Frühmorgens erwacht. Einschlafen geht nicht mehr. Nein, sich sorgen um die Sorgen des Tages ist müßig. Eigentlich. Doch das Kopfkino-Team kümmert sich nicht um Erkenntnisse von Vernunft und Verstand und vernebelt meinen müden Geist mit Aussagen, die im Tageslicht nicht bestehen können.
Meine größte Sorge ist zurzeit das Missverhältnis zwischen der mir verbleibenden schrumpfenden Zeit hier in Bern und der scheinbar über Nacht sich verdoppelnden Länge meiner Listen. Listige Listen (siehe Artikel vor ein paar Tagen). Schlingpflanzen. Obwohl … Die größte Sorge ist eigentlich, ob ich allem gerecht werden kann, was zu tun ist.
Und eigentlich wollte ich ja über gestern Abend schreiben. Über eine Spurensuche der etwas anderen Art. Mit meinem Lieblingsbruder habe ich auf dessen Dachboden die über zweihundertfünfzig teils mehr als hundert Jahre alten Bücher mit zumeist historischem Inhalt gesichtet. Seit zehn Jahren staubt dieses Erbe unseres Vaters vor sich hin. Zwei Archive haben gemeinsam etwa fünfzig Bücher erbeten, die es nun zu suchen und zu finden galt, damit ich sie ihnen zuschicken kann.
Wir haben geschichtet und gesichtet, uns an unsern Vater erinnert, haben uns Anekdoten erzählt und dabei für ein paar Stunden Alltagssorgen ausgeblendet.
Sorgen? Eben habe ich einem Arbeitskollegen, der heute ein letztes Mal mit mir essen wollte, per Mail abgesagt. Ich brauche eine Mittagspause allein, sonst schaff ich den Tag nicht. Die beiden langen Sitzungen … Ob ich es schaffe?
Hast duuu Sorgen!, schelte ich mich oft in den letzten Tagen. Wann immer ich an Japan denke.