Über Helvetismus, schweizerische Identität und deutsche Literatur habe ich hüben wie drüben schon oft diskutiert. Auch über Sprache und Anpassung, über nationale Identität und ihre Klischees.
Eben habe ich auf dem Blog der Schweizer Bestsellerautorin Milena Moser einen genialen Artikel mit viel Weisheit und ebenso viel Schmunzelpotential gelesen.
Kennen Sie den? Zwei Schweizer Schriftsteller betreten eine Bar und…. OK, nicht realistisch. Also, zwei Schweizer Schriftsteller treffen sich auf der Buchmesse oder an einem Literaturfestival. Und wie es unter Berufskollegen üblich ist, klopfen sie sich gegenseitig ab: „Wie läuft’s denn so“, fragen sie. „Mit deinem neuen Roman? Die Kritiken sind ja nicht so… Und bei dir?“
Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Auch wir spielen dieses Spiel. Nur mit anderen Symbolen. Die entscheidende Frage für einen Schweizer Schriftteller ist nicht die nach den Verkaufszahlen. Wir Schweizer reden nicht gern über Geld. Die wichtigste Frage ist die Frage nach Deutschland. Wie läuft es in Deutschland? Kennt man dich in Deutschland? Machst du Lesungen in Deutschland?
Jeder Schweizer Schriftsteller wünscht sich einen deutschen Verlag, Rezensionen in deutschen Zeitschriften. Natürlich auch, weil es einfach sehr viel mehr Deutsche gibt als Deutschschweizer, potentielle Leser, Buchkäufer. Auch, aber nicht nur. Bei Weitem nicht nur.
Es geht tiefer. Es ist komplizierter.
„Sie sprechen aber ein schönes und leicht verständliches Schwyzertüütsch“, lobte mich der Taxifahrer auf dem Weg hierher. Dabei hatte ich mir solche Mühe gegeben, das zu sprechen, was wir „hochdeutsch“ nennen, „richtiges“ Deutsch. Auch jetzt: Ich gebe mir alle Mühe!
Quelle: Milena Moser: Wer bin ich und wenn ja, warum? (hier klicken)