Weitsichtig

Endlich kann ich wieder halbwegs normal gehen. Die Verstauchung meines linken Fußes ist dank Kohlwickel, Schonung und Stützverband nun fast verheilt und so hält mich nichts mehr drin. Zumal das Wetter heute Nachmittag schlicht genial war. Joggen geht zwar noch nicht, doch ein ausgiebiger Spaziergang zum Stern auf dem Könizberg ist schon mal ein guter Anfang.

Per EveryTrail könnt ihr auch gleich ein bisschen Sonne tanken … (hier klicken…)

Bild 1: Mit der Pro HDR-App aufgenommen, die das Bild ausgewogen zu belichten versteht.

Bild 2: Mit der Pro HDR fotografiert und mit AutoStich zu einem Pano montiert.

Von Schattenrissen und Dämonen

(Da war diese Klammer am Anfang des Textes. Was drin stand hatte ich vergessen). Mit diesem Satz bin ich heute erwacht und schrieb ihn sofort auf. Vielleicht ist es der Anfang einer neuen Geschichte.

Schnitt.

Am letzten Wochenende bei Irgendlink habe ich in meinem Notizbuch gekritzelt: Wie schnell wir uns doch an neues gewöhnen. Vor einem Jahr stand hier noch der alte, nun steht da der moderne Holzofen, Etna genannt, und weder J. und ich können uns erinnern, wie es vorher war. Höchstens ein bisschen noch, aber nur theoretisch. Neues schiebt sich so schnell in unseren Alltag. Neues wird sofort normal. Wir sind unglaublich mutationsbegabt.

Schnitt.

Heute Morgen, noch im Bett, las ich im Krimi „Eine ganz andere Geschichte“ von Hakan Nesser, den ich eigentlich schon mal gelesen, nun von einer Kollegin ausgeliehen und erst beim Lesen wiedererkannt hatte. Ich lese das Buch stellenweise quer, dennoch will ich nochmals durch die Story gehen, weil ich mich nicht mehr an die Lösung erinnere. Und weil mich der Fall fasziniert. Und weil ich Nesser gerne lese. Auch mag ich den Barbarotti und wie seine Liebe zu Marianne, diese reine und beide verwirrende Emotion, beschrieben wird. Mein Scheff fand das Buch „na ja“. Ich habe es schon beim ersten Mal verschlungen, doch leider vergessen, wie der Fall gelöst wurde. Ob ich wohl zu viel lese?

Ich zitiere Kommissar Barbarotti: Den Feind zu dämonisieren gehört zu den üblichsten, den allerbilligsten Fehlern. Das war der Bodensatz jedes Rassismus, jeder Fremdenfeindlichkeit. (S. 149, TB-Ausgabe)

Schnitt.

Gestern habe ich eine spezielle App aufs iFöun geladen, eine App, die das Bild automatisch richtig belichtet. Funktionieren tut das so: der in die App integrierte Fotoapparat misst zuerst, manuell oder automatisch, den dunkelsten und den hellsten Punkt auf dem geplanten Sujet. Danach nimmt er kurz nacheinander zwei Bilder auf. Die werden miteinander verglichen und kurz darauf wird mir ein Bild mit den mittleren Werten angezeigt, das ich sogar noch nachbearbeiten kann. Über die Gegensätze, über die Extreme finden wir in die Mitte, zum Gleichgewicht.

Als ich das meiner Freundin K. in einer Mail erzählte, da mich das Prinzip fasziniert, schrieb sie zurück: So wird nun nicht nur die Technik von uns entwickelt, nein wir lernen auch von der Technik. Also immer zwei Bilder machen, das Schönste und das Schlimmste, und dann in der Mitte leben. Weise Frau, meine liebe Freundin K..

Ob Freund oder Feind, hell oder dunkel, alt oder neu, ungewohnt oder vertraut: Erst Schatten und Licht zusammen machen ein Bild – und das Leben – dreidimensional und lebendig. Alte FotografInnen-Weisheit …

Schöne Aussichten

Bild 1: Letzten Sonntagabend beim Geocachen die Aussicht genossen.

Zur Technik: Mit der Panorama-App AutoStich aus zwei Bildern eins gemacht. Tolle Software! AppStore sei Dank! 🙂

Bild 2: Mit PS Express-App nachbearbeitet

Wer genau hinschaut, sieht den Ewigen Birnbaum. Mitten in der Bauminsel rechts (im Hintergrund, am Horizont) liegt das Einsame Gehöft, seines Zeichens Zuhause meines Liebsten 🙂

EDIT: Eben habe ich einige auf dem iPhone gefundene Bilder mit AutoStich bearbeitet und so ein paar witzige Panos gebaut. Seht selber auf meiner Galerie.

Noch ein EDIT: FreundInnen des Ewigen Birnbaums von und zu Zweibrücken müssen unbedingt hier klicken!

Zeitreise

Heute im Büro humpelnd einen Ordner geholt, Dinge gesucht und dies hier gefunden:

Erinnerungen an meine ersten Schreibmaschine-Testläufe als Erstklässlerin. Nein, nicht auf Vaters Hermes Baby, aber auf deren Vorgängerin. Bei der das A klemmte und jedes Mal von Hand zurück geklappt werden musste. Nix Kugelkopf, das kam erst später. Mein erstes Buch schrieb ich mit Original Courier. Klemmendes A? Perfekte Lipogrammmaschine, eigentlich.

der vierte Preis

Wie alle wissen, die auf Europas Nah- und Fernwegen unterwegs sind, ist die Moral auf der Straße, sehr … nun ja … unterschiedlich. Die Moral? Eben habe ich dieses Wort als Synonym zum Wort Umgangsform missbraucht. Wie das in der Alltagsanwendung so üblich ist. Doch der Windows-Synonyme-Automat sagt, Moral habe eigentlich eher mit Anstand zu tun. Und mit Verantwortungsgefühl. Zweites gefällt mir. Und passt vielleicht zur erwähnten Erkenntnis, dass die Moral auf der Straße sehr unterschiedlich sei.

Verantwortungsbewusst und voraussichtig sollen wir fahren, sagte schon mein Fahrlehrer M. annodazumal. Was ich praktiziere. Das heißt: ich übe …

Aber ich schweife ab, wollte ich doch über jenen weiteren Gebrauch des Wortes Moral lamentieren, jenen wie er im Wort Moralist und Moralistin vorkommt. Was wir ja auf gar keinen Fall sein wollen. Ethisch und politisch korrekt denken, handeln, wirken und sein, ja, aber …

Woran erkennen wir denn nun, ob wir doch womöglich Moralistinnen oder Moralisten sind? Na, ganz einfach daran, ob wir uns empören, wenn jemand rücksichtlos oder riskant fährt OHNE jemanden zu gefährden. NichtmoralistInnen empören sich nämlich nur dann, wenn jemand rücksichtslos oder riskant und dabei auch andere gefährdend fährt. NichtmoralistInnen wissen, dass Nacherziehung auf der Straße nicht geht. Vergeudete Energie also, mich mit Moralfinger im Straßenverkehr zu ärgern.

Grenzfall heute: Da war dieses Brummirennen, eines von vielen beobachteten. Doch dieses hier fand direkt vor meiner Autonase statt. Zwei Niederländer wollten wissen, wessen Laster mehr drauf hat. Oder weniger Last drin. Oder weniger im Hirn. Ich weiß nicht, wie ihr es handhabt, aber ich drossle jeweils mein Tempo, wenn ich überholt werde, Moralistin ich, um den Überholweg des überholenden Wagens möglichst kurz zu halten und den Verkehrsfluss nicht zu behindern. Der Brummifahrer jedoch – jenen auf der Normalspur meine ich – tat nun nichts dergleichen. Beide fuhren erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Sprich neunzig plus. Auf einer 130km/h-Strecke wohlverstanden. Die Schlange, die sich hinter ihnen bildete, missachteten sie geflissentlich, bis irgendwann des einen Vernunft siegte. Oder der Motor murrte.

Weiterfahrend fragte ich mich, wie vielen dieser Männer und Frauen in den Lastern es Spaß macht, tagaus tagein, von Berufes wegen, Kilometer um Kilometer zu fressen? J., der auch hin und wieder für seine Firma Transporte machen muss, hasst diesen Teil seines Jobs. Wie viele Brummifahrer, die ich heute überholt habe, diesen ihren Job wohl ebenfalls hassen, den sie womöglich einst liebsten? Und, wo wir gleich dabei sind, fragte ich mich, wie viele andere Menschen sonst noch ihren Beruf hassen oder satt haben.

Ob die Typen, die mir das vor Tippfehlern strotzende Gewinn-Zertifikat, ausgestellt über Fr. 1000.—, persönlich abzuholen, geschickt haben, ihren betrügerischen Job mögen oder ihn nur des leicht verdienten Geldes wegen tun? Betrügerisch? Okay, sie bewegen sich in einer noch halb legalen Schattenwelt und ködern, wie ich im Internet schnell mal herausgefunden habe, mit reißerischen Versprechen von gemütlichen Werbefahrten, auf denen ich dann hochoffiziell die gewonnenen Fr. 1000.— in bar erhalten werde. Denn „bedauerlicherweise waren Sie leider nicht zu Hause“, als sie vor drei Wochen persönlich bei mir geklingelt hatten. Wer’s glaubt!

Im Reisebus drehen sie mir und meinen drei kostenlos mit eingeladenen Freundinnen und Freunden dann fette Kaufverträge über mehr als tausend Franken an. Wer nicht unterschreibt, wird unterwegs aus dem Bus geworfen. Immerhin nicht aus dem fahrenden, wie ich im Internet gelesen habe. Die Versuchung, der Firma einen furchtbar netten Brief samt Einzahlungsschein von mir zu schicken, ist groß. Ich würde schreiben, dass sie, wenn sie mir das Geld wirklich schenken möchten, es gerne auch so, ohne Gratisfahrt und Mittagessen für mich und meine drei Gäste, tun dürften. Kaum aussichtsreich, der Plan, und drum vergeudete Energie. Gutes Brennmaterial für J.s Ofen immerhin.

Was ich mit tausend Franken täte, müsste ich nicht lange überlegen …

Kein Kohl

Man nehme (frau auch) ein paar saftige Kohlblätter und klopfe sie weich, so dass der Saft austritt und sie ganz weich werden. Salbe braucht es, Haushaltfolie und einen Verband, allesamt als Schutz, doch die Hauptzutat ist eindeutig der Fuß, der geknickte, verstauchte, geschwollene Fuß. Hat man den, ist alles gut. Nun lassen sich nämlich alle erwähnten Zutaten zu einem sinnvollen Ganzen vernetzten in dessen Mittelpunkt besagter Fuß steht.

Fettende Salbe, weichgeklopfte Kohlblätter, Folie und Verband, in dieser Reihenfolge, sagte A. Und morgen dann nochmals Arnikakügelchen, mit Wasser auflösen, schluckweise trinken. Wie gut, dass mein Fehltritt bei P. und A. passiert ist und A. über solch tolle Wissensschätze verfügt!

Zurück in J.s Wohnung falle ich erschöpft in die Kissen. Fuß hochlagern, den Kohlwickel zubereiten und verblüfft beobachten, wie der Schmerz von akuten 100 Schmerzprozent, wo mir sogar die kleinste Bewegung und Berührung Schmerztränen in die Augen treibt bis zu ungefähren 40%, bei denen ich bereits wieder auf der Ferse gehen kann, abklingt.

Kein Kohl, Kohl wirkt Wunder!