Ich will noch nicht nach Hause gehen | #Zitatgeschichten

Alle Tische sind abgeräumt, der Tresen glänzt und die Stühle auf den Tischen geben den Boden frei. Ein paar Bierdeckel und Fritten dekorieren den Boden. Nur Olga sitzt noch da. Wie immer ist sie die Letzte. Und wie immer diskutiert sie mit der Wirtin um weitere Minuten im schummrigen Licht.

Viel hat sie nicht getrunken. Ein Bier reicht viele Stunden. Sie nuschelt. Müde vom Leben. Und vielleicht weil sie sich so sehr daran gewöhnt hat, die Silben zu verschlucken, weil ihr ja eh nie jemand mehr wirklich zuhört.

Sie ist eine der Abgesägten. Eine der Verbrannten. Nach viele Jahren und vielen Jobs gleichzeitig.

Drei Kinder hat sie großgezogen. Schließlich der Unfall. Wegen Übermüdung und Unachtsamkeit. Selbst schuld, aber der Rücken ist für immer kaputt. Kündigung. Sozialamt.

Und daheim wartet schon lange niemand mehr.

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Die Aufgabe:
Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt.

Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes, Trauriges, Menschliches … ohne allzu viel nachzudenken.

Den heutigen Satz habe ich bei Sybille Lengauer aufgeschnappt.

Mitmachen erlaubt.

„Du hast neben mir gesessen.“ | #Zitatgeschichten

Du neben mir.
Meine Hand in deiner.
Das Atmen fällt schwer.
Ich blinzle die Tränen weg,
obwohl sie nie besser passten.
Dass ich nicht allein bin,
hier,
dass du mich hältst …
Nie war ich dankbarer.

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Die Aufgabe:
Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt.

Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes … ohne allzu viel nachzudenken.

Auch den heutigen Satz habe ich bei Frau Mützenfalterin aufgeschnappt. Allerdings diesmal ein wenig gekürzt.

Mitmachen erlaubt.

„Ich habe die Freundin meines Bruders kennengelernt.“ | #Zitatgeschichten

Zehn Jahre alt, älter war sie damals nicht gewesen. Ihr Bruder dagegen war schon richtig alt. Älter jedenfalls, mehr als doppelt so alt wie sie. Und schon richtig erwachsen war Per. Wohnte nicht mehr zuhause. Ein paar Freundinnen hatte er bereits gehabt. Manche hatte er sogar hergebracht, sie den Eltern und den jüngeren Geschwistern vorgestellt. Wobei. Eigentlich erinnert Mila sich nur an eine, bevor Per Carola kennengelernt hatte.

Jahre später, als sie verstanden hatte, dass sie nur zehn Jahre von Carola trennen, waren sie Freundinnen geworden. Oder vielleicht Schwestern. Mehr Schwestern jedenfalls als die anderen Schwestern.

Für die zehnjährige Mila war Carola damals all das, was Mila eines Tages zu werden hoffte.

Erwachsen — aber auf eine gute Art, lieb, hübsch, ernst, reif. Und vor allem fand Carola bei den Eltern, sogar bei der Mutter(!), den richtigen Ton. Und ließ sich nichts gefallen. Auch von der Mutter nicht, denn natürlich nörgelte diese später auch an Carola herum — wie immer und wie an allen. Dies macht sie nicht richtig und jenes auch nicht.

Carola und Per also, und ja, ein bisschen beneidete Mila die beiden umeinander. Sie hatten sich. Wie waren sich Heimat.

Doch als eine, die Carola ebenfalls kennt, fiel auch für Mila ein bisschen Heimat ab.

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Die Aufgabe:
Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt.

Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes … ohne allzu viel nachzudenken.

Den heutigen Satz habe ich gestern bei Frau Mützenfalterin aufgeschnappt.

Mitmachen erlaubt.

„Was mache ich hier?“ | #Zitatgeschichten

Die Aufgabe, die ich mir stelle, ist theoretisch einfach: Ich setze einen irgendwo aufgeschnappten Satz in die Titelzeile. Darunter schreibe ich, was meinen Fingern und meinem Hirn zu diesem Satz einfällt. Der Plan ist, dass ich so wieder in den Blog-Schreibflow komme. Weil Schreiben gut tut und meinen Fokus kurzzeitig weg vom schwer erträglichen Weltgeschehen nimmt. Kleine Momentaufnahmen. Fiktiv oder real, alltägliches Geschreibsel, Verspieltes … ohne allzu viel nachzudenken.

Den heutigen Satz habe ich bei Bruce Chatwin gefunden (Buchtitel) und bei Herrn Buddenbohm aufgeschnappt.

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Sie sitzt. Mehr macht sie hier gerade nicht. Stimmt. Stimmt nicht. Natürlich nicht.

Sie atmet ja auch. Und ihr Herz schlägt. Und sie guckt aus dem Fenster und sie hört und riecht und zwinkert; und sie verdaut und denkt und schreibt; und sie friert ein bisschen an den Füßen.

Viel ist das ja nicht!, sagt der Souffleur auf ihrer Schulter. Sie hört hin. Hört zu. Dem Souffleur, der sich immer breiter macht und ihr aufs Rückgrat drückt. Abschütteln sollte sie ihn. Das wäre dann ja mal etwas ganz Großes, etwas ganz und gar Aktives sogar, das sie hier und jetzt machen könnte. Etwas, das sie wirklich dringend machen sollte.

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(Meine Schreibanregung darf gern nachgeahmt werden … vielleicht können wir uns ja gegenseitig inspirieren?)