Auf dem Weg

Träume, die wahr
werden. Immer
wieder.
Wahrheiten, die
mich ins Traumland begleiten. Zum
Glück?
Und auch Träume, die bleiben, was sie sind – vielleicht – und
solche Wahrheiten, die
wahrhaftig sind. Die
wirken und nachhallen.
Weh können sie tun, die einen. Andere
machen uns frei. Ein wenig oder mehr. Hinschauen
und zulassen sind meine Werkzeuge, das
Leben auszuhalten.

innen und außen

Im Zimmer oder im Regen. An der Sonne sogar.
Immer im Flur irgendwie, immer ein
Luftzug, der durch mein Leben fegt …
… nicht mehr – noch nicht …
Neuanfänge immer wieder
Wie und woher blicke ich
in die Welt? Und wohin? Wozu?
Was wirkt und was wirke ich?
Wie anders ist, was ich sehe, wenn ich
von innen als wenn ich von außen schaue?
Wo prallen Vorurteile an mir ab? Wo bleiben
sie schwer an mir hängen ?
Gefangene der Konsequenzen meiner freiwilligen
Entscheidungen bin ich.
Bist du. Sind wir.

blühen zum Beispiel

tulpenzwiebel
ganz erfüllt
mit allem
was du brauchst
alles da
in der erde
ruhend
ganz
bei dir
im frühling
brichst du aus
wer bist du
was über
oder
was unter
der erde
ist
beides
so verschieden
innen
außen
scheinbar
gegensätze
das alles
bist
du
ganz
Das hab ich vor zwölf Jahren geschrieben. Ein Wörter-Bild, das mir heute Morgen eingefallen ist. Es ist irgendwo aus einem Ordner in meinem inneren Ablagesystem gefallen und bei seiner Wanderung durch meine Hirnwindungen in einem meiner vielen Filter hängen geblieben. Zum Glück wird alles gefiltert. Filter ist eh alles. Und nichts. Auf der materiellen Festplatte war es schnell gefunden, das alte Ding. Ich würde dieses Poem heute wohl anders schreiben. Stetige Wandlung unseres Weltverständnisses. Unseres Geschmacks. Unserer Wahrnehmung und Auswertung. Dazu all die Inspirationen und Inputs von außen. Entwicklung. Wandlung.
Zum Glück gelingt mir abgucken und nachahmen immer nur kurz.
Beim Tanzen, zum Beispiel, spüre ich, wenn ich mich kurz umschaue, hin und wieder den Impuls, eine Bewegung aufzunehmen, die ich bei anderen sehe. Manchmal ist das störend, weil ich aus meiner eigenen Körperwahrnehmung falle. Manchmal jedoch passt es genau da hin, wo ich jetzt bin. Und wie. Ich nehme die Bewegung kurz auf, integriere sie und schon ist sie wieder vorbei und ich tanze wieder mein eigenes Muster.
Beim Malen bestaune ich womöglich bei anderen deren Pinselstrich, die Formgebung, den Umgang mit verschiedenen Themen, Materialien oder Stilmitteln. Ich habe anschließend Lust, auszuprobieren, ob das bei mir auch geht. Geht vielleicht sogar wirklich. Es ist und bleibt aber immer nur ein Impuls. Mehr nicht. Eine Inspiration, eine kurze.
Beim Fotografieren staune ich oft über die Bilder anderer. Wie er das wohl gemacht hat? Wie hat er es belichtet? Wie bearbeitet? Oder: Ihr Bild berührt mich so, dass ich Gänsehaut kriege, ich will das auch können. Und natürlich probiere ich aus.
Doch so wie ich mein Ding mache, kann das niemand. Ob gut oder schlecht: alle machen wir unser Ding so, wie nur wir es können. Handschriften kann niemand dauerhaft fälschen. Zum Glück auch nicht. Ob ich Kunst nenne, was ich kreiere, ist zweitrangig. Definitionen sind letztlich Schall und Rauch. Hauptsache, ich tue, was ich kann. Hauptsache, ich setze um, was in mir drin steckt.
Der Tulpenzwiebel ist es ziemlich egal, ob sie hier oder in der Schweiz in die Erde gesteckt wird. Hauptsache Erde, Licht und Wasser. Und Luft auch. So einfach. Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander – mehr oder weniger Wasser zum Beispiel – macht, dass sie tiefer wächst oder weniger lang blüht.
Frühere Texte, frühere Bilder von mir sind mir zuweilen beinahe peinlich. Nein, die Tulpenzwiebel nicht, die ist soweit okay. Doch bei anderen dachte ich auch schon: Was? So schlecht habe ich früher geschrieben? So banal? So viele Füllwörter?
In zehn Jahren denke ich vielleicht, falls ich diesen Text hier in die Finger bekomme: Wie ich damals bloß geschrieben habe? So fad. So … (Wörter einfüllen erlaubt).
🙂

Listen

Listenreich sei der
Mensch. Heißt es. Hinterlistig liegen sie auf der
Lauer. Lungern herum. Be-
decken Küchen- und
Schreibtisch. Listen, die mich daran erinnern, was
zu tun ist. Listen, die mir sagen, was ich einzu-
kaufen muss. Listen, die mich informieren, welche
Menschen anzurufen, zu treffen, über dies und jenes zu
informieren sind. Listen überall. Den
einen wird gegeben. Den anderen wird
genommen. Kurz und gut sind sie mir
am liebsten.

manchmal … II

das leben ist
manchmal zum grübeln und manchmal zum stöhnen (seufzen?)
manchmal zum weinen (vor freude? vor trauer?) und manchmal zum schreien (vor schmerz? vor lust?)
manchmal zum flüstern und manchmal zum schreien (vor freude? vor übermut? vor entrüstung?)
manchmal zum schimpfen (zetern?) und manchmal zum (wie übersetze ich bloß gögge ins hochdeutsche? erbrechen? brechreiz haben?)
manchmal zum dran rum fingern und manchmal zum angestrengt arbeiten (gibt’s dafür keine passenderen verben?)
manchmal zum rülpsen und manchmal zum – na, was wohl? – furzen natürlich …
manchmal zum hungern und manchmal zum kotzen
manchmal zum kichern und manchmal zum jauchzen
manchmal zum spinnen und manchmal zum seufzen
manchmal zum tanzen und manchmal zum stolpern
manchmal zum fliegen und manchmal zum kriechen
manchmal zum schmusen und manchmal um genau dort ein klein bisschen weiter zu machen
und manchmal zum stehenbleiben
und manchmal um einige schritte rückwärts zu gehen
und manchmal, ja manchmal, würde ich am liebsten von vorne anfangen

Wie versprochen der Versuch den gestern gebloggten Text ins Deutsche zu übersetzen. Ich habe dabei die Satzstellung aus dem schweizerdeutschen Text beibehalten … Da ich als Eingewanderte nicht wirklich perfekt berndeutsch spreche, wage ich nicht den Text als berndeutsch zu bezeichnen.

Einmal mehr begreifen ich, dass sich eine Sprache nicht eins zu eins übersetzen lässt. Die kraftvollen Schweizer Ausdrücke verlieren unterwegs ihre Melodie. Wörter transportieren eben mehr als nur einen Begriff, sie transportieren Emotion. Außerdem ist der berndeutsche Dialekt unendlich reich an vielschichtigen Wörtern, die, je nach Anwendung, mal so mal so verwendet werden. Nur schon für schreien (ob aus Lust oder aus Frust) gibt es unzählige Varianten. Als ob in Bern besonders viel geschrien würde … und ob ich wohl darum so gerne hier lebe? 🙂

Übrigens: Ein Online-Wörterbuch für Interessierte gibt’s hier (klicken).

manchmal …

s’läbe-n-isch
mängisch zum chnüble u mängisch zum byschte
mängisch zum gränne u mängisch zum bbäägge
mängisch zum köschele u mängisch zum mögge
mängisch zum chiffle u mängisch zum gögge
mängisch zum chafle u mängisch zum chnorze
mängisch zum gorbse u mängisch zum furze
mängisch zum hungere u mängisch zum chotze
mängisch zum giggele u mängisch zum juuchze
mängisch zum schpinne u mängisch zum süüfzge
mängisch zum tanze u mängisch zum schtoggle
mängisch zum flüüge u mängisch zum schnoogge
mängisch zum schmuuse u mängisch zum gnau dert
grad echli wiiterzmache
u mängisch zum bliiebe schtoh
u mängisch zum es paar schritt hinderzi go
u mängisch, ja, mängisch, würdi am liebschte vo vore aafoh …

Übersetzung folgt demnächst in diesem Theater 🙂

Intermezzo II

Genießen, was ist. Einfach so. Das kleine
Holzscheit, das das Feuer
nährt. Das sündhaft
teure Teppichstück vom Sperr-
müll, das dem eisigkalten
Fußboden in der Werkstatt
die kalte Spitze bricht. Das
schöne Bild an der
Wand, das die Augen weiden lässt und
die neuen Socken (auch
wenn sie ein bisschen zu groß sind), die
die kalten Füße wärmen. Dankbarkeit ist
der kleine Stein, der am Boden liegt und
sagt: Heb mich auf, und dir erst in
deiner Hand seine wahre
Gestalt offenbart. Und die
Orchidee, die nicht duften kann. Es
genügt ihr,
schön zu sein.

 

Für J.