Brot und Spiele

Wie ich da den Birkenhohlweg hochwandere, kann ich kaum mehr verstehen, dass ich mich zuweilen nur schwer vom Laptop loseisen kann. Doch wenn ich über den virtuellen Karten sitze und diese Abbildung der Welt da draußen betrachte, die verschiedene Kartenoptionen – Straßenkarten, Wanderkarten, Satellitenkarten – anklicke und versuche, mir vorzustellen, wie dieser Weg oder jener in Wirklichkeit aussieht und ob ich ihn bereits kenne oder bereits gelaufen bin, vergesse ich zuweilen, dass ich jetzt einfach aufstehen und loslaufen könnte.
Wie schön es in Wirklichkeit ist, das Leben, erfahre ich aber nur, wenn ich die virtuellen Sinne runter dimme und stattdessen die echten fünf Sinne öffne. Die Vögel locken mich weiter und weiter. Bereits wachsen erste Mohnblumen am Wegrand und ihre roten Köpfe lachen mir zu. Ich gehe unter Bäumen entlang und genieße jeden Schritt, der mich näher zu J. trägt. Fast fliege ich zuweilen. Dann wieder halte ich inne und mache ein Bild. Und da noch eins. Und noch eins.


Wieso nur, frage ich mich mitten in der Schönheit dieses Sonnentages, wieso nur sind wir immer so gierig auf das Hervorragende? Sei es im Facebook, wo ich zwar nicht dabei bin, worüber ich aber doch einiges mitbekommen habe, in der iPhoneArt-Community oder auch in der Blogosphäre: immer geht es darum, das vorherige zu toppen. Noch mehr! Noch besser! Wir füttern uns mit Statistiken und Kommentaren. Wir nähren unsern Selbstwert von diesen Zahlen und Worten, die im Grunde kaum etwas über die Qualität einer Begegnung aussagen.
Gebt ihnen Brot und Spiele!
Irgendwann bin ich da. Bei J.. Wie schön ankommen doch ist! Ebenso schön wie unterwegs sein.
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Bilder: iDogma-Art
Mit ProCamera fotografiert, mit Segmentix und anderen Apps weiterbearbeitet und via Laptop hochgeladen.
 

Leere inmitten

Panik auf dem Hühnerhof. Hahn und Hennen kreischen und gackern so laut, dass ich es sogar im Haus drin höre und hinüber renne. Gestern war es, um elf oder zwölf.
Minus ein Huhn. Das Federvieh flattert aufgeregt um ein Häufchen Federn herum, das am Boden liegt. Vermutlich ein Habicht, sagt J. und sucht den ganzen großen Hühnerhof nach weiteren Spuren ab. Er findet nichts auffälliges und die Hühner beruhigen sich allmählich.
Eine Stunde später fahren wir los. An eine Ausstellung nach Mainz. Und QQlka treffen, einen lieben Freund meines Liebsten. Auch J.s Eltern sind unterwegs. Das einsame Gehöft liegt verlassen.
Heute Morgen erfahren wir, dass drei Hühner und der Hahn fehlen. Der Fuchs war da, sagt J.s Vater.
Hätten wir doch bloß …!, sagt J. zerknirscht und auch ich fühle mich mitverantwortlich.
Hätten wir …? Was?
Schnitt.
Ein Satz klingt nach: Mut zur Leere in der Mitte des Bildes. Gehört letzten Montag an der Vernissage zu einer Ausstellung von A. B. über dessen Stil. Nicht das, was wir normalerweise tun. Üblicherweise füllen wir schleunigst die Leere. Verdrängen, was sich nicht fassen lässt.
Wie gut da ein Loch in der Mauer tut.
Schnitt.
Mut …

Bild: iDogma-Art
Mit ProCamera fotografiert, mit WordFoto weiterbearbeitet und via Laptop hochgeladen.

Juxtaposer

Zugegeben, der Titel sagt nicht wirklich viel über den Inhalt des nachfolgenden Artikels aus. Außer für Lesende, die ebenfalls mit Photobearbeitungsprogrammen für smarte Telefone sprich Minicomputer wie das iPhone hantieren wie ich. Doch die sind vielleicht eher selten? Gleich zu Beginn: Juxtaposer ist der Name einer Software, Neudeutsch eine Applikation, kurz App genannt. Eine App, die zaubern kann.
Am Anfang war das simple Bild. Hübsch und ganz und gar roh, ein Schnappschuss.

Ich öffne es bei Juxtaposer als Hintergrundbild. Als Vordergrundbild füge ich das Bild eines Sonnenblumensamenbeutels ein. Zusammen sieht das so aus:

Was soll denn das, fragst du dich zu recht! Tja, warte! Jetzt wird gezaubert! Mit einem Finger über das Display streichend, wird alles, was ich nicht will, wegradiert:

Und schon ist die Sonnenblume fast bereit, mitten im grünen Blättermeer zu schweben …

Auch das hier ist möglich, die wundersame Vermehrung des Vordergrundbildes:


Und es kommt noch besser: ich kann in einem neuen Prozess einen anderen Hintergrund wählen, in den ich meine Sonnenblume setzen kann:

In ein paar weiteren Bearbeitungsschritten helle ich das Bild auf, schneide es zurecht und rahme es ein … Ich könnte es auch in schwarzweiß konvertieren, Farbumkehrungen, Verfremdungen, weitere Zufügungen etc. vornehmen. Ich könnte … Hach! Da sind einfach so viele Möglichkeiten. Wie ich gestern schon geschrieben habe. Zu viele vielleicht.

Was machst du eigentlich in Deutschland?, schrieb M. gestern. Gute Frage …
Ja, was mache ich eigentlich? Was mache ich, wenn ich nicht grad blogge, Mails schreibe oder Mails lese. Oder Bücher schreibe oder lese. Oder den Garten wässere. Oder Unkraut jäte. Oder Bilder kreiere. Ja, was mache ich eigentlich und wie wichtig ist das Machen, das Ergebnis, das Produkt, das Tagesziel?
Vielleicht wäre besser gefragt: Was mache ich nicht, nicht mehr? Ich habe den Stress aus meinem Leben wegradiert, wie den Samenbeutel auf den obigen Bildern. Und das Zu-viel-Tun ebenfalls. Darunter kommt Natur zum Vorschein. Sonnenlicht, nicht zu wenig. Und Erde. Musik auch. Lieder in mir drin. Farben.
Und ja. Manchmal mache ich mir auch Sorgen. Die lassen sich selbst mit Juxtaposer nicht wegradieren. Ich mache mir Sorgen um die Erde, Sorgen um die Zukunft. Kleine und große Sorgen. Wie viel kann ich in der Welt, in meinem Leben mitgestalten? Wie viel geschieht ohne mein Dazutun? Fatalismus ein bisschen.
An der Vernissage heute, in H. bei Künstler A. B., dessen Bilder mich eins ums andere Mal von neuem unglaublich berühren, fiel der Satz, dass A. seinen Bildern den Zufall zugestehe*, obwohl er klar zu Beginn ein Konzept habe. So wird jedes Bild ein Farb- und Formereignis, eine Aktion, eine Bewegung.
Konzept und Zufall müssen sich nicht ausschließen, begreife ich einmal mehr. Und zaubern zu können ist auf jeden Fall hilfreich.
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* Zitat: „Nach wie vor offenbart sich das Schöpferische als hoch dynamischer und offener Malprozess, in dem Fantasie, Experimentierfreude, Kalkül und Zufall als gleichberechtigte Verbündete interagieren.“
Quelle: homburg.de

Anch


Heute schenke ich euch einfach dieses Bild. All die Notizen auf dem iPhone und auf Papier müssen warten.
Das Bildoriginal?

Bilder: iDogma-Art
Das erste mit ProCamera fotografiert. Das zweite unter Verwendung von ProCamera, Tiny Planets, PS Express, Pro HDR Library, Dynamic Light, Diptic und Pic Grunger kreiert.

Im Kreis

Es war einmal ein Spiegel, wie es ihn überall auf der Welt gibt. Einer, der dabei hilft, Zusammenstöße zu vermeiden. Weil er dabei so gut aussah und bescheiden und still vor sich hin glänzte, habe ich ihn letztes Jahr irgendwo in Skandinavien abgelichtet. Konserviert auf meinem iPhone hat er viele Wochen und Monate auf seine wahre Bestimmung gewartet.
Hier ist sie …
Mittels Übereinanderlegungen, Spiegelungen, Vergrößerungen und Verkleinerungen von Details schuf ich eine Verfremdung, die kaum mehr an das realle Bild erinnert. Dabei ist ein neues, anderes Bild entstanden, gewachsen.
Manchmal verliere ich mich geradezu im Verfremden und meditativen Weiterundweiterbearbeiten von Bildern. Es ist die Faszination des Neulandes. Was werde ich entdecken? So lege ich Schicht um Schicht frei und gehe tiefer ins Bild hinein. Ich erkenne und entdecke Neues im bekannten Bild, indem ich es drehe und wende und in sich selbst spiegle. Auch ein Weg sich selbst zu entdecken. Was bietet sich zum Sichselbstspiegeln schon besser an als ein Spiegel?

20110509-111543.jpg
iDogma-Art
Unter Verwendung von ProCamera, Juxtaposer und Diptic

unerwartet

In der iPhoneArt-Community, wo wir – mein Liebster als iRgendlink und ich als iSophien – seit bald zwei Monaten mit dabei sind, ist heute Wettbewerb-Abgabetermin. Thema uncharted.
Beide haben wir zehn Bilder eingereicht. So weit, so gut. Warum aber ausgerechnet mein Lieblingsbild, zumal es bis vorgestern das einzige war, das ich eingereicht hatte, im Promotion-Film gezeigt wird, weiß der Kuckuck. Und dazu gleich als Erstes, bei 00:12-00:14 könnt ihr es sehen. Freuen tuts mich natürlich 🙂

Guckt hier:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=SV9TMcKxf5A&feature=youtube_gdata_player]
Ach, noch was: Mit jedem Mal, wo eins unserer Bilder angeklickt wird, kann es womöglich ein bisschen nach oben rutschen … Ab morgen beginnt das Voting für die Mitglieder. Pro Tag eine Stimme. Für wen ich vote ich schon mal klar!
Hier findet ihr alle Bilder des Wettbewerbs: http://www.iphoneart.com/groups/115?tab=popular

Kein Titel ist auch ein Titel

Oder soll ich ihn „Mein Wassergeist“ nennen, diesen Artikel, wegen des Bildes?

Ach, wie gerne würde ich jetzt den Film besprechen, den J. und ich gestern Abend geguckt haben … 21 Gramm. Doch dazu bin ich zu müde und überlasse dies darum Wiki …
Da meint frau, dass sie endlich mehr Zeit zum kreativen Schaffen und Artikel schreiben hat, aber nein, immer ist was los! Sei es auch nur einkaufen, im Hühnerstall Futter und Eier ausbalancieren oder die fällige Autoreparatur einfädeln. Dies und das. Kochen auch. Putzen. Alltag. Dazu der Countdown zu einem iPhone-Bilderwettbewerb zum ach so passenden Thema „schnelllebig“. Der Artikelabgabetermin, der naht. Meine Jurymitarbeit im iPhoneart-Bereich. Nein, ich jammere nicht, doch alles hat eben seine Zeit.
Und jetzt ist Zeit zum Schlafen …
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Bild: iDogma (bis auf den Upload. Denn diesen habe ich über den heimischen Rechner gemacht) –
Das Bild habe ich mit diesen Apps hier gebaut: Hipstamatic, Juxtaposer, PS Express, ProCamera, Diptic, Halftone und Pic Grunger.