Dies und das und eine kleine Filmbesprechung | »Für immer Dein« – Saarlouis-Krimi

Seit Wochen will ich den Blog-Bann brechen, der mit der immer schiefer werdenden Weltlage, über mich gekommen ist. Anschreiben würde ich gern, anschreiben gegen meine Sprachlosigkeit. Das hier ist ein kleiner Versuch.

Erinnert ihr euch auch manchmal an jene kollektive Trauer, die viele von uns damals, vor fünf Jahren, überrollt hatte. Dieses Nicht-Wahrhaben der Realität. Ein Zustand, der sich für mich gerade zu wiederholen scheint, anders natürlich, dennoch irgendwie ähnlich …

Ob wir Menschen aufgrund in empathischer Umgebung gesammelter Erfahrungen empathisch werden oder ob wir schon als mitfühlende Menschen geboren werden, frage ich mich immer mal wieder. Gewöhnen uns schlimme Erfahrungen und Erlebnisse Mifühlen womöglich ab – oder mehren sie es sogar? Ich weiß, dass sich solche Fragen nicht allgemein beantworten lassen. Bücher und Filme zeigen sowohl das eine als auch das andere. Genetik, Epigenetik und Sozialisierung spielen sich in die Hände, dennoch bin ich ziemlich sicher, dass sich mitfühlend zu verhalten immer auch eine Entscheidung ist, die jede*r von uns persönlich treffen muss. Selbst wenn wir von klein auf verbogen wurden. Wie wir uns entscheiden, zeigen sich im Kleinen und im Großen. In der Familie ebenso wie in der Politik. Wie wir agieren, wie wir denken, wie wir Dinge bewerten und was mir mit den Erfahrungen und Beobachtungen anfangen, macht uns letztlich aus.

Solche Gedanken beschäftigten mich gestern, als wir auf arte.tv den neunten Teil »Für immer dein« des Saarlouis-Krimis »In Wahrheit « schauten.

Was wie eine Ode an die ideale Vater-Sohn-Beziehung beginnt – bei einem Zeltabenteuer an einem wunderschönen Ort an einem kleinen See im Wald – entwickelt sich nach und nach zu einem Albtraum.

+++ ACHTUNG SPOILER +++ TRIGGERWARNUNG +++

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Spätenstens als Kriminalkommissarin Judith Mohn gemeinsam mit ihrem Kollegen Freddy nachts in das Haus des Mordopfers eingedrungen ist, weil sie einer Beobachtung aus der Nachbarschaft nachgehen muss, und dabei aus großen Campinggasflaschen ausströmendes Gas feststellt, bin ich alarmiert. Und getriggert.

Vater Moritz und Sohn Theo, die eben erst Anna, ihre Partnerin respektive Mutter verloren haben, können gerettet werden. Sie haben tief und fest geschlafen. Nach einem externen Mordverdächtigen wird weiterhin gesucht. Gründe für die Attentate scheint es mehr zu geben, als am Anfang erkennbar.

Als gegen Ende der Geschichte immer mehr Negatives über Moritz, den perfekten Papa  erkennbar wird, bin ich nicht überrascht, dass es doch kein Fremder ist, der diese junge, scheinbar perfekte Familie auslöschen will, sondern Moritz selbst.

Seine Fassade bröckelt erst allmählich und zerbricht schließlich. Riesige Schuldenberge, der übermächtige Vater, der mit seinen überhöhten Erwartungen Moritz unterdrückte, dazu soziale Probleme mit Menschen, die Moritz verarscht und ausgenutzt hat. Statt sich seiner Verantwortung zu stellen, entscheidet er sich ein drittes Mal dafür, das Leben seines Sohnes und sein eigenes zu beenden.

Als Judith und Freddy die beiden – wieder mit Zelt im Wald – schließlich finden, ist es fast zu spät. Judith kann knapp verhindern, dass Moritz sich selbst tötet. Besonders beeindruckt hat mich hier ihre klar Ansprache.

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Ähnliche Situationen – Väter, die ihr Kind/ihre Kinder und sich selbst töten – kenne ich tatsächlich aus sehr persönlicher Erfahrung.

Selbst wenn dieses »Für immer dein« und »ich kann dich doch nicht zurücklassen« von den Tatpersonen (mehrheitlich Männern) als Motiv für den Mord an den eigenen Kindern mitgedacht wird: Nein, ich habe keinen Funken Verständnis dafür. Für keine Art von Gewalt von Männern an anderen Menschen. Weder im Kleinen – in der Familie –, noch im Großen und Globalen – in der Politik und Gesellschaft. Nirgendwo ist Gewalt die Lösung. Und sich seiner Verantwortung als Vater durch Mord zu entziehen ist für mich eins der abscheulichsten Gewaltszenarien. Gewalt ist keine Lösung.

Womit wir wieder bei der Weltlage wären. Dagegen anschreiben ist eins, die Realität abbilden, und sei es nur für das persönliche Archiv, etwas anderes. Beides ist nötig. Hinschauen ebenso wie zeitweise wegschauen, um sich selbst zu schützen. Aber vor allem müssen wir Haltung bewahren. Es ist gerade das Wichtigste in unserer Zeit, finde ich. Haltung bewahren ist ein Widerstand, der nicht unterschätzt werden darf.