Von Spatzen und Menschen

Er landet im Sturzflug und schnappt sich, noch bevor er zu stehen kommt, das kleine weisse Teil, das auf dem Boden liegt. Spukt es wieder aus, weil es nicht wirklich essbar ist. Obwohl es für ihn so ausgesehen hat. Nichts ist, was es scheint, darum packt er es erneut. Spukt es nochmals aus. Es schmeckt noch immer nicht. Schade. Da landet Spatz Nummer zwei neben ihm und interessiert sich ebenfalls für das weisse Teilchen.

Jetzt, wo Spatz Nummer eins Konkurrenz hat, wird das Ungeniessbare spannend, obwohl er fast schon akzeptiert hat, dass es weder als Nist- noch als Futtermaterial taugt. Nummer zwei hopst neben Nummer eins her und will das Ding ebenfalls. Nummer eins hält es fest. Er spukt es erst wieder aus, nachdem er sich hüpfend aus der unmittelbaren Nähe von Nummer zwei entfernt hat. Und so weiter und so fort.

Mein Zug fährt ein und ich kann die Szene nicht weiterverfolgen. Hat Nummer eins beschlossen, Nummer zwei das Teil zu überlassen? Oder hat er es mit in sein Nest genommen? Wie Menschen irgendwie, denke ich, während ich den Zug nach Fribourg besteigen will. Wie Menschen?

Allerdings nicht wie die beiden Clowns auf dem Perron … Eine rote Nase, ein bisschen weisse Schminke, roter Schal und Hut, weisses Hemd, rote Schlabberhose – so wenig braucht es, um Menschen zu erheitern und Freude zu teilen. Die beiden Clowninnen tun nichts anderes, als uns Aus- und Einsteigende lächelnd zu motivieren, das zu tun, was wir eh tun würden: aus- und einzusteigen. Kein Gesicht bleibt starr. Auf einmal lächelnd sich alle zu und plaudern mit Herr und Frau Unbekannt. Ob die beiden Frauen dafür bezahlt werden?, frage ich mich. Ob sie das für die SBB machen? Für die Stadt Bern? Wozu? Machen sie es womöglich einfach für sich selber, aus Spass, aus Freude am Freude schenken? Zeit und Lachen verschenken, wer macht das noch?

Na ja. Etwas ähnliches tut die Fribourgerin N. Und ich auch. Wir schenken einander von unseren Talenten. Sie gibt mir eine Behandlung und ein Interview, ich schreibe dafür über sie und ihr Heilerinnen-Netzwerk im nächsten Spuren. Und beide lächeln wir uns beim Abschied zu. Auch ohne rote Nase.

5 Gedanken zu „Von Spatzen und Menschen“

  1. Spatzen schwätzen wie Menschen. Viele Versuche, beide zu verstehen, sind gescheitert. Vergleichende Versuchsanordnungen sind noch am erfolgreichsten, z.B. die von Spatzen und Menschen.

  2. herzlich willkommen hier, bredenberg!
    tja, das mit dem gegenseitigen verständnis war schon immer DIE herausforderung … die frage ist nur, wer da wohl wen besser durchschaut 😉

  3. Ach, Bahnhöfe sind ja eine so tolle Fundgrube. Habe heute in einem Zug gesessen, in dem alle glücklich waren und sich miteinander unterhalten haben. Auch der Schaffner war richtig gut drauf. Man hätte diesen Zug zu Missionszwecken in die Welt schicken müssen. Aber am nächsten Hauptbahnhof wurde er ausgetauscht, weil nachts Sprayer alle Scheiben bemalt hatten und zwar gar nicht mal so übel.

  4. zu den spatzen: ich bin der erste spatz..*schäm*
    zu den clowns: na DAS sind ja mal strassenkünstlerinnen!
    zu irgendlink: das hinwiederum sollte der SBB kundgetan werden. nämlich, dass die leute im zug trotz oder vielleicht eben wegen der sprayereien so gut drauf waren, was die SBB ja vielleicht eventually irgendwie dazu veranlassen könnte, ihre züge farbigindividuellebendiger gestalten zu lassen:)

  5. @aramatique: ich auch … *nichtschäm*
    tja, irgendlinks züge fahren durch deutsche lande, doch in der schweiz wäre es nicht anders, denk ich mal. mir gefallen drum die neuen berner trams, die zum beispiel die konterfeis der städtischen fussballer oder berner leckereien in den entsprechenden farben spazieren fahren. auch die vorortzüge „nina“, die wirklich kuhle designs haben, mag ich. ist doch nicht ganz unwichtig, wie das vehikel aussieht, das uns durch die gegend chauffiert.

    @irgendlink: ich kann mich auf bahnhöfen nie so recht entschliessen, ob ich sie hässlich oder schön finden soll. am liebsten guck ich einfach den menschen (und spatzen und tauben …) zu.
    und, ja, die stimmungen in den zügen sind immer irgendwie ansteckend und mir wird jeweils bewusst, wie gross die „macht des guten einflusses“ jeder/s einzelnen eigentlich ist. und des schlechten natürlich auch …

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