Bergsjö

Steige ich auf der Beifahrerinnenseite ins Auto ein, vertraue ich J. mein Leben an. Fahre ich, legt er sein Leben in meine Hand. Autofahren ist latent lebensgefährlich, doch ist das Fahren in Schweden vergleichsweise mit der Schweiz stressfrei – über Land zumindest. Doch auch in Städten (Sundvall gestern als Beispiel) und trotz Rushhour ist es erträglich. Die geringere Autodichte macht es aus. Menschenaufläufe mag ich nicht wirklich. So gesehen ist Schweden perfekt für mich. Außerdem sind wir jetzt auch in den Breitengraden (61. Breitengrad) mit der für mich perfekten Temperatur angelangt. Ca. 25 Grad.

Nach den Hoppelpisten der letzten Tage sind wir gestern, nach drei Cachesuchen, gegen Mittag auf die E4 eingespurt. Dichter Verkehr heißt hier zehn Autos in Sichtweite. Hinter den Campern und Wohnwagen verdichtet sich das Ganze bis zur nächsten Zweispuren-Phase. Dort drücken wir aufs Gas und überholen, was möglich ist, um darauf am Ende der Phase wieder in die Einspurigkeit zu verfallen, denn der nächste Camper kommt bestimmt.

Selbst auf einer sogenannten „Schnellstraße“ wie der E4 wechselt sich die Kulisse ständig. Gestern waren es die laufend sich toppenden Wolkengebilde, die mit der wunderbaren Landschaft konkurrierten.

Dennoch ist es Tatsache, dass wir in den nächsten Tagen einiges an Kilometern fressen müssen, um am Weekend in der Pfalz sein zu können. Das Damoklesschwert im Nacken. „Friss Straße!“, sagt es. Gas und Bremse tanzen miteinander. Zanken zuweilen ein wenig. Das eine will vorwärts, während das andere dableiben will. Zwei Herzen in meiner Brust.

Vorwärtskommen gleich Geschwindigkeit mal Zeit – oder so. Doch wo ist vorwärts? Da wo ich hin will – wo immer das ist.

Gestern Abend war vorwärts ein bisschen rückwärts, will heißen nordwärts. Die E4 verlassen, den Wegweisern nach Bergsjö folgen. Wider alle Vernunft, da nirgends ein Zeltplatz kartiert ist, der Intuition folgen und auf DEM Zeltplatz landen, aus dem die BloggerInnenträume sind.

Ein dicker kauziger Platzwart heißt uns im besten Englisch willkommen. Ein Messie, unverkennbar. Sein offenes Haus spricht Bände. Wir sollen uns wohlfühlen, dürfen alles benutzen und der See sei genial. Dazu so billig, dass es fast schon peinlich ist.

Alles wahr. Kein Märchen. Und keine Mücken. Als uns nach dem Morgenbad im 20 Grad warmen Wasser die Nachbarin noch Kaffee, Brote und Jogurt bringt, fällt uns nur das doofe Wort „perfekt“ ein, zweistimmig. Herz, was willst du mehr?