Immer wieder stolpere ich über dich. Leben ohne dich könnte ich nicht. Ich liebe dich, Schönheit. Was bist du wirklich – oder WER? Illusion? Eine Frage des Sichtwinkels, eine Frage des Lichteinfalls im wörtlichen oder bildlichen Sinn? Nicht definierbar! Doch irgendwo in uns drin steckt diese Ahnung von Schönheit. Von einer inneren Lust oder Sehnsucht getrieben, bewegen wir uns immer wieder auf Schönes zu. Zumindest die Anlage dazu ist, behaupte ich, in uns drin. Ist dem nicht so, sind wir entweder tief verletzt worden oder sind depressiv, masochistisch veranlagt oder sonstwie ge- oder betrübt. Dann kann Schönheit ganz schön weh tun und ist kaum auszuhalten.
In der Einsamkeit der Liebe lernen wir das Ertrinken, sagt Anne Michaels‘ in ‚Wintergewölbe‘. Die Einsamkeit der Liebe und das Ertrinken oder die Lehre desselben haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam, ausser dass beide unbeliebt sind. Zugegeben, diese Metapher kann ich nicht ganz knacken, doch ihre Schönheit berührt und nährt den zarten, melancholischen, ganz und gar uncoolen Teil meiner Seele.
Ja. Schönheit nährt. Ich mag besonders Schönheitshäppchen aus Worten, Sätzen, Gedanken und Berührungen. Das Betrachten glücklicher, lachender Menschen gehört ebenso zu meinen Seelenmahlzeiten wie das Betrachten eines Baumes. Oder spielende Kinder. Melodien, Lieder, Klänge. Das Klagen einer Klarinette oder eines Saxophons, das Jubilieren einer Violine. Vergängliche Naturereignisse wie die Sonne, die durch ein Blätterdach scheint oder auf oder untergeht (na ja, die Aufgänge bekomme ich kaum mit) oder ein Sternenhimmel in den Bergen. Es ist die Vergänglichkeit, die mich berührt. Überflutet. Schönheit lässt mich hoffen, dass doch nicht alles verdorben ist. Dass es so etwas wie Reinheit, Güte und Klarheit gibt. Nicht nur da draussen irgendwo, nicht nur in der unberührten Natur, sondern mitten unter uns. In uns. In mir und meinen Mitmenschen. Trotz all dem Scheiss, den wir anrichten.
Schönheit zu betrachten, mich auf sie einzulassen, ist meine Therapie. Nährend und heilsam. Und praktisch kostenlos.
Nein, Schönheit kann weder absolut gesehen werden noch für alle wahr sein. Sie ist einfach. Und sie tut gut.