wie vorgesehen

Manchmal habe ich einfach genug von der einen oder anderen Grundeinstellung meines Lebens. Manchmal möchte ich einfach, wie bei meinem Rechner, das eine oder andere Programm löschen oder zumindest mit einer störungsfrei laufenden Neuversion updaten. Zum Beispiel möchte ich endlich damit aufhören, zu glauben, dass ich um keinen Fall glücklich sein darf, solange noch irgendwo auf dieser Welt ein Mensch oder ein Tier leidet. Nicht, dass ich aufhören will, mich für das Leid auf der Welt mitverantwortlich zu wissen, auch will ich nicht einfach abstumpfen und wegschauen. Doch trotz des vorhandenen Elends auf dieser Welt, trotz der Tatsache, dass auf dieser Welt vieles im Argen liegt, trotz all der Tränen, die täglich geweint werden, möchte ich mir endlich erlauben, mein Leben in seiner Fülle zu leben.

Abgeschaut habe ich mir diese Möglichkeit bei einer alten Linde, die sich auf einem Hügel schon viele Jahrzehnte in all ihrer Pracht entfaltet. Auch bei den Bäumen im Wald habe ich es mir abgeschaut. Die Bäume hier wachsen, als gäbe es andernorts keine Kriege. Sie breiten sich aus, sie transformieren unsere Schadstoffe in Sauerstoff, sie tun, wozu sie da sind, weil sie das Programm in ihrem Samen von Anfang an dazu ermächtigt hat. Darum stehen sie da und sind, was sie sind.

Zugegeben, viele Bäume auf dieser Welt können nicht ihrer Bestimmung gemäß leben und viele andere Pflanzen auch nicht. Viele Tiere nicht, viele Menschen nicht. Dennoch, so begreife ich allmählich, dennoch ist das Leben in Fülle in unseren Samen, in unserm Lebensprogramm vorgesehen. Die Möglichkeit dazu. Und auch die Möglichkeiten für Mitgefühl und Hass.

Grundeinstellungen ändern sich nicht von heute auf morgen. Wir sind keine Maschinen. Zum Glück. Und ich bin froh, dass ich die Möglichkeit und den Glauben an Veränderungen nicht verloren habe.

0 Kommentare zu „wie vorgesehen“

  1. Also ich möchte nicht upgedated werden, ich bin eher für Apps, Erweiterungen. Beim Updaten werden doch so viele wertvolle Erfahrungen überschrieben.
    Ich wünsche Dir schöne Tage, liebe SoSo.

    1. vielleicht ist es eher eine synchronisation als ein update, das mir vorschwebt. aber halt schon so, dass der alte mist nicht mehr wirken kann. die guten sachen dürfen aber gerne draufbleiben. hm … gut eigentlich, dass es nicht so funktioniert.
      dir auch einen schönen tag, liebe stefunny 🙂

  2. na ja, veränderung ist ja leben. leben ohne veränderung wäre kein leben. alles ist ständiger änderung unterworfen und einiges muss ohnehin erst einmal richtig schief laufen, damit ein neuer weg eingeschlagen werden kann.
    was ich auch mag an deinen gedanken, ist die sache mit der „bestimmung“, dass jeder (baum und mensch) etwas kann, eine leistung ausführen kann, die gut und nützlich ist, für ihn und damit für alle anderen.

    1. ja, diese erkenntnis – dass eben alles zusammen- und voneinander abhängt – ist sehr basal, vielleicht so basal, dass wir sie manchmal in ihrer vollen konsequenz vergessen.
      danke für deine rückmeldung!

  3. Ich denke auch oft, warum immer wieder in Frage stellen und nicht einfach ICH sein. Ist aber anscheinend nicht so einfach, wie man denkt. Es irrt der Mensch, solang er strebt, sagt Goethe, den Du ja nicht so sehr magst.

    1. goethe hat recht, hier auf jeden fall, und oft auch anderswo. ich wusste gar nicht, dass ich ihn nicht so mag? (ehrlich gesagt, kenne ich ihn zu wenig, um ihn sehr zu mögen oder nicht zu mögen).
      was ich von ihm kenne, mag ich aber eigentlich ziemlich … 🙂
      das ICH sein spiegelt sich eben immer am DU und misst sich und vergleicht sich …
      tja …
      es ist das wesen des menschen, dass wir uns weiterentwickeln wollen …

  4. Manchmal denke ich: wolltest du dich nicht weiterentwickeln, könntest du jetzt mit dem Bild, so wie es ist, zufrieden sein. Ach jee 🙂
    ich erinnerte mich halb, dass Du mal so was wie Kritik Goethe gegenüber geäußert hast, vielleicht habe ich mich auch getäuscht- wenn ja-dann sorry.

  5. Die Frage, ob man glücklich sein darf oder nicht, zieht eine andere Frage mit sich: Wieso darf? Wenn man es ist, ist es an keine Bedingungen geknüpft, und nur dann ist es überhaupt möglich. Aber wie viele andere (mich eingeschlossen) stellt man sein Recht auf Glücklichsein immer wieder in Frage, als dürfen wir das nicht. Die Gründe dafür sind vielleicht ganz woanders und gar nicht die Missstände der Welt. Wir können sie nicht ändern, aber ein glücklicher Mensch wird andere mit seiner Energie mitziehen, genau wie ein trauriger oder frustrierter. Da wünsch ich mir doch lieber einen Glücklichen um mich herum!

    1. tja, du bringst es auf den punkt, liebe anhora. das dürfen. die erlaubnis. die sich-selbst-ermächtigung – da klemmts bei mir, bei vielen …
      und was du über das glücklich-sein sagst: wie wahr!
      ich stelle mir manchmal vor, wie all die zufriedenen und all die unzufriedenen menschen auf „wippen“ sitzen. und ich wünsche mir, dass es immer mehr glückliche gibt, die der generellen unzufriedenheit entgegen wippen.
      danke für deinen input!

  6. Liebe Soso,
    so eine Linde (Linderung?) wünsche ich mir auch, ganz sicher. Ganz dringend eigentlich.
    Und Dir wünsche ich immer wieder Bäume, die Dir zeigen können, wonach Du noch suchst, oder glaubst, suchen zu müssen.

    Ganz herzlichen Dank für Deine Gedanken hier,
    mb

    1. oooh, danke schön. die wünsch ich dir auch. und uns allen, diesen linden.
      vor allem wenn sie blühen und ihren duft verströmen – dann vergess ich alles unglück der welt.
      herzlich, soso

  7. Liebe Sofasophia, scheint weitverbreitet zu sein, das mit dem „nicht-glücklich-sein-dürfen“, ich hadere auch immer wieder damit, und auch immer deshalb, weil ich an den Zustand der Welt denke…
    Aber, so empfinde ich immer öfter: und wenn ich mich vor Unglücklichsein umbringe – der Welt wird leider damit nicht geholfen. Nein.
    Und dann (ein bisschen wie Anhora sagt): Im Gegenteil! Glücklichsein hilft (ein winziges bisschen)!
    Ganz konkret: mir selber (die ich ja auch zur Menschheit gehöre ;)), meinem Umfeld, nahe und ferner, und ausserdem fühl‘ ich mich paradoxerweise mit der ganzen Welt verbunden, wenn’s mir gut geht, während ich eingeschlossen und blind bin, wenn’s mir schlecht geht…und DAS kann ja wohl für NIEMANDEN gut sein, oder?

    Mit herzlichen Grüssen,

    Jan S. Kern

    1. liebe jan, ich danke dir fürs verständnis. ich gebe dir natürlich voll und ganz recht. wissen tu ich das ja schon, nur eben, das wissen greift irgendwie nicht. darum würde ich eben gerne das eine oder andere programm (konditionierungen etc.) löschen oder überschreiben.
      besonders dein letzter satz ist einfach so genial: “… während ich eingeschlossen und blind bin, wenn’s mir schlecht geht…und DAS kann ja wohl für NIEMANDEN gut sein, oder?” ich hoffe, in der nächsten krise fällt er mir wieder ein.
      danke schön!

  8. …habe selber wie gesagt auch immer wieder Schwierigkeiten mit alledem…ich denke, das liegt einerseits an falsch verstandener christlicher Erziehung (wir sind nicht auf dieser Erde um uns zu amüsieren!!) und – bei mir jedenfalls – daran, dass ich mich in meiner Kindheit verantwortlich gefühlt habe für das Wohlbefinden meiner Umgebung…anstrengende und unlösbare Aufgabe, zu der zum Beispiel gehörte, dass ich niemals froh sein durfte, wenn jemand anderes schlechte Laune hatte…
    Bei meiner nächsten Krise denk‘ ich an Dich UND an meinen eigenen schlauen Satz! 😉

    Liebe Grüsse,
    Jan

  9. Oh ja, wie ich das kenne. Einfach in einigen Sachen endlich aus festgefahrenen Mustern raus. Wenn ich überlege, was es bei mir wäre, dann wünschte ich, ich wäre einfach weniger besorgt, nicht so ständig auf dem Sprung aus Angst, jederzeit könne etwas Schlimmes passieren. Du wirst das schaffen, Soso. Manchmal bist du doch auch richtig glücklich. Oder? Das hoffe ich zumindest.

    1. ja, zum glück bin ich das manchmal – glücklich meine ich … danke fürs erinnern!
      diese deine angst habe ich auch. oft. bei lieblingsmenschen vor allem. hach … wir gebrannten kinder, wir!

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