sammeln …

Irgendwann hat mir eine Freundin eine kleine Geschichte dazu erzählt … Genaueres weiss ich nicht mehr … Um Glückserlebnisse ging es. Dass wir sie sammeln können. Wie Edelsteine. Als Vorrat für karge Zeiten … Seelenfutter …

Heute gesammelt:

  • Komplimente meines Scheffs für das Einrichten der Infrastruktur (siehe gestern). („Was würde ich bloss ohne dich machen!“)
  • Komplimente der Mitarbeitenden für die Organisation der Schulung (siehe  auch gestern) allgemein und williges Mithelfen beim Aufräumen! („Du hast ja schliesslich die ganze Arbeit mit Einrichten gehabt!“) > Wertschätzung!
  • Freude über die Gipfeli und Brötli, die ich geholt habe. 😉
  • Komplimente einer Arbeitskollegin für das von mir in den letzten Tagen erarbeitete Gender-Factsheet! („Wow!“)
  • Das Angebot einer Arbeitskollegin, dass sie morgen früh für mich die Post und Gipfeli holt, weil ich ja Sitzung habe. Einfach bloss deshalb, damit ich nicht noch früher im Büro sein muss! Einfach so!
  • Die Zusage eines Kollegen, sehr gerne meine Pflanzen vor dem Verdursten zu retten, während ich im August Schweden heimsuchen werde …

Ein paar schlichte, wohltuende Edelsteine für meine Hosentasche. Und doch so viel nährender als all die negativen Gedanken der letzten Tage.

unmöglich

Unmöglich, ich werde es wohl nie schaffen, mit Rauchen aufzuhören!, sagte ich. Glaubte ich. Noch vor ein paar Monaten. Auch war ich nicht wirklich motiviert. Doch dann, ganz allmählich, schlich sich dieses „Bäh“-Gefühl an, wann immer ich rauchte. Ähnlich der Gehirnwäsche, die irgendwann dazu beigetragen hat, dass ich damals und immer wieder mit Rauchen angefangen hatte („es schmeckt mir eben!“), erlebte ich die Gehirnwäsche in die andere Richtung. Bäh. Nein, militante Nichtraucherin bin ich nicht. Will ich nicht werden. Zu gut weiss ich noch, wie entspannend so ein Glimmstängel sein kann. Und ob ich es auf die Länge ohne Zigis schaffe, weiss ich nicht. Vielleicht fange ich ja zum Beispiel mit 80 wieder an?

Doch unmöglich sind noch ganz andere Dinge. Unmöglich für die Nerven zum Beispiel. Eine Vorhangschiene nervte mich, seit ich hier eingezogen bin, jeden Morgen und jeden Abend. Da, wo die zwei Schienen meines breiten Wohnzimmerfensters zusammentreffen, hängt die eine Schiene ein klitzekleines Bisschen, nicht mal einen Millimeter, tiefer herunter als die andere und behindert durch dieses minime Vorstehen die Vorhanggleiter, wenn ich die Vorhänge zu- oder aufziehe. Was ich schon alles versucht habe! Die Schiene mit Maler-Abdeckband hoch zu kleben, hat bis jetzt am besten funktioniert. Nur dass das Band mit der Zeit erlahmt. Und ich von neuem basteln muss. Bis neulich.
Nach vier Jahren Ärger entdeckte ich endlich, dass die Gleiter nicht tagtäglich an der vorstehenden Schiene hängengeblieben sind, sondern … Nein, es ist zu peinlich, zumal ich ja ansonsten keine zwei linken Hände habe.
Also gut … ich erzähl es ja … Na ja, da war diese klitzekleine lockere Schraube. Und diese musste ich eben bloss ganz fest zudrehen. That’s it! Jetzt hängt die Schiene nicht mehr runter, die Schraube blockiert die Gleiter nicht mehr und ich … ich ärgere mich nicht mehr und denke an Joggeli, der zum Birnenschütteln geschickt wurde. Wie einfach doch gewisse, scheinbar unmögliche Probleme zu lösen sind.

Unmöglich!, sagte ich in einer Diskussion über Bewegung, ich nicht! Ich bin nicht der Typ Mensch, der zusätzlich Sport braucht. Ich bewege mich im Alltag genug. Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit. Ich spaziere viel, schwimme, wandere. Das reicht mir! Als ich vor bald drei Monaten aufgehört habe zu rauchen, begann die Lust nach Bewegung zu wachsen. Und heute? Heute werde ich kribbelig, wenn ich zwei Tage nicht joggen gegangen bin. Waaas? Ich?

Unmöglich! Unmöglich???

Ich glaube wieder an Möglichkeiten. Ein kleines Credo.

Pätschwörkzöix

Früh (!!!) morgens auf dem Weg zum Bahnhof hat mein mp3-Player lauter Liebeslieder ausgespuckt. Hoppla.

Alles ist möglich, dachte ich. Jeder Tag besteht aus unzähligen Möglichkeiten. Jeden Morgen bin ich eine leere, weisse Seite. Doch der Rahmen des heutigen war vorgegeben: Tagung zum Thema „Empowerment“ in Zürich. Den Rahmen jedoch, oder die Stimmung darin, kann ich selber füllen. Kann mich öffnen oder verschliessen. Leben heisst in Beziehung treten. Heisst ziehen – aneinander. An mir. Schleifen, reiben, formen, Ab- und Eindrücke hinterlassen. Und sammeln.

Bilder sammeln zum Beispiel. Schreiben ist wie fotografieren. Nur authentischer. Oder weniger? Denn „Schreiben hinkt der Empfindung immer hintennach, kommt immer zu spät“, wie Rébecca gestern kommentiert hat. Wie sich das Hintennachhinken auf die Authentizität auswirkt, ist wohl von Fall zu Fall verschieden.

Nach der Tagung im Volkshaus gabs Apéro im Kanzlei (Park).  Bier. Wein. Geplapper. Habe mich – nach einer halben Stunde Small- & Mediumtalk – aus dem Staub gemacht. Im Tram zum Bahnhof fotograschriebt. Menschen sehen, hören, riechen. Lärm. Farben. Sprachen. Hitze. Schweiss. Noch mehr Lärm. (Kann mir jemand verraten, warum wir so viel Lärm machen? Ist das so ähnlich wie das Pinkeln der Hunde??? Und, ähm, bin ich auch so laut??????)

Dann Ruhe. Endlich. Raum. Ein Viererabteil für mich. Für zehn Sekunden. Eine schwangere Frau setzt sich zu mir hin. Sympathisch. Gut. Bitte sonst niemand mehr. Jaaa. Sehr gut. Im Abteil nebenan eine französisch sprechende Frau, blind, mit Sohnemann (ca. 5). Ein Schwarzer setzt sich zu ihnen. Angeregte Gespräche. Diskrete Lautstärke. Ob die blinde Frau genauso unbefangen mit dem Mann sprechen würde, wüsste sie seine Hautfarbe? Und ich?

Den Goldesel oder nicht zu viel Zeit?

Wocheneinkauf. Habe im Quartier-Bioladen D. getroffen. Als ich mit M. zusammen war, war D. bereits eine Weile mit M. zusammen, die im gleichen Haus wie M. wohnt. Die beiden M. wohnen übrigens noch immer in Hausgemeinschaft, aber D. ist nach der Trennung von M. in mein Nachbarquartier gezogen, wo ich schon damals wohnte. Gesehen haben wir uns allerdings schon lange nicht mehr.

Ich freute mich über das unerwartete Wiederzusehen, waren wir doch etwa zwei Jahre lang Wochenend-Nachbarn gewesen. Zwischen Biogemüse und frischem Käse tauschten wir angeregt über unsere aktuellen Lebensumstände aus. Auch über die Jobs. Natürlich. Seine 75%-Stelle werde demnächst auf 70% reduziert. Er wolle sich einen Zusatz-Job suchen.
Warum denn das?, fragte ich. Wegen dem Stutz kann es kaum sein, überlegte ich.
Mir wird die viele Zeit zu lang, gab er zu. Zuvor war er Teil einer Patchwork-Familie gewesen. Und so was ähnliches wie Hauswart. Heute offensichtlich noch immer Single. Logisch, dass da plötzlich viel mehr Zeit zur Verfügung steht, als er es lange Jahre gewohnt war. Ich bekannte, dass ich trotz meiner lächerlichen 60 Stellenprozent tendenziell immer den Eindruck von zu wenig freier Zeit hätte. Oder zu viel zu tun. Zu viele Ideen.

Es gibt zweierlei Menschen, begriff ich auf dem Heimweg. Jene, die leben um zu arbeiten und jene, die arbeiten gehen, um leben zu können. Womit wir uns vermutlich Gedanken zur Definition der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit machen sollten. Doch das überlasse ich gerne euch. Ich jedenfalls gehöre eindeutig zu zweiter Gruppe. Obwohl ich ja in der Freizeit nicht nur abhänge, sondern lebe*, will heissen vielseitig, selbstgewählt und kreativ arbeite. Meine Schreibjobs und so. (Gehöre ich also doch zur ersten Gruppe?)

Tja. So lebe, schreibe, träume, bin ich. Träumen tu ich bisweilen noch immer vom Goldesel. Er hat den Weg zu mir noch immer nicht gefunden.

Haaallooo, Eselchen, hier bin ich! Guck! Hier –  in Bern! (Jaaa, ich liebe meinen Job trotzdem!)

Da kommt mir eine meiner „Voller EinSatz**“-Geschichten in den Sinn, aus denen ich vor einem Dreivierteljahr am Kultur-Event „Zeitverschwendung“ in der Berner Altstadt vorgelesen habe.

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Eselei

Bevor sie einkaufen geht, umrundet sie das Haus, betritt den Pferdestall und nähert sich der Box von Hejoka, ihrem Esel, der, wann immer sie ihm eine Karotte oder einen Apfel hinstreckt, zuerst kurz mit den Ohren zuckt und gleich darauf mit einem lauten Furz eine Ladung Geldstücke scheisst, welche sie sorgsam und mit Gummihandschuhen aufhebt, im Salatsieb abspült, abtrocknet und in ihre Geldbörse steckt, um damit neue Karotten und Äpfel für Hejoka zu kaufen.

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* > ich schreibe, also bin ich …, also lebe ich! 😉
** =  einen Satz lange Kürzestgeschichte

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Die Kunst des Bloglesens

Ihr lieben alle … Ich freue mich sehr über die persönlichen Mails, die ich in letzter Zeit erhalten habe. Voller Komplimente für mein Blog. *erröt* Doch ich stelle fest, dass die meisten von Euch kaum Erfahrung mit Blogs haben. Und deshalb eine gewisse „Berührungsangst“. Macht gar nix. Hatte ich ja auch, als ich anfing, das eine oder andere Blog zu lesen. Das Wort kommt übrigens von Weblogbuch. Ihr lest also ein gewobenes Tagebuch. Oder so ähnlich.

Es ist durchaus erlaubt, die Artikel zu kommentieren. Es freut mich sogar. Natürlich muss das üüüberhaupt nicht sein. Nein, wirklich nicht. Trotzdem sag ich euch hier kurz, wie es geht: Unter dem Artikel steht jeweils „leave a comment“. Oder die Anzahl der Kommentare, die schon geschrieben wurden. Da drauf klicken. Die ersten beiden Felder, die erscheinen, bitte ausfüllen. Am besten mit Nickname (neudeutsch für „Spitzname“), um eure Anonymität zu wahren. Es darf aber auch der richtige Name sein. Dann die Mailadresse. Und zuletzt eure Website. Wer will. Nach dem Schreiben des Textes auf „Kommentar senden“ klicken. Tut überhaupt nicht weh! Ehrlich …

Das Blog könnt ihr übrigens abonnieren. Wenn ihr im Adressfeld Eures Browsers auf das kleine RSS-Icon – ein kleines orange farbenes Viereck mit weissen Bogen drin – klickt, werdet ihr gefragt, ob Ihr ein dynamisches Lesezeichen hinzufügen wollt. Das bestätigt ihr natürlich, denn das wollt ihr ja … oderrr? So könnt ihr, wenn ihr den Browser geöffnet habt, nur kurz das Icon auf der Menüliste antippen und dann seht ihr bereits, ob Sofasophia frisch gepresst hat.

Alles klar? Bis bald in diesem Theater!

Im Taxi um die Welt

20. Juni 2009 = Internationaler Flüchtlingstag. DAS Event, wenn du in einem Hilfswerk arbeitest! 🙂 Endlich …

Dass Murphy, der Pannenspezialist, ein naher Cousin 😉 meiner Arbeitskollegin K. ist, mit der ich mich für die erste Schicht am Stand (Einrichten und Standbetreuung) eingeschrieben hatte, wusste ich noch nicht, als ich gestern Vormittag A.s Anruf erhalten hatte. Er hatte sich für eine relativ lange Betreuungsschicht eingetragen hatte und war am Freitag verunfallt. Zwar Bagatelle, doch nicht arbeitsfähig. Puh, der Arme. Doch trotz der Verletzungen hatte er als Ersatz einen anderen Arbeitskollegen gesucht und gefunden, der seine Schicht eine Stunde früher anzutreten versprochen hatte. So weit so gut. Zwar Panne (Nr. 1!) – doch gut gelöst!

Mein Auto, das als Transportfahrzeug für das Standmaterial dienen sollte, hatte am Freitagabend bereits gezickt. Die Lady – nein, fragt bitte weder sie noch mich, wie alt sie ist! – kommt wohl langsam ins Alter, wo nichts mehr selbstverständlich ist! Oder die Gute ist sich neuerdings zu gut für Transporte? Bereits am Freitagabend, als ich mit R. nach M. gefahren bin, um mit anderen zu singen und trommeln, hatte sich mein Sternchen (offiziell Toyota Starlet) erst nach zwei oder drei Anläufen bequemt, ihr Motörchen schnurrend zu starten.

Gestern Morgen nun, als ich mit ihr zum Büro fahren wollte, führten wir ein kurzes, aber ernsthaftes Gespräch. Und siehe da: Sie startete gutmütig. Vor dem Büro fand ich zwar eine Parklücke, allerdings zwanzig Meter entfernt, so dass wir die schweren Kisten ein Stück würden tragen müssen. Nach ein paar Minuten wurde eine Lücke direkt vor meinem Bürofenster frei und ich beschloss, während K. die Sachen durchs Fenster hievte, näher zu fahren. Doch Sternchen war anderer Meinung. Tat keinen Mucks. Ein paar weitere Versuche. Kein Mucks. War (bloss) die Batterie leer und wenn ja, wie hatte das passieren können?

Wir beschlossen schliesslich, ein Taxi zu rufen. War auch nicht viel teurer, als einen Tag im Parkhaus. Der nette Chauffeur half uns sogar beim Ein- und Ausladen. Auch  Panne Nr. 2 gut gelöst!!! Anschliessend schickten wir Murphy in den Himmel. Er hielt sich für den Rest des Tages fern. Zusammen mit den Regenwolken – bestimmt waren sie zusammen unterwegs. Hauptsache sie liessen Bern in Ruhe. Perfektes Marktwetter auf dem Bundesplatz. Nicht schön oder heiss genug, um wegzufahren, doch nicht schlimm genug, um zu Hause zu bleiben.

Bereits als wir den Stand aufstellten, kamen die ersten Kinder und wollten wissen, wie das Geschicklichkeitsspiel, das ich mit einen Kollegen ausgetüftelt hatte, funktionierte. Von da an, war das Spiel praktisch pausenlos in Betrieb.

FlueFest3

Die Standbetreuung war total kurzweilig. Buntes Treiben allerorten. Gerüche. Farben. Menschen von überall. Eine kleine heile Welt auf dem Bundesplatz. So friedlich. So farbig. So vielseitig. So lebendig. Und so menschlich. Natürlich wurde auch mal gezankt, wenn eines der Kinder sich nicht gedulden konnten, bis es endlich an die Reihe kam. Wie freute ich mich, mit dem kleinen kraushaarigen Knirps, als er es das erste Mal alleine geschafft hatte, seine Kugel ins Ziel zu führen. Als Sofort-Preise und Giveaways verteilten wir handförmige Kekse – gebacken und einzelverpackt in einem „unserer“ Programme – um den Leuten gleichsam die Hand zu reichen. Hand in Hand gelingt Integration stand auf der Rückseite. Sogar diese Kleber waren mein Werk. Die anderen machten mir haufenweise Komplimente für die gute Vorbereitung und Organisation. (Puh, wenn ich in etwas untalentiert bin, dann darin, solche Ermutigungen einfach annehmen und geniessen zu können.)

Fluefest1

Fluefest2

Meine zweite Schicht begann um zwanzig Uhr. Noch immer waren Himmel und Feststimmung heiter. Und die Musik auf der Bühne gefiel mir je länger je besser. Kurzweilig war es. Wir hatten haufenweise gute Gespräche mit interessierten Standbesuchenden, unterhielten uns mit den Kindern oder beantworteten Fragen zu den kunsthandwerklichen Produkten, die wir verkauften. Die Zeit verging wie im Flug. Abgeräumt war schnell und meine letzte Schichtkollegin war, was ich vorgängig nicht gewusst hatte, mit dem Auto da. Wie praktisch! So mussten wir kein weiteres Taxi ordern.

FlueFest4

Wie müde ich war, als ich endlich wieder in meine Welt zurückkehrte und meine Wohnung betrat! Doch schön war sie gewesen, meine kleine Reise um die ganze Welt. Ach, wie froh ich bin, kein Flüchtling zu sein!, dachte ich, als ich mein Feiernachtbier auf dem Sofa genoss. Wie wunderbar, dass ich ein Zuhause habe. Und ein Auto (das zwar zurzeit nicht fährt.) Und einen Pannenservice. Und eine Arbeitskollegin mit einem Cousin namens Murphy, der auf den Regenwolken in die Ferien reist.

Und den Sommer begrüsst. Und den längsten Tag …

Am Anfang war die Baustelle …

Selbst wenn niemand mitlesen würde, wäre mein Blog ein Ansporn für mich, jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben. Hinzuschauen. Etwas rauszupicken, das meinen Tag zu diesem ganz besonderen Tag gemacht hat, der sich von allen anderen durch seine Einmaligkeit unterscheidet.

Neue Dinge sind bei mir immer mit dem Zauber des Neuen verbunden. Natürlich. Schon Hesse wusste das. Neues kreieren, obwohl es alles schon gibt, liebe ich.

Mein neues Blog ist wie eine neue Wohnung. Da ich schon über zwanzig Mal – bei zwanzig habe ich mit Zählen aufgehört – umgezogen bin, weiss ich, wovon ich spreche. 🙂

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die Baustelle … Kisten stehen herum. Stehen im Weg, werden dreimal umplatziert, bevor ich Zeit habe, sie auszupacken. Ein Bild wird aufgehängt. Abgehängt. Umgehängt. Das Sofa mal da, mal dort hingeschoben. Was ist praktischer? Wie sieht es wohnlicher aus?

So ähnlich richte ich mich in diesem Blog ein. WordPress hat ja sooo viele Angebote fürs Layout – und jedes hat Vor- und Nachteile … ähm, hatten wir das nicht schon mal?

Erchlüpfed auso ned, wenn ich meinem Blog von Zeit zu Zeit ein neues Kleid anziehe. Ich mag Abwechslung … Ich häute mich heute … und  morgen … und immer wieder …

Alles eine Frage der Definition …

Mein heutiger Zauberspruch:
Ich liebe meinen Job. (… denn wenn ich ihn liebe, geht alles lockerer …)

Sein grosser Vorteil: Er ist unglaublich abwechslungsreich.
Sein grosser Nachteil: Er ist … ja, genau, er ist unglaublich abwechslungsreich.

Meine heutige To do-Liste, wuchs mit jeder erledigten Pendenz:

  • Ich habe mit meinem Scheff über die Probleme mit einem Mitarbeiter diskutiert, über Loyalität und Solidarität in einer Arbeitsgemeinschaft. Über allfällige Lösungen. Mich dabei an der Klarheit meines Scheffs gefreut. Und an seiner Haltung mir gegenüber.
  • Anschliessend habe ich mitentschieden, dass wir mit dem auf Januar 2010 projektierten Büro-Umzug zuwarten.
  • Ich habe zwischen den vorvorletzten Vorbereitungen für den Flüchtlingstag am Samstag, für dessen Stand unseres Hilfswerks ich verantwortlich bin, die Buchhaltung eines neustrukturierten Programmteiles übernommen. Und da mal erst ziemlich aufräumen müssen. Gestaunt darüber, wie chaotisch Buchhaltung gemacht werden und dass sie trotzdem aufgehen kann.
  • Dann bereits das nächste Event in Angriff genommen. Mit P., einem Mitarbeiter, die mantschigen Hirne geschüttelt … Ob ich mich so langsam zur internen Eventmanagerin entwickle? Na ja.
  • Schliesslich kam noch ein IT-Auftrag herein, ein kleines Update an allen sieben PC unserer Gemeinschaft zu veranlassen – im Auftrag der Zentrale.
  • Dass ich daneben noch zig Mails geschrieben, kiloweise Post verarbeitet, tausend Telefonanrufe entgegen genommen und ein paar Feuerchen gelöscht habe, ist nicht weiter erwähnenswert. Das ist eben mein achsoabwechslungsreicher Job … *grmpf*

Was ich sagen will? Manchmal staune ich, wie unglaublich viel und auf wie unglaublich vielen Schienen wir funktionieren … können.

Wie lange? Diese Dauerlast ist ja so was von unnatürlich. Und doch … Es ist jene Form, in die wir hineingewachsen, oder wohl besser, auf die wir nach und nach zurechtgestutzt worden sind. Wie bin ich deshalb froh, dass wir in unserer Bürogemeinschaft noch immer Menschen geblieben sind. Dass Witzeln und persönlicher Austausch Platz hat. Dass wir Menschen noch Menschen sein können.

Ein Satz von P. klang lange nach: „… vielleicht bist du zu nett?“ Nicht das erste Mal gehört. Dabei gedacht: Was, wenn es keine netten Menschen mehr gäbe? Was wenn dem Wort ’nett‘ dieser süffisante Unterton wieder abhanden käme? Ich finde es in der Tag bedauerlich – oder sogar besorgniserregend! –, dass nett und gut zu sein heute diesen Touch von negativ und naiv an sich haben.

Alles eine Frage der Definition? Wo fängt Nettigkeit, Güte, Moral an? Wer definiert sie? Words hauseigene Auswahl der Synonyme von Moral lautet so: Disziplin, Sitte, Verantwortungsbewusstsein, Sittlichkeit, Verantwortlichkeitsgefühl, Ethik, Ethos, anständiges Verhalten.

Na toll, ist ja alles gar nicht so negativ, wie uns das Wort „Moral“ suggerieren will! Finde ich. Der Vorwurf des erwähnten Mitarbeiters war, dass ich moralische Untertöne drauf hätte, wenn ich ihn auf das eine oder andere (Versäumnis) aufmerksam machte. Wenn ich ihn, wie neulich zum Beispiel, daran erinnerte, dass er – aus Solidarität! – für einen Ausfall in einer bestimmten Angelegenheit, wo wir mit seinem Einsatz fest gerechnet hatten, einen Vertreter oder eine Vertreterin suchen solle. Was für mich selbstverständlich ist, ist es eben für andere nicht. Womit wir wieder bei der Frage der Definition wären.

Tja, diese Fallmaschen im perfekten Ablauf, die ich neulich beschrieb! Die Fallmaschen, die das Leben lebendig machen. Die uns von Maschinen unterscheidet. Obwohl auch die so ihre Fallmaschen haben.

Wenn es tagt …

Ich fahre lieber rückwärts, hatte ich am Morgen gesagt und meiner Arbeitskollegin und meinem Boss erklärt, dass es mir lieber ist, den verschwindenden Bildern nachzuhängen, als von den ständig neuen Eindrücken, die auftauchen, aufgewühlt zu werden. Mein Scheff fand, das passe zu mir. Wie auch immer er das gemeint hat …

Später wünsche ich mir meine Oropax herbei, jene pinkfarbenen Teilchen, die auf meinem Nachttisch schlafen. Was für ein Lärm! Mittagspause. Und kein Vegi-Menü. Als ich „Menü ohne Tier“ ordere, wird mir „nur Gemüse“ gebracht.
Oropax … auch mit ihnen würde ich eben nicht viel verpassen. Wir smalltalken. Eine Disziplin, die ich schlecht beherrsche. Ich lache da mit, lächle dort ein wenig, runzle die Stirn und äussere mich adäquat zum aktuellen Thema. Bemühe mich,  nicht zu zeigen, wie unsicher ich mich fühle.  Nett sind sie, die Leute, allesamt, keine Frage … nur … Ich fühle mich, hm, wie?, allein in der Masse. Na ja. Tagungen waren noch nie mein Ding. Viele Menschen auf einem Haufen – das ist doch einfach nicht natürlich.
Naturtrüb der Süssmost auf dem Tisch, naturtrüb ich. Und doch grüsse ich dort, lächle hier, da drüben winke ich zurück, hier verspreche ich, morgen den gewünschten Anhang zu schicken.

Der letzte Vortrag, jener des Direktors, steigt als fette Wolke unter die Decke. Hunderfünfzig müde Körper hängen in den Seilen, ähm, Stühlen. Dick die Luft. SMS werden geschrieben, Augen gerieben, hinter meiner Stirn klopft es verdächtig, da und dort huschen Blicke mit nach oben verdrehten Augen hin und her, andere tuscheln und mein Scheff, ich seh es genau!, schielt auf die Uhr. Mit halbem Ohr schnappe ich die elfte These auf. „Wir, als Hilfswerk …“, höre ich … wir, als Hilfswerkmitarbeitende, denke ich, wir sind auch bloss Menschen. Müde Menschen.

Später, im Zug, noch mehr davon. ‚Blick am Abend‘ auf jedem zweiten Kniepaar. Rascheln. Reissverschlüsse. Noch mehr Smalltalk. Smalltext. Mein Kopf dröhnt. Ich werfe, Chemieseidank, eine schnell wirkende Tablette ein. Der Schreiber flitzt über die Seiten. Die Gedanken tanzen und die ersten Gewitterregentropfen malen skurrile Muster auf die Scheiben.

Ich fahre rückwärts und lasse die Bilder ausfransen.

Die Natur der Dinge

Sonn(en)tag, 24. Mai 2009

Nichts ist inspirierender, als durch die Natur zu gehen. Die Geräuschkulisse lässt meine Gedanken drunter und drüber purzeln. Geschichten werden gezeugt und Probleme gelöst … das Leben scheint einfach und ich unverwundbar, stark und kreativ.

Seit Tagen grüble ich über den Schädling und den Nützling Mensch nach und frage mich …

  • Wo sind die Grenzen zwischen gesund und krank?
  • Wo sind die Grenzen zwischen gut und böse?
  • Wer definiert sie?
  • Wem nützt die Moral?
  • Wo sind die Grenzen zwischen schädlich und nützlich?
  • Wie verhalten wir uns, wenn jemand die von uns definierten Grenzen überschreitet?
  • Wie verhalten wir uns, wenn jemand nicht begreift, dass er uns geschadet hat?
  • Braucht es Gesetze und wenn ja, wozu? Und wenn ja, wer sagt dieses JA?

Doch die alles entscheidenden Fragen lauten:

  • Wie gehen wir mit Angst und Schmerz um?
  • Wo finden wir Trost? Will heissen: Was tun wir für unsere Psychohygiene?