife einmal mehr: Ein Leben ohne Kunst, ohne Kultur, ohne Bilder, ohne Ein- und Ausdrücke ist mir unvorstellbar. Atemlos stehe ich vor Rubens. Drei Meter Leinen. Ich japse nach Luft.

Die meisten der ausgestellten Bilder haben nordische Künstler geschaffen. Und Künstlerinnen. Letztere tauchen allerdings erst in den letzten hundertfünfzig Jahren auf. War ja bei uns nicht anders. Die Palette der Ausstellung umfasst auch Kunstschaffende wie Picasso, Matisse, Modigliani, Munch, Kandinsky. In Stunden und an Orten wie diesen bin ich so dankbar, dass ich das Staunenkönnen nicht verlernt habe.

Auch die aktuellen Gegenwartsausstellungen sind genial. Originell. Aussagekräftig. Nur schon darüber könnte ich jetzt seitenweise schreiben. Bilder durfte ich ja leider keine machen. Nur das Notizbuch kam mit. In ihm sind meine Eindrücke festgehalten. So wie dieser hier: Ziel aller Kunst, allen künstlerischen Ausdruckes ist immer die Berührung. Der Mensch, der das Objekt kreiert, hofft mit seinem Ausdruck das Erlebte an die Betrachtenden, die Hörenden, die Lesenden, weiterzugeben. Um in ihnen das gleiche, das ähnliche Betroffensein auszulösen. Berührung weitergeben. Betroffenheit. Verbindung zwischen Subjekt und Objekt. Wiedererkennungseffekt.

Falls bei Kunst denn von Ziel geredet werden kann. Denn, wie ich früher schon geschrieben habe, steht letztlich im Kunstschaffen das Kreieren selber im Vordergrund.

Den Rest des Tages kreiere ich mir laufend selber. Laufend, will heißen, gehend. Die Stadt entdeckend. Wie im „richtigen Leben” weiß ich nicht wirklich, wo ich hinkommen werde. Ungefähre Richtung: Hafen. Doch entscheide ich an jeder Kreuzung neu, welchen Weg ich einschlagen werde. Wer mich kennt, weiß, dass ich selten den direkten Weg wähle. Ist der längere Weg schöner, nehme ich diesen. Auch hier und jetzt. Querstadtein, durch alle möglichen Parks. Durch Flaniergassen. Und plötzlich finde ich mich mitten an einem RockOpenAir im Stadtzentrum. Fünf herzige Jungs, die professionellen satten Sound bauen. Coversongs zwar, doch eine gute Bühnenpräsenz, eine echt gute Stimme, gekonntes Spiel und viel Begeisterung. Später überall Straßenmusik. Jaaa! Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Inzwischen, so hoffe ich, ist mein Rucksack angekommen. Will joggen gehen. Danach ins Sprudelbad und/oder in die Sauna. Mal gucken.

Wohin ich morgen weiterreisen werde, weiß ich nicht. Und wo ich landen werden, ebenfalls nicht. Ob es da Internet hat? Keine Ahnung.

Wieder Winkewinke. Bis bald oder später oder irgendwann.

mehr vergessen

Szene 1

Gerzensee. Immer wieder schön. DSC01960_gerzenseeSonne. Wasser. Einander. Geniessen.

Szenenwechsel

Immer sind sie da.  Ohne Voranmeldung werden sie sichtbar. Vielleicht ein paar Statisten und Statistinnen auf der Straße. Zum Beispiel an der Baustelle in Worb. Im Stau. Securitas regeln den Verkehr. Den Stau vielmehr. Falls Stau denn irgendwelchen Regeln gehorcht. Die Frage, wie lange wir stehen werden, ist nicht wirklich eine. Für uns nicht. Wir weben Geschichten. Jene zum Beispiel vom Stau, der nie endet.  J. wird in der CS arbeiten. Zum Beispiel. Ich gucke mich nach Toiletten-Häuschen um. Neue Marktnischen, fein säuberlich rings um den Kreisel angelegt, steigen als Ideen aus unbekannten Tiefen nach oben, durchstoßen die Membran, die unsere unterirdische Phantasie von der sichtbaren trennt. Und da: noch mehr Ideen. Noch mehr Geschichten. Wo sie doch eh immer da sind. Und überall.

Kann ich sie befreien – sprich: schreiben, erzählen – gibt es Platz für all jene, die anstehen. Und so weiter. Jede erzählte ruft die nächste. Wenn nicht, purzeln alle übereinander. Stau im Land des Vergessens.

Abspann

Kopflasten

wie leicht
vielleicht
und
wie schwerelos
könnte er
– mein Kopf –
sein
wenn ich
hin und wieder
ein paar volle Kopflaster
schreddern
könnte

hätte
stattdessen
weißes Papier
da oben

und Stauraum

Tag der Schlangen

warten
Stau stehen
Verdichtung
Ellbogen
rosa Gummistiefel
Schlamm
aha!

Gurten 09 017_sm
ankommen
Handys in Action
SMS
suchen
finden

Gurten 09 016_sm

himmelblau
lachen
mitsingen
Sounds voll gut

Gurten 09 024_sm

klatschen
pfeifen
schreien

Gurten 09 030_sm

Gurten 09 034_sm

Gurten 09 043_sm

viel Energie
viel Materie
Dichte

Gurten 09 048_sm
Dräcksäck überall
in gelb
viel Wasserverbrauch
und Bier
und noch viel mehr WC-Papier

viel Luft
viel Himmel

= Gurten 2009!

Seerosen

Eigentlich sind es vor allem die „sinnlosen“ Tätigkeiten, die mich am meisten beglücken. 😉 Was beweist, dass nicht Materielles und Messbares über Wert und Sinn entscheidet.

Gerzensee

Plaudern … Diskutieren … Lesen … Schreiben … Schwimmen …
Musik hören … Schlafen … und schon ist Sofasophia glücklich!

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Heute haben wir den Scheff in die Ferien geschickt. Auch gut. Nach dem Abschiedskuss, schon unter der Türe, entdeckten wir, über die einheimischen Naherholungsgebiete fachsimpelnd, dass er wie ich fürs Gerzenseeli schwärmt … Witzig, wo das doch sonst kaum jemand kennt. Während er nun nach XYZ düst und im engen Flieger sitzen muss, gönn ich mir ein genüssliches Bad  …
Gerzensee, ich komme!