
Ist es womöglich die Illusion, die du liebst? Mitten in der Nacht weckt mich dieser Satz.
Meine Illusionen? Ja, die gibt es, Illusionen des Lebens, über meine Freundinnen und Freunde, über mein Land, meine Umwelt, meine Arbeit.
Lange liege ich da ich in einem äußerst seltsamen Zustand. Nicht schlafend, nicht wach. Und erst als der Wecker klingelt, stelle ich fest, dass ich wieder eingeschlafen bin.
Ist es womöglich wirklich die Illusion des Lebens, die ich liebe, statt der Wirklichkeit? Liebe ich eine Illusion meiner selbst? Ist die Liebe zu mir und zu meinen Lieben nur ein Trugbild oder womöglich das einzige, das trägt? Womöglich ist die Illusion das einzig Echte, wenn ich es mir so überlege? Oder anders gesagt: Ist nicht alles Illusion, was wir haben, was wir sehen, was wir anfassen? Die Materie tut ja eigentlich nur materiell und ist doch eigentlich nichts als Luft – mit ein paar Atomen drumrum. Oder so.
Was zählt wirklich?
Was wähle ich wirklich?Was wirkt wirklich?
Ja. Ich glaube, ich liebe die Illusion. Ich liebe Geschichten.
Eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit sei sie, sagen die Suchmaschinen. Ich aber sage: Was ist denn die richtige Wahrnehmung der Wirklichkeit und wer sagt das? Ist die richtige Wirklichkeit die, dass sich die Menschheit selbst zerstört? Dass immer mehr Menschen aus der Zentrifuge geworfen werden, verschaukelt, verbrannt, verraten?
Kann ich denn anders lieben als die Illusion? Ist sie es nicht, die mich hoffen lässt? Wider alle Vernunft?