Kompetenzen? Früher eins meiner Lieblingsgänsehautwörter. Ich und Kompetenzen? Nö, hab ich nicht, will ich nicht, kann ich nicht … Kompetenz riecht nach Karriere, fand ich und Karriere mag ich nicht. Also mag ich auch Kompetenzen nicht, basta. So einfach war das damals bei mir. Früher, wie gesagt. Älter werden und sein hat auch sein Gutes, denn heute mag ich es, über meine und die Kompetenzen anderer zu philosophieren.
Gestern, am Ufer des Murtensees, verstieg ich mich auf die Theorie, dass wir alle eigentlich nur über jene Dinge reden sollten, zu denen wir etwas zu sagen haben. Wo wir kompetent sind.
Eben passierten wir ein geparktes Auto, das wahrhaftig magisch das Sonnenlicht auffing und dessen Farbe sich kaum in Worte fassen ließ. Beglückt blieben wir stehen und genossen das Schimmern des Lichts und die Auflösung desselben in alle Himmelsfarben.
Was für eine wunderbare Farbe, nicht schwarz, nicht braun, eine Farbe wie …, hob Irgendlink an. Doch halt, nein, ich kann doch gar nichts dazu sagen, ich kenne mich ja mit Autos nicht aus. Hum, andererseits … hier geht’s ja eigentlich um Farben. Da wiederum kenne ich mich als Künstler aus. Darf ich jetzt was dazu sagen oder darf ich nicht?
Stell dir vor, wie still die Welt wäre, wenn wir alle nur über jene Dinge reden würden, bei denen wir uns auskennen?
Nur reden, wo wir kompetent sind.
Wie klug die Welt bald wäre! Und wie still! Herrlich.
Ja, ohne all das sinnlose, ohne als das leere Gelabber.
Politikerinnen und Sesselkleber müssten ihre Ämter niederlegen, weil sie nichts mehr zu sagen wüssten.
Gewisse Parteien würden aussterben, andere würden wachsen.
Und niemand würde einfach drauflosreden.
All die Stammtische würden verwaisen.
Das wahre Paradies …
… hm, und vermutlich – na ja, versteh mich richtig, aber – vermutlich wäre es uns schon bald sterbenslangweilig!