… süchtig bin ich. Nach bloggen. Das Wissen um mein Blog lässt mich anders sehen, denken, erleben. Alles bekommt einen anderen Geruch, eine andere Farbe, ein anderes Gewicht. Ob das anderen NeoBloggerInnen wohl auch so geht? Diese Sucht, laut, will heissen schreibend, zu denken.
Mit dem Schreiben ist es bei mir ja eh so, dass ich es brauche, um den inneren Wahrnehmungsstau abzuleiten, den inneren Input-Überdruck umzulagern, den inneren Überschuss/Überfluss auszupressen. Ein ähnlicher Effekt, wie die fünf bis zehn Sonnengrüsse (Mondgrüsse) die ich – um besser schlafen zu können – abends auf die Matte lege. Ich muss regelmässig die Batterie leeren …
Habe ich zu viel Power? Zu viel Energie? Oder ist es bloss wegen des Überschusses an Cortisol, jenem körpereigenem Hormon, das Menschen wie ich langsamer abbauen? Und die deshalb immer leicht auf Speed sind?
Heute Nachmittag habe ich mal wieder tausend Sachen erledigt, obwohl ich eigentlich baden gehen wollte. An den Gerzensee. Egal, dass ich dafür das Auto nehmen muss. Ich will dahin! Genau DA hin! Das brauche ich heute. Die Sehnsucht nach dem erfrischenden Bad im See braute sich im gleichen Rhythmus wie die Gewitterwolken zusammen. Als ich endlich alles erledigen hatte, was ich erledigen zu müssen geglaubt hatte, war es schon halb sechs. Der Himmel verkündete Regen. Neineinein!, trotzte ich. Ich will baden. Im Gerzensee. Ich muss!!! Ich gehe!!!
Ich packte mein Badezöix und setzte mich ins frisch vergoldete Sternchen, das mich durch die wunderbare Landschaft des Aaretals fuhr. Herrlich.
Ich liebe Gewitterstimmungen.
Ich liebe diese Gegend.
Ich liebe es, laut Musik zu hören und über Land zu fahren.
Hach. Surreale Farben. Das Grün der Bäume grünggraugelb. Der Himmel voller Wolkenvieh. Der See – nein, weder Wörter- noch Wörthersee! – hatte seine Gewitterdusche bereits hinter sich und der Himmel über mir war bereits wieder klar!
Jaaaaaaaaaa! (… mehr dazu sagen kann ich nicht …)
Auf dem Rückweg zum Parkplatz ging ich wie immer am Sportplatz vorbei. Die Kids trainierten Fussball und Unihockey. Direkt neben dem Friedhof. Die Coaches ermutigen die Kleinen: „Ned stahbliebe! Seckle, die Rote! … Ball abgeh, Sven! … Ned alles eleini mache! S‘ Goal isch offe, Jungs!“ Was da alles an Lebensweisheit drin steckt! 🙂 Neben dem Friedhof. Und so.
Warum ich bloss diesen doofen Spruch „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ derart verinnerlicht habe, dass ich mir nicht erlaube, hin und wieder alles liegen zu lassen? Ich hätte früher gehen, länger bleiben sollen. Hätte! Denn die Unruhe hat im und am Wasser schlagartig nachgelassen.
Auf dem Rücken schwimmen. Die Ohren unter Wasser. Den Himmel über mir.
Sehen. Riechen. Lauschen. Eins sein.
Mein ganz persönliches Paradies.