Anderswo Aufgepicktes

Zweierlei habe ich heute für euch. Beim einen geht es um Hochsensibiliät, beim andern um den Stress mit dem Glück.

In der Tat habe ich hier schon lange nichts mehr über Hochsensibilität geschrieben, obwohl sie doch eins meiner Dauerthemen ist. Neulich habe ich einen bemerkenswerten Text darüber gelesen habe, den ich euch nicht vorenthalten will. Darum heute mal wieder etwas über Menschen wie mich, die zuweilen das Gras wachsen hören können und die Wörter hinter den Wörtern miteinander tuscheln.

Kennst du schon die 17 grusligsten Sätze, die du zu Hochsensiblen, Schüchternen und Introvertierten sagen kannst?

Ich liste hier eine kurze Zusammenfassung daraus auf:

1. »Komm, wir gehen durch den Raum und stellen uns vor.« (Reizüberflutung)
2. »Was hältst du von diesem Wetter?«
(Smalltalk)
3. »Es wird eine Menge Leute geben.«
(Menschenmassen)
4. »Ich ruf dich an!«
(Telefonieren? Oh, nein, da muss man immer so schnell reagieren)
5. »Erzähl mir von dir.«
(Zu schnell zu viel wollen, zu persönlich sein)
6. »Ich habe spontan unsere Freunde eingeladen.«
(Spontane Planänderungen ohne genug mentalen Vorlauf)
7. »Vergiss nicht, wir haben heute Abend Pläne.«
(Vergessene Termine sind schrecklich!)
8. »Finde einen Partner, wir machen ein Gruppenprojekt.«
(Gruppenarbeiten? Wozu soll das gut sein?)
9. »Nein, ich will noch nicht nach Hause gehen. Das hier macht Spaß!«
(Aus Rücksicht auf andere zu lange bleiben müssen)
10. »Nein, Sie haben keinen eigenen Schreibtisch – bei dieser Firma benutzen wir das offene Bürokonzept.«
(Große, offene Räume, Großraumbüros: zu viel, zu laut, zu nah)
11. »Das Internet ist aus.« (Damit fallen die erträglichen, dosierbaren Kommunikationsmöglichkeiten aus)
12. »Wir werden den ganzen Tag unterwegs sein.« (Hilfe, keine Ruheinseln und Rückzugsräume in Sicht!)
13. »Ihre Note in dieser Klasse basiert auf Ihrer aktiven Teilnahme.« (Niemand sieht, wie viel wir in aller Stille mitbekommen & lernen)
14. »Alle, die du kennst, rufen aus deinem Wohnzimmer: „ÜBERRASCHUNG!« (Der pure Horror! Dein Zuhause ist deine Höhle und du willst doch nur deine Ruhe!)
15. »Du kommst gerade rechtzeitig zum Karaoke!« (Ähm, ich frage mich ja eh, welche Menschen das nicht zum Davonlaufen finden 😉 …)
16. »Verschieben Sie alle Ihre Freitagstermine. Wir machen dann Teambildungsübungen!« (Gruppennackenmassage im Kreis und so)
17. *unerwartetesTürglockengebimmel* (Wir fliehen, als hätten wir ein Monster gesehen)


Quelle: https://introvertdear.com/
Einen Übersetzungsversuch von mir gibts hier.

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Beim zweiten Lesetipp geht es ums Glücklichsein und warum uns der Positivdenken-Hype nicht glücklicher macht:

Hört auf, euch einzureden, ihr müsstet immer positiv denken

Das Gefühl, immer alles positiv sehen zu müssen, belaste uns, sagt ein dänischer Psychologe. Dieser Wohlfühlkult mache Glücklichsein zur Pflicht. Das sei gefährlich. [Weiterlesen …]

Ich zitiere:

»Öfter mal negativ sein

Beim Arbeitsplatz würde mehr darauf geachtet, dass es ein ’positives Wachstum’ gebe, als Schwierigkeiten offen anzusprechen. Brinkmann bezeichnet das Beharren auf gut gelaunten Mitarbeiter*innen als ’fast schon totalitär’.

Für ihn habe das eher mit Gedankenkontrolle zu tun.
Im Arbeitsleben werde viel Wert auf gute Laune gelegt, weil man laut Brinkmann so teamfähiger und produktiver sei. Oder anders gesagt: Menschen und ihr emotionales Leben besser ausbeuten könnte, als wenn sie schlecht gelaunt wären. ’Das ist die dunkle Seite. Unsere Gefühle neigen dazu, Rohstoffe zu werden. Das bedeutet auch, dass wir uns von ihnen entfremden’, sagt er.«

Und ja, es gibt da diese kleine Ungenauigkeit im Diskurs: Wir werden ja nicht zum Glücklichsein gedrängt, sondern zum Schauspielern, wie Freundin A. mir auf FB dazu geschrieben hat.

Quelle: https://ze.tt/

mich einholen

Eine Art Spurensuche ist es. Nein, falsch eher eine Selbstsynchronisation – das trifft es besser. Oder vielleicht ein Update? Ich weiß es nicht so genau.

Ich rannte mir hinterher – schon eine ganze Weile. Ich habe aufgeräumt. Ich habe endlich mal wieder Mails geschrieben. Ich habe endlich mal wieder Blogs gelesen und ich habe alle Notizzettel auf dem Schreibtisch ins Tagebuch abgeschrieben. Ich habe sogar mal wieder Tagebuch geschrieben.

Und nun habe ich mich eingeholt. Endlich. Und jetzt könnte ich eigentlich endlich das tun, was ich am besten tun kann, wenn alle Pflichten erfüllt sind und der Rücken frei: mein Loch im Eis-Manuskript öffnen und weiterschreiben. Endlich. Doof nur, dass ich jetzt eine Pause brauche. Dass ich vermutlich nun zu müde bin. Dass ich morgen wieder arbeiten gehen muss. Und übermorgen auch. Ebenso am Mittwoch.

Wie es andere bloß schaffen – oder schaffen es auch andere nicht, ständig auf gleicher Linie mit sich selbst zu sein?

Über meine Filter nachgedacht habe ich heute auch. Über mich als HSP. Und dass ich, als die hochsensible Person, die ich bin, für alles sozusagen länger brauche, denn ich muss mehr ausmisten. Meine Filter haben größere Löcher, als die der meisten Menschen, und lassen darum mehr Zöix rein. Gutes ebenso wie Mist. Ich brauche – ich bräuchte – mehr Zeit zum Leben. Zeit, die ich mir immer anderswo abzweigen muss. Und so gibt es immer wieder neue Lecks, die ich hinterher wieder mit Hinter mir her-Rennerei  stopfen muss.

Brauchen?! Müssen?!

Lasst mich doch einfach sein!, sagte ich als Kind, wenn meine Eltern zu viel von mir wollten.

Lass dich doch einfach sein!, sage ich zu mir. Jetzt.