20. Juni 2009 = Internationaler Flüchtlingstag. DAS Event, wenn du in einem Hilfswerk arbeitest! 🙂 Endlich …
Dass Murphy, der Pannenspezialist, ein naher Cousin 😉 meiner Arbeitskollegin K. ist, mit der ich mich für die erste Schicht am Stand (Einrichten und Standbetreuung) eingeschrieben hatte, wusste ich noch nicht, als ich gestern Vormittag A.s Anruf erhalten hatte. Er hatte sich für eine relativ lange Betreuungsschicht eingetragen hatte und war am Freitag verunfallt. Zwar Bagatelle, doch nicht arbeitsfähig. Puh, der Arme. Doch trotz der Verletzungen hatte er als Ersatz einen anderen Arbeitskollegen gesucht und gefunden, der seine Schicht eine Stunde früher anzutreten versprochen hatte. So weit so gut. Zwar Panne (Nr. 1!) – doch gut gelöst!
Mein Auto, das als Transportfahrzeug für das Standmaterial dienen sollte, hatte am Freitagabend bereits gezickt. Die Lady – nein, fragt bitte weder sie noch mich, wie alt sie ist! – kommt wohl langsam ins Alter, wo nichts mehr selbstverständlich ist! Oder die Gute ist sich neuerdings zu gut für Transporte? Bereits am Freitagabend, als ich mit R. nach M. gefahren bin, um mit anderen zu singen und trommeln, hatte sich mein Sternchen (offiziell Toyota Starlet) erst nach zwei oder drei Anläufen bequemt, ihr Motörchen schnurrend zu starten.
Gestern Morgen nun, als ich mit ihr zum Büro fahren wollte, führten wir ein kurzes, aber ernsthaftes Gespräch. Und siehe da: Sie startete gutmütig. Vor dem Büro fand ich zwar eine Parklücke, allerdings zwanzig Meter entfernt, so dass wir die schweren Kisten ein Stück würden tragen müssen. Nach ein paar Minuten wurde eine Lücke direkt vor meinem Bürofenster frei und ich beschloss, während K. die Sachen durchs Fenster hievte, näher zu fahren. Doch Sternchen war anderer Meinung. Tat keinen Mucks. Ein paar weitere Versuche. Kein Mucks. War (bloss) die Batterie leer und wenn ja, wie hatte das passieren können?
Wir beschlossen schliesslich, ein Taxi zu rufen. War auch nicht viel teurer, als einen Tag im Parkhaus. Der nette Chauffeur half uns sogar beim Ein- und Ausladen. Auch Panne Nr. 2 gut gelöst!!! Anschliessend schickten wir Murphy in den Himmel. Er hielt sich für den Rest des Tages fern. Zusammen mit den Regenwolken – bestimmt waren sie zusammen unterwegs. Hauptsache sie liessen Bern in Ruhe. Perfektes Marktwetter auf dem Bundesplatz. Nicht schön oder heiss genug, um wegzufahren, doch nicht schlimm genug, um zu Hause zu bleiben.
Bereits als wir den Stand aufstellten, kamen die ersten Kinder und wollten wissen, wie das Geschicklichkeitsspiel, das ich mit einen Kollegen ausgetüftelt hatte, funktionierte. Von da an, war das Spiel praktisch pausenlos in Betrieb.

Die Standbetreuung war total kurzweilig. Buntes Treiben allerorten. Gerüche. Farben. Menschen von überall. Eine kleine heile Welt auf dem Bundesplatz. So friedlich. So farbig. So vielseitig. So lebendig. Und so menschlich. Natürlich wurde auch mal gezankt, wenn eines der Kinder sich nicht gedulden konnten, bis es endlich an die Reihe kam. Wie freute ich mich, mit dem kleinen kraushaarigen Knirps, als er es das erste Mal alleine geschafft hatte, seine Kugel ins Ziel zu führen. Als Sofort-Preise und Giveaways verteilten wir handförmige Kekse – gebacken und einzelverpackt in einem „unserer“ Programme – um den Leuten gleichsam die Hand zu reichen. Hand in Hand gelingt Integration stand auf der Rückseite. Sogar diese Kleber waren mein Werk. Die anderen machten mir haufenweise Komplimente für die gute Vorbereitung und Organisation. (Puh, wenn ich in etwas untalentiert bin, dann darin, solche Ermutigungen einfach annehmen und geniessen zu können.)


Meine zweite Schicht begann um zwanzig Uhr. Noch immer waren Himmel und Feststimmung heiter. Und die Musik auf der Bühne gefiel mir je länger je besser. Kurzweilig war es. Wir hatten haufenweise gute Gespräche mit interessierten Standbesuchenden, unterhielten uns mit den Kindern oder beantworteten Fragen zu den kunsthandwerklichen Produkten, die wir verkauften. Die Zeit verging wie im Flug. Abgeräumt war schnell und meine letzte Schichtkollegin war, was ich vorgängig nicht gewusst hatte, mit dem Auto da. Wie praktisch! So mussten wir kein weiteres Taxi ordern.

Wie müde ich war, als ich endlich wieder in meine Welt zurückkehrte und meine Wohnung betrat! Doch schön war sie gewesen, meine kleine Reise um die ganze Welt. Ach, wie froh ich bin, kein Flüchtling zu sein!, dachte ich, als ich mein Feiernachtbier auf dem Sofa genoss. Wie wunderbar, dass ich ein Zuhause habe. Und ein Auto (das zwar zurzeit nicht fährt.) Und einen Pannenservice. Und eine Arbeitskollegin mit einem Cousin namens Murphy, der auf den Regenwolken in die Ferien reist.
Und den Sommer begrüsst. Und den längsten Tag …