Brauchen wir für das, was wir ausdrücken wollen, Publikum, Rückmeldung, gar Applaus? Beim gestrigen Brunch mit B. tasteten wir uns Gedanken spinnend durch das Dickicht der Definition von Kunst. Ist Markensammeln Kunst? Ist (mein) Schreiben (in der freien Zeit) Kunst? Oder ist nur das Kunst, was ich öffentlich zeige.
Per Definition (Wikipedia) bezeichnet Kunst „im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist (Heilkunst, Kunst der freien Rede). Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“ (Zitat Ende).
Der Prozess. Ja, das ist mein Kunstverständnis. Genauso schreibe ich. Während des Schreibens, schreibe ich, weil mir der Schreibprozess Spass macht. Um des Schreibens willen. Banal gesagt, zu meiner eigenen Freude und Unterhaltung. Und Regeneration. Wie andere deshalb lesen oder stricken oder so. Ich vertiefe mich in eine Geschichte. Trete dabei neben mich und stelle mich gemeinsam mit „meinen“ Protagonisten und Heldinnen einem Thema, einem Problem, einer Herausforderung. Weil ich mit ihnen zusammen Lösungen finden will. Weil ich es spannend finde, den Gedanken beim Denken, Schreiben, Spinnen und Vernetzen zuzuschauen. Und nachher zu lesen, was da so in mir drin abgeht, finde ich immer wieder spannend.
Wenn dann dieses Gewebe hinterher bei anderen etwas bewirkt, andere unterhält, anderen Mut macht, andere zu was auch immer inspiriert – umso besser.
Über die Künstlerseele habe ich vor einem Jahr oder so mal einen Artikel geschrieben.
Liebe B., deine Stimme ist einfach wunderschön und „couleur 20“ hat mich total bezaubert. Ich bin froh, dass du singst. Dass du eine von vielen möglichen Ausdrucksformen gefunden hast. Und bestimmt noch andere finden wirst.
Hey, Z., deine Inputs gestern Abend, was die Innenansicht eines Musikerlebens betrifft, haben mich für mein Weiterschreiben total inspiriert. Danke!
S’het mega gfägt mit öi!
Ein wunderbarer Artikel über die Künstlerseele! Vermutlich ist jede/r ein Gestalter – mehr oder weniger. Ist Selbstausdruck Gottesausdruck? Ist kreativ sein beten? Tanz, Musik, Schreiben, Malen, Gestalten als Gebet? Dann wär Gott der Urgrund, die flüssige Lava, das heilige Feuer.
Hat Sehnsucht ein Ziel? Oder ist sie, ganz wahrgenommen, dieses innere Brennen für das Eine? In dem einen?
Manchmal hab ich etwas Angst vor der Sehnsucht.
Danke, liebe Rébecca, für diesen Input! In meinem Weltbild ist es auf alle Fälle so, dass ich, dass wir alle Ausdruck der gleichen Energie (nenn es Gott, ich nenne es zuweilen „Grosse Mutter“) sind. Alle eins. Alle letztlich aus der gleichen Quelle. Alles und alle.
Hm, ob Sehnsucht ein Ziel hat? Oder löst sie sich auf, wenn sie ihr Ziel mit uns erreicht hat? Vielleicht daher unsre latente Angst vor der eigenen Sehnsucht? Was bleibt, wenn wir dort „ankommen“ oder das erreichen, wohin und wonach wir uns gesehnt haben?
Lange dachte ich:
Der Weg ist das ZIEL
Später fühlte ich:
Der WEG ist das Ziel
Und heute ahne ich:
Der Weg IST das Ziel
Ist das der berühmte weglose Weg? Kein Unterschied von Start und Ziel? Dann hat vielleicht Sehnsucht kein Ziel ausser uns das göttliche Brennen spüren zu lassen. Egal wann, egal wo, egal wozu?
Und die Angst vor dem Brennen? Verbrennen?
die berühmte Paradoxie des Lebens?
oder: alles eine Frage des Blickwinkels?