
Das Schöne am Leben ist: Alles ist vergänglich, auch Schwieriges.
Das Schwierige am Leben ist: Alles ist vergänglich auch Schönes.
(Zitat K. R.-W.)
Wie recht sie hat, meine Freundin K.
Und auch Ingo Schulze gebe ich Recht:
Das Ideal wäre, in Echtzeit zu schreiben, also über den Augenblick, den ich gerade erlebe.
(Mehr dazu unter: http://www.federwelt.de/)
Dennoch frage ich mich, ob ich gleichzeitig erleben, wahrnehmen und unmittelbar darüber schreiben kann … jedenfalls etwas, das sich zu erzählen lohnt …? Interessiert es denn jemanden, was ich genau jetzt wahrnehme? (Beispielsweise, dass mein Po von der Fahrradtour schmerzt und dass ich das Licht anmachen sollte … )
Bleibt Schreiben – und jede andere Form von Ausdruck – letztlich nicht immer ein unvollkommener Versuch, Wahrgenommenes abzubilden um sich selber sichtbar zu machen, darzustellen?
Ist es Leerlauf, Mauldünnschiss oder was, dass jede und jeder über sich reden/schreiben will und muss? Da muss mehr dahinter stecken! Reagieren wir so auf eine gesellschaftliche Leere und Beziehungslosigkeit? Denn als eine der zentralsten Begründungen für dieses Bedürfnis sehe ich, zumindest für mich, den Wunsch danach, verstanden zu werden.
„Hallo, ihr da draussen: Hört ihr mich? Geht es euch auch so, wie ich es hier schreibe (oder singe oder male)? Versteht ihr mich?“
Möglicherweise meint Selbstdarstellung den Beginn eines Dialogs, denn jede Selbstdarstellung hat zwei Seiten. Neben der sich selber sichtbar machenden Person ist da ja auch jene Person, die die Darstellung betrachtet, liest, zur Kenntnis nimmt. Das DU!* Ein zweites wichtiges Bedürfnis hinter der Selbstdarstellung habe ich nun nebenbei erwähnt: Sich sichtbar machen. Möglicherweise anonym oder aber ganz offiziell, mit Namen und allem. Aus dem initiierten Monolg soll durch Resonanz ein Dialog entstehen, denn was nützt die schönste Selbstdarstellung ohne Publikum? (Ja, ich folgere hier, dass Publikum für Resonanz und Dialog steht!)
(Wir) ExhibitionistInnen brauchen Voyeure wie Hühner ihre Eier, auch wenn noch immer nicht klar ist, was zuerst war. Die Betrachtenden sollen der sich selber darstellenden Person rückmelden, dass sie sich in der Darstellung wiedererkennen, sie sollen ihr danken, sie sollen ihr applaudieren! WinWin-Symbiose der besten Art**, da wir alle möglicherweise auch das Bedürfnis haben, andere zu bewundern***? Sag, was mag wohl sonst noch hinter dem Bedürfnis stehen, jemanden, der sich darstellt, zu betrachten? Da ich aus eigenem Erleben beides kenne und praktiziere, kann ich nur von mir aus gehen: Ich will mich im Erleben eines anderen Menschen und im Lesen einer anderen Geschichte wiedererkennen, mich in meiner Art zu leben, zu denken, zu fühlen bestätigt fühlen: „Ich bin normal!“ denken nach dem Lesen, oder: „Ach so! Andere sind als auch so schräg!“
Natürlich lässt sich dieses Thema nicht abschliessend diskutieren, doch die Essenz hinter den Bedürfnissen beider Seiten, oder, um es globaler auszudrücken, das Grundbedürfnis hinter all unserem Tun und Lassen, scheint einmal mehr der Wunsch nach Gemeinschaft zu sein. Nach Beziehung. Nach Anerkennung und Liebe. Oderrr?
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* Person kommt von per sonare, was so viel heisst, das etwas in etwas anderem nachklingt, soniert eben
** Art = Kunst?!
*** Diesen Aspekt der menschlichen Bedürfnisse und Bedürftigkeiten ins Absurde zu führen, überlasse ich dir selber!