Marktplätze

Über Exhibitionismus in allen möglichen Schattierungen denke ich dieser Tage viel nach. Und über uns Bloggerinnen und Blogger und das Warum-wir-bloggen. Angeregt durch Diskussionen in anderen Blogwohnzimmern. Angeregt durch Gespräche beim Abendessen im ganz realen Wohnzimmer auf dem einsamen Gehöft. Wie viel Öffentlichkeit braucht ein Mensch wirklich? Wie viel Resonanz von andern brauchen wir künstlerisch Tätigen, um genau das zu tun, was wir tun wollen – nämlich uns auszudrücken. Brauchen wir ebenso Resonanz wie eine Saite, die ohne Klangkörper nicht tönt? Wie laut müssen wir zupfen, um gesehen und gehört zu werden?
Und müssen wir denn gehört und gesehen werden?
Irgendlinks Reiseprojekt ist gestern in ein neues, konkreteres Stadium getreten. Mit meinem beruflichen Erfahrungen im PR-Bereich, als frühere Sekretärin eines Künstlers und spätere Sekretärin eines Non-Profit-Hilfswerks, versuche ich nun nach gemeinsamer Arbeitsplanung, mit bescheidenen Mitteln allerdings, nach ein wenig Öffentlichkeit zu fischen. Ja, zugegeben, dabei geht es um Geld. Nein, es muss bei Kunstprojekten nicht immer und nicht grundsätzlich um Geld gehen, um gesehen und gehört zu werden. Doch ohne Geld kann auch eine Künstlerin und ein Künstler kein Brot kaufen.
Beim Bloggen aber geht es um andere Werte. Erstens ist es Lust. Lust am Schreiben. Gleich danach geht es bei mir ums Teilen. Ich gebe etwas von mir her. Vielleicht nicht aus altruistischen Gründen, doch ich gebe freiwillig. Ich gebe etwas, das in mir gewachsen ist. Etwas persönliches. Danach spaziere ich weiter durch das virtuelle Universum und nehme da und dort etwas mit, was mir andere anbieten. Ebenso freiwillig. Aus Lust am Kreieren machen wir uns gegenseitig reich. Reich an geteilten Erfahrungen. Teilgeben. Teilhaben.

0 Kommentare zu „Marktplätze“

  1. Wie habe ich bei Betrachtung von Werbearbeit gefragt? Wer sagt was zu wem mit welcher Absicht? Nicht einfach, vor allem, wenn das „wem“ nicht bekannt ist. Es gibt ja auch Leute, mit denen ich mich nicht unterhalten wollte, nicht so gern wie mit Dir.

  2. „Aus Lust am Kreieren machen wir uns gegenseitig reich.“ – ein wunderbarer Satz. Eigentlich ist es genau das. Muss man dem noch etwas hinzufügen? Ich glaube, nicht wirklich. Vielen Dank fürs Teilen. LG!

  3. ich denke du kannst dir vorstellen, dass ich das nicht ganz so positiv sehe. du beschreibst eine möglichkeit, vielleicht sogar die, die am häufigsten ist, vielleicht die, die im vordergrund steht, sicher diejenige, die am wertvollsten ist, aber ich glaube es geht in einem nicht zu vernachlässigendem maße auch um gesehen-werden, darum wahrgenommen zu werden und genau da liegt eine problematik, dann beginnt die darstellung, dann beginnt aber im besten fall auch eine auseinandersetzung mit sich selbst. ich habe gerade eben einen sehr schönen text zu genau dieser thematik bei claudia in der sammelmappe gelesen, den ich deswegen hier verlinke: http://www.claudiakilian.de/ein-einsamer-titel

  4. danke für den link, liebe mützenfalterin. ein sehr berührender text bei frau sammelmappe, in der tat. mir gehts ähnlich. bloggen und schreiben ist ein immerwährendes mich-abklopfen auf integrität und authentizität
    du schreibst: es geht in einem „nicht zu vernachlässigendem maße auch um gesehen-werden, darum wahrgenommen zu werden und genau da liegt eine problematik.“
    ich frage mich: für wen ist es ein problem?
    verletzt es dich? was macht es mit dir? stört es dich, dass andere laut sind? wenn ja, wieso?
    für die lauten ist es vermutlich kein problem.
    wir haben die wahl: entweder wir ignorieren den lärm oder aber wir geben da, wo wir persönlich ob des lärms verletzt werden, beherzte rückmeldungen.
    oder wir gucken hinter den vorhang und sind hinterher vielleicht überrascht über die ursachen der lärmquellen?
    ich für mich weiß, dass ich mit der gestern gebloggten momentaufnahme meiner sicht ein bisschen naiv aussehe(n kann). egal. ich weiß, dass es viele gibt, die ähnlich denken. und für diese menschen lohnt es sich für mich, in der blogosphäre unterwegs zu sein. für dich zum beispiel!

  5. nein, nein, das „problem“ ist, dass aufgrund dieses anspruches eine gefahr da ist (für mich und ich denke da bin ich nicht ganz allein), sich zu produzieren, sich anzupassen. einfaches beispiel: wenn ich einen beitrag drin hatte, der sehr viele klicks bekommen hat, bin ich immer wieder kurz versucht, auf dieser schiene weiterzumachen, statt neues auszuprobieren, ich muss dann jedes mal durchatmen, mich besinnen und zu mir stehen, weiter neugierig sein, auf das, was gerade aktuell ist, nicht einfach weiter produzieren, was „gut ankommt“. das war, was ich bei claudia so schön wiedergefunden habe. nur mit diesem anspruch möchte ich bloggen, dabei allerdings auch nicht zu sehr mit mir selbst beschäftigt sein, dass keine anknüpfungspunkte nach außen mehr da sind. da die balance zu finden, darum ging es mir. ist es so etwas klarer?

    1. ja, jetzt habe ich dich noch besser verstanden. es geht unter anderem um den vergleich. es fällt mir immer schwer, mir vorzustellen, dass andere dieses problem, diese versuchung, auch kennen – vor allem so tolle autorinnen wie du. ich kenne das bestens und versuche auch einfach mein ding zu machen. da sind wir offenbar ähnlich unterwegs.
      was mir aufgefallen ist: eigentlich kann ich je länger je weniger anders schreiben als ich bin. ich falle immer, was die essenz der aussage betrifft, auf mich zurück sozusagen. wenn auch immer wieder anders bekleidet. 🙂

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