Wifi-sei-Dank

„Røros – Weltkulturerbe!“ Hätte ich nicht laut gelesen, was am Straßenrand steht, hätten wir diese Perle verpaßt!

Ein altes Bergwerkstädtchen, wunderbare Häuser, einen Geldautomaten und ein coop … Mensch, was willst du mehr?! Na ja, wie wäre es mit Wifi?

Gut, dein Wunsch sei dir gewährt, meint die junge Frau im Tourishop, und macht ein Kreuz auf dem Stadtplan. Bei der Bibliothek werden wir fündig. Sogar eine Bank steht für uns bereit. Kostenlos eiFöun- surfen, bloggen und Geocaches aus dem Netz ziehen. Alles, was das Herz begehrt!

Klockspelet von gestern …

Das Dampfbad auf dem Camping von gestern auf heute wird von Irgendlink genau untersucht.

Gestern Abend in der Nähe des Caches.

Heutige Mittagspause in der Pampa mit Cachefindung. Wunderschön, aber leider mückenverseucht!

In Røros …

Perfekt?

„Nein, wir fahren nicht zum Nordkapp“, haben wir vor zwei Tagen beschlossen und versichern es uns seither immer wieder, denn auf der Norwegenkarte wird die Stecke mit über tausendsiebenhundert weitern Kilometern angezeigt. Ungefähr so viel wie wir schon gefahren sind. Und alles bis am 24. Juli wieder zurück. Puh, wollen wir das wirklich?

Dennoch fahren wir immer nordwärts … Durch endlose Wälder, an Seen und noch mehr Seen vorbei.

Seit gestern Abend acht Uhr sind wir nun irgendwo in Norwegen. Auf der Route nach Røros. Ein hübscher Campingplatz – wen wunderts – an einem See. Den wir heute morgen bereits getestet haben. Saukalt …

In Gagnef lief uns erstmals seit Tagen ein richtiger PC über den Weg, denn schwedische Tourishops bieten oft kostenloses Internet an. Wenn schon, denn schon, sagten wir uns und fischten kostenlos drei Geocache-
Wegbeschreibungen aus dem Netz. J.s Geocaching-App ist ja schön und gut und praktisch und auch zuverlässig – doch natürlich nicht gratis.

Gestern lief das Cachen einfach super. Kaum am richtigen Ort angelangt, mussten wir nur noch die Hand ausstrecken und das Döschen oder die Dose packen. Zu unserer Erleichterung hat die nette Dame vom Tourishop beigetragen, die uns bei der Übersetzung der Cache-Infos, die ich auf die Rückseiten von Einkaufszetteln gekritzelt hatte, geholfen hat. Dass ‚bakom‘ neben heißt, weiß ich jetzt und ‚och‘ ist und.

Den klangvollsten Cache fanden wir beim Glockenspiel in Leksand. Ein hübsches kleines Städtchen auf der Route nach Falun. Viermal am Tag spielen auf dem Dorfplatz ca. zwei Glockenoktaven in einem architektonisch originellen Türmchen ihre zweiminütigen Melodien, vier verschiedene wohlgemerkt.

Den originellst verpackten Cache fanden wir vierhundert Meter von hier (siehe Bild). Auf unserm Abendspaziergang fragten wir J.s App ab –
siehe da: auch in Norwegen wird gegeocacht! Scheint so, als mausere sich unsre Reise zu einer Geocache-Tour vom feinsten!

Mehr zu unsrer Leidenschaft unter geocaching.com

Am Ende der Welt

Irgendwann kommt das Ende. Du musst einfach immer weiter nordwärts gehen. Du kannst es nicht verfehlen. Wenn du da bist, wirst du es dann schon merken. Einen großen See hat es dort. Endloses Meer vielleicht.

Um halb neun abends hatten wir unsern zweiten Tagesgeocache geloggt. Müde war ich. Ludvika, ein mittelschwedisches Stätdchen, ist zwar hübsch, doch jetzt sollten wir wohl allmählich einen Platz für die Nacht finden. Nur noch ein bisschen nordwärts. An einem See. Am Waldrand. Brunnen wär auch nicht schlecht. So wünschten wir drauflos. Schöne Seen fanden wir zwar zuhauf und auch endlose Wälder, eine wunderbare Gegend … Doch leider alles erschlossen. Überall Strandhäuser und Bootsstege.

„Komm, noch einen letzten Versuch – diese Straße dort noch“, ermutigen wir uns immer wieder, bevor wir Alternativplan „nächster Campingplatz“ umsetzen würden.

Am Ende der Welt hat es einen wunderbaren See, einen wunderbar warmen See. Ein VordemFrühstück-Bad lockt. Am Ende der Welt ist es zum Sterben schön!

Im Knäckebrotparadies

Nach halb zehn. Nach dem frühen Weckdienst durch die diensthabenden MöwInnen sind wir doch tatsächlich nochmals eingeschlafen. Jetzt sitzen wir vor dem Zelt in der Sonne. Nördlicher als gestern, doch bedeutend wärmer.

Jönköping, am untern Zipfel des Vätternsees, hat mich wieder! Schon letzten August hat es mir hier so gut gefallen. Von meinem Plastikhotel aus hatte ich die nähere Umgebung erkundet und joggend dabei den Campingplatz hier entdeckt, wo wir nun, elf Monate später, unsere Frukost samt Knäckebrot genießen.

Die gestrige Reise haben wir immer wieder für Geocaches und kleine Erkundungen unterbrochen. Überall Wälder und Seen. Mutig wie er ist, hat sich J. sogar ins Wasser getraut. Brrrr … 18, 19 Grad …

Auf dem Bild: Sonnenuntergang am Vätternsee abends um zehn nach zehn … Der eiFöun-Fotograf J. wird per eiFöun fotgrafiert … Neues Genre: Bild im Bild.

6x an einem Tag

Dienstagmorgen kurz nach acht Uhr. Irgendwo am Meer. Ein Naturreservat zwischen Malmö und Helsingborg. Hier in der Nähe haben wir gestern Abend Geocache des Tages Nr. 5 und 6 gefunden.

Was für ein Tag! Mehr als 700 km sind wir gestern gefahren, die Fähre von Puttgarden nach Dänemark nicht mitgerechnet. Wegen der beiden Caches, die J. aufs iPhone geladen hatte, haben wir uns dann schließlich und zum Glück hierher „verirrt“. Ein wunderbarer Platz, wo wir dank Jedermannsrecht unser Zelt aufgebaut haben. Nachts dann leichter Regen und heftiger Meerwind, der sich auch jetzt noch nicht gelegt hat.

Heute? Wenn nordwärts frieren bedeutet, was dann? Wir bleiben vorerst in Schweden und fahren an einen der großen Seen. Nordwärts. Die Klimaanlage können wir uns heute jedenfalls sparen!

Verloren

„Wo haben wir eigentlich die Kühltasche?“, frage ich J. Es ist neun Uhr abends und wir brettern auf der Autobahn Richtung Norden. Endlich waren die Gäste gegangen und kurz vor sieben hatten wir losfahren können.

Wäre ich doch bloß nicht so müde! Diese Antibiotika gegen meine Borreliose machen saumüde! Zum Glück vertrage ich sie, mit Jogurt zusammen, gut. Womit wir wieder bei der Kühltasche wären. Boxenstopp an einer lauschigen Parkbucht – lauschig in der Tat, denn Verkehr hat es kaum. Kofferraum auf. Suchen, wühlen, grübeln. Nein, sie ist nicht da, die Tasche! J.s Eltern auf dem einsamen Gehöft können sich freuen: Käse und Fruchtsäfte in Hülle und Fülle! Statt Jogurt teste ich drum Dörrfeigen als Medi-Beilage – siehe da: es funktioniert! Wie zwei Hanse im Glück grinsen wir über unsern Verlust.

Wie sagte doch Kerouac so schön? Finde dich mit Verlusten ab – und zwar endgültig. Dazu kreiere ich das 478. Sofasophie’sche Gesetz analog jenem, daß es Glück bringt, wenn bei einem Umzug etwas kaputt geht. Mein Dings geht so, hört hin: Es bringt Glück für die Reise, wenn man-frau etwas vergißt.

Na denn: Auf eine glückliche Reise!

(Lieben Dank an die Glückwünscherinnen!)

einfach Zeit

Zeit! Viel Zeit! Freie Zeit! Urlaubszeit! Dieser Gedanke dehnt sich in mir drin immer mehr aus, als ich am Mittag vom Büro nach Hause fahre.

Mein Herz wird, trotz der tropischen Hitze, die die Straße abstrahlt, weit und leicht. Allen, die mir begegnen, schenke ich ein Lachen – ob sie es nun wollen oder nicht. Kleiner Boxenstopp beim orangen Einkaufsladen FÜR alle. Der leere Korb in der Hand fragt mich, was ich brauche. Ja, was brauchen wir beim Zelten? Reis, Nudeln, Essig, Öl …

Jippie, Urlaub … Während ich durch die kühlen Gänge schlendere, purzelt immer wieder dieser eine Gedanke durch meine Innenwände. Und auf einmal habe ich Zeit und plaudere mit der Kassiererin über Kürbis und Ingwer. Die Hektik fällt von mir ab, weil ich das gute Gefühl habe, im Büro so ziemlich alles dringende erledigt zu haben. Jetzt kann ich einfach tun und lassen, was noch zu tun und zu lassen ist, bevor ich morgen Vormittag nordwärts ziehe.

Ich könnte ja vorbloggen, denke ich auf den letzten zehn Metern vor meinem Haus. Ja, genau. Ich könnte schreiben, was wir alles erleben, spinne ich, während ich mit der schweren Einkaufstasche in den ersten Stock steige. Ich könnte drei Wochen vorauserzählen, wie es in Norwegen aussieht und was wir dort alles sehen, erfahren, erleben und genießen! Das wäre cool! Mit Hilfe von Go(o)d Guugl wäre das gar nicht mal so schwer …

Du spinnst, sagt schließlich eine meiner vernünftigen Gegenstimmen in mir drin, doch sie kichert ein bisschen. Klar spinne ich, kontere ich. Lust auf Vernunft habe ich zwar nicht, doch ich etwas steht mir im Weg: Ich bin zu faul. Das spricht definitiv gegen das Vorbloggen, so sehr mich die Idee bezaubert. Sagt selbst, wie soll ich jetzt noch auf die Schnelle vierundzwanzig Tageshappen kreieren, wo ich doch endlich mal wieder putzen sollte (und will), bevor ich die Wohnung meinem Blumengiesser- und Briefkastenleerer-Kumpel F. zumuten kann.

*ernstmodusein* Der Gedanke, eine Geschichte im Voraus zu schreiben, ist so abwegig nicht. In einer Lebenskrise habe ich mal  mein Leben ab Punkt Null, an dem ich damals stand, umzuschreiben begonnen. Den Text hatte ich daraufhin vergessen. Jahre später, als ich ihn wiederentdeckte, stellte ich fest, dass sich ein paar Umstände genauso entwickelt hatten, wie von mir geschrieben … *ernstmodusaus*

Vorbloggen – ja oder nein? Ich könnte ja einfach ein paar wenige Texte vorbloggen?, überlege ich. Na ja, die würden allerdings alle ungefähr so oder ähnlich klingen und nach blaugrünen Postkarten riechen: „Wir sind heute in xy (das ist da oder dort in Süd-, Mittel- oder Nordnorwegen plus vielleicht noch eine Guuglemäp dazu) und haben in einem wunderbaren, abgeschiedenen, windstillen Fjord gebadet. Es ist wunderbar hier. Auch der Zeltplatz hier ist genial …“ Mögliche Varianten wären Meeresbucht oder See. Oder hübsches kleines Städtchen – dann aber nicht baden, sondern flanieren und Bilder sammeln … Klingt furchtbar langweilig? Ist es aber nicht. Ehrlich!!!  Doch ist es wohl besser, ich lasse das Bloggen bleiben. Oder ich blogge live, wenn wir irgendwo Netz/WiFi  und Lust haben oder ein Internetcafé finden. Wir werden sehen.

Ihr da draußen kommt ja schließlich bestens ohne meine kreativen Stoffwechselprodukte klar. (Danke, Mösiö Irgendlink, dass du neulich dieses tolle Bild erschaffen hast …)

Wie auch immer: Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Sommer.

Am 26. Juli bin ich wieder da – so Göttin will und ich lebe … 🙂

beides

„Kaum ist der Kühlschrank voll, ist er auch schon wieder leer. Kaum ist das Gras geschnitten, ist es auch schon wieder hoch. Kaum ist die Wäsche gewaschen, ist der Korb schon wieder voll. Kaum hat ein Tag begonnen, ist er auch schon wieder vorbei“, sofasophiert meine liebe Freundin K. in ihrer heutigen Mail.

Später fragt sie mich: „Wie willst du wissen was Fülle ist, wenn du nicht weißt, was Leere heißt? Wie willst du wissen, was Liebe ist, wenn du nicht weißt, wie es ist, wenn sie fehlt? Wie willst du dir sicher sein, wenn du nicht den Zweifel kennst? Wie Nähe leben, wenn du nicht auf Distanz gehst?“

Wie ein Echo zu meinem gestrigen Bloggespinst!, denke ich, während ich mir ihre Worte auf der Zunge zergehen lasse und das Wunder und Geheimnis der Gegensätze rieche.

Unvermutet taucht das Gefühl von heute früh wieder auf und der Geruch von Sommermorgen. Auf meinem Meditationshocker sitzend, die Sonne im Gesicht, las ich einen kleinen Text über das Schöpfungsmythos und die Schöpfungsgöttin der Cherokee. „Walk in beauty“, las ich, ist seit jeher das Credo dieses Stammes, „schreite in Schönheit“.

Das Fenster schwang auf und meine Seele flog durch Zeit und Raum. Da saß ich nun auf einer hohen Felsnase und blickte in die unendliche Ferne. Weit und breit kein Mensch, kein Haus. Nichts, dass auf die Existenz von Menschen hindeutete. Nur Natur. Unendlichkeit. Stille. Weite.

Uralte Erinnerungen an eine andere Zeit.

Gleichzeitig hier und dort sein – zuweilen geht es, denn alles ist mit allem verwoben. Gleichzeitig den leeren Kühlschrank bedauern und den vollen Tisch genießen. Gleichzeitig ruhig und gewiss sein, dass alles gut ist, so wie es ist und zugleich meine Werke in Frage stellen. Auch das geht. Über allem dieser Bogen aus Geborgenheit trotz aller Unsicherheit. Unter allem dieser Boden aus Vertrauen ins Leben, obwohl ich doch weiß, wie zerbrechlich es ist. Ein Gegensatz mehr. Und ein Geheimnis auch.

Den richtigen …

„Ich möchte einfach endlich den Richtigen finden!“, sagt sie und nickt sich selber Mut zu. Ihr Blick versinkt in ihrem Spiegelbild, ertrinkt beinahe. Ein klein bisschen Hader in der Stimme, den das Schnipselgeräusch der Schere, mit der sie meine Haare bearbeitet, beinahe übertönt. Und eine Prise Traurigkeit. Zweifel auch an der Berechtigung ihres Wunsches. „Meinst du, das geht?“

„Warum auch nicht?“, denke ich. Habe ich wohl auch zu ihr gesagt und es bestimmt auch so gemeint – trotz der Banalität dieser Worte. Worthülse. Doch nun zweifle ich, weiß ich doch nicht, ob es ihn – nicht nur für C., ich meine überhaupt – ob es diese(n) berühmt-berüchtigte(n) Richtige(n) wirklich gibt, auf dem/der alle Erwartungen lasten. Traummann. Märchenprinzessin.

„Geht das?“, fragt C. Der Richtige, die Richtige, das Richtige – Plattitüde, Illusion, Hoffnung. Da hängt es also, dieses Bild von Leben wie es zu sein hätte, wenn wir es selbst erfinden könnten, dieses Bild von Mitarbeitenden, von Freundinnen und Freunden, von Lieblingsmenschen, so wir sie erfinden würden … Da hängt es, an den Innenwänden unseres Herzens, oder im Kopf irgendwo. Im Bauch womöglich. Festgenagelt. Unverrückbar.

„Ich kann schlecht glauben und gut zweifeln,“ habe ich zu C. gesagt, später. „Alles stelle ich in Frage. Immer wieder. Am allermeisten mich selbst.“

Kaum etwas nehme ich ständig gleich wahr. Weder Weltbilder noch was ich über Menschen denke. Nicht, dass ich mein inneres Steuer von heute auf morgen um hundertachtzig Grad drehe, eher ist es so, dass ich mich ständig mit meinen eigenen Perspektiven auseinandersetze, mich neu austariere, was ist, neu gewichte. Ich synchronisiere mich laufend.

Die richtige Sicht? Meine neugewonnene Sicht ist immer solange die richtige, bis ich eine neue ‚richtige Sicht‘ gefunden habe. Bis ich ein neues Update downloade und installiere. (Notiz an mich: Aus welchem Netz hole ich meine Downloads? Welchen Ein-Flüssen setze ich mich aus? Mögliche Antwort: aus meinem universellen Jetzt).

Doch wie wir den Richtigen, die Richtige, das Richtige finden können, weiß ich nicht – wohl weil es das Richtige nicht dauerhaft gibt. Oder es wird immer wieder neu durch uns selbst zum richtigen gemacht. Durch unsere Entscheidung.