Von Heringen und andern Fischen

Einigermassen übernächtigt trinke ich meinen Frühstückstee. Kurz nach zehn ist’s und wir sitzen wegen der Mücken im Zelt auf dem Camping in Stugudal. Zwischen drei und sieben Uhr hat’s so sehr gestürmt, dass ich stundenlang wachgelegen bin. So fest, dass Irgendlink, der gestern Abend optimistisch nur das Minimum an Zeltheringen in den Boden gesteckt hatte, todesmutig aus dem Zelt kroch um weitere Zeltnägel zu stecken und sämtliche Seile zu spannen. Genau gesagt kroch er dazu zweimal raus, denn beim ersten Mal war er noch immer (zu?) optimistisch und steckte nur einige wenige in den weichen Boden. Doch als das Zelt dann noch immer wie ein Boot hin- und her wippte, beschloss er, auf Nummer sicher zu gehen. Siehe da: das Schaukeln ließ nach.

Tja, Sicherheit und Abenteuer, Vernunft und Neugier gehen auf einer Reise oft eine seltsame Synthese ein. Sie rangeln sich zuweilen, ergänzen und beraten sich und finden meist einen guten Weg. Scheitern inbegriffen.

Urlaubsreisen heißt nämlich auch nicht alle Caches zu finden, die wir anpeilen – in Røros waren einfach zu viele Muggel (Nicht-Geocachende) vor Ort -, bei lebendigem Leibe von Mücken verzerrt und verzehrt zu werden (beinahe jedenfalls) oder sich mit den Folgen einer sich selbst geöffnet habendes Glas Fisch und deren Flüssigkeit in der Vorratskiste auseneinander zu setzen. Reisen heißt flexibel zu sein, Schäden zu minimieren, zu reagieren. Sorgt das Leben für Ausgleich? Denn nach den Cache-Misserfolgen
fanden wir später auf der Durchreise – auf einer Passhöhe hier in der Nähe – einen der Caches mit der schönsten Weitsicht (siehe Bild).

Und nichtsdestotrotz ist es wieder Morgen geworden. Regnen tut’s nicht mehr, der Wind ist erträglich und die Sonne trocknet das Zelt wieder. So what?

Ach ja, noch was: auch ich kann Zeltheringe „montieren“, natürlich … doch mein Liebster kann sowas einfach echt viel besser. Besonders nachts um halb vier, wenn es stürmt!

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