Rückblick

ArtWalk nennen Irgendlink und ich unsere Stadtspaziergänge, die wir leidenschaftlich gerne mit Nikon und/oder iPhone unternehmen. Wie Katzen auf der Suche nach Mäusen pirschen wir jeweils von A nach B.
Am Samstag in Winterthur war das Fotozentrum am anderen Stadtende unser Punkt B. Der Weg dorthin hat sich wirklich gelohnt. Alles wird besser – eine tolle Schwarzweiß-Ausstellung des Berners Hans Steiner.

Doch auch um der Bilder willen, die wir unterwegs entdeckt und virtuell mitgenommen haben, hat sich der Weg gelohnt.
Aus den acht besten meines Liebsten und den acht besten von mir werden wir ein gemeinsames Bild gestalten, eine quadratische Bildtafel. Artwalk Winterthur wird sie heißen, oder so ähnlich. Zu haben wird sie sein an unserer Ausstellung „Offenes Atelier“ am 17./18. September.
Hier ein paar Schnappschüsse von unterwegs …
Die Pix werden durch anklicken groß …

Frauen, lasst eure Fußfesseln zuhause!
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das Making-Of …
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Vor dem Regen ist nach dem Regen ist vor dem Regen …

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Im george-museumsbistro.ch
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Sonntagmorgenfrühstück an der Sonne … EinBlick in Nachbars Garten ist doch immer spannend 🙂
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Im kunstvollen Weinrebenpark, wo ich in einem anderen Leben als Sekretärin gearbeitet habe, besuchen wir Freundin M. und Freundin R..
Diese zwei Bildern zeigen die noch nicht ganz vollendete BesucherInnentoilette samt eitlem Pfau und Spiegel. Und zwei neugierige Fotosüchtige.

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Wie gesagt: noch nicht ganz fertig!

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Im Zauberwald …

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Innen oder außen, oder Spiegel oder doch nicht?
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sympathische Geste …
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ohne Worte …
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Bilder: iDogma-Art
Alle Bilder per iPhone mit den Apps ProCamera oder Hipstamatic fotografiert. Verkleinerte Rohfassungen.

dankbar

Weil ich nach diesem arbeits- und begegnungsintensiven Tag keine Lust habe, den Laptop aufzustarten, blogge ich per iFon und beschwöre damit ein bisschen Ferienfeeling herauf.
Über Freundschaft und Chemie habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und wie es kommt, dass zwei Menschen Freunde oder Freundinnen werden. Mit Freundin U. im schwarzen Wald habe ich darüber gemailt und heute Morgen, am Telefon mit meiner deutschen Freundin A., die seit vielen Jahren in den spanischen Bergen lebt und die ich „zufällig“ über internette Verbindungen kennengelernt habe, sofasophierte ich ebenfalls darüber. Wir redeten über unsere erste und bisher einzige, zehn Tage dauernde persönliche Begegnung in den Alpujarras vor vier Jahren und wie dort ein roter Faden zu wachsen begonnen hat, der virtuell immer dicker und stabiler wurde.
Das brachte mich auf die Idee, einmal die Essenz all meiner Freundschaften zu extrahieren. Oder, mathematisch gesprochen, den gemeinsamen Nenner zu finden. Falls das geht, denn jede Freundschaft hat ja letztlich ihre ganz eigene Farbe.
Meine Essenzen:
Gleiche Augenhöhe: Mit allen meinen Freundinnen und Freunden nehme ich mich auf gleicher Augenhöhe wahr. Niemand ist der Scheff, beide Seiten bringen sich zu gleichen Teilen und gleichwertig in die Beziehung ein.
Negativform: Die eine Person dominiert und gibt die Richtung vor. Sie drängt sich mit zwar gutgemeinten, aber ungefragt erteilten Ratschlägen auf.
No smalltalk und keine Floskeln: Die Gespräche drehen sich um Themen, die über das Wetter hinausgehen. Natürlich wird auch mal über gemeinsame Bekannte ausgetauscht, doch in erster Linie geht es um uns selbst, um Befinden, Gedanken, Prozesse und Gefühle. Und immer wieder wird zusammen gelacht, denn liebevoll miteinander zu lachen, ist der Kitt zwischenmenschlicher Beziehungen.
Negativform: Das ein- oder gegenseitige Interesse erlischt, nachdem die üblichen Floskeln und Allgemeinplätze abgehakt sind.
Vertrauen: Dieses ist die Voraussetzung einer jeden Freundschaft. Kann ich sein, wie ich bin? Fühle ich mich mit der anderen Person geborgen und wohl? Traue ich der anderen Person zu, mir vorurteils- und wertfrei zu begegnen?
Negativform: Eine Herzöffnung ist erschwert, da die eine oder andere Person einen unruhigen, belehrenden oder sonstwie nicht vertrauenserweckenden Eindruck macht.
Solidarität: Auch wenn sich befreundete Menschen einmal nicht einig sind, unterstützen sie sich ungefragt gegenseitig.
Negativform: Kaum besteht Uneinigkeit, fällt der eine oder die andere über den oder die andere/n her.
Bereitschaft, auch unbequemes zu teilen: Ist eine Person in einer schwierigen Lebensphase, kann sie ihre Probleme erstens mit der anderen Person teilen und zweitens auf deren Unterstützung in der gewünschten Form und im hilfreichen Umfang zählen.
Negativform: Kaum hat eine Person eine Krise, ist die andere anderweitig unabkömmlich und hat keine Zeit. Oder aber sie textet die andere Person mit RatSCHLÄGEN zu.
Gegenseitige Kritikfähigkeit und -bereitschaft: Wer einen Menschen gern hat, will sein bestes. Doch ungefragt Rat erteilen, zeugt von schlechtem Stil. Auch ungefragte Kritik ist uneffizient. Will ich einer Freundin sagen, was ich über ihre in meinen Augen vielleicht fragwürdigen Prozesse oder ihre für mich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen denke, frage ich nach, ob sie an meiner Meinung interessiert ist. Sagt sie ja, teile ich meine Gedanken mit ihr. Sonst nicht.
Negativform: Bei jeder Situation, in der sich die eine Person befindet, gibt die andere ungefragt und ungebeten ihre Meinung ab.
Sensibilität: Alle meine FreundInnen verfügen über große soziale Kompezenzen und eine überdurschnittliche Sensibilität. Das ist vielleicht gar der verbindendste Faktor. Sich in einander einzufühlen ist nur so annähernd möglich.
Negativform: Die eine Person versteht und/oder spürt gar nicht wirklich hin, was die andere meint.
Kurz und gut: Menschen, die mir so begegnen, wie ich es kursiv geschrieben habe, können nicht meine Freunde oder meine Freundinnen werden.
Dennoch ist es mehr als die Summe der erwähnten Elemente aus meiner unvollständigen Liste, das das Wesen einer Freundschaft ausmacht.
Im Grunde ist es der nicht in Worten fassbare Funke, der am Anfang einer Freundschaft steht, jenes Leuchten in den Augen, eine Art geheimer Code gar oder auch einfach die Art, wie ein Gespräch verläuft oder wie jemand auf etwas reagiert … Ein Anfang wie ein Doppelpunkt.
Freundschaft ist Alchemie: Was geschieht, wenn zwei Menschen im Reagenzglas des Lebens geschüttelt werden. Wie Essig und Öl das eine Mal, ein anderes Mal wie Kaffee und Milch.
Freundschaftliche Liebe kann niemand machen, Freundschaft ist ein Geschenk.
Den erwähnten Freundinnen A. und U. gewidmet, dankbar für unsere Freundschaften. Und natürlich auch allen anderen FreundInnen.

nährend

Was für ein erholsamer, nährender Sonntag! Ausschlafen. Den Tee ins Bett gebracht bekommen. Nähe. Vertrautheit. Geborgenheit. Sonne wider Erwarten. Lust, die gestern an Land gezogene Einladung, gemeinsam mit Irgendlink Bilder auszustellen, heute aufzugleisen. Die Zeit läuft. Bereits in vier Wochen, am 11. September, ist Walnussfest in G.. Dort sind wir eingeladen, einen Tag lang unsere Kunst zu präsentieren, iPhone-Kunst vorwiegend. Gewünschter Schwerpunkt: Naturaufnahmen aus der Umgebung. Nichts allzu verrücktes. Möglicher Nebeneffekt dieser Begegnung: Wir können, wenn nichts dagegen spricht, ein kleines Ausstellungsgebäude langfristig bildnerisch gestalten.
Nach dem Gespräch mit dem Verantwortlichen gestern Abend haben wir am Küchentisch unsere Hirne gestürmt und alle Ideen aufgeschrieben, die uns zur Umsetzung eingefallen sind. Denn das Problem ist in der Tat die Umsetzung, denn wir können nicht einfach Bilder, die nur für G. passen, ausstellen. Dazu haben wir weder die Zeit noch das Geld und schlimmstenfalls würden wir auf diesen sitzenbleiben.
Ein bisschen verkauft Frau – und Mann auch – schon die Seele, wenn sie (oder er) sich bei der Themenwahl dem Anlass und dem Publikum anpassen soll. Ich sage mir jedoch, dass ja trotzdem jedes meiner Bilder meine Handschrift tragen wird, selbst wenn ich mich thematisch angleiche. So what? Mir fällt kein Zacken aus der Krone, wenn ich mich von gegebenen Themen, die ja nicht abwegig sind, inspirieren lasse.
Das liebe Geld: Qualität hat ihren Preis. Bilder herstellen lassen kostet. Kosten, die ich für meine Kunstwerke selbst trage. Da es eine Freiluftausstellung sein wird, haben Irgendlink und ich uns für auf Aludibond gedruckte Bilder entschieden. Eine sehr praktische Technik, die allerdings nicht billig ist. Wir werden beide je etwa zehn Bilder ausstellen sowie eine gemeinsame Fotomappe mit weiteren Bildern, die bestellt werden können, auflegen. Weitere Ideen sind noch nicht druckreif aber in der Mache. Die Bilder, die wir zeigen, werden sowohl für den Anlass in G. passen, doch wir können sie auch am anschließenden Weekend, dem 17. und 18. September, im Offenen Atelier – hier auf dem Gehöft – ausstellen können (zur Liste: hier klicken, Seite 13 oben).
Ja, ich werde erstmals Bilder ausstellen. Irgendlink hat mich eingeladen, beim Offenen Atelier mitzumachen, bei dem er jährlich ein Wochenende lang seine Ateliertüren für Besuch aus aller Welt öffnet. Die Veranstaltung wird im Rahmen des Kultursommers vom OrgaTeam Meyer-Grönhof/Lohrengel organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz (BBK) und im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur (Zitat Internet). Soviel zum Hintergrund.
Im Vordergrund stehen jede Menge Kunstschaffende, die ihre Kreationen teilen sowie sicht- und erfahrbar machen wollen.
Schnitt.
Beim Frühstück beschlossen wir spontan, einen der Rundwanderwege von G. zu erwandern und dabei Bilder zu sammeln. Genug für die Ausstellungen hätten wir ja, doch da war die Lust auf neue Bilder … Gesagt getan. Für mich gibt es kaum etwas schöneres als mit meinem Liebsten und der Kamera unterwegs in der Natur zu sein.
Über hundertvierzig neue Bilder habe ich mit nach Hause gebracht. Es gibt viel zu tun, doch Kunst zu schaffen ist eine Arbeit, auf die ich mich freue und die mich nährt. Genau so sollte Arbeit sein, eigentlich!

Bild: Ideensammlung. Das hintere Bild denke ich mir als mögliches Ausstellungsraumelement. Vorne: ein Entwurf/Stilleben.

noch dies …

Letztes Unterwegs-Picknick bei Engelade. Rückblick auf einer Bank am Waldrand. Wir essen in der Oldenburger Insel-Bäckerei gekauftes Brot. Dort haben wir uns nämlich heute Morgen ein herzhaftes Frühstück gegönnt. Nach der kurzen Nacht und dem Regenschauer beim Packen des Zeltes hatten wir schlicht keine Lust, länger als nötig auf dem nassen Camping zu bleiben und Kaffee und Tee zu kochen.
Das gute Ende: Beim Auschecken – ich bekam meinen Ausweis zurück – bat ich um Preisnachlass, da wir ja kaum geschlafen hätten. Das heißt, öhm, nicht Preisnachlass begehrte ich, sondern Kostenbefreiung. Die wurde uns bereitwillig und mitfühlend gewährt. Toll. Pluspunkte für den Campingplatz!
Für den gesparten Übernachtungspreis gönnten wir uns unter zunehmend sonnigem Himmel im Freien das erwähnte köstliche Morgenessen – inmitten alter Damen.
Echt wahr: Oldenburgs Insel-Bäckerei-Café kann ich herzlich empfehlen 🙂

Unter der Milchstraße

Was für ein Sternenhimmel!
Da – eine Sternschnuppe!

Wir sitzen am Meer. Flüchtlinge. Es ist halb drei Uhr. Nach vergeblichen Einschlafversuchen sind wir dem Weg klippabwärts gefolgt und haben uns auf eine Isomatte gehockt.
Wir probieren noch einmal. Wenn noch immer keine Ruhe ist, schlafen wir hier unten!
Gute Idee. Es sieht ja nicht nach Regen aus.

Was zuerst wie die größte Katastrophe unseres Urlaubs aussah, ist nun – heute Morgen, wo ich direkt am Strand unter dem offenen, zwar bedeckten, aber wolkenfreien Himmel im Schlafsack auf einer Matte im Kies liege – ein Geschenk. Wann kann ich schon direkt bei Meeresrauschen schlafen?
Wir waren relativ spät auf die Fähre Rødby-Puttgarden gekommen. Dänemark zu durchqueren, war eine staureiche Angelenheit. So war es bereits um halb neun rum, als wir die Insel Fehmarn und damit deutschen Boden betraten.
Den allerersten Camping verpassten wir und verließen bald schon – vor der Kulisse eines herrlichen Sonnenuntergangs – die Insel. Dank Google fand ich an der Westküste einige Campings. Wir entschieden uns für diesen hier. Blank-Eck oder so. Zwischen Neuteschendorf und Johannistal.
Auf der Klippe vorn habe es noch Platz, sagte der ausnahmsweise noch anwesende Platzwart. Tja, Platz. Hm, ja, schon, nur …
Deutschland hat uns wieder. Lärmige Junge mit Technoachlagerghettoblustern. Ballerman reloaded (Generation 2.0).
Wir fliehen an den äußert möglichen Zipfel der Klippe, ohne zu wissen, dass wir eben unser Zelt auf der Ameisenstraße der Nachtvögel und RaucherInnen aufbauen.
Das kleine Radlerzelt, das J. spontan auch miteingepackt hatte, war – trotz Wind – schnell aufgestellt. Meine Laune sank jedoch müdigkeitskopfwehbedingt bald unter den Nullpunkt, als der Lärm dreier Gangs auch nach elf, nach der Dusche, nicht aufgehört hatte.
Und um zwölf, trotz Ruherufen und Gesprächen mit den vorbeilärmenten Kids, noch immer nicht. Auch nicht um eins. Technobässe wummern selbst durch die besten Ohrstöpsel. Jeder Einschlafversuch – bei immer mal wieder fünf Minuten Musikpause – wird durch neuerlichen Lärm vereitelt. Selbst meinem Liebsten, die Geduld in Menschengestalt, wird es zu viel. Wir diskutieren Optionen wie Zeltabbau und Weiterfahrt, Polizei rufen, Platzwart rufen, doch alle verwerfen wir wieder. Keine Lust. Nur das Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe.
Irgendwann mein Vorschlag, einen Strandspaziergang zu machen. Gute Sache. Um drei legen wir unsere müden Häupter in die Kissen.
Wie friedlich das Erwachen hier ist! Ein neuer Tag, ein neuer Anfang. Heimreise.

Dreiundzwanzig

Sollen wir eine weitere Nacht am Hjälmsjön verbringen oder das Zelt abbrechen und für eine letzte Nacht in Schweden nochmals umziehen? Glücklich, wer beim Frühstück nur solch simple Fragen zu lösen hat.
Mein Bedürfnis – vor den nächsten zwei Reisetagen – war jenes nach Sonne, Natur, Relaxen, Sein. Auch Radeln oder Wandern wäre okay, aber einfach keine Hochleistungen. Schließlich ist es der letzte sonnige Tag, sagen die WetterprophetInnen. Auch J.s favorisierte mehr mit Bleiben als mit Weiterziehen. So war der Fall schnell klar.
Da wir auf dem Camping WiFi haben, suchten wir die virtuellen Karten nach einer schönen Route ab, die uns beiden gefallen würde. Mein Herz schlug höher, als ich eine Radstrecke voller Geocaches fand, die genau zum von Irgendlink favorisierten See in der Nähe führte. Wir luden uns die Koordinaten der Caches auf die iPhones und sogar J.s gutes altes GPS kam heute zum Einsatz. Von den sechsundzwanzig auf einer Rundstrecke versteckten Geocaches fanden wir immerhin dreiundzwanzig, in den ersten waren die Koordinaten der Caches für die zweite Tourstrecke versteckt. Clever gemacht! Einen Cache, die Nummer neun, in welchem wohl die Koordinaten für einen weiteren notiert gewesen wäre, fanden wir nicht und zum letzten fehlenden haben wir wohl in einem der Caches die versteckten Koordinaten übersehen. Doch das Resultat – dreiundzwanzig an einem Tag – kann sich sehen lassen. Ich bin ein bisschen stolz auf uns 🙂
Auf unserer Tour machten wir schließlich auch den geplanten Badeabstecher nach Åsljunga, denn der dortige See war es ja gewesen, der uns überhaupt zu dieser Tour animiert hatte. Am Badeplatz zunächst nur zehn pubertierende Jungs die Coolheit und Kräfte aneinander maßen.
Erstaunlich dann am Abend, die Erkenntnis, dass wir auch heute wieder über zwanzig Kilometer geradelt waren. Dreiundzwanzig, um genau zu sein – wie die Anzahl Caches.
Morgen und übermorgen reisen wir südwärts. Ich hoffe, das Wetter wendet erst in Richtung Regem, wenn das Zelt trocken im Auto verstaut sein wird. Insch’allah.
Morgen Abend werden wir vielleicht wieder – wie letztes Jahr – in der Lüneburger Heide campen. Wer weiß? Wir nehmen es, wie es kommt.
Nach Hause fahren, hm. Jedes Mal, wenn ich eine Weile weg von zuhause bin, ist innerlich das Daheim auf einmal kaum mehr abrufbar und unendlich weit weg. Diesmal ist es besonders speziell, weil ich in meinem neuen Daheim, im neuen Land, noch nicht ganz angewachsen bin und noch immer viel Neues auf mich zukommt.
Wieso reisen wir Menschen überhaupt weg? Und wieso gerne so weit, denn in Deutschland und in der Schweiz ist es doch auch schön? Ähnlich schön wie hier, außer, dass es dort enger ist und einem immer Leute über den Weg laufen. Sicher ein Grund, der bei mir für Schweden spricht, ist die Weite.
Abstand schafft Abstand. Und ab und zu tut es eben auch richtig gut, alte Gewohnheiten und Alltage gegen neue einzutauschen und sich dabei ein klein bisschen neu zu erfinden.

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Bild 1 und 2: Screenshots meiner GPS-App: Der blaue Pfeil ist unser Standort (Bild 1). Die Stecknadeln sind Geocaches. Caches 1-6 hatte ich per Geocaching-App gesucht, sie fehlen deshalb auf dem Bild.

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Bild 3: In einigen Caches waren – so oder ähnlich wie hier – die Koordinaten eines weiteren Caches versteckt.
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Bild 4: Einer der vielen Caches, die wir heute gesichtet haben.
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Bild 5: Mein gutes altes Rad beim Cache 9, dem Unauffindbaren.

Sonne, See und so

Im nahen Wald der erste Cache: Dort fanden wir heute Vormittag das Paradies. Ohne Keksefabriken lebt es sich ganz wunderbar. Stille.
Später eine zweite, für einmal erfolglose Cacherunde im Örkelljung’schen Industriegebiet. Samt dufter Keksfabrik nebenan. Wer wohl Caches an solch desperaten Orten versteckt?
Schließlich radeln wir zehn Kilometer nordwärts. An einen der vielen Seen der Umgebung. Als hätten wir keinen vor der Haustür …
Sonne. Herrlich weiches Wasser. Die perfekte Temperatur. Sandstrand. Mensch, was willst du mehr? Ich tanke Kraft und spüre, wie meine Lebensgeister zurückkehren. Den Alltag verdränge ich eimmal mehr fast perfekt … Carpe Diem!
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Erstes Bild: Irgendlink loggt den Geocache im Paradies.
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Zweites Bild: Am Badesee.
(Beide Bilder sind unbearbeitet. Dazu fehlt mir hier die Muße)

Örkelljunga

Hier waren wir schon mal!, sagt Irgendlink. Da vorne kommt rechts eine Kirche, links ein Parkplatz.
Wir haben nach Meerbad, Dusche und Frühstück das Zelt abgebaut und Norrkiven und seine Küste verlassen. Südlich der Hallandsås, dem Gebirgszug, den wir vor Tagen beradelt haben, besuchten wir eine Dauerausstellung, die den jahrzehntelangen Eisenbahntunnelbau durch besagtes Gebirge illustriert. Spannend.
Später, nach einem Picknick in einem Friedhofpavillon, der geradezu zum Faulenzen drängt, beschließen wir, uns einen nicht allzu weit entfernten Zeltplatz mit Seeanschluss zu suchen. Fahrrichtung südsüdöstlich, so dass wir ab übermorgen den Rückweg ohne Stress in zwei Etappen anpacken können.
Auf dem Weg nach Örkelljunga schließlich J.s Déjà-vu.
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Die Kirche steht da, wo er gesagt hat und an die Landschaft erinnere ich mich möglicherweise, doch diese ist austauschbar. Felder, Wälder, Straßen. Hier, auf dieser Route, sind wir letztes Jahr nordwärts gefahren, immerhin das weiß ich noch. Die Route habe ich noch ungefähr im Kopf. Aber diese Kirche? Nein, sorry, keine Erinnerung. Auf dem iPhone finden wir Bilder von der nahen Umgebung und ans Baden und Geocachen ernnere ich mich sogar noch detailliert, doch die Kirche? Hm. Okay, auch sie ist austauschbar. Weißer, schlichter Bau, großer Friedhof.
Bin ich übersättigt, reizüberflutet? Oder war ich es letztes Jahr? Jetzt eher nicht. Ich fühle mich sogar seit ein paar Tagen so ausgewogen wie schon lange nicht mehr. Die Sonne tut das ihre. Die Natur, das Meer, die Einfachheit des Alltags mit seinen Eckpfeilern wie Frühstück, Abendessenkochen und Abwaschen sowie den täglichen Abwechslungen lassen den Alltag zuhause zuweilen vergessen. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen legen sich quasi in die vorhandenen Regale und Schubladen.
Doch da sind auch Träume – so viele, wie schon lange nicht mehr, da der Unterwegs-im-Zelt-Schlaf leicht ist. Träume, die von mir Antworten fordern: Wohin bin ich unterwegs und wie? Welche Arbeit passt wirklich zu mir?
Ich sehe mich schreibend. Dennoch ist da zuweilen die Angst, dass mir eines Tages der Stoff ausgehen könnte. Wohl eine unbegründete Angst. Ich hatte sie auch vor dieser Reise. Wie wird dich das Livebloggen dieses Jahr anfühlen? Als schlechter Abklatsch von letztem Jahr, als Wiederholung – die Reise ebenso wie das Bloggen? Unbegründete Angst. Das Leben ist alt-neu-immer-wieder-anders. So kann sich eine Reise nicht wiederholen, selbst wenn wir die gleiche Strecke (Polarkreis – zurück) wiederholt hätten. Das Leben ist immer wieder anders. Nicht mal das heutige Meerbad war gleich wie das gestrige. Selbst ähnliche oder gleiche Erkenntnisse unterscheiden sich je nachdem, in welcher Verfassung sie uns antreffen. Oder in welcher Schublade sie heute liegen.
Und wir? Wir liegen heute – für ein bis zwei Nächte – in Örkelljungas Campinggefilden: direkt am Hjälmsjön, der über zwanzig Grad warm ist. Nebenan, im Minizelt, wohnen ein geselliger Däne und seine zwölfjährigen Tochter, die eine Woche lang Schonen per Rad bereisen.
Ein schöner Platz, günstig, mit WiFi sogar. Das Passwort – ohne Zeitlimit – haben wir für zwanzig Kronen gekauft. Dennoch mach ich jetzt Schluss für heute 🙂
Morgen womöglich noch mehr Gedanken, warum wir vertraute und bekannte Orte brauchen, und Wiederholungen.