Lipogramm IV

Heute nicht das i-entleerte Lipogramm, nein, denn es ist Freitag. Mit i, nicht ohne. Wie Irgendlink gestern bemerkte. Heute das o-Ding. Das passt. Morgen das i-Teil und am Sonntag jenes mitohne u drin. Ob ich auch eins mitohne x hätte, fragte mein Liebster weiter. Das wäre alltagskompatibel. Ich werde es mir überlegen, vielleicht … Wenn ich mal gaaanz viel Zeit habe.

o-entleert

Summiere alle deine
Ideale, Pläne, Träume, Sünden, Nach-
lässigkeiten, und
Wunden. Addiere dein Blut mit meinem, dein
Herz mit dem aller
Menschen aus allen
Ländern der Erde. Das Ergebnis, wen
wundert‘s, ist Null. Immer. Sag mir, du da, ist Null
dir viel, ist Null dir wenig? Ist Null Anfang,
Same, Ursprung – Ziel vielleicht? Ist Null Leben
oder nichts mehr? Kein Gewicht. Darum
vielleicht
gar
die Liebe schlechthin?

Lipogramm II

a-entleert

Kennenlernen im Kopf, dem geschüttelten
und sich dehnen, doppelt. Vielen kichernden Gespenstern
zum Trotz großzügig verzeihen ohne
ins Dorf hinein zu gehen. Denn
Gegenwehr im Gegenteil zu Hellsicht
sei Holprigkeit. Wie sie sich einbildete.
Gewehre eben, entgegen der Meinung vieler, spiegeln
immer ein Bild von Leere. Denkt sie. Im Kopf, dem
geschüttelten, wie du weißt.

sich bücken

ist schreiben, ist leben, ist
lieben, ist weben nicht
einfach ein
bisschen wie volleyball
spielen. von mir
aus auch tischtennis. hin und
her mit dem ball. sich bücken immer
wieder, um das
ding wieder in die luft zu bekommen. vielleicht
ist schreibenlebenliebenweben
auch einfach beweg-
ung um der bewegung willen. wander-
ung. sprung.
sprung
in den himmel. oder die hölle. in der hoffn-
ung, zu fliegen. egal wohin. wie
die von feld zu feld hüpfenden
kinder auf dem platz zwischen den
häusern, heben wir ab, ein bisschen nur, doch
immer wieder, und landen auf
dem boden. immer wieder
wird der stein in den himmel geworfen. einfach
nur um in den himmel
zu fallen. auf dem teer.

Nicht warten

Leben. Nicht irgendwann. Jetzt. Nicht
im Konjunktiv. Nicht
Morgen. Nicht „wenn –
dann“. Jetzt. Die Später-
Falle sehen und überhüpfen. Wie
einen Gully. Immer ist Gegenwart. Auch
gestern und morgen. Früher war früher
jetzt, später später mal und Zukunfte
sind Plural. Viele Wege. Einen
nur kann ich gehen. Selbst-
bestimmt. Den Richtigen durch
meine Wahl. Alles. Freunde auch.
Arbeitsstellen. Zuhause-Dächer.
Lieblingsmenschen ganz besonders. Ent-
scheidungen sind schwierig, bis sie ge-
troffen sind. Dann gehen. Bis zur
nächsten Kreuzung. Jetzt gehen. Nicht
im Konjunktiv leben.

Perpetuum mobile

Perpetuum mobiles gibt es
nicht, sagst du. Doch, sogar
zwei, sag ich, die unterschiedlicher nicht
sein könnten.

Liebe heißt die eine. Sich
selbst erneuernd, bewegt
sie sich immer-
während weiter und weiter
und weiter. Hass ist der
Name der zweiten. Kehr-
seite der andern.
Endlos wie die Zahl
acht, der doppelte
Kreis, der Brunnen. Sie
leeren sich aus, füllen
sich selbst und nähren sich
ständig neu … wieder und
wieder und wieder.

Gut oder schlecht kümmert
weder Liebe noch Hass.

wohin?

wo versteckt sich das dunkel am
morgen, wenn die sonne sich über
das dach drängt? wohin entweicht die
farbe, wenn die sonne die buntheit der
decke auf dem gartenstuhl
bleicht und wohin schwingt sich der ton, wenn
er verklungen ist? sag mir doch, wohin
meine gedanken fließen, wenn ich
einschlafe!

ach, und wo ist der raum, wo alles
nichts ist?

nein, sag
nichts. ich liebe
geheimnisse.

Schreib dich von A nach B und wie

Buchstaben sind nicht
viele da nur sechsundzwanzig um
genau zu sein (in unserer Sprache jedenfalls) und unzählige
Möglichkeiten sie zu verbinden mit oder ohne Lücken zwischen-
drin um aus ihnen Wörter zu formen unzählige Möglich-
keiten nur schon auf Deutsch und für Sätze erst unendlich viele Kombi-
nationsmöglichkeiten zu sinnvoller und sinnloser Kreativität
um sich von A nach B zu schreiben nicht
einfach linear sondern zyklisch von Punkt
zu Punkt tanzen und dazwischen der
leere Raum des Unausgesprochenen des Unbe-
schreiblichen das Netz das die Tautropfen der un-
fertigen Gedanken auffängt und verdichtet
oder auch nicht denn
nicht alles muss sichtbar gemacht nicht alles muss material-
isiert werden heute sind es die Satz-
zeichen die keine Lust haben sich
an dieses Geschreibsel hier zu
binden weshalb diese Worte hier sich zu
einem einzigen langen Satz
versammelt haben
Punkt

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Morgen treff ich mich mit drei vier anderen Schreibfreaks zum diesjährigen Schreibmarathon. Letztes Jahr, am Pfingstmontag, war die Première. Bin auf die zweite Auflage ja schon sehr gespannt!

gelbblau

Gestern I

Auf dem Velo den Frühling gespürt. Die Sehnsucht nach Sommer. Nach Ruhe. Nach Bewegung. Nach auf der Wiese liegen und den Wolken zuschauen. Sehnsucht nach einfachem Sein. Sehnsucht? Vielleicht brauchen wir immer ein leichtes Sehnen, sonst würden wir einrosten, stehen bleiben.

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Gestern II

Gelbe Rosen. Echte. Nicht wie meine
winterfesten aus Stoff, die
gleich daneben in
der Erde stecken. Gelbe Rosen.
Wer wohl hier war?
Kleine Osterglocken, aus der
Erde strebend. Blühend. Und Lavendel. Noch
ohne lila Lebenszeichen. Dafür
vergissmeinnichtblaue Farbtupfer. Das
Gras ringsum frühlingsgrün. Saftig. Die Augen
weiden.

Ich dimme den Verkehrslärm.
Bin ganz hier. Gehe zwischen
den kleinen Gräbern entlang. Denke
an die anderen, die
ebenfalls hierher kommen.
Kehre zurück
zum gelbblauen Gärtchen.
Gelbe Rosen.

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für Lars

© by Sofasophia, 8. 4. 2010