Die Zeit und wie unfassbar sie im Grunde ist

Nun ja, bis Irgendlink angefangen hat, welche zu kreieren, habe ich mir nie viel aus Kalendern gemacht. Mit Beginn der digitalen Zeitverplanung hatte ich aufgehört, analoge Zeitmesser mit mir herumzutragen.

Der neue Moorlander-Kalener 2021 und der Zweibrücken gerollt-Kalender 2021 nebeneinander auf schwarzem Hintergrund.
Der neue Moorlander-Kalener 2021 und der ’Zweibrücken gerollt’-Kalender 2021

Wozu auch. Ist ja alles im Handy. Stimmt. Aber. Warum eigentlich nicht mit kunstvollen Kalenderbildern das neue Jahr verschönern?! Gerade jetzt. Damit es hoffentlich ein besseres werden möge als das aktuelle.

Irgendlinks Kalender dienen nicht in erster Linie der Zeitverplanung und der Zeitmessung, sondern erinnern daran, dass die Welt, je nachdem worauf wir unsere Blicke richten, weit mehr als das ist, was wir zu sehen glauben. Seine Bilder verführen zu einem zweiten Blick, einem Hin-Blick. Seine Bilder erzählen Geschichten. Seine Bilder entführen uns in andere Denkwelten und verändern unsere Sehgewohnheiten.

»Er ist der fleißigste Zweibrücker Bildende Künstler in diesem Jahr: Jürgen Rinck (54). Nun hat er einen Kalender für 2021 mit Zweibrücker Motiven herausgebracht. Die kunstvollen Fotos zeigen die Stadt so, wie man sie noch nicht kennt: total verdreht. Dabei passiert oft das, was man aus dem Fußball kennt: Das Runde kommt ins Eckige. Die Überraschung liegt in den Objekten. Über die kann man rätseln.« So schreibt Kulturredaktorin Andrea Dittgen für die Rheinpfalz über Irgendlinks ’Zweibrücken gerollt’-Kalender. Übertitelt hat sie ihren Text mit ’Er hat den Dreh raus’  und beschreibt dann auch, was sie damit meint:  »Dabei hilft dem Künstler eine App namens Tiny Planet (kleiner Planet), für die besonderen Farben, Strukturen und Randeffekte eine andere (Hipstamatic). […] So geht ein Foto durch vier, fünf Instanzen, bis es so verdreht ist, dass es die Betrachter schon mal in Raten bringt. […] Die Villa Schwinn kommt als dicker beiger Wurm mit spitzem Turm statt rundlichem Kopf daher. Ein Haus in der Kaiserstraße ähnelt einer Schnecke, das Hilgardhaus einen Seeigel-Effekt. Ganz bizarr  aufgefaltet ist ein Haus in der Fruchtmarktstraße. Farbkontraste sorgen immer wieder für Erstaunen.«

Neben dem neuen Moorlander-Kalender – inzwischen im vierten Jahr schon ein Klassiker – stehen diesmal für Kunstliebhaber:innen noch zwei weitere Kunstkalender zur Auswahl. »Zu/Closed« zeigt eine ausgefallene Sammlung mit Aufnahmen von zugemauerten Fenstern und Türen (Prädikat: genial schräg), während »Waldleiter« ausgewählte Hochsitze in der Landschaft zu einem originellen Wandschmuck vereint (Prädikat: genial waldluftig). Allen Bildern gemeinsam ist, dass sie mit Smartphone-Apps künstlerisch nachbearbeitet sind, Appspressionismen der feinsten Art.

Der neue Moorlander-Kalender zeigt diesmal vor allem Naturaufnahmen, sprich Spuren. Wie in den drei letzten Jahren wird zu jedem Monatsersten eine neue Geschichte im Erdversteck-Blog veröffentlicht, das vom eigenwilligen Kunstschaffen des fiktiven Schlammkünstlers Heiko Moorlanders erzählt, dessen Spuren sein (fiktiver) Chronist Irgendlink in seinen Bildern festgehalten hat. Zu finden sind diese Texte im Blog. Der QR-Code im Kalendarium macht das Finden leicht. Interessierten empfehle ich sehr herzlich einen Schlammspaziergang. Hier geht’s lang.

Und nein, ich verdiene nichts daran, wenn ich die Kunst des Liebsten bewerbe. Ich tu das aus Überzeugung und mit Begeisterung. Und weil ich es wichtig finde, Künstler:innen zu fördern und tolle Sachen zu kaufen und zu verschenken.


  • »Zweibrücken gerollt – Deux-Ponts roulés«, Kalender 2021, 13 Blätter, Ringbuchheftung, Din-A5, 7,50 Euro.
  • »Zu/Closed« (vermauerte Türen und Fenster), 13 Blätter, Din-A4, zwölf Euro
  • »Waldleiter« (Hochsitze in der Landschaft),
    13 Blätter, Din-A4, zwölf Euro
  • »Moorlander« (Schlammspuren auf Wegen und in der Natur), 13 Blätter, Din-A4, zwölf Euro
Der Screenshot zeigt die vier Kalender nebeneinander innerhalb des Shops. Die Titelbilder verraten passend etwas über den Inhalt der Kalender.
Screenshot vom Kalender-Shop

Alle Kalender sind hier erhältlich: shop.irgendlink.de


Das Rascheln hinter dem Vorhang

Seit ungefähr einem Monat nimmt das Kunstprojekt Bilder für die Ewigkeit Gestalt an und in acht Tagen fährt der Liebste bereits wieder los. Für zwei Wochen, während denen ich wieder als Homebase sein Kunstblog irgendlink.de redigiere.

Ewigkeit trifft Gegenwart könnte man das Projekt auch überschreiben. Ich zitiere aus der Pressemitteilung, die wir heute Morgen vollendet haben:

Nach fast dreijähriger Forschungsarbeit im Bereich Liveblogging und Direkt-Publishing, geht der Zweibrücker „Künstler in Bewegung“ ab 20. Juli 2013 ein neues Projekt an, das im Spannungsbogen „Ewigkeit trifft Gegenwart“ rangiert. Die Reise führt von Zweibrücken in der Pfalz entlang französischer Kanäle über Süddeutschland ins Weltkulturerbe Hallstatt in Oberösterreich. Unterwegs entstehen per Smartphone etwa 120 Bild-Text-Montagen, die für das Memory of Mankind-Projekt des Hallstätter Keramikers Martin Kunze fortlaufend auf Keramikfliesen gebrannt werden. Das Konzept des Österreichers besteht darin, für das Memory of Mankind das Wissen, die Kultur und auch das Alltägliche unserer Zeit in den Salzstöcken des Weltkulturerbes Hallstatt zu sammeln.

Pure, gelebte Gegenwart mit all ihren Haken und plötzlichen Wendungen, ihren Irrungen und impulsiven Selbstverständnis trifft auf Ewigkeit. Der Reisekünstler Irgendlink (Jürgen Rinck) und Martin Kunze vom Archiv-Projekt „Memory of Mankind“ haben sich zu einem interaktiven Experiment zusammengeschlossen, um diesen Prozess näher zu beleuchten. Die beiden Visionäre fanden sich, um gemeinsam sowohl philosophische, als auch kulturelle und wissenschaftliche Aspekte unseres Umgangs mit dem Lauf der Zeit auszuloten. Konzeptkünstler Rinck will den gelebten Moment möglichst zeitgleich und hautnah mit der Webgemeinde teilen und dokumentiert dazu seit 2010 all seine Reisen zeitnah in Bild und Text in seinem Blog.

Quelle: irgendlink.de > Pressemitteilung

Wir freuen uns über viele Mit-Zeitreisende und auf eine kostbare neue Erfahrung.

Wirbeltage

Ein bisschen wie Ebbe und Flut ist mir … als wäre ich ein Stein, ein Blatt, ein Ast, den das Wasser mal mit sich in den See zieht, mal ans Ufer spült. Ziellos treibe ich dahin, und doch nicht ziellos. Absichtslos. Und lustvoll auch … Seit einigen Tagen ist die Lust wieder da, aus Fotos Appspressionismen zu gestalten, zu appen. So absichtslos wie früher nicht. Nicht weil ich am Schluss ein Kunstwerk geschaffen haben will, nein, eher so, wie ich als Kind gemalt habe. Schauen, was passiert. Natürlich weiß ich, wie die einzelnen Apps funktionieren, natürlich weiß ich, was passiert, wenn ich so oder anders. Und nein, ich weiß es eigentlich trotzdem nicht. Oder ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn das und jenes passiert ist. Wie ich nicht weiß, was passiert, wenn ich dies und jenes im Alltag so und so entscheide. Hypothesen. Theorien. Nur wenn ich sie anwende, werden sie wirklich. Sichtbar.
Heute gedacht: Die Orientierung an Normen schadet uns, sie lässt uns zu Leistungsmaschinen werden. Auch Vergleichen ist schädlich, es macht uns zu AnpasserInnen. Bedingungslose umfassende Liebe lässt uns Menschen sein, die sich diesem Druck entziehen können. Das ist Kunst, wahre Lebenskunst.
Kunst und Liebe. Liebe und Kunst – Zwillingsschwestern.
Kunst darf verspielt sein. Kunst darf eine Botschaft haben. Kunst ist so unfassbar wie ihre Kunstschaffenden. Kunst entzieht sich jeder festgelegten Definition, sie überholt ihre Definition sozusagen ständig. Kunst ist längst nicht mehr monogam, die meisten Kunstschaffenden arbeiten interdisziplinär. Kunst ist. Kunst genügt sich selbt. Kunst widerspricht sich selbst.
Und ob das hier Kunst ist, ist mir egal.

You and me, November 2012 by Sofasophia

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vor der Geburt, November 2012, by Sofasophia

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Anläßlich meines Geburtstagsgratulationsanrufes heute Morgen bei Freund M., der dieser Tage zum ersten Mal im hohen Alter von 46 Jahren Papa wird, erfahre ich – während ich auf meinem iPhone intuitiv dieses Schneckenhaus male –, dass ihr Baby zu warten beschlossen hat und sich keinen Deut um längst vertagte Geburtstermine schert.

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Bilder: iDogma | Appspressionismus –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Sozusagen in eigener Sache …

oder: Im Namen der Kunst ? Ja, das klingt auch schön. Oder soll ich es besser Geburtsanzeige nennen? Vielleicht gar keine schlechte Idee. Nein, an Ideen mangels mir zurzeit fürwahr nicht. Sie wachsen geradezu aus dem Boden. Dem Regen sei’s gedankt … 🙂
Weil der Liebste sich als Webmaster mehrerer Websites von Kunstgruppen und anderem Klientel betätigt, die er personalisieren will – die Websites, nicht die Leute natürlich –, habe ich das Glück, als Versuchskaninchen zu amten.
Zu Testzwecken musste also seine eigene neue Website Appspressionismus.com hinhalten und personalisiert werden. Wem das zu technisch ist, der oder die nenne dies einfach verästelt oder verzweigt. Wie das genau geht, weiß ich nicht, nur dass er den ersten Ast mir geschenkt hat. Ich habe ihn sogleich ins Wasser gestellt und gucke ihm nun beim Wachsen zu.
Falls ihr zugucken wollt, wie er wächst, guckt einfach ab und zu vorbei. Ein Klick genügt und ihr könnt dabei zuschauen, wie Sofasophia die Welt appt.
Gut, Blogs gibts genug, das stimmt. Bilderblogs auch. Doch weil pixartix_dAS bilderblog zukünftig mehr eine öffentliche Galerie für liebe Gäste werden soll, freue ich mich darauf, im neuen Spielraum eine Art Bilderarchiv wachsen zu lassen. Ein bisschen Best Of soll es auch werden. Und nicht zuletzt auch ein Bilderladen. Whitewall, wo wir bis vor kurzem unsere Bilder zum Verkauf angeboten haben, gibt es so nicht mehr. Nur noch als klassisches Fotolabor.
Ich freue mich darüber, euch die Geburt des Blogs Sofasophia appt die Welt bekannt machen zu dürfen!

Noch immer ohne Netz

Als wäre ich heute Nacht in diesem großen Kinohaus gewesen, weißt du, jenes in Saarbrücken, wo es von unten bis oben einen Kinosaal neben dem anderen hat, sagte ich heute Morgen nach dem Erwachen zu Irgendlink. Als wäre ich die ganze Nacht von Raum zu Raum gegangen und hätte mir da und dort ein paar Filmsequenzen angeschaut. Bilder zogen vorüber, Dialoge … Und immer ging ich weiter und weiter.
Ja, ruhelos waren die Träume und dennoch fühle ich mich wohlig erholt und gut gelaunt. Wir haben wieder im “richtigen Bett” geschlafen, im irgendlinkschen, nicht im (schwieger)elterlichen Wohnwagen, in den wir während des Festivals ausgewichen waren, da Irgendlink seine Wohnung “untervermietet” hatte.
Ruhe auf dem Hof. Keine Gitarrenklänge mehr, die drei Tage wie ein Klangteppich alles untermalt hatten – Stimmen, Lachen, sphärische Musik, Geschirrgeschepper und auch das Schlagen der Axt auf den Spaltstock. Auf dass das Grillfeuer niemals ausgehe.
Ruhe in mir, trotz der Bilderflut, so dass sich all die vielen bunten Eindrücke auf dieser neu aufgeschlagenen leeren Buchseite in mir verteilen und sich eine Nische suchen können.
Schon wie wir gestern – nur noch eine kleine ungefähr zehnköpfige Gruppe – mit dem LandArtisten Hundefänger im den Wald spazieren, um seine Kunstwerke, die er aus herumliegendem Holz gebaut hat, zu betrachten, stelle ich verwundert fest, dass der dem Event vorausgegangene innere Stress auf einmal von mir abgefallen ist. Auf dem Rückweg mache ich mit vier anderen noch einen kleinen Schlenker zu einem LandArt-Kunstwerk vom letzten Jahr. Wir steigen in eine Schlucht hinunter, vier Stadtmenschen und ich. Zumindest zwei sind kaum je in der Natur und im Wald. Wie wir auf dem Rückweg darüber reden und ich ihnen dabei zuschaue, wie sie relativ mühsam auf den rutschigen Wegen in der Schlucht unterwegs sind, wird mir bewusst, dass sogar das eine Ressource ist: sich im Wald zurecht finden. Etwas für mich Selbstverständliches ist für andere überhaupt nicht selbstverständlich. Ja, gut, ich weiß, das ist nicht neu. Doch ich vergesse zuweilen, dass das, was ich kann, eben nicht einfach Allgemeingut ist. Wie oft bewundere ich andere dafür, dass sie dies und das können, sich dies und das trauen. Würde ich jedoch in ihre Haut schlüpfen, wüsste ich, dass das alles ganz einfach ihr Ding ist.
Eigentlich war das ganze 9. Mainzer Kunstzwergfestival wie ein bunter Teppich. Als Jan am Samstagabend seine Musik mit uns teilte, ich sass mit geschlossenen Augen im Raum, hatte ich den Eindruck, dass jeder Klang, den er mit seinen technischen Hilfsmitteln und Instrumenten erzeugte, eine Farbspur ist. Ein Farbtropfen, der ins Wasser fällt und sich mit den anderen Tropfen vermischt. Und er sei der Alchemist, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort den richtigen Hebel bewegte und so quasi die Töne, ihre Essenzen, miteinander vermischte. Die Töne flossen ineinander, legten sich umeinander und trugen mich mit sich fort.
Irgendwie ähnlich floss alles miteinander ineinander, was war. Auch all die vielen Gespräche. Am meisten Spuren haben wohl die politisch und philosophisch gefärbten Gespräche hinterlassen, die ich mit dem Performancer Dr. Treznok und seiner Assistentin Friederike geführt habe. Um die “postnatale Abtreibung behinderter Neugeborener” ging es dabei vor allem, denen ja angeblich nur ein Leben voller Leid bevorstehe, wenn man dem Australier Peter Singer glauben will (dies hier mal als Stichwort/Notiz. Ich habe vor, mich damit später (vielleicht auch im Blog) eingehend zu beschäftigen).
Wie wir beide gestern, nachdem alle abgereist sind und alles mehr oder weniger wieder an seinem Platz stand oder lag, miteinander am Feuer sassen und vom übrig gegebliebenen Nudelsalat schmausten, war sie auf einmal da, die Ruhe.
Verrückt: Heute Abend schon werde ich wieder in die Schweiz zurückfahre. Jetzt aber bin ich hier. Und das ist gut so.
(geschrieben auf dem iPhone, da wir noch immer kein Internet haben)

In Rendsburg

Wer hätte das gedacht? Endlich hat mich mal wieder die Lust und Freude zu fotografieren gepackt.
Inspiriert dazu hat mich erstens Irgendlink, mit dem ich in Schleswig-Holstein zehn freie Tage verbringe, und zweistens die Stadt Rendsburg, die sich mit ihren vielen Gesichtern und bunten Farben geradezu darbietet, vor die Linse wirft und ihre Oppulenz offenbart.
Hier und auf pixartix_dAS bilderblog werde ich Bilder unserer Urlaubstage zeigen.
Hier eine Collage aus spannenden (Trash-)Objekten vom
gestrige Artwalk mit Irgendlink durch Rendsburg …
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Urban Artwalk Heidelberg

Was für ein inspirirender Stadtspaziergang! Heidelberg hat mich gestern nach allen Regeln der Kunst verzaubert 🙂



Mehr Heidelberger Stadtspaziergang-Bilder von Irgendlink und mir auf pixartix – dAS Bilderblog
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Nischenzöix

Die einzige Grenze ist Ihre Fantasie!, wirbt eine App für sich. Hat was.
Vielleicht gut, dass es Grenzen gibt. Manchmal. Wäre meine Fantasie grenzenlos, hätte ich keine Zeit für all die Ideen, die mich zusätzlich zu all den bereits vorhandenen überschwemmen würden.
Ich verbringe diese Tage in dichter Arbeit. Die PR-Sache für Irgendlinks geplante Reise ums Meer, um die Nordsee ((für die ich immer wieder und ausgesprochen gerne Werbung mache)) wird immer komplexer. Zwei lokale Zeitungen sind aufgesprungen. Vorerst punktuell. Wer weiß, was wird.
Daneben hinke ich um Wohnungsinserate herum und hoffe, dass – wie immer – alles schon zur richtigen Zeit kommt. Meine Erfahrungen sagen das eine – es kommt gut! –, meine Ängste das andere.
Dazwischen Nischen. Die braucht es. Nischen zum Spielen. Und Träumen von der großen Reise, die ich nur von Ferne miterleben werde.
Ich brauche Bilder. Dies hier heute montiert und auf alt – auf lonesome bikeboy, ihr wisst schon – getrimmt:
Zelt und Rad hat J. auf der Radreise von hier nach Andorra – im Frühling 2010 – fotografiert. Ihn selbst habe ich im Sommer 2011 in Rendsburg geknipst. Vor der längsten Rolltreppe der Welt, die ganz schön kirre machen kann. Plümerant sozusagen … siehe dazu auch pixartix. Da hat es nämlich mal wieder Nachschub. Ihr wisst schon … pixartix, DAS Bilderblog!

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

ziemlich abstrakt

Eins der Bilder die Irgendlink beim aktuellen iPhoneArt-Wettbewerb eingereicht hat, ist ohne jegliche photographische Vorlage entstanden. Einzig durch die Arbeit mit verschiedenen Filtern ist ein geniales, abstraktes “Gemälde” entstanden.
hier klicken
Zwar habe ich diese Idee selbst noch nicht umgesetzt, doch abstrahiere ich zuweilen konkrete Aufnahmen mit Bildbearbeitungsprogrammen so lange, bis ein ganz und gar neues Bild entsteht.
Als würde ich Schichten abtragen, als würde ich das Bild in seine Einzelteile zerlegen und aus diesen etwas ganz und gar neues zusammensetzen.
So ähnlich funktioniert im Schamanismus ein Heilprozess. Und so ähnlich fühlt sich mein Leben zurzeit an.
Das erste Bild seit sechs Tagen, entstanden aus der Aufnahme eines Stop-Privat!-Schildes:

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Text: ebenfalls iDogma, via iPhone (WordPressApp) geschrieben und veröffentlicht.

vergleichen

Ja, so ein paar Reizwörter aus meiner Jugendzeit hab ich gut gehütet und gefüttert. Und die ganzen Jahre mit mir herumgetragen. Wörter, die normalerweise für einen Menschen in meinem Alter längst im Alltag integriert und sogar mit persönlichen Erfahrungen aufgefüllt sind. Und die normalen Menschen nicht weh tun.
Wir gewöhnen uns nämlich an alles, wir sind anpassungsfähig und wir – so las ich es heute im Buch “Der Menschenmacher” von Cody McFayden – wir alle wollen nur das eine: glücklich sein. Wenn das Glück nicht von selbst kommt, biegen wir uns das Leben so zurecht, dass es erträglich wird und ein klein bisschen nach Glück riecht. Selbst inmitten der allermiesesten Umstände. So sagt es Mr. Jones, der “Böse”, im Finale des Buches, das mir die letzte paar Tage buchstäblich den Atem geraubt hat. Diese Aussage kann ich, obwohl sie von Mr. Jones kommt, unterschreiben. Wir passen uns an. Immer. Wir vergessen und verraten möglicherweise dabei unsere Ideale, die wir hatten, als wir jung waren. Oder wir überschreiben sie einfach, wie wir es ständig mit früheren Dokumenten tun, die wir mit neuen Inhalten füllen.
Immerhin habe ich mir ein paar Reizwörter bewahrt. Vergleichen ist so eins. Und Wettbewerb sein Bruder. Beide verursachen mir Gänsehaut, noch immer, denn es gibt ja immer Menschen, die besser sind als ich. Zumal ich ja in fast allen Belangen Mittelmaß bin. Klar, es gibt da auch schlechtere, schwächere, immer, doch Tatsache ist schlicht und einfach, dass ich mich und andere nicht vergleichen will. Ich will mich nicht messen, will nicht besser und will aber auch nicht schlechter sein. Nein, will ich nicht. Eigentlich. Denn alle haben etwas, das nur sie sind und nur sie können.
Wettbewerb vergiftet das friedliche Nebeneinander, die Vielfalt aller, die Kreativität und Urtümlichkeit in uns drin, weil er durch irgendwelche definierte Vorgaben innerhalb einer Zielgruppe oder einer Gesellschaft die Leistungen der Betroffenen normt und begrenzt. Wie wenn ich beim Pizzateig die Ränder abschneide, die über den Blechrand baumeln. Im Gegensatz zum Pizzateig geht es beim Wettbewerb aber um Menschen. Und die, die nicht in die Norm passen, werden verschlungen, wie ich es mit kleinen Teigstücklein schon mal tue, statt sie an einer Ecke innerhalb des Blechs anzukleben. Persönliche Leistung lässt sich nunmal schwer normen. Wozu auch!
Zugegeben im Bereich von Naturwissenschaften wie Mathematik und Chemie ist Leistungsvergleich noch nachvollziehbar und vertretbar, doch all die menschlichen Variablen zählen da ja sowieso nicht. Doch wenn es um unfassbare und individuelle Lebensbereiche geht, halte ich Vergleiche für heikel. Wettbewerb und Vergleich im großen Bereich Kunst – ob nun bildende oder darstellende Kunst, Musik oder Literatur ist dabei unwesentlich – ist prekär. Machen wir uns doch nichts vor. Heutzutage, wo viele KünstlerInnen – zu viele? – gut bis sehr gut sind, ist es in erster Linie eine Frage von Beziehungen, wer weiterkommt. Dazu braucht es natürlich auch gute Nerven und das Talent sich zu vermarkten.
Seit drei Wochen nun läuft bereits die Ausschreibung zu einem Wettbewerb bei IPA, unserer iPhoneArt-Community. Ein Wettbewerb mit einem Siegespreisgeld von tausend Dollar. Nach langem Hin und Her und acht Tage vor Anmeldeschluss habe ich heute nun doch zehn meiner Bilder angemeldet. Irgendlink hat mir eine Liste mit seinen zwanzig Favoriten aus meiner Galerie überreicht. Er zumindest scheint an mich und meine Kunst zu glauben.(((Danke!)))
Während ich mich selbst durch meine Bilder klicke, stelle ich fest, dass ich nur mit einem Teil seiner Favoriten einverstanden bin. Viele alte Bilder find ich längst doof und lösche sie bloß deshalb nicht, weil diese Galerie für mich eine Art Archiv darstellt (und natürlich auch, wegen der Kommentare da und dort und der Klicks, die dann verloren wären). Seltsamerweise mag ich einige Bilder besonders gerne, die nie jemand kommentiert oder als Favoriten gekennzeichnet hat. Welche Bilder sind nun die wirklich guten, die ich anmelden soll? Jene, die der Mainstream oder mein Liebster mögen – oder jene, die ich selbst am besten finde? Was tun? Mich mit mir selbst vergleichen – ach, ich tue es ja ständig, entgegen meiner oben erwähnten Absicht! Und auch mit andern vergleiche ich mich doch ständig. Seien wir doch ehrlich, ich Doppelmoralapostelin, ich.
Irgendwie schaffe ich es schließlich, meine zehn Favoriten zu finden. Und einzustellen. Nun heißt es warten. Im Januar geht es mit jurieren los. In der ersten Phase bestimmen sämtliche Teilnehmenden die angeblich besten fünfzig Bilder – durch anklicken vermutlich, wie bei den vorherigen Wettbewerben. Diese fünfzig werden im nächsten Schritt von einer kleineren Jury bewertet und das Siegerbild wird – wie gesagt – saftig prämiert.
Was ist es, das mich antreibt, mich auf solche Dinge einzulassen und über Reizwortgrenzen und andere Rationalitäten zu springen? Ist es das Geld? Der Thrill? Die Sehnsucht nach Anerkennung und Durchbruch? Die eine kleine Stimme sagt: Vielleicht kannst du gewinnen! Die andere laute Stimme sagt: Vergiss es! Der Verstand sagt: Das Ergebnis des Vorjurierens ist reine Glückssache. Was so natürlich nicht ganz stimmt, aber ich rede es mir ein. Bist du nämlich innerhalb der Community bekannt, wirst du vermutlich häufiger angeklickt. Wenn du Glück hast, kommst du so also in den Kreis der fünfzig. Wenn nicht, dann nicht. Und wenn ja, was dann?
Catch me, if you can!*

Bild: Screenshot meiner Bilder in der Galerie (hier klicken)
* Titel des zweiten Bildes von links.