Kurz vor neun Uhr betrete ich das Schulhaus, das jetzt meins ist (mein Arbeitsplatz zumindest, mein neuer) und fĂŒhle mich wohl. Vertraut. Auf die Art, die nicht klemmt und leiert.
Das LĂ€cheln jener Raumpflegerin, der ich mich am ersten Einarbeitungstag mit Vornamen vorgestellt habe, umfĂ€ngt und empfĂ€ngt mich warm. Ihr eher kantiges, abgehĂ€rmtes Gesicht, wird weich und leuchtet, als sie mich sieht. Ihr LĂ€cheln erreicht nicht nur ihre Mundwinkel, es erreicht auch meine Zehenspitzen. Auch die andern vom Schulhaus-Putzteam, das die Schulferien fĂŒr einen Grundputz nutzt, grĂŒĂen mich lĂ€chelnd. Zwei jobbende SchĂŒlerinnen, der junge Schulhausabwart, ein zweiter Angestellter und zwei Raumpflegerinnen kann ich ausmachen. Sie hören laut Musik. Mir egal, denn ich kann einfach die TĂŒre zumachen und habe Ruhe.
Wie eine Königin setze ich mich auf meinen bequemen BĂŒrostuhl und starte den Rechner.
Ich wundere mich, wie leicht mir das frĂŒhe Aufstehen in dieser neuen Lebensphase fĂ€llt. Nun ja, halb acht ist human.
Ich wundere mich, dass ich so fit bin. Und gut schlafen kann. Und keine Panikattacken mehr habe.
Ich wundere mich, wie wohl ich mich fĂŒhle, so wohl wie bei meiner letzten Arbeitsstelle weder am Anfang, noch mittendrin noch am Schluss, und ich bin einfach nur froh, dass ich dort gekĂŒndigt habe. Kein Vergleich dazu wie gut es mir jetzt geht.
Ich öffne das Mailprogramm und stelle fest, dass ich mich erst mal wieder an Outlook gewöhnen muss, ich Opensourcerin ich. Alles auf dem Rechner, auĂer das Betriebssystem, ist auf dem Mist meiner VorgĂ€ngerin gewachsen. Es ist, als wĂŒrde ich in ihren, als wĂŒrde ich in einen fremden Kopf hineingucken. Die Dateienstruktur ist zwar im GroĂen und Ganzen nachvollziehbar, aber die Ablage wenig konsequent und lĂ€ngst nicht so logisch wie die Idee, die ich dahinter ahne. Die Herausforderung an mich besteht nun darin, dass ich parallel die einzelnen ArbeitsablĂ€ufe meiner neuen Aufgaben kennenlernen sollte, aber, bevor ich mich an die verqueren von ihr gelegten Spuren allzu sehr gewöhne, neue Strukturen einfĂŒhre. Nicht altes ĂŒbernehmen, sondern erneuern, ist unser erklĂ€rtes Ziel. Vom Scheff und von mir.
Zumal ich â sagen wir es offen â ein wirklich exorbitantes Chaos erben durfte (siehe auch hier). Die Entflechtung zweier Sekretariate â welche meine VorgĂ€ngerin hĂ€tte bewerkstelligen sollen, um meiner Kollegin und mir die Einarbeitung möchlichst leicht zu machen â findet erst jetzt statt. In den Schubladen, in den SchrĂ€nken und auf der Festplatte ist noch alles beim Alten. Alles, was ich in die Hand nehme, um mir einen besseren Ăberblick zu verschaffen und Dinge zu finden, zieht einen Rattenschwanz von vorher zu lösenden Aufgaben nach sich. Wie im MĂ€rchen muss ich drei RĂ€tsel lösen und so fange ich einfach mal irgendwo an. Ich reinige auch den Raum energetisch, mache ihn bereit fĂŒr mich und fĂŒr eine neue Zeit.
FĂŒr eine zweistĂŒndige Sitzung fahre ich um zehn Uhr ins Nachbardorf, wo unsere Musikschule ebenfalls Unterricht anbietet. Und wo der Scheff sein BĂŒro hat. Wir besprechen die wichtigsten ToDos von heute und morgen und spĂ€ter holen wir auf der Gemeinde meinen neuen BĂŒroschlĂŒssel fĂŒr das Schulhaus hier. Bei dieser Gelegenheit lerne ich gleich ein paar neue Ansprechpersonen kennen. Alle total nett.
SpĂ€ter kommt noch ein Kommissionsmitglied, der meine Ansprechperson in Bezug auf die Webseite der Schule sein wird. Ich frage ihn nach dem verwendeten Web-Programm und er sagt, dass die Seite zurzeit auf WordPress umgebaut werde. Ich bekomme groĂe Augen.
Das kenne ich, sage ich, das unterrichte ich sogar. Nun bekommt er groĂe Augen.
Was fĂŒr ein GlĂŒck, sagt er, dann brauchst du ja kaum EinfĂŒhrung.
Noch so ein Zufall ist, dass meine private und meine neue geschĂ€ftliche Telefonnummer bis auf die drei Ziffern mittendrin, die fĂŒr den Ort stehen, identisch sind. Das hatte ich wirklich noch nie.
Ich fahre ins BĂŒro zurĂŒck, esse mein Picknick und rĂ€ume weiter auf. Schritt fĂŒr Schritt.
Auf meiner Mausmatte steht, dass wir dem Zufall vieles verdanken. Ob es wirklich ZufĂ€lle gibt? Mich dĂŒnkt fast, als hĂ€tte ich diese neue Arbeitsstelle selbst erfunden. Oder mir erzaubert? Oder erschrieben?
Wer weiĂ, vielleicht bin ich ja nur eine Romanfigur. Und nun endlich im richtigen Buch gelandet? In einem mit lĂ€chelnden Raumpflegerinnen und glĂŒcklichen Menschen.
Das liest sich alles freundlich. Und freut mich fĂŒr dich. Gute WĂŒnsche, dass es so bleibt oder noch besser wird. đ
Ja, das hoffe ich auch. Ich freue mich vor allem ĂŒber das Vorschussvertrauen und die WertschĂ€tzung. Danke herzlich!
Schöner letzter Satz unter einem spannenden Beitrag. Viel Kraf beim Entchaotisieren, weiterhin viel Freude und das es das richtige Buch bleibt. LG Xeniana
Oh, vielen Dank, das hoffe ich.
đ
ich freue mich so irrsinnig doll fĂŒr dich! Und nein. es gibt keine ZufĂ€lle. das richtige buch, ja.
wie wunderbar!
alles hat seine Zeit. fĂŒr dich wird sie nun gut und heil. auf jedenfall heiler!
dein LĂ€cheln strahlt von deiner umwelt zurĂŒck. đ ich freue mich so fĂŒr dich! aber das sagte ich wohl schon đ
ps:
ich habe heute sehrsehrsehr an dich gedacht. die geschichte erzÀhle ich dir aber erst spÀter!
lieb grĂŒĂe ich von vorm kamin
Das ist ja mal ein Cliffhanger *gespanntbin* … und dankbar auch dir fĂŒrs Mitfreuen! đ
toll, dass du dich bei deiner neuen „Arbeit“ so wohl fĂŒhlst ! WĂŒnsche dir von Herzen, dass das so bleibt und du jeden Tag mit einem guten GefĂŒhl beginnen kannst !
Das wĂ€r echt mal was. Ein Leben als GlĂŒcksmarie. Danke dir herzlichst!
Oh, ich gönn Dir das alles, wĂŒnsche Dir die ErfĂŒllung, daĂ Du dort nicht nur einen Beruf, sondern vielleicht (D)eine Berufung fĂŒr einige (lange) Zeit gefunden haben mögest.
Oh, das ist mal ein Wunsch. Danke dir sehr herzlich, das wÀr toll!
Tönt ja super!
Anfang gut – vieles gut.
Wir wĂŒnschen dir fĂŒr den weiteren Job-Verlauf nur das Beste.
Danke – ich hoffe es. Ich hatte ja meist kuhle Stellen, auĂer die letzte. Nun – ich bin zuversichtlich! đđ
Hallo SoSo,
aus alter Erfahrung kann ich nur sagen: eine gute Sekretaerin ist das herz der Schule.
Viel Glueck im Job,
Pit
Hihi, â€ïž iger Gedanke, Danke!
(Ob das auch fĂŒr Musikschulen gilt?)
Bestimmt!
„Wer weiĂ, vielleicht bin ich ja nur eine Romanfigur. Und nun endlich im richtigen Buch gelandet? In einem mit lĂ€chelnden Raumpflegerinnen und glĂŒcklichen Menschen.“ was fĂŒr ein feiner Gedanke am Ende dieses wunderbaren Textes und damit eben auch Zustandes! Ich erinnere mich nun doch schon an mehr als einen Neuanfang von dir und dieser hier klingt RICHTIG gut! Und warum ich jetzt mit Hildegard Knefs Stimme singe:“fĂŒr DICH soll`s rote Rosen regnen …“ das verstehst du, gell?! đ
liebgrĂŒss zur nĂ€chtlichen Stunde
Ulli
Danke.
Ja, ich hatte schon viele NeuanfĂ€nge – und meist hat der erste Eindruck dann auch gestimmt. đ
Dankedir – auch fĂŒr die Rosen … đ
Ich freu mich sehr fĂŒr Dich! Angekommenheit. đ
Angekommenheit ist ein wunderbares Wort, das mein Herz grad ein paar Takte wonniglich hĂŒpfen lĂ€sst. Es ist so unglaublich friedlich hier. Ideal zum Ankommen. Noch eine Woche so, dann geht die Schule wieder los. Aber bis dann bin ich hoffentlich noch mehr gelandet.
Ich danke dir.
schön, wieder mal von dir zu lesen. ich war zeitweise abgetaucht. nun hoffe ich und wĂŒnsche es dir, dass der erste eindruck nicht nur bestĂ€tigt wird. die wege durch die compute đ sollen tĂ€glich leichter und klarer werden und das lĂ€cheln der menschen um dich herum immer breiter und wĂ€rmer.
Oh, und ich mich auch, von dir zu lesen. Abtauchen, hoffentlich um SchĂ€tze zu heben, tut ja oft gut. Ja, meine Compute … heute ist sie schon ein bisschen ĂŒbersichtlicher. En passant kĂ€mme ich sie und so … đ
Danke dir fĂŒrs LĂ€cheln, das du mir wĂŒnschst. Möge es sich fort- und fortpflanzen. Yeah!!
Oh wie schön đ Freue mich fĂŒr dich!! Das hört sich wirklich gut an und wĂŒnsche dir ganz viel Freude im neuen Job! Alles Liebe fĂŒr dich und ganz viel „GlĂŒcklichsein“!
GroĂes Dankeschön fĂŒr deine lieben Zeilen.
Ein bisschen ist es wie im
Labyrinth. đ Das wird schon … đ
Ach, ich freu mich so fĂŒr dich! Wenn selbst die Telefonnummern Zeichen geben, dann muss du ja auf dem richtigen Weg sein. Ich wĂŒnschs dir, diesmal klappts! đ
Danke dir herzlich! Das wÀre schön.
Heute habe ich wie Gretel ohne BrotkrĂŒmel gefĂŒhlt, aber das wird schon. đ
Seltsamerweise lese ich das erst jetzt, aber ich freue mich riesig ĂŒber die geballte Ladung positiver Energie, die in diesen Zeilen steckt. Dieser Job und Du, ihr scheint wie fĂŒreinander gemacht. Wunderbar!
Oh, ich danke dir herzlichst. Mag sein. Ich geh da jedenfalls gerne hin und das ist schon mal super. đđ
Hei, wie schön! đ Das ist ja richtig ansteckend und erinnert mich daran, dass ich noch viel mehr positive Energie an meine Mitmenschen verschleudern sollte. Ich glaube nĂ€mlich nicht an ZufĂ€lle sondern an Resonanz. Die Stelle hast du dir vielmehr verdient. Und wie!
Mich berĂŒhrt die Mitfreude meiner Leserinnen und Leser extremst. Die Idee, Lachen zu „verschleudern“, finde ich grad sehr bezaubernd, magisch geradezu und wunderbar. Ich danke dir herzlich fĂŒr diesen Input!