nix – niente – rien

Bin heute Morgen mit Fieber erwacht. Nicht so hoch, dass ich an Schweinegrippe denken müsste, doch hoch genug, mir das Gefühl von Kranksein zu geben. Nein, so konnte ich nicht zur Arbeit gehen. Dabei sollte ich doch …

Nein, heute muss ich nicht. Es wird ohne mich gehen. Von meinen Kolleginnen bekam ich eben eine Gute-Besserung-SMS. Goldig.

Und ja … Ich muss heute gar nichts. Auch keine neuen Texte weben. In meiner Fadenkiste hat es genug … 🙂

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Nichts

Filmriss. Entschleunigen. Anhalten. Die Bremse arretieren. Die lineare Chronologie, durch die ich mich, ob ich an sie glaube oder nicht, tagtäglich bewege, unterbrechen. Kugelschreiber zur Seite legen. Durchatmen. Punkt. Schlusszeichen.

Sei willkommen, klitzekleines Nichts, Pause. Denn ich werde jetzt einfach NICHTS tun, hängen bleiben, wie die Welle, bevor sie bricht.

Nicht Zeit absitzen und mit dem Blick auf den Zeiger Stunden abhaken. Nicht warten. Nicht malen. Nicht lesen. Nicht schreiben. Nicht telefonieren. Nicht sprechen. Mich nicht austauschen. Keine Kontakte knüpfen und keine Löcher stopfen. Weder essen noch trinken. Weder kreieren noch tanzen. Nichts hinein und nichts hinaus lassen. Nichts entscheiden. Mich nicht ablenken lassen. Nicht werten und nicht planen. Keine Konzepte wälzen. Nicht denken, ja!, vor allem NICHT denken! Und auch nicht abwarten und Tee trinken. Weder mich konzentrieren noch meditieren. Und schon gar nicht der Regeneration nachrennen. Auch nicht nach vorne schauen und mich fragen, was ich nach dem Nichtstun tun werde.

Ich starre Löcher in die Decke, bis der Putz sich löst. Dann schließe ich die Augen. Will nur noch Seiende sein. Hier auf dem Sofa dösen. Und träumen. Schlafen, ich gebe es zu, ist eine ziemlich gute Form des Nichtstuns.

Der Schreibblock liegt neben mir. Und schreibend tue ich nun doch etwas. Kleide das Nichtstun in Worte, forme, gestalte gewichte es, gebe ihm womöglich sogar Sinn. Oder nehme ihn ihm weg.

Sinnloses sein und tun ist gar nicht so einfach. Ist untätig und ohne Beschäftigung zu sein, wirklich schon Nichtstun oder gar sinnlos?

Absichtslose Anwesenheit meiner mindestens sieben Sinne. So ganz ohne Beschäftigung sind sie jetzt. Ruhende. Fast pausenlos sind sie sonst auf Empfang, filtern und nehmen wahr. Sehen, hören, riechen, fühlen, verbinden. Sie bieten mir alles, was es zum Lieben braucht, jenem bedeutsamsten Ausdruck des Seins, dem ich nie entfliehen will.

Während sich meine Batterien aufladen, nichts tuend außer zu sein, weiß ich auf einmal, was ich nachher tun will. Denn jedes Nichtstun ist endlich. Solange ich Mensch bin zumindest. Es dauert höchstens so lange, bis ich pinkeln muss.

Was ich nach dem Nichtstun tun werde, fragt ich euch? Ich werde mir ein Bier holen!

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Diesen Text habe ich vor einem Jahr, anlässlich eines Kulturevents zum Thema Zeitverschwendung vorgelesen. Danke, dass ich, während du ihn gelesen hast, ein bisschen von deiner Zeit verschwenden durfte.

Ach ja, noch was … Heute bleibe ich bei Wasser und Tee.

Karlsborg – die Bilder

Meine drei Tage in Karlsborg habe ich sehr intensiv erlebt. Das Wetter hat mir zugesetzt, der Wind vor allem. Dazu meine Nicht-mehr-Flow-„Krise“ … Und doch: Dieser Ort war für mich irgendwie total magisch.

Bucht. Natur. See. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Auch war Hanna, die junge B&B-Wirtin, total goldig. Und die nahe Jugi, wo ich frühstückte, ebenfalls.

zu den Bildern: hier klicken …

karlsborg_forblog

Fällt mir grad was auf … Ich habe in Schweden das Alphabeth abgeklappert! Und erst noch in der „richtigen“ Reihenfolge … 😉

G wie Göteborg
J wie Jönköping
K wie Karlsborg
L wie Linköping

… und dann wieder von vorne …
Fortsetzung folgt!

vorläufig

So was aber auch! Das gäbe glatt ne Geschichte: J. teilte sein Krankenhauszimmer die letzten Tage mit einem Totengräber. Da sei ja bereits für alles vorgesorgt, meinte er. Na ja … seiner Moral und seinem Humor scheint das jedenfalls keinen Abbruch zu tun. Galgenhumor.

Ich selber hüte auch das Bett, resp. aktuell das Sofa, und fülle den Papierkorb mit vollgeschnupften Taschentüchern. Habe mich nach einem mühsamen Morgen im Büro, bei dem alles furchtbar anstrengend war, für den Rest des Tages verabschiedet. Bisschen Fieber habe ich und die Nase voll – wörtlich. Der Hals macht auch zu. Schweinegrippe? Nö. Eine banale Erkältung. Fühle mich einfach schlapp und es ist okay. Nichts müssen. Habe Siesta gemacht. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, tu ich halt tagsüber. Doch nun zelebriere ich meine Auszeit. Wenn schon, denn schon. Besser Kranksein genießen, als mich darüber zu nerven. Vor allem, wenn ich es dabei noch schaffe, die Tastatur zu bedienen. Und das Hirn.

Warum ich und warum jetzt? Warum nicht! Meine Lieblingsantwort übrigens. Geht für alles. Zumal sie auch Frage sein kann. Also ziemlich kompatibel ist. Wer sagt schon, dass Antworten zu haben einfacher ist, als mit ungelösten Fragen zu leben? Denn habe ich erst ein paar Antworten gebaut, fallen mir dazu eh nur tausende von neuen Fragen ein. Und Geschichten!

Zum Beispiel zu diesen hier …

  • Na, um sich selber zu schützen natürlich!
  • Keine Ahnung …
  • Zu faul, würde ich sagen.
  • War sie nicht immer schon ein bisschen so … so … eben so!
  • Weil er keine Zeit hatte!
  • Sie ist froh, ihn los zu sein.
  • Müsste ich das wissen?

alltagen

Irgendwie seltsam, dieser Film, in dem ich stecke …
Als wäre ich nicht weg gewesen? Nein, das nicht …
Auf die Leute hab ich mich gefreut. War schön, das Wiedersehen … wirklich. Während ich in der Pause das eine oder andere Erlebnis meiner Reise erzähle, tauche ich intensiv gleich nochmals in das Gefühl von damals ein. Anders. Aber doch sehr bewusst.

Die Arbeit: Schon bald hatte ich die Übersicht. Dennoch, mir fehlt die Begeisterung. Obwohl ich doch eine wirklich gute Arbeitsstelle mit allem Drumunddran habe, sehne ich mich, seit ich im Arbeitsleben bin, nach einer Arbeit, die mehr mit mir zu tun hat und wo ich mit Herzblut mein Innen und mein Außen miteinander verweben kann. Wie diese ideale Arbeit aussehen könnte, weiß ich allerdings nicht, denn ich habe schon alle möglichen und unmöglichen Jobs gehabt. Und eigentlich allesamt wirklich gute Jobs, muss ich zugeben. Und wenn ich ehrlich bin, mach ich das Zöix, das ich im Büro mache, ja gerne. Trotzdem … Hans Sophia im Schnäggeloch hat alles, was sie will … Doch was will sie überhaupt?

Ooops … eben habe ich erfahren, dass ein mir lieber Mensch ins Krankenhaus musste. Immerhin endlich eine Diagnose! Heilung in Sicht? Ich hoffe es! Gute Besserung, J., und viel Kraft wünsch ich dir!

Globetrott und Alltagstrott

Mir vorzustellen, morgen um diese Zeit im Büro zu sitzen, –  na ja – ist nicht wirklich das, woran ich jetzt denken mag.

Gestern um diese Zeit noch am Flughafen Göteborg. Stunden später zuhause. Geht mir alles bisschen zu schnell …

Kaum hatte ich Genfschen Boden betreten, platzten meine LangsamReisen&Flowen-Blase und mein Weltenbummlerin-Feeling in sich zusammen. Wieder ganz Schweizerin, verfiel ich in ein Tempo, das ich fast zwei Wochen nicht gespürt habe. Die vielen Leuten in der Gepäck-Halle überforderten mich. Ein Bienenhaus. Vor der Scheibe noch mehr Menschen, die winken und Tafeln mit Namen schwenken. Auf mich wartet niemand. Eine Sekunde Schmerz, doch dann sehe ich bereits meinen Backpack und lobe die schweizerische Zuverlässigkeit. Bravo, alter Junge, gut gemacht. Ich schultere das Teil und lasse den Flugplatz und den Rummel hinter mir. Zum Bahnhof ist es nicht weit und schon nach einer Viertelstunde sitze ich im Zug nach Bern. Die tolerante Weltenbürgerin, die ich gerne wäre, nervt sich über den Lärm im Zug.

Na ja. Ich habe die letzten Nächte nicht gut geschlafen. Bin aufgekratzt. Die Seele noch unterwegs. Im Zug erste SMS, die mein Handy bimmeln lassen. Freund K. möchte einen Rat von mir. Freundin L. heisst mich herzlich willkommen und will bald mal telefonieren, austauschen … Nachbar F. hat die reifen Tomaten auf meinem Balkon genossen. Und gegossen. Alles paletti. Eigentlich. Doch im Kopf erstelle ich bereits wieder Listen, was ich alles tun muss. Erinnere mich an meine Agenda und die Pflichten dieser Woche. Schei… Hilfe … Ich will aussteigen. Nur schlafen … Tja, diese Rolle da, in die ich nun wieder schlüpfen muss/darf/soll werde, habe ich selbstgestrickt, ich weiß. Doch ist es mir nun, als müsste ich meine Flügel wieder einrollen. Einklappen, was da an Erkenntnis über mich und meine Möglichkeiten sichtbar geworden ist.

Es lässt sich kaum in Worte fassen, was ich – hinter all den äußeren Erlebnissen der letzten zehn Tage, die sich – wenn auch unzureichend – in Worte fassen lassen – erlebt, erkannt habe. Auch die Bilder, die ich heute Nacht noch auf die Festplatte geladen habe, sind unzureichend. Krücken allesamt. Erinnerungen. Annäherungen.

Leben ist nicht ideal. Doch dem Idealen und Schönen und Heilsamen möglichst nahe zu sein, ist eben ein großer Wunsch von mir. Auch im Alltag. Dagegen die Vorstellung von meinem vollen Schreibtisch tut fast weh … diesmal nicht vor Schönheit …

Ob es schon bald Bilder hier gibt? Kann sein … habe es ja versprochen … 🙂

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Chrüsimüsi zu und aus meinem Notizbuch

  • Können wir schreiben, ohne auf Wirkung bedacht zu sein? Und: Können wir leben, ohne gänzlich an Wirkung zu denken?
  • Ich ahne: Wäre ich länger geblieben, hätte ich mich mehr auf die Leute eingelassen. Das Bedürfnis nach Kontakten kam erst allmählich. Habe am letzten Abend im Dampfbad, mit einer Schwedin angeregt über Leben, Land und Leute diskutiert. War schön. Doch auch das Allein(sam)sein hat gut getan.
  • Während des Lesens meiner Notizen, auf dem Rückflug, notiert: Ich bin am Anfang von etwas Neuem immer sehr-sehr offen. Als sei da ein Filter mit riesigen Löchern, der all die Eindrücke aufnimmt und sie mir serviert. Bin offen für das, was geschieht – egal, ob neue Arbeitsstelle, neue Menschen, neue Erfahrungen … Nach und nach – denn dieses Offensein ist sehr anstrengend – dimme ich die Löcher des Filters herunter, ansonsten ich mich verlieren würde, mich auflösen im Neuen. Ich verliebe mich immer wieder neu ins Leben!, hat mal eine Freundin gesagt. Geht mir ähnlich. Ist aber anstrengend. Intensiv. Macht müde. Und doch: das bin ich. Auch. Und ich möchte nicht weniger lebendig leben, nicht weniger intensiv … So what?
  • Machen wir uns auf die Reise, um andere, um anders zu werden? Um andere Seiten in uns zu entdecken und zu leben? Ich mache mich auf die Reise um ganzer zu werden. Auch im Alltag. Auch der Alltag und das Arbeitsumfeld sind Reisen, herausfordernder sogar als jene, die wir freiwillig unternehmen.
  • Reisen ist ein Mini-Leben. Alles da: Abheben. Landen. Aussteigen. Einsteigen. Sich orientieren. Müde sein. Mutlos sein. Neue Kraft schöpfen. Weitergehen. Wind. Sonne. Regen. Schlafen. Essen … Verdauen und so …
  • Ich gehöre nicht mehr zu jenen, die glauben, die Aussicht auf der anderen Gangseite sei besser!

Göteborg oder den Kreis schliessen

Na, wie war es denn in Schweden? Ich höre sie schon fragen, meine Leute. Scheff und so.
Danke, gut. Es war wunderschön!, werde ich vermutlich sagen. Vielleicht. Wie ungenügend doch Wörter sind. Wie kann ich beschreiben, was Schweden, was diese Reise wirklich für mich war? Obwohl … nothing is real – ich weiß.

Warum Schweden? Warum diese Gegend? Warum nicht? Ich bin überall das gleiche kleine Pünktchen. Wollte mich in der riesigen Landschaft verlieren – und habe ich auch. Und mich wieder gefunden. Mich selbst und ein paar Dinge auseinandergenommen und neu zusammengerückt. Mich besser kennengelernt. Schöne Eindrücke und Erfahrungen gesammelt. Und Gegensätze. Gestern ganz besonders.

Um an einen der schönsten Plätze der Insel zu kommen, war mir gestern kein Weg zu weit. Durch Wiesen, Wälder und durch Wohn- und Industriegebiete wanderte ich an einen Platz, der sich tief in meine Erinnerungen graben wird. Zielstrebig, wie eine Orientierungsläuferin, mit Karte und ohne Kompass, fand ich ein kleines Paradies. Am Vänernsee. Felsiges Ufer. Einsinken in diese Energie von Sein. Nichts tun. Einer Eidechse gleich die Sonne genießen. Wärme. Den wolkenlosen Himmel. Das Rauschen des Sees. Den für einmal sanften Wind. So schön, dass es schon fast wehtut.

Picknicken, lesen, genießen. Bilder aufnehmen. Digitale. Innere. Als die Sonne hinter dem Wäldchen verschwindet, suche ich einen anderen Weg, um eine weitere sonnige Bucht weiter südöstlich zu finden. Doch der Wald lässt mich nicht eintreten. Ich respektiere es, gehe stattdessen dem Ufer entlang ins Städtchen zurück. Den kurzen, direkten Weg. Wie selten. Und ich weiß nun auch warum. Schön war er nicht. Nach der tief empfundenen Ästhetik von vorhin ein kaum zu übertreffender Gegensatz. Mein Weg führte mich vorbei an noch mehr Industrie. An der Kehrichtverbrennung. Lärm. Gestank. Hitze. Nirgends Schatten. Staub. Ich wähne mich in Südspanien irgendwo. Beim Uferdamm dann das Treffen mit dem Biber … Oder war es eine Ratte? Endlich verlasse ich diese Gegend und lasse mich in einem der vielen Parks auf den Rasen sinken. Ich brauche eine Weile um meine Mitte wiederzufinden. Ideal ist das Leben nicht, nein, das alles gehört dazu. Jaja, das weiß ich doch. Auch ich nutznieße doch die Kehrichtverbrennung. Na also!

Luisa Francia schreibt in einem ihrer vielen wunderbaren Bücher, die ich fast alle gelesen und in meinem Büchergestell stehen habe, dass wir nicht wirklich leben können, wenn wir den Weg durch die Müllhalden scheuen. Recht hat sie.

Ich liebe Schönes, darum genieße ich, hedonistisch wie ich zuweilen sein kann, die Sonne, setze mich am Kanal an die Sonne. Gehe joggen, später, und mache auf dem Rasen neben dem Hotel Yoga. Nein, nicht die Sieben Hengste. Dafür ein paar Sonnenuntergangsgrüsse. Tut gut.

In der Nacht geträumt von einem spirituellen Retreat. Ich, die ich seit Jahren nicht mehr solcherlei besucht habe. Mein Lehrer im Traum riet mir, nicht in einer Konsumhaltung zu leben und meine Übungen zu MACHEN, sondern die Übungen zu SEIN. So wird es gelingen.

Ooops. Gelingen, Erfolg – meine zwei Lieblingsreizwörter. Ambivalente Dinger alle beide. Doch recht hat er schon, der Traumguru. Nicht Yoga machen, Yoga sein! Nicht den Flow machen, im Flow sein. Nicht das Ich aufbauen, ICHen. (Nennt Irgendlink das. Sorry, Mann, ich bringe das Wort nicht mehr raus … hat sich in mir festgeklammert). Nicht reisen – Reise sein …

So bin ich heute Morgen – es hat nachts geregnet und ein paar Grad abgekühlt – in Linköping auf den Zug Richtung Göteborg. Bin nun wieder im Hotel Panorama, wo ich meine ersten zwei Nächte logiert habe. Da ich die letzten Tage günstig gelebt hatte, reicht das Geld, mir nochmals diesen Luxus hier zu gönnen. Sauna und Whirlpool … und tausenderlei Knäckebrot – ihr wisst schon …

Im Tram einem netten Schweden begegnet, der mir ein paar Sachen über Schwedens öffentlichen Verkehr beibrachte. Und mir zeigte, wo ich aussteigen muss. I will guard you! Wow, einen Bodyguard zu haben, wenn auch bloß für eine Viertelstunde, war toll irgendwie. Und sympa war er erst noch.

Nach einer ausgiebigen Siesta – und aus Sehnsucht nach Natur – suchte ich später den botanischen Garten auf. Ich nahm den Hintereingang beim Krankenhaus, wo mir eine nette Dame die Eintrittspforte zeigte.

Wow … Die perfekte Illusion! Mitten in der Stadt eine unglaublich große Fläche Wald und Park, Felsen und Berge … Pflanzen aus aller Welt und zeitweilig – ohne Witz – ein Feeling wie im Berner Oberland! Zwei Stunden oder eine halbe Ewigkeit später verließ ich die Pforte wieder und sah dort eine Suchmeldung für eine braun getigerte Katze hängen. War mir beim Eintreten nicht aufgefallen. Doch da ich die Katze inzwischen beim Restaurang persönlich kennen gelernt hatte, war ich ein bisschen verunsichert. Sollte ich etwas unternehmen? Wenn ja, was? Die nette Dame, die mir den Eingang gezeigt hatte, saß noch immer mit ihrer Freundin auf der gleichen Bank und fragte, wie es mir gefallen habe. Ich dankte ihr begeistert und nutzte die Gelegenheit, ihr von der Katze zu erzählen. Sie kannte die Geschichte und versprach, meine Info weiterzuleiten. Hach, wie schön, damit kann ich diese Story loslassen. Und in die Sauna gehen.

Morgen der Rückflug. Ich freue mich auf meine Höhle. Obwohl ich das Hiersein aktuell total genieße.

Am Sonntag will ich ein paar Bilder einstellen. See you soon?!

Lidköping oder nothing is real

Gerne würde ich jetzt hier ein Bild posten, dass es in Pixels so gar nicht gibt. Hübsche junge Frau. Gut gebaut, würde mann sagen. Ziemlich 25 also. 😉 Schwarzes T-Shirt. Silberner Textbalken quer über die Brüste. Nothing is real. Da muss frau sogar hingucken. Kaum zu glauben. Seither laufen mir die Beatles nach. Strawberry fields forever?

Ich weiß es nicht genau. Ist ja auch egal, da ja eh nix real ist.

Here I am. Lidköping ist grösser als Karlsborg. Ist mondäner. Hat mehr Touris. Und einen Singleroom hatte es in der Jugi keinen einzigen mehr. So bekam ich – allerdings nur für eine Nacht – das letzte Zweibettzimmer – für mich ganz allein. Echt verwöhnt, diese Frau. Nothing is real. Außer meinem Bedürfnis nach Ruhe und gut schlafen. Und meiner Privatsphäre. Ha! Werd ich nun auch noch sozialphobisch? Oder ist das bloß jenes Bedürfnis nach Alleinsamkeit? Ich bin ja – außer da und dort smallzutalken – immer allein. Weshalb also soll ich nachts meinen Raum mit Kreti & Pleti zu teilen … nun ja …

Ansonsten habe ich, wie ich erleichtert feststellen konnte, meine alte, verloren geglaubte Unkompliziertheit zurückgefunden.  So ziemlich jedenfalls. Na ja. Die Lidköpinger Jugi ist dennoch ein Fall für sich. Überaltert das Haus. Die Gäste ebenso. Beim Frühstück unter den Augen alter Damen Müesli löffeln – na ja – macht nicht wirklich Spaß. Irgendwie war ich deshalb froh, dass die keinen Platz mehr hatten. Außer in Vierbettzimmern.  So wechselte ich ins Hotel Ciel. Und da ist es wirklich ziemlich himmlisch. Habe doch glatt eine Stunde geschlafen, nachdem ich mich heute morgen dort eingescheckt habe. Winzig das Zimmer, doch ruhig. Eigenes Bad. Verwöhnte Frau aber auch.

Gestern herrliches Wetter. Die Reise im Bus war auch sehr schön. Lidköping ist ein angenehmer Ort, wie gesagt, überschaubar. Schöne Plätze und Gebäude. Einkaufsmöglichkeiten auf internationalem Niveau. Zwei Tage werde ich noch hier sein, am Freitag dann nach Göteborg zurück gehen. Am Samstag der Rückflug. Zwei Tage … Hier in der Nähe locken Naturreservate. Eine Kunsthalle hat es auch. Ein Velo könnte ich mieten. Viele Möglichkeiten also, meine Zeit totzuschlagen zu verbringen. Vielleicht werde ich einfach ein bisschen rum-ICH-en. Ich will den Rest meiner Ferien ohne Ambition verbringen, ohne Absicht, möglichst viel noch sehen zu müssen. Einfach sein.

Inzwischen gleicht sich alles irgendwie. Alles scheint austauschbar zu sein. Die Menschen ebenso wie die Gebäude, Straßen, Geschäfte, die Natur sogar. Irgendwie geht es mir trotzdem gut. Habe den Flow wiedergefunden. Und wenn ich mich einklinke in dieses Nothing-is-real-Feeling kann ich mir von außen zuschauen und über mich selber lachen.

Wirklich wahr: Nothing is real – nichts ist real, das Nichts ist real. Die Illusion auch. „Wahrheit kann der Wahrheit nicht widersprechen!”, las ich gestern im  historischen Roman Im Schatten des Granatapfelbaums (Granada, 15. Jahrhundert).

What else? Wirklich wahr! Ehrlich!

Fredy, Büne, Oku und all die anderen

Was wäre ich bloß ohne meine Musik! Zum Glück kann mein mp3-Shuffler meine Gedanken und Gefühle lesen. Wir kennen uns inzwischen ja auch schon ein paar Jährchen … *lach* Er weiß, was ich brauche und hüllt mich in melancholische oder feelbetter-Melodien ein. Was immer ich brauche. Von berndeutsch über pfälzisch bis englisch … und wenn dann Fredy vom beautiful day singt, will ich es ihm einfach irgendwie glauben.

Wie war das doch gleich? Ich bin ganz bei mir … und so. Na ja. Gestern war gestern. Ich kämpfe mal wieder gegen Windmühlen. Oder bin wohl selber zur Windmühle geworden. Der Wind hier, ehrlich der macht mich fertig, saugt mir – bünedeutsch gesprochen – das Rückenmark aus (Novämber). Es ist nicht wirklich kalt, und regnen tut es trotz der Prognosen auch nicht, doch der Wind … Na ja. Morgen wird es angeblich wieder besser. Ja, ja, die phösen Umstände mal wieder … Na ja, denen mag ich nun doch nicht die Schuld in die Schuhe schieben, dass ich so schräg drauf bin. Meine gestrige Velotour musste ich zwar wegen Wind und Wetter abkürzen und war dafür später noch joggen, und die Ausstellung in Forsvik habe ich deshalb auf heute vertagt, doch es sind wohl letztlich nicht die Umstände, die mich aus meinem wunderbaren Flow geschubst haben. Ich habe ja (fast) immer die Wahl. Siehe gestern.

Letztlich hat mein mentaler Absturz wohl einfach damit zu tun, dass ich reisemüde bin. Ich will heim *snieff*. Gerne würde ich meine letzten Ferientage mit dem einen oder anderen Lieblingsmenschen verbringen. Das Alleinsein, so gerne ich es ja mag und so gut ich mit mir selber alleine klarkomme, ist eben auch anstrengend. Sogar nach Zecken muss ich mich alleine absuchen!

Ich bin ständig unterwegs, sammle Bilder, innere und digitale, nehme auf, lege ab. Sammle Erfahrungen. Sammle Erinnerungen. Sammle, sammle, sammle … Und wozu? Leben kann ich doch immer nur jetzt. Die schönsten Erinnerungen und Erfahrungen sind niemals so wirklich wie das Leben. Meist sind sie eh nachträglich schöner, geschönt. Oder dann gucken wir uns einfach bloß die Lieblingssausschnitte an. Wie beim Fotografieren. Ich wähle den Ausschnitt, der mir gefällt. Ist das eigentlich wirklich das, was ich will? Nein, ansonsten neige ich (hoffentlich) nicht zur Selbstverar…ung …

Der Flow, den ich gestern beschrieben habe, ist ja auch so was … nein, keine Selbstihrwisstschonwas, aber doch ein sehr zerbrechliches Teil, das wir – je nach Blickwinkel – erleben oder eben nicht. Ein Geschenk, wenn es da ist. Wenn es sein kann. Wenn ich es zulassen kann. Doch machen kann ich es nicht. Wenn alle meine Schichten miteinander verschmelzen, will heißen mein Innendrin – samt all meiner Gefühle, die ich selber kaum verstehen kann und die heute nur von einer hauchdünnen und zerbrechlichen Schale geschützt sind – und mein Außen eins sind, mein Denken, Funktionen, Analysieren, Entscheidungen fällen. Wenn diese beiden und ein paar andere Faktoren perfekt zusammenspielen, ist alles ganz einfach. Der perfekte Brotteig. Die perfekte Mischung. Alltagserleuchtung. Dieses Mit-mir-ganz-verbunden-sein, dieser Flow, denn ich im 6 und in der Meditation erlebe, beim Joggen, Gehen, Velo fahren oder wenn ich Musik höre, ist das, was ich für den Alltag anstrebe. Pah! Anstreben kann ich es – wie gesagt – nicht! Ich weiß, dass es sich mir entzieht, je mehr ich es will. Wie so vieles. Kennt ihr alle bestimmt auch.

Gefühle … Sie sind nicht kompatibel. Selbst innerhalb meines eigenen Gefühlsuniversums ist Traurigkeit nicht das Gleiche wie Traurigkeit. Von schön traurig bis destruktiv traurig gibt es da die ganze Palette. Mein jetziges Traurig ist selbstmitleidig, lebensmüde, süss-melancholisches und auch irgendwie trotzig-mutig-frech. Es sagt: Ich darf diese Stimmung haben. Und auch: es ist meine Wahl. Basta!

Außerdem habe ich seit dem Frühstück nix gegessen außer ein paar Knäcke, weil die Retaurangs in Forsvik bereits Sommerende demonstrieren. Und dass ich deshalb um fast fünf Uhr ein bisschen grantig bin, hat wohl auch damit zu tun. Na ja, ich bin heute wohl schon so aufgestanden, wenn ich ehrlich bin … Doch jetzt höre ich auf mit Jammern. Und, ja, alles in allem war die Ausstellung wirklich sehenswert. Nachdem ich endlich den richtigen Eingang gefunden hatte, jedenfalls. Und auch die beiden Buschauffeure waren herzig. Ich muss heute ja echt hilfsbedürftig aussehen …

Jetzt setz ich mich in ein gemütliches Restaurang oder Café und entscheide mich dafür, den Rest des Tages und und der Reise zu nehmen, wie es ist. Und Karlsborg auch. Mit Wind. Mit dicken Wolken. Morgen fahre ich weiter nach Lidköping. Ich hoffe, dass ich genau JETZT die Talsohle durchschritten habe und es jetzt mit mir und meiner Stimmung wieder obsi geht.

Winkewinke … und bis zum nächsten Mal!