Von der Stille geweckt worden. Sonntagmorgenstille.
Viel zu früh.
Kurze Nacht.
S. und ich haben bis halb zwei gebechert. Gebechert und über das Leben sofasophiert.
Ernten wir, was wir säen? Wie? Wann? Und ist, was uns geschieht, gerecht? Karma, Krankheiten, Schicksalsschläge, Verluste, Erfolge? All die Auf- und Ab-Bewegungen des Lebens – Ebbe & Flut – was haben sie mit mir zu tun? Woher kommt Inspiration, woher Talent? Woher und vor allem wozu?
Sind wir jemandem etwas schuldig, wenn wir ein Talent haben?
Wenn ich das Leben meiner Freundin S. betrachte, denke ich, dass wir alle wenig Ahnung haben, was Glück, was Liebe, was Gerechtigkeit ist. Und was Liebe für einen Preis hat.
S. war über zwanzig Jahre glücklich mit ihrem Mann zusammen. Ich meine wirklich GLÜCKLICH. Trotz Krisen. Zwei Freaks, die ihr Leben gemeinsam woben. Sie führten eine spannende Ehe und haben zwei tolle Kids! Vor einem Jahr wurde B. von einem Bus überfahren und starb innerhalb weniger Tage. Ist es gerecht, da S. doch ihr Mass an Schönheit und Glück bereits hatte? Gibt es davon für alle gleich viel und wäre das gerecht? Ist gleich viel gerecht?
Kommt das beste noch? Wenn ja, was? Warten oder endlich leben?
Bilder in meinem Kopf.
Schieben sich nebeneinander, hintereinander, durcheinander.
Werfen sich wie Dias übereinander an die Wand.
Farben. Gerüche. Schatten.
Unscharf.
Ungefähr.
Irgendwo in mir ist Schmerz.
Und irgendwo in mir ist Staunen, dass wir noch immer da sind, S. und ich.