Lila, Lila

Cooler Film, den wir da ausgewählt hatten. Zwar fing er bereits um zwanzig Uhr an, doch da wir ausnahmsweise mal früh gegessen hatten, passte das perfekt. Martin Suters gleichnamiges Buch hatte ich vor Jahren mal mit Genuss gelesen. Auch J. hatte von dem Film gehört, der erst letzte Woche Première hatte. Gucken lohnt sich!

Vielleicht habe ich mich ja auch bloß in deine Texte und Bilder verliebt?, flüsterte ich J. während des Filmes zu. So wie Marie, die Protagonistin. David, der liebeswürdige Antiheld, der mit einem gefundenen Manuskript, das er als seins ausgab, Maries Herz erobert und damit eine Lawine von unvorhersehbaren Umständen losgetreten hatte, hatte es wahrlich nicht einfach. Zumal seine Beichte, nämlich dass er gar nicht der richtige Autor wäre, niemanden interessierte. Zu gut passte er in das Bild des unbedarften literarischen Genies.

Nein, natürlich waren es nicht deine Texte, J., auch nicht deine Bilder. Obwohl ich sie mag. But it is you!

Ob Marie, die sich nach der dramatischen Trennung von David auf der Frankfurter Buchmesse, später doch wieder in David verliebt hat, weil er diesmal mit einem wirklich von ihm verfassten Buch erfolgreich war? Wer weiß das schon! Sein zweites, das heißt, sein erstes eigenes Buch fängt David mit folgenden Worten an: Dies ist die Geschichte von Marie und David. Lieber Gott, lass sie glücklich enden! Und das tat sie dann auch.

Und das soll auch meine. Und deine.

Ich für mich mag meine Lieblingsmenschen um ihrer selbst willen. Hey, Ihr Lieben da draußen, schön, dass es Euch gibt!

die Wahrheit über die Wahrheit Vol. 2

Teil 2

Die anderen Engel und Engelinnen waren näher gerückt und nickten zustimmend. Dass sie den Menschen irgendwie helfen wollten, war bald allen klar, doch galt es, die beste Form zu finden. Die Wahrheit konnte ja alle möglichen Gestalten annehmen. Sie konnte dem einen gasförmig, der anderen als Flüssigkeit erscheinen, mal sichtbar, mal transparent, mal nur mit geschlossenen Augen fühlbar, mal auf der Haut, mal auf der Zunge und oft genug nur im Herz drin wahrnehmbar.

Endlich einigte sich die Engelschar darauf, dass sie der Wahrheit, die sich inzwischen in ihre Runde gesetzt hatte, ein möglichst prunkvolles Aussehen verleihen wollte. Eine große leuchtende Kugel würde ihrem Inhalt am besten gerecht werden, fand die Wahrheit selber. Eine Kugel, die jenen bunten Kugeln an den Decken mancher Musik- und Tanzlokale ähnelte. Grösser noch als jene dort und grösser auch als alles, was die Menschen je gesehen hatten, würde sie – an einem zuvor bestimmten Ort und für alle zugänglich – ihre Attribute der Erkenntnis an alle nach ihr Hungernden austeilen. Sie würde glitzern und glänzen, mehr als alles, was Menschenaugen je gesehen hatten. Wer die Wahrheit sähe, würde endlich alles und für alle Zeit klar sehen.

Doch ein Problem haben wir noch!, sagte schließlich der alte Engel, der die ganze Wahrheitslawine losgetreten hatte. Wie wollen wir die Wahrheit auf die Erde bringen? Daran sind vor uns ja schon viele andere gescheitert!

Alle nickten angeregt, zustimmend oder schauten nachdenklich vor sich hin.

(Fortsetzung folgt …)