Was ist ein gutes Bild? Wenn es unser Auge, das nach Harmonie dürstet, befriedigt? Oder unsere Sehnsucht nach Perfektionismus? Ist es nicht oft genau das Unvollkommene, das Schräge und Bizarre, das uns, ins Bild gerückt, anspricht? Wenn wir es denn wagen, bekanntes aus einer neuen Perspektive zu betrachten. J. entzerrt Bilder. Aha.
Weißt du, so lassen sich Perspektiven verändern, sagte er. Was doch ein gutes Bildbearbeitungsprogramm alles kann!
Kann ich das auch? Schaffe ich es, in meinem Leben immer mal wieder, meine eigene Perspektive zu entzerren?
Die letzten Tage habe ich mich mal wieder ins Hamsterrad eines ausgewachsenen Sinnlosigkeitskollers hinein getrampelt. Das volle Programm samt Selbstzweifeln. Light-Version zum Glück diesmal, doch nicht minder happig, schmerzhaft und sinnlos. Bereits überwunden? Na ja, wir sollen ja nicht den Tag vor dem Abend – und der Abendstraße – loben, dennoch hoffe ich es.
Mein Innendrin-Monster, auch Dark genannt, hatte mich mal wieder, und wie immer ohne jegliche Vorankündigung, am Wickel gepackt und mir den Spiegel hingehalten. Hinschauen. Ganz genau. Das gute Bild sehen solle ich. Jenes Bild von mir, dass sich mir aus einer entzerrten Perspektive zeigt.
Tja, vielleicht macht ja genau der Blick aus neuen, ungewohnten Blickwinkeln, der Blick auf unvollkommene Details ein Leben lebenswert?