beziehungsweise …

Weise, wer zu andern in Beziehung steht. Alle eigentlich, irgendwie, zu allem, zu Dingen ebenso wie zu Undingen wie anderen Menschen. Relativ jedenfalls, alles, immer relativ. Immer alles in irgendeinem Verhältnis zu irgendwem und irgendwas. Im Stehen oder im Gehen. Oder auch nur beim Sein. Alles verhält sich irgendwie, beziehungsweise eben alle, zueinander. Mal nähere, mal fernere Relationen. Verhältnisse unter Verwandten, könnte ich sagen, denn das sind wir ja, und alle andern auch. So oder eben anders, denn alles ist ja, wie gesagt, relativ.

Besonders Besitz. Wer wen besitzt, zeigt sich daran, wer wen gewählt hat. Die Beziehung zueinander. Besitzergreifend zum Beispiel das  iFöun. Da hatte ich also mal so ein Teil gesehen und erlebt und ein bisschen mitbenutzen dürfen, und schon war er da, der Virus. Leise flüsterte er mir zu: Du kannst ohne mich und meine Verwandten nicht mehr leben. Gib mir dein Leben. Ich hatte keine Wahl mehr und kaufte dessen Schwester. Seine Cousine, das Fixnetz-Telefon, war seinerzeit weit weniger zudringlich. Und doch: auch sie oder es besitzt mich. Außer nachts. Ebenso ergeht es mir mit meinen privaten Mailprogrammen, während jenes im Geschäft ein Stiefkind ist. Aber auch verwandt. Das schon. Besitzergreifend ist auch mein Blog, keine Frage. Es fordert mir jeden Tag einen Beitrag ab, einen Tribut, eine Steuer – schließlich habe ich das Ding selbst kreiert. Einem Kind gleich – oder einem kleinen Vogel – streckt es mir seinen offenen Mund, will heißen Schnabel, entgegen und will täglich gefüttert werden. Kein Fastfood natürlich, dafür biologisch und so. Mit Ballaststoffen und Vitaminen. (Wieso nur muss ich hier an den Zauberlehrling denken, der – lang ist’s her – nach den Geistern gerufen hatte …)

Anders verhält es sich mit Dingen, die ich besitze. Wo ich die Scheffin bin. Bei meinem Fahrrad zum Beispiel. Obwohl auch dieses Teil hin und wieder ein Eigenleben führt. Meistens jedoch darf ich sagen, wo es lang geht. Mein Auto? Dieses Verhältnis ist ausgewogen. Wir besitzen uns gegenseitig, würde ich mal sagen, wohingegen Dinge wie Bett und Bücher und Laufschuhe meine Herrschaft, öhm, Frauschaft ohne zu motzen respektieren. Vielleicht mucken sie ab und zu auf, verstecken sich zuweilen (Bücher), lassen Regen ein (Schuhe) oder quietschen ein wenig (Bett, Schuhe auch hin und wieder), doch meistens sind sie nett zu mir. Und ich auch zu ihnen.

Apropos nett und verwandt und Besitz … Wie ich heute Morgen mit dem Rad zur Post fahre, um das Geschäftspostfach zu erleichtern, radle ich an einer Frau vorbei, die ihr Baby wie ein Känguru im Beutel vor dem Bauch trägt. Eben als ich sie überhole, küsst sie ihr Kind auf die Stirn. Ertappt schaut sie mich an. Wir lächeln uns zu. Ein Anblick, der mich berührt. Diese Zärtlichkeit, dieser Hauch … Küssen tun wir nur, wenn wir in Beziehung stehen. Küssen, die Lippen schürzen, den geliebten Menschen mit unserem Mund berühren. Archaische Handlung, denke ich, wie ich weiterradle. Archaisch, sich und den anderen Menschen auf diese Weise zu nähren und sich ihm so zu nähern … mit einer Berührung, die dem Füttern ähnlich ist. Sich küssende Menschen sehe ich später noch mehr, am Bahnhof. Freundschaftsküsse. Abschiedsküsse. Dreimal auf die Wange. Auf den Mund. Mit oder ohne Zunge. Berührung von Haut auf Haut.

Wie gesagt: Weise, wer zu andern in Beziehung steht. Und wunderbar, wenn wir jemanden haben, den wir küssen mögen …

(Jaaa, endlich habe ich mal wieder einen Schlusssatz gefunden …)