Berge

Ich säe Berge, sagte sie. Klein wie sie war, musste sie sich dazu nicht tief bücken. Kieselstein um Kieselstein legte sie in die warme Erde. Wie ihre Großmutter neben ihr hatte sie zuvor mit dem Setzholz eine Schneise gezogen. Bald würden hier Berge wachsen. So wie aus Apfelkernen Apfel- und aus Nüssen Nussbäume wurden.

Samstagmorgen. Mit der Kaffeetasse in der Hand wandert Julia durch Großmutters Garten. Längst ihr Garten. Oma und Opa sind schon lange tot, Berge keine gewachsen, doch Steine mag sie noch immer. Gesteinsschichten. Geschichten.

Meine Lebensgeschichte ist nichts anderes als das Umschichten von Erfahrungen, geht es ihr durch den Kopf. Kleines wird groß. Großes schrumpft. Und Unkraut wächst ohne zu fragen. Im Steingarten setzt Julia sich hin. Auf sonnengewärmte Erde.

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Diese Ges(teins)schichten habe ich gestern anlässlich eines literarischen Gottesdienstes vorgelesen. Thema: Saat gut – alles gut?

2 Kommentare zu „Berge“

  1. Wow, so schön! Sooooooooo schön! Danke.
    Ich ahne jetzt, wieso ich die Berge und die Steine so sehr liebe – zeigen sie uns nicht diese immer wieder kehrenden Neuanfänge in ihrer Zeitlosgkeit? In ihrer Vielfältigkeit? In ihrem Schweigen?
    Deine gesäten Steine wachsen!!! – mit deiner Geschichte säst du ein tiefes Zu sich Kommen – hoffe, dass das viele ernten können!
    Liebgruss, Rébecca

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