Schatten

Die letzten Tage haben sich die Bloggerinnen Cambra und Li Ssi (Café Weltenall) – siehe meine Blogrolle – mit ihren Schatten auseinandergesetzt. Und Masken gestaltet.
Inspirierend!
EDIT: Mein Weg des Maskenbaus ist ein virtueller.
Heute setze ich mich virtuell mit meinen Schatten auseinander. Auf dem iPhone. Welten treffen aufeinander. Innen und außen werden eins.
Das eine nicht ohne das andere.
Spiegelung.
Gegenteil.
Kontrast.
Verbindung.
Übergang.
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Bild: iDogma –
Fotografiert mit Hipstamatic, bearbeitet mit Dynamic Light, Grungetastic, Diptic und Blender. Finish mit Pic Grunger

Noch mehr Medizin

Da hab ich doch gestern tatsächlich den künstlerischen Ausdruck als meine Lebensmedizin zu erwähnen vergessen! Echt unglaublich. Aber ich habe ja auch die Atemluft nicht erwähnt, nicht das Feuer, die Wärme am Ofen, auch das Wasser nicht, das aus dem Hahn und aus der Quelle fließt. Und nicht die Erde, die mich trägt. Nicht mal die Liebe, nicht mal sie habe ich aufgezählt. Zu selbstverständlich das alles?

Wieder steigt dieses Wort auf: Dankbarkeit. Keine Hülse für mich. Kein schnelles Dankeschön, sondern eine innere Haltung, die erst in den letzten Jahren gewachsen ist. Dankbarkeit trotz …
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Der Antrag auf Wohngeld liegt auf dem Tisch. Ein Formular, das mir das Überleben sichern hilft, wenn ich es ausgefüllt und eingereicht haben werde. Dankbarkeit für diese Möglichkeit.
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Aus der Küche riecht es nach Torta di Pane. Brottorte. Nach einem Südschweizer Rezept, ausgeführt à la Sofasophia. Aus altbackenem Brot lässt sich ein wunderbarer Kuchen zaubern. Und aus Stroh Gold spinnen. Aus Buchstaben Sätze. Dankbarkeit.
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Die Reisetasche steht bereit, ein paar Sachen sind schon gepackt. Den Rest stecke ich später ein. Morgen mit dem Liebsten in die Schweiz an ein Fest mit FreundInnen fahren und dort mit dem Lieblingsmenschen andere Lieblingsmenschen treffen. Dankbarkeit.
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Das letzte Mal. Ein Buch über den letzten 6 hat Wildgans neulich vorgestellt. Das letzte Mal von was auch immer ist wie rückwärtsfahren im Zug. Wir wissen erst, wenn wir im Gotthardtunnel sind, dass wir vor fünf Minuten die letzte Palme der Südschweiz gesehen haben. Wir wissen erst, wenn es heute kalt ist, dass gestern der letzte warme Tag war. Und wir wissen erst, wenn wir auf dem Sterbebett liegen, dass dies der letzte Morgen war.
Ich fahre im Zug lieber rückwärts. Die Landschaft, die ich zurücklasse, franst aus, zieht an mir vorbei. Langsam werden die Dinge kleiner, die ich verlasse. Anders beim Vorwärtsfahren. Da kommen die Dinge mit der Wucht alles Neuen auf mich zu. Kommen ungefragt, wollen Aufmerksamkeit, wollen, dass ich reagiere. Das erste Mal. Heiß ersehnt, mit Erwartungen vollgepackt, die kaum zu erfüllen sind und die genauso oft im Nachhinein geschönt werden. An das erste Mal werden wir uns immer erinnern, ob aufgepimpt oder pur ist dabei unerheblich, und wir werden das vorläufig letzte Mal immer damit vergleichen. Bis zum nächsten Mal jedenfalls. Und wir tun so, als gäbe es immer ein nächstes Mal. Immer. Dafür bin ich dankbar.
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Bild: iDogma –
fotografiert mit ProCamera (Collage von mir aus Papier), beschnitten mit PS Express, bearbeitet mit Dynamic Light, Segmentix, Autopainter und Blender. Finish mit Pic Grunger

Goldschnittchen

Über die Technik gäbe es dieser Tage viel zu erzählen. Und über Kontraste auch: Innen und außen (Temperaturen, Befindlichkeiten und so Sachen), drinnen und draußen (dito), früher und heute … Und noch früher erst recht.
Da waren wir also am Freitagabend mit Journalist F. auf der Piste. An der langen Nacht der Bibliotheken, welche die ansässigen Büchereien heuer das zweite Mal durchgeführt hatten. Weil wir die Einlasszeit zur ersten der drei Veranstaltungen verpasst hatten, genossen wir die Pause bei Flammkuchen und angeregten Gesprächen.
In der historischen Bibliothek gab es danach einen Crash-Kurs in Buchbinderei. Vom Buchblockbinden zum Goldschnitt. Damals und heute. Handgeschriebene Unikate mit Holz- und Ledereinbänden. Mit blattgoldenen Strukturen auf Ledereinband und Buchrücken. Die Weiterentwicklung zum gedruckten Buch, das bereits mit maßentauglichen Strukturrollern verziert wurde, war geradezu revolutionär. Ein erster Schritt zur Rationalisierung. Möglicherweise so revolutionär wie der Schritt vom Papierbuch zum eBook. Bücher wurden übrigens lange Zeit als umschlaglose Buchblocks gehandelt, auf dass die Käuferin damit zum Buchbinder ihres Herzens gehen und sich einen Einband nach Wunsch (und Inhalt des Geldbeutels) anfertigen lassen konnte. Was für ein wunderschönes (Kunst-)Handwerk! Schade, dass sich das heute kaum mehr jemand leistet.
Von der Goldschnittbibel in der Vitrine pilgerten wir danach in die Stadtbücherei. Großer Kontrast: Hörbücher, DVDs, Ratgeber, Romane quellen aus den Regalen. Mein Herz hüpft. Wie immer wenn ich inmitten von Büchern bin. Mit einem Drink in der Hand schreite ich die Regale ab. Es folgt ein rock-bluesiges Konzert dreier saarländischer Gitarristen, die ihr Hand- und Mundwerk verstehen. Wortkunst einmal anders. (((Michael Riehm und Co. auf YouTube)))
Noch mehr Technik schließlich gestern. Da das neulich ausgeführte Datenrettungsbackup meines winterschlafenden Laptops leider doch nicht ganz vollständig war, galt es dessen interne Festplatte auszubauen und in ein eigens dazu gebautes Case mit USB-Anschluss zu stecken. So konnte ich das Teil – wie eine externe Festplatte – bei meinem alten, wiederbelebten Laptop einstöpseln und so auch noch die letzten fehlenden Daten kopieren. Coole Technik! Was doch alles so geht!
Und jetzt, wo ich meine Bewerbungsunterlagen zur Verfügung habe, finde ich keine Ausreden mehr. Nun kann ich loslegen: Bewerbungen schreiben. Neue Stelle finden. Und morgen Vormittag zur Arbeitsagentur nach P. fahren.
Dass die mir eine Umschulung zur Buchbinderin bezahlen, ist eher unwahrscheinlich, doch träumen ist wohl immer erlaubt.
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beide Bilder: iDogma-Art
Alte Zeit trifft neue Zeit.

Geschiebe #2

Wie ich nachts grüble, wachliege und versuche mich zu entspannen, geht mir die Sache mit dem Passwort durch den Kopf. Jedes meiner drei Mailaccounts hat genau zwei PW, eins für die Anmeldung im Mailprogramm – der Schlüssel zum Briefkasten hinter der Haustüre sozusagen – und eins, falls ich meine Mails unterwegs auf einem andern PC abfragen will. Jenes zweite Passwort ist quasi der Schlüssel zur Haustüre selbst.
Warum ich gestern mit dem dritten Mailaccount solange rumgewurstelt habe, ist, weil ich mit dem Haustürschlüssel den Briefkasten öffnen wollte und viel zu lange den Irrtum nicht bemerkt habe.
Nein, eine Moral von der Geschicht erzähl ich hier nicht.
Grad trink ich meinen Frühstücksyogitee und lese auf dem Beutelanhängedingsbums: Nur deine Erfahrung gehört dir. Jep. Und die teil ich gerne.

Von Schatten, Männern und Signalen

Wie wohltuend! Ein Wochenende ohne Ich-sollte-dochs. Ein Wochenende einfach nur zur Erholung. Wie es ganz normale Menschen tun.
Übermut kehrt zurück. Kreativität klopft an.
Auf dem Rückweg von einem unserer Kunstspaziergänge, die wir dieser Tage nicht lassen konnten, sprachen wir darüber, dass iPhoneographInnen eigentlich immer und überall schöpferisch tätig sind. Sein können. Wenn sie wollen. Und wir wollten. Zumal es das Wetter ja auch super mit uns meinte.
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Der Mann, der langsamer ist als sein Schatten

Das Verkehrssignal, das träumte, ein Mann mit einem Bein zu sein

Der Mann, der träumte, ein Verkehrssignal zu sein

Pseudoschloss nur,

… doch das hier schließt richtig!

4004 – nicht mehr und nicht weniger!
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alle Bilder: iDogma-Art
1-3: bearbeitet und montiert
4-6: Rohkost

Samstags in Bern

Der Sommer ist endgültig vorbei. Seit gestern Morgen ist es merklich kühler. Schon am Donnerstagabend, als ich mit meiner Freundin M. in St. Gallen war, setzte ein leichter Regen ein. Nachts, mit den Rädern vom Bahnhof nach Hause, regnete es ebenfalls und wir kamen schlotternd zuhause an. J. saß mit Fieber im Wohnzimmer und las. Ich stürzte aus den nassen Kleidern in den Pyjama und bald war mir warm.
Wie viel wir bereits erlebt haben! All die vielen Begegnungen! Das Bad im Pfäffikersee mit M., S. und M. Das kleine Spontankonzert im Garten von N. und R. – eigens für uns. Der Besuch bei B., Z. und Little-B.. Reiche Begegnungen. Geborgenheit. Zuhause-Gefühle. Ein kleines Schaudern taucht immer wieder auf, wenn ich an mein neues Zuhause denke. Werde ich mich dort eines Tages auch so zuhause fühlen wie hier, inmitten Gleichgesinnter?
Die Reise nach Bern verlief stressfrei, doch mein Liebster musste sich hinlegen, sobald wir in Freundin A.s Wohnung angekommen waren. Wie lieb von ihr, dass wir bis morgen einfach ihre übers Wochenende leere Wohnung bewohnen dürfen! Katze füttern als Gegendienst. Wie schade aber auch, dass sie nicht da ist!
Wir haben gut geschlafen. Neuer Mut erfüllt mich, obwohl nun auch mein Hals kratzt. Heute ist heute, sage ich mir, ich lebe immer nur im Jetzt und wozu soll ich mir Sorgen um eine Zukunft machen, die ich nicht kenne? Fatalistisch? Stimmt.
Heute Morgen, noch in A.s wunderbarem Bett, mit J. über das Rad der Zeit geredet. Dass eigentlich alles gleichzeitig ist, sagte ich. Tagsüber sind wir alle wie Zahnräder, die mit den benachbarten Zahnrädern im Gleichtakt drehen. Nachts, wenn das Getriebe ruht, fallen wir aus dem Kontext und alles ist möglich. Sommerland. Das Land unter oder hinter der Alltagswachheit, das Land der Träume und der Phantasie. Ein Vorhof zum Jenseits. Die Rädchen, die wir sind, rollen hier frei und kennen keine Grenzen, weder von Zeit noch von Raum. Deshalb sehen wir zuweilen Dinge, die – chronologisch gefühlt und gesprochen – bereits vergangen sind. Oder die erst kommen. Das ist übrigens auch meine Erklärung für mediale Phänomene: Ein Medium ist ein Mensch, der geübt darin ist, das Räderwerk von Zeit und Raum bewusst zu verlassen und achtsam das grenzenlose Jenseits zu betreten. Der offene Vorhang: Wer ihn einmal offen sah, wird nie mehr gleich sein wie zuvor. Das irdische Leben ist danach nicht einfacher. Dennoch bereue ich nicht, dass ich dahinter gesehen habe.
Jetzt, hier, ja sagen zum Kranksein, zur Schlappheit, dankbar für die warme Wohnung. Es ist, wie es ist. Nicht hadern.
Genau jetzt blinzelt die Sonne durch die Regendecke da draußen.

nur kurz

Kunst kommt ja auch im Wort Kunstmarkt vor … *grmpf* und auch Künstlerinnen müssen hin und wieder Brot kaufen und so Sachen. Darum update ich hoffnungsvoll dieser Tage meine WhiteWall-Galerie, wo sich meine Kunst auch käuflich erwerben lässt. Schon fast alle ausgestellten Bilder und eine Reihe anderer Werke habe ich hochgeladen. Viel Spaß beim Spazieren, Stöbern, schauen und … *hüstel* … beim Einkaufen natürlich auch.
Guckt mal hier: https://www.whitewall.com/pixartix#

inside is outside is inside
Ein Bild, das für mich diese Diskrepanzen zwischen Materie und Innen(t)räumen sehr gut sichtbar macht. Ich freue mich, dass auch diese Miniatur schon bald die Besitzerin wechselt.

Farben und ihre Wirkung

Diese Bilder, sie sind so … sooo … so stark, so farbig …, sagte eine Besucherin heute Nachmittag, die über unsere Ausstellung in der Zeitung gelesen hat und deshalb zum einsamen Gehöft gefahren ist.
Ein anwesender Journalist stellte unzählige Fragen zur Technik. Es schien ihm kaum vorstellbar, dass ein Smartphone zu solchen Taten, sprich Bildern, fähig ist. Dass alle unsere Bilder einzig und allein auf den iPhones gestaltet worden sind.
Mir gefällt dieses Bild total gut, sagte eine Dame, es ist so leuchtend und kräftig. Kein Wunder, dass es einen Wettbewerb gewonnen hat.

Broken Glass, 40 x 30, Fotoabzug, gerahmt
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Kurz und gut … es hat Spaß gemacht, mit unseren Gästen über Kunst, iPhoneographie und das iDogma zu plaudern, zu lachen, zu diskutieren, ihnen Crashkurse in Appologie zu erteilen und sich über die Reaktionen zu freuen, die unsere Bilder auslösten. Spannende Menschen waren da. Bekannte und neue Gesichter.
Morgen geht’s weiter. Schön, aber auch anstrengend ist es, die eigenen Innenwelten sichtbar zu machen.
Und genau über Sichtbarwerdung und Erfolg sowie die Angst vor beiden haben wir geredet, mit R. und S., und über den Weg einer Künstlerin, S. herself, die über Umwege ihren eigenen Kunstweg gefunden hat. Ein sehr inspirierendes Gespräch, das weit über die offizielle Öffnungszeit hinausgegangen ist.
Offenen Türen und offene Herzen – eine gute Erfahrung!
Hier klicken zum kleinen App-Lehrgang: Von der Idee zum Kunstwerk (pdf)
Hier klicken zu einer vierseitigen Dokumentation mit Bildern von unserer Ausstellung „Offenes Atelier 2011“ (pdf)
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Infos zur Ausstellung im Rahmen der Offenen Ateliers Rheinland-Pfalz
Wir haben etwas über siebzig mit dem iPhone fotografierte und bearbeitete Werke ausgestellt.
Ein Großteil sind Fotoabzüge in Rahmen, ein weiterer Teil auf Aludibond aufgezogene Fotoabzüge.
Ein Poster „Urban Artwalk Winterthur 2011“ mit Bilder von uns beiden.
Einige Direktdrucke auf Aludibond.
Mitausgestellt ist die Edition „Labyrinth“ von Jürgen Rinck (4 Kunstdrucke) und Stefan Folz (Text), geplant 2007, erschienen im September 2011 in der edition s beck, Homburg.

Bilder einer Ausstellung #2

Noch viel zu tun, schon viel getan. Zwar stehen unsere Bilder noch zusammenhangslos im Raum herum, doch immerhin sind sie fertig oder halbfertig gerahmt. Bis auf zehn. Passepartout-Karton ist alle. Die auf Aludibond aufgezogene Fotoabzüge sind alle mit Aufhängern versehen.
Nun gilt es ernst, der Countdown läuft: Welches Bild kommt wohin, neben welches?
Das wird eine intensive Woche, ich sehe es schon, denn Galerie und Umgebung müssen ja auch noch geputzt und die Werkliste ergänzt werden.
Doch am Samstag und Sonntag öffnen wir nachmittags die Türen weit: Kommt und seht selbst!
>>>> www.rinckenhof.de
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mehr: www.offene-ateliers-rlp.de/
zur Liste: www.offene-ateliers-rlp.de/images/stories/OATELIER/Teilnehmerliste2011_web.pdf (Seite 13, 6.te von oben)