Ohne Titel #1

Die Schreiblust kommt und geht. Ist mir Freundin, wie immer.
Die Lust, geschriebenes zu veröffentlichen, zu verbloggen, jedoch ist verblasst.
Noch ist da irgendwo eine Art Hoffnung, dass diese verblasste Lust verstanden werde.

Das Blog als Notizbuch zu verwenden, wie mir vorgeschlagen wurde, könnte eine Idee sein, das Blog nicht einäschern zu müssen.
Nur … wozu sollte ich veröffentlichen, was ich mir notiere?

Als Prozesstagebuch könnte ich es einsetzen, riet eine andere weise Stimme. Ja. Gute Idee.
Aber wozu sollte ich veröffentlichen, was in mir an Prozessen abläuft?

Schnitt. Schwenk ins Büro. Brotjob.

Ich mag es
versus
ich mag es nicht,
wenn andere mir dreinreden.

Ich mag es
versus
ich mag es nicht,
wenn Menschen (höchstens und ausnahmsweise Freundinnen und Freunde) mir ihre Gedanken zu meinen Prozessen geben, bevor ich den Prozess selbst gemacht habe.

Ehrlicher ist beide Male das zweite – wobei es Ausnahmen gibt, wenn die Gedanken von außen genau das Puzzleteil liefern, das ich suchte. Wie Lottospielen ist das Mitreden. Viele Nieten. [Replies from Hell nennen wir Twitternde solche Stimmen böse, wir twitternde KarikaturistInnen des Lebens.]

Im Büro wie im Leben gilt: ich will die Dinge selbst erfahren, wenn nötig erfinde ich auch gerne das Rad neu. Und wenn ich dabei das Kind mit dem Bade auskippen muss …

Klar bin ich kritikfähig. Natürlich. Oder ich tue wenigstens geschickt so als ob.

Die Übung − es war in irgendeinem der vielen Kurse und Weiterbildungen meines Lebens − ging so, dass wir im Kreis standen. Jeder mit seiner Vorderseite sehr nah (eigentlich viel zu nah für Menschen wie mich) an der Rückseite des Menschen vor ihm. Ein enger Kreis war das, ein sehr enger Kreis. Wir setzten uns einander auf den Schoss. Und ja, irgendwie fühlte sich das sogar ziemlich gut an.
versus
Früher habe ich mich immer aus Überzeugung und Glauben an meine Unwürdig- und Minderwertigkeit zuunterst und zuhinterst in der Hackordnung eingeordnet.

Diese Überzeugung habe ich verloren. Nicht aber die Sehnsucht danach, ohne zum Scheitern verurteilte Formatierungsversuche meiner Umwelt zu leben:

Wildheit formatieren

Sehnsucht ist nicht Wunsch.
Wunsch ist nicht Bedürfnis.

Ohne Bedürfnisse zu leben stelle ich mir ganz wunderbar vor.

Zettelwirtschaften und Gesetzebrechen

Die sich selbst auferlegten Gesetze – Dieser Satz steht auf einem Zettel, der schon eine ganze Weile auf meinem Schreibtisch vor sich hin döst. Warum ich ihn aufgeschrieben habe, weiß ich nur noch ganz vage.

Ich erinnere mich an die Aussage eines Kollegen. Er mache etwas ganz Bestimmtes immer genau gleich. Ausnahmslos. Und auch immer zur gleichen Zeit. Weil er dann sicher sei, dass es gut gehe. Denn es sei bisher immer gut gegangen.

Nicht das zu tuende Ding an sich ist hier wichtig, sondern die Idee, dass wir – wenn etwas einmal auf eine bestimmte Art geglückt ist – das nächste Mal wieder glücken wird, nämlich wenn wir die gleichen Vorzeichen einhalten, wenn wir der gelegten Spur folgen. Es lässt mich aufhorchen, denn noch immer bin ich dabei, meine Spuren zu überdenken, besonders jene, die schon so tief sind, dass ich mich kaum mehr daran erinnern kann, den Weg ein erstes Mal gegangen zu sein.

Sicherheitsdenken? Aberglaube? Bequemlichkeit? Zeitmangel? Erfahrung? Es ist – jedenfalls bei mir – von allem ein wenig, was mich dazu bringt, etwas, das gut läuft, weiterhin so zu tun wie bisher. Und doch … etwas in mir sagt mir, dass die Vorhersagbarkeit der Dinge dem Leben die Luft zu atmen nimmt. (Ob ich wohl deshalb kaum je nach Rezepten koche?)

Oder ist es gar eine Art innerer Zwang, der mich – ähnlich wie wir das bei Menschen mit Autismus beobachten können – dazu bringt, genaue Abläufe einzuhalten? Sofort blinkt das Wort Sicherheitsdenken ganz groß bei mir auf. Ach, aber was weiß ich denn schon wirklich? Wie können wir verstehen, wie andere Menschen wirklich ticken?

Da war heute Morgen dieser Dialog mit dem Liebsten. Über Unterschiede bei der Auswahl jener Themen, die uns bewegen, haben wir gesprochen und wie es kommt, dass einige Themen, über die ich schon als Kind nachgedacht habe, für ihn kaum relevant sind.

Das Bild vom guten alten Setzkasten, mit dem früher Bücher und Zeitungen gedruckt worden sind, tauchte auf. Die leeren Zeilenfächer, mit denen wir zur Welt kommen, werden im Laufe eines Lebens gefüllt. Beim einen so, bei der andern so. Einige bleiben leer, andere sind voll klitzekleiner Wörter und bei andern steht nur ein einziges Wort.

Kurz und gut: Wir alle schreiben eine eigene Geschichte. Mit den immer gleichen Buchstaben. Auch solche Sätze wie der mit den sich selbstauferlegten Gesetzen. Eins von meinen ist, dass ich einen Blogartikel erst hochlade, wenn er meinen Stilansprüchen genügt.

Heute breche ich mein Gesetz und lade einen Artikel hoch, der ganz einfach daherkommt. So wie er ist. Ungeschminkt. Vielleicht hat er sogar Mundgeruch. Ich lasse ihn jetzt einfach los.