Am Anfang war das Loch

Blogfrei war gestern. Gestern wollte ich einfach mal wieder in die handfeste Materie eintauchen – ganz ohne Virtualität. Zwar habe ich auf dem iPhone Mails gelesen und ein klitzeklein bisschen gesurft, das war es aber auch schon. Gar nicht mal schlecht, ab und zu offline zu sein. Auch meine saubere Wohnung dankt es mir.
Ein Tag ohne Laptop ist dafür ein Tag mit Notizzetteln. Denken in Echtzeit, steht auf einem von ihnen. In Stichworte gepackte Erkenntnis. Auf einem schönen Novembersonne-Mittwochnachmittagsspaziergang begriff ich, dass für mich Schreiben die einzige Tätigkeit ist, die ich zeitgleich mit Denken tun kann. Eben: Denken in Echtzeit. Jedes andere Tun verhindert gleichzeitiges Schreiben, gleichzeitiges Konservieren von Gedanken. Obwohl ich bei allem, was ich tue und lasse über das Leben nachdenke oder nachfühle. Doch diese Gedanken sind ätherisch. Wie Düfte. Kaum gedacht, schon weg. Wie wichtig diese meine Gedanken sind, sei dahingestellt. Dennoch will ich Gedankenblitze und kleine Erkenntnisse, die mir das Leben begreifbarer machen, eben oft festhalten. Sie festhalten und sie auch gleich schreibenderweise einkochen, um sie später hervorholen zu können. Ich will die gefundenen Spuren zu mir selbst behalten, festhalten, halten.
Gegenteil von Loslassen! Oops, die Gedanken, was sag ich da, die Finger machen sich mal wieder selbständig und tippen schneller, als ich denken kann. Von Loslassen wollte ich hier gar nichts schreiben. Viel zu anstrengend.
Auf einem anderen Zettel steht Innerer Arzt. Er soll mich an jene Sendung, die ich vorgestern spät abends mit meinem Liebsten gehört habe, erinnern. Neulich auf Arte war ein Beitrag zum Thema. Sehr gut gemacht, finde ich. ((Hier klicken zur SendungDanke, Kati, für den Link und den Input!))
Ha, jetzt hat‘s auch die Wissenschaft
endlich begriffen, sagte ich. Uraltes Wissen, das hier! In den Kursen von Luisa Francia haben wir genau diese Erkenntnisse schon vor fünfzehn Jahren praktiziert. Imagination, nennt sich das. Und da steckt das Wort Magie drin, das Außenstehende immer so schön nervös macht. Dabei geht es genau darum, dass wir uns, und damit eben auch unseren Körper, dorthin begleiten, wo wir wahrnehmen, was ist. Und was wir wirklich (= für die Wirklichkeit) brauchen. Wie wir uns heilen können. Uns vertrauen. Dem Körper vertrauen. Darum geht’s. Sogar die in der Sendung vorgestellten Techniken, um solche Prozesse in Gang zu setzen, sind denen ähnlich, die wir damals in unseren Workshops kennengelernt und geübt haben. Doch jetzt ist die Wirkung von Imagination und die Selbstheilungkraft des Körpers endlich auch für Weißröcke und deren Gläubige wissenschaftlich nachgewiesen. Na also, geht doch.
Schade, dass wissen allein nicht genügt. Ich praktiziere all mein Wissen und Ahnen viel zu wenig. Das Asthma zum Beispiel, das ich seit einem Jahr in akuten und latenten Stressphasen habe, wie könnte ich es wohl mit Hilfe meiner Inneren Ärztin lösen? Und würde ein Placebo meine Schilddrüsenfunktion ebenso normalisieren, wie es meine Tabletten (hoffentlich) tun? Und wie wäre es wohl, wenn eine Frau, die schwanger ist, statt Folsäure ein Placebo nähme? Wie verhält sich der Körper zu Informationen, die ihm geliefert werden? Wo ist die Schnittstelle?
Apropos Schnittstelle. Machen wir doch hier mal einen Schnitt.
Neulich habe ich über Sucht gebloggt. Vorgestern, beim Arbeits-/Weihnachtsessen meines ehemaligen Teams, das mich unbedingt dabei haben wollte, kam das Gespräch aufs Rauchen. Ich erzählte im Verlauf der Diskussion, wie ich mir vor ungefähr zweieinhalb Jahren das Rauchen abgewöhnt hatte. Nämlich einzig und allein mithilfe der Erkenntnis, dass ich mir irgendwann mit sechszehn eingeredet haben muss, das Zeug schmecke gut. Natürlich war die Geschichte damals ein klein bisschen komplexer, doch irgendwie und irgendwo muss ich damals irgendeinen Schalter umgelegt haben. Und den gleichen Schalter hatte ich eben vor zweieinhalb Jahren zurückgekippt. Stopp Lebenslügen!, war mein Ansatz damals. Diese eine zu knacken war jedenfalls kein schlechter Anfang.
Jede Sucht ist eine Ersatzhandlung, sagte ich. Kopfnicken rundum und die nächste erzählt eine Episode aus ihrem Leben.
Ersatzhandlung. Ersetzen. Ersatz. Unersetzlich. Ersetzlich. Während ich später nach Hause fahre, beginnt das Wort in mir zu taumeln. Am Anfang war nicht das Wort, nein, am Anfang war das Loch. Sonnenklar! Das Loch. Der Fall aus dem Paradies war nämlich ganz anders. Da war das Loch. Die Sehnsucht. Und Löcher bringen es so mit sich, dass sie gefüllt werden wollen. Sie sind magnetisch. Wie Sehnsüchte. Wir scheitern ständig am Versuch, etwas ersetzen zu wollen, das nie da war – außer als Ahnung, als Erinnerung, als Urinnerung. Das nie mehr war als eine Ahnung von Himmel.
Fast unstillbar dieses Ziehen! Keine Droge kann dieses Loch füllen. Keine Handlung. Nichts.
Außer … dass du das bist und das lebst, was nur du kannst. Auf diese deine Weise. Und das liebst, was du bist. Ganz. Denn das warst du schon immer. Ich auch. Und ja, auch in diesem großen Ganz drin hat es Löcher, doch die müssen sein. Die Löcher gehören dazu.

Von Komfortzonen, Glasglocken und Suchtstrukturen

Vergiss das da draußen, das ist nicht das wirkliche Leben!, sagte der neunzehnjährige Gusto zu seinem ebenfalls drogensüchtigen Freund Oleg, als sie an einem Freiluftkonzert vorbeifuhren und den jubelnden, feiernden Menschen notgedrungen zuhören mussten. Unser Leben, das ist das reale Leben!
So ähnlich steht es irgendwo im neuen Buch von Jo Nesbø. Die Larve heißt es – gemeint ist damit jene gespenstische Maske, welche das wahre Gesicht dahinter verschleiert. Nein, dies wird keine Buchbesprechung, da alle Harry-Hole-Fans an diesem Buch eh nicht vorbei kommen. Und solche, die es noch nicht sind, dürfen es werden, denn Nesbø erzählt nicht nur sehr komplexe Geschichten, sondern auch in einer anschaulichen Sprache, die originell und kreativ ist.
Wie oft habe ich wohl schon über Drogensucht gelesen, Erfahrungsberichte ebenso wie Romane. Kaum je ist mir jedoch eine Geschichte so unter die Haut. Wie sehr sich das Leben Süchtiger um das eine dreht. Und das jemand, der Drogen braucht, dafür alles, fast alles, zu tun bereit ist – nein, das hatte ich tatsächlich beinahe vergessen. Ursache und Wirkung. Sucht ist die Wirkung, doch was die Ursache ist, kann niemand für alle beantworten. Leid ist das erste was mir persönlich dazu einfällt, als Oberbegriff, und auch das letzte, der bittere Abgang. Huhn und Ei zugleich.
Süchtig im umfassenderen Sinne sind wir doch alle. Ich habe zwar alte Süchte abgelegt, doch nur um sie durch neue zu ersetzen. Iphonesucht, Schreibsucht, Blogsucht, Lesesucht – um einige zu nennen. Ja, auch Kreativität hat Suchtpotential. Gib dem Körper Glückshormone, schon bist du high. Wir brauchen Botenstoffe. Wenn wir sie nicht selbst produzieren können, holen wir sie von draußen irgendwo.
Warum? Weil das Leben sonst unerträglich ist, sagen die jungen Süchtigen im erwähnten Buch sinngemäß, weil das Leben, das reale Leben Sch… ist.
Weil das Leben sonst grau-in-grau und allzu alltäglich ist,
sage ich. Weil das andere mir nicht reicht.

In meiner Glasglocke, in der ich lebe – selbstgewählt ohne TV, Zeitung und kaum Nachrichten – bekomme ich vom Leid da draußen wenig mit. Außer wenn ich Krimis lese oder DVDs schaue. Selbstverar…ung? Guck ich weg? Oder begegne ich nicht, in dem ich bei mir bin, zugleich der ganzen Welt?
Ich gestehe, ich schätze den Luxus meiner kleinen heilen Welt – meistens jedenfalls, wenn mich nicht grad, wie jetzt, das schlechte Gewissen und eine umfassende Ohnmacht überfällt –, denn solange ich mich innerhalb meiner Komfortzone aufhalte, geht es mir gut und das Leben ist erträglich. Einfache Mathematik. Ich genieße diese Zone und verlasse sie nicht gerne. Bin ich möglicherweise komfortzonesüchtig? Unfrei im großen Raum der Freiheit? Oder frei inmitten großer Unfreiheit?
Nein, ich habe zu meiner Rechtfertigung nichts zu sagen. Und ja, vor zwanzig Jahren war ich anders. Und praktisch genussunfähig. Schließlich gibt es immer welche, die leiden, die durch die Hölle gehen, die von andern mutwillig zerstört und umgebracht werden. Wie sollte ich da meine kleine heile Welt genießen können, zumal diese ebefalls eher instabil als stabil war.
Dieses Buch nun hat mich erneut an genau diesen Punkt katapultiert. Was weiß ich wirklich – wirklich! – vom Leben?, dachte ich beim Lesen ständig. Und welches bitteschön ist nun wirklich das wahre, das wirkliche Leben? Wir kennen die Antwort.
Gier und Sucht nach Macht und Reichtum in allen Spielformen so wahr wie die leidenschaftliche Sehnsucht nach Frieden, Heilung und Geborgenheit. Wir alle verfolgen bewusst oder unbewusst jenen Weg, der uns am aussichtsreichsten erscheint, um das gefühlte, gedachte, ersehnte, geSUCHTe Ziel zu erreichen. Sogar wenn es Selbstzerstörung heißen sollte.
Bin ich resigniert, frustriert und abgelöscht? Zuweilen schon. Und ganz gewiss bin ich naiv, denn ich glaube noch immer, dass das Leben als Mit- und nicht als Gegeneinander gedacht war, weil nur so Evolution möglich ist. Und dass eigentlich jedes Leben ein Leben in Fülle und Frieden sein könnte. Nicht zuletzt, weil es genug von allem für alle hätte. Hat. Eigentlich.

Barcode-Mysterien

Wie wir heute Morgen in Sachen Geld nach P. fahren – er zur Verbraucherzentrale wegen der Sache mit unserer Telefonrechnung, ich aufs Arbeitsamt, um zu erfahren, dass ich bereits Ende Monat Arbeitslosengeld bekommen werde – fällt mir auf einmal unser Barcode ein. Jenen, den J. am letzten Freitagabend selbstgebaut hat und der nun am Galerie-Schaufenster der Walpodenakademie klebt, in welchem unsere Bilder ausgestellt sind. Wer ihn lesen kann, erfährt so unsere Kontaktdaten. Schwarz auf weiß, winzige Quadrate, beliebig zusammenzusetzen. Jedes klitzekleine Feld steht für ein Wort, für einen Buchstaben, für Satzzeichen, für Links, für Leerzeichen.

Bild: unser Barcode nach bester iDogma-Manier verappt, will heißen mit Apps bearbeitet. Als da wären eine ganze Symphonie fürs Hintergrundbild, dazu Blender und Halftone für die Fertigstellung.
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Unheimlich für uns, die wir das Ding nicht mit unseren Augen, mit unseren Sinnen, mit unseren uns im Laufe des Lebens angeeigneten Werkzeugen entschlüsseln können was wir ständig mit allem tun, was uns begegnet.
Unheimlich, um nicht zu sagen apokalyptisch – jedenfalls noch vor zwanzig Jahren, als die ersten Strichcodes eingeführt wurden.
Unheimlich, weil unbekannt.
Kannst du jedoch die Zeichen lesen, erschließt sich dir eine ganze Welt. Und du wirst wissen. Mit J.s iPhone, das mit einer Dechiffrier-App namens Barcoo ausgerüstet ist, wird Verstehen zum Kinderspiel. Er muss bloß das schwarzweiße Quadrat fokussieren, schon piepst das schlaue Technikding sein Simsalabim und auf dem iPhone steht die Antwort. Kontaktdaten zum Beispiel. Wie eben bei jenem, das J. für uns beide gebaut hat.
Unheimlich ist, was wir nicht kennen. Wie wäre es mit der vierten Dimension? Im schon wiederholt zitierten Buch Flächenland geht es vor allem um die Flachländer, jene Geschöpfe, die ausschließlich in zwei Dimensionen leben. Die Geschichte erzählt von einem, der das unheimliche Land der drei Dimensionen gesehen hat. Als dieser anderen von der dritten Dimension erzählt, beißt er auf Granit. Das kann ja nicht sein!, sagen sie. Und kerkern ihn ein.
Doch auch mit der dritten Dimension ist das Ganze nicht zu Ende. Ich sag gleich noch einmal vierte Dimension.
Vielleicht ist ja jedes Bild – j-e-d-e-s Bild! – wenn wir es riesig vergrößern, so dass wir nur noch die einzelnen Pixel sähen, die allerdings noch irgendwie zu schärfen wären –, eine codierte Information? Wir müssten sie nur dechiffrieren!, sage ich zu J., der im Gegenlicht das Auto nach P. lenkt. Meine Augen halb geschlossen, weil ich zu faul bin nach der Sonnenbrille zu suchen. So wäre jedes Bild eine Geschichte. Und umgekehrt lässt sich wohl auch jede Geschichte in einen Barcode bringen.
Fiktiv geht das auf jeden Fall, ich tu‘s ja schon. Hier und jetzt. Gedanken und Ideen kennen keine Grenzen. Ob es praktisch geht, muss ich noch ausprobieren.
Doch irgendwann brauche ich vielleicht gar keine technischen Hilfsmittel mehr dazu. Ja, ich sehe es schon vor mir! Im nächsten Leben werde ich Bilder- und Geschichtenflüsterin.
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EDIT:
Hier (klicken) habe ich den fettgedruckten Satz aus obigem Artikel in den nachfolgenden Barcode generiert 🙂

ausgezeichnet?

Gleich zweimal habe ich in den letzten Tagen den Versatile Blog Award erhalten. Ich bedanke mich herzlich bei den Damen Penelope & Ariadne und Sherry Iranique.
So sieht er aus:

und das sind seine Regeln:
1. Bedanke dich bei der Person, die dich mit der Auszeichnung beehrt hat und verlinke ihren Blog.
2. Teile mit deinen LeserInnen sieben Fakten über dich. Bei mehreren Awards entsprechend multiplizieren. 🙂
3. Gib die Auszeichnung an fünfzehn andere Bloggende weiter, deren Blogs du wertschätzest und benachrichtige sie, denn sie sollen ja erfahren, dass sie von dir die Auszeichnung erhalten haben.
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Sie hat ein bisschen zu viel Phantasie, sagten die Lehrpersonen zu ihren Eltern. Und ihre Schrift! Wer soll das lesen können?!
Eine Träumerin!, sagten die Leute von ihrer Clique, als sie jung war. Doch sie träumt auch heute noch.
Du kannst aus nichts etwas machen!, sagte ihr erster Ehemann. Du guckst in den Kühlschrank und zauberst in einer Dreiviertelstunde ein geniales Essen. Und das ganz ohne Rezept!
Du machst nichts aus dem, was du könntest!,
sagten ihre Eltern. Du könntest studieren. Du könntest Karriere machen!
Wie machst du das bloß, dass Menschen dir schon nach ganz kurzer Zeit Persönliches aus ihrem Leben erzählen?,
sagte ihr Liebster.
Deine Bilder sind einfach fantastisch!, sagte Freundin L., deine Ideen sind einfach so clever umgesetzt.
Ich glaube an deine Schreibe!, sagte Freundin C. zu ihr. Und ich freue mich auf deine Bücher.
Du bist so gar nicht nachtragend!, sagte Freund M..
Und sie, was sagt Sofasophia über sich? Das Außenbild, gleicht es nicht irgendwie einer Gipsmaske, die noch während sie auf der eingefetteten Gesichtshaut erstarrte und trocknete, bereits Vergangenes abbildete?
Doch sie, sie ist die, die hinter die Maske und darunter, sie ist die, die hinter den Vorhang blicken will, selbst wenn sie weiß, dass es dort nicht immer schön ist.
Sie liebt Spaziergänge, tut es jedoch viel zu selten. Sie liebt Gedankenspiele und angeregte Gespräche. Sie denkt und fühlt und lebt. Ein Privileg, wie sie heute im Wald begriffen hat.
Was wäre, wenn ich damals, mit sechzehn immer tiefer in jene Gruppe gerutscht wäre, die mit Drogen experimentiert hatte. Wäre ich so wie heute?, denkt sie, dankbar, dass sie da ist. Noch.
Zuhause findet sie eine Mail in ihrem Postfach: Gratulation, du bist Künstlerin des Tages bei IPA, unserer iPhoneArt-Gallery. Vierundzwanzig Stunden Ruhm und Ehre. Und Komplimente. Und liebe Gratulationen. Hat die Kaiserin Kleider an?
Mit dem Liebsten hat sie dieser Tage beim Autofahren über Anerkennung philosophiert, und die Unfreiheit, die Erwartung und den Druck, die gleich mitgeliefert werden. Jede Auszeichnung ist eine Messlatte. Mehr! Besser!
Frei ist, wer über diesen Dingen steht. Eine Freiheit, die sie sich wünscht. Gepaart mit dem Wunsch, dass ihre Bilder und Texte als eigenständige Werke etwas bewegen und berühren. Kunst losgelöst von den KünstlerInnen, Kunst mit Aussage, Kunst in einen sozialen Kontext gestellt – kein Egotrip.
Wer hat mitgezählt? Hat sie inzwischen schon vierzehn Fakten – Fakten? sind das Fakten? – verraten? Hat sie ihr Soll erreicht?
Und hiermit reicht sie den Award weiter an folgende Damen und einen lieben Herrn, da sie alle diese Blogs allesamt mit Genuss und Lust liest. Und natürlich liest sie noch andere Blogs sehr gerne. Erwähnt sei hier zum Beispiel die nicht gelistete Frau Freihändig – und sie hat noch mehr Lieblingsblogs, auch solche, die zurzeit oder schon länger brachliegen … Zum Glück ist bloggen freiwillig! 😉
# aramatique
# Anhora
# Canela
# irgendlink
# Hausfrau Hanna
# Hausdrachen
# Kati
# Kirschkernzeit
# Li Ssi – Café Weltenall
# Madame Lila
# Mützenfalterin
# Quersatzein
# RAH
# Syntaxia
# Wildgans
Eigentlich müssten auch Sherry Iranique und Penelope & Ariadne von mir, ähm ihr natürlich, diesen Award erhalten, doch sie haben ihn mir, also natürlich ihr, ja überreicht! 🙂

Kunst überall

Gleich Mitternacht. Ich bin müde und mein Kopf brummt noch immer ein wenig von unserem Tag in Mainz.
In der dortigen Galerie Walpodenakademie durften Irgendlink und ich das eine der beiden Schaufenster mit einem Teil unserer iPhone-Kunstwerke von unserer Ausstellung im September bestücken.

Auf obigem Bild, das ich mit der Panorama-App-Kamera Photosynth aufgenommen habe, ist es zu witzigen Bildüberschneidungen gekommen. Das ist zwar unperfekt, jawohl, aber witzig dennoch. Wenn ich das Bild im Bildordner dieser App aufrufe, erscheint es in „elastischer Form“. Ich kann es mit Fingertippen hin und her, rauf und runter bewegen und so ein Google-Earth-artiges, dreidimensionales Betrachten erzeugen. Macht echt immer wieder Spaß, diese App!

Eine Auswahl der gerahmten Kunstwerke haben wir gleich für die Kunstausstellung „ArtShop“ – ebenfalls in der Walpodenakademie – mittransportiert. Hier mehr Infos:

Zum Programm (PDF) hier klicken >>> Artshop-Programm
Geht hin und schaut … 🙂
Sämtliche unserer ausgestellten Bilder – und ein paar mehr – könnt Ihr sowohl dort vor Ort als auch in unseren beiden Whitewall-Galerien kaufen! > Sofasophia: hier klicken & irgendlink: hier klicken.
Ich kann nur sagen: Superqualität! Und ich sag bloß Weihnachten, Weihnachtsmuffelin, ich!
Auf dem Weg zurück zum Auto dies hier aufgelesen – Graffiti und Schattenwurf wetteifern um eine Hauswand.

Auf dem Heimweg schließlich ein Abstecher auf den Donnersberg, den höchsten Punkt der Pfalz. Leider ist aus dem Bild, das mich auf dem kleinen Mark-Stein in der Yogastellung Baum hätte zeigen sollen, nichts geworden. Ich hab zu früh das Gleichgewicht verloren, jawohl, aber egal. Hauptsache, wir waren da. Und es war echt magisch, so in den Wolken zu schweben.

Kunst überall, habe ich diesen Artikel genannt. Ja, und Kunst ist auch jederzeit. Gestern, heute, morgen. Gestern Abend war Ausstellungseröffnung in H. in der Galerie B. (für mehr Infos: hier klicken, doch die Ausstellungsseite ist im Moment offenbar noch nicht aktualisiert).

Spannende Leute haben wir getroffen. Witzig, dass eine von den Künstlerinnen – Katharina Kunz (in der Bildmitte) – Schweizerin ist, wie ich. War echt schön, mal wieder Dialekt zu schwatzen 🙂
Dank eines Gesprächs mit dem Künstler Klaus Harth habe ich ein spannendes Kunstblog entdeckt. Besonders angetan haben es mir Klaus‘ Vogelbilder, von denen übrigens auch ein paar im ArtShop in Mainz hängen werden. Es lohnt sich also wirklich, im Dezember nach Mainz zu fahren!
Demnächst will und werde ich mich hier zum „Versatile Blogger“-Award, der mir verliehen worden ist, äußern. Mal sehen, was mir dazu einfällt 🙂
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Bilder: iDogma:
Bild 1: fotografiert mit Photosynth, bearbeitet und beschnitten mit PS Express
Bild 2, 4 und 6: fotografiert mit Hipstamatic, unbearbeitet
Bild 3: Flyer der Walpodenakademie
Bild 5: fotografiert und direkt bearbeitet mit Pro HDR

November – reloaded #1

Taubnesseltee getrunken
am Morgen, der Mittag war,
Bitterkeit gedacht, dabei Tränen
weggewischt, erfolgreich. Gedanken
weggewischt, erfolglos.
Gedanken wie diesen: Was
mach ich hier? Überhaupt.
Life Is Just A Big Wheel.
Geschrieben und Musik getrunken.
Bitter. Süß.
Wozu?,
gedacht und
mit J. telefoniert,
mittendrin
gespürt, dass es andere
Sichten
gäbe.
Gäbe. Spam
in der Mailbox.
Bierflaschenberge
entsorgt und eingekauft. Neues
Zeug, das gegessen werden wird, im Kreis
gehen, immer? Jetzt?
Auf der Spirale gehen.
Immer weiter, egal wohin.
Novemberblues. Auf dem Balkon die
verdorrten Sommerblumen
geschnitten und die
Rose gefragt,
wie sie überwintern will
Und ob. Oder sterben als
Option. Bin ich
winterhart? Mein
Leben? Meine Liebe? Mich
stechen lassen von ihr, der Rose. Das
Blut ablecken und ihre dürren Blätter
einsammeln. Kompost.
Im Kreis
denken. Endlos tief
seufzen.
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gebloggt am 20.11.2009,
reanimiert am 18.11.2011
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Ein paar Antworten hab ich gefunden seither und ein paar dürre Blätter kompostiert. Im Kreis gehe ich noch immer ab und zu. Häufiger jedoch auf der Spirale. Sichten, ja, die gibt es immer so und anders. Immer. Abrufbar für jene, die es wagen. Und zur süßen Bitterkeit – oder war es bittere Süße? – ist mehr herbe Säure und mehr Salz, ein Quäntchen zumindest, dazu gekommen. Mehr Tiefe auch und mehr Höhe. Mehr Weite und mehr Liebe. Mehr Lachen auf jeden Fall.
Und ja, die Rose hat jenen Winter überlebt. Den Winter danach allerdings nicht. Sie ist zu Kompost geworden, wie alle und alles eines Tages.

Bloggitis und Schwester Glück

Die Diskussion um Sinn und Unsinn der virtuellen Tagebuchschreiberei – sprich Bloggen – macht immer mal wieder die Runde. Ob in Gesprächen mit FreundInnen, in Mails oder in Blogs selbst – irgendwie scheinen wir Bloggenden immer wieder auf großes Unverständnis zu stoßen. Nein, nicht um mich für mein sinnloses Tun zu rechtfertigen, schreibe ich diesen Artikel, sondern aus dem gleichen Grund, warum ich blogge.
Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, mein Leben im Internet auszubreiten!, meinte S. vor ein paar Wochen.
Mein Leben interessiert doch niemanden, was sollte ich da schon erzählen?, meinte C.
Und selbst, wenn ich wollte: Wo sollte ich auch die Zeit hernehmen?, sagte R.
Da haben wir‘s: Ein geradezu unanständiges Mitteilungsbedürfnis, gepaart mit der hirnrissigen Hoffnung, andere könnten sich möglicherweise für die eigenen Gedanken, Bilder und Erlebnisse interessieren – das macht den wahren Blogger und die echte Bloggerin aus. Dazu ein scheinbar grenzenloses Zeitgefäß. Halt, da fehlt etwas, das Wichtigste sogar! Die Lust am Schreiben, die Lust am Erzählen, die Lust, Gedanken in Worte zu fassen. Ja, Lust. Nicht müssen, sondern wollen.
Doch ist ein Text erst mal lustvoll gepostet – was neudeutsch für ins Netz gestellt ist –, geht der Spaß weiter. Ich gestehe es: Ich liebe Kommentare. Als erstes, nachdem ich mein iPhone oder den Rechner eingeschaltet habe, schaue ich unmittelbar nach den Mails in meinem Blog und in meiner Bildergalerie vorbei und lese allfällige Kommentare. Freue mich. Zum Glück beeinflusst dies mein Kunstschaffen nicht wirklich, höchstens inspirierenderweise. Auch sind Kommentare kleine Motivationsspritzen, falls dies mal nötig sein sollte.
Die Kommentarstränge stillzulegen, könnte ich mir aus eben diesen Gründen nicht vorstellen. Ich liebe den virtuellen Austausch sehr, diesen Dialog, der nur dank moderner Technik möglich ist. Sich schriftlich mit Unbekannten auszutauschen, ist allerdings kein Phänomen der Moderne. Auch früher gab es Brieffreundschaften. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Mittel der Kommunikation auf damals unvorstellbare Weise verändert. Und die anonymisierte Form, wie wir sie heute Dank der Pseudonyme kultivieren, macht den Austausch möglicherweise sogar ein wenig authentischer. Das Pseudonym ist quasi die Fasnachtsmaske. Für einmal im mehrheitlich positiven Sinn gemeint.
Bloggenderweise können wir – ähnlich wie beim Schreiben eines Romans –, eine neue Identität aufbauen. Wie Schreibende wissen, steckt ja in jeder Figur, die wir kreieren, immer ein Quäntchen ICH mit drin – und sei es nur ein bisschen vom Anti-ICH. Ebenso ist es beim Bloggen: Auch hier erschaffen wir gleichsam ein neues Selbst. Nein, Quatsch, was rede ich da? Wir erschaffen es nicht, wir lassen bloß eins unserer vielen Selbste an den Tresen, an die Tasten.
Kurz und gut: Schreiben macht Spaß. Und was Spaß macht, hat oft auch das Zeug zum Glücklichmacher. Ja, mich macht schreiben glücklich. Schreibenderweiser tauche in einen leicht berauschenden Zustand ein, den ich schlicht dadurch erreiche, dass ich in Gesellschaft von Worten bin. Dass ich meinem Innen im Außen, auf dem weißen virtuellen Blatt, Raum gebe. Egotrip pur oder ist Bloggen gar ein Weg zur Erleuchtung? Lacht nicht! Wer weiß das schon so genau?
Um mein Glück jedoch wirklich genießen zu können, gibt‘s noch einiges zu lernen. Zu verlernen wohl eher. Grübeln zum Beispiel. Willst du den Orgasmus, kommt er sicher nicht. Es ist doch so, dass, kaum werden wir uns des Glücks gewahr und grübeln über seine Ursache und Herkunft nach, wir auch schon aus der Glücksblase herausfallen. So will ich daher lernen, mein Glück so ähnlich zu genießen, wie es Kinder tun, die sich ihres Glücks als eigentlich normalen Zustand nicht bewusst sind.
Ich schreibe und blogge also, um mich glücklich zu fühlen? Oder schreibe ich, weil ich schon glücklich bin? Weder noch. Bloggen und Glück sind zufällige Bekannte. Oder Schwestern. Glück kommt möglicherweise am liebsten, wenn wir es locken und uns in seiner Nähe aufhalten. Und wenn wir so tun als ob. Dann kommt es und lässt sich in unserer Nähe nieder.
Doch am besten du vergisst das alles gleich wieder. Mit dem Kopf jedenfalls.
Bloggen tu ich wohl einfach, weil ich Lust dazu habe. Ob das nun unsinnig oder sinnvoll ist. Und ob Unsinn manchmal nicht sinnvoller ist, als all die ach so sinnmachenden Dinge?

aus dem Netz gefischt

Heute beim Surfen dieses Blog hier gefunden:
Cambras Blog

Die Autorin kannte ich ich bisher als Kunstbuchautorin. Dass sie bloggt, war mir nicht bekannt. Sie stellt sich und ihre Vision so vor:

Ich erforsche Kunst als Fachsprache des Schamanischen, male, tanze, reise, erfinde mich manchmal neu, besuche gerne alte Feuer, um Lebenslandkarten und Geschichten zu teilen.
(Quelle: Blogsite: About me)

Was lese ich da in ihrem Artikel vom zehnten November? Über die Kultivierung des Unperfekten?!
Wooow, das muss eine noch unbekannte Cousine sein, und mir fällt auch gleich mein allzeitbereiter Satz bei allfälligen Unperfektitäten sein: Das muss eben so sein! Sie schreibt:

Nicht versuchen zu kaschieren, sondern es betonen – die Fehler, das Schiefe, Schräge, Ausgerutschte, Danebengemalte, Holprige. Es zeigen, vielleicht sogar überzeichnen. „Du schneidest immer schief,“ hat meine Mutter gesagt, „und es sieht auch verschnitten aus. Lass uns versuchen, es gleich richtig schräg zu schneiden, dann sieht es gewollt aus.“ Das hat mir gefallen. Den Strich weiterziehen, wenn ich rausgemalt habe. Ein kleines Loch betonen, umranden, farbig unterlegen.
Was mache ich mit all dem anderen Unperfekten? Im Körperlichen? Motorischen? Sonstigem? Ihm ein Lied geben oder es tanzen, reingehen, überbetonen, spüren, da sein lassen, anerkennen.

Auch folgende Artikel auf dem schön gestalteten Blog haben es mir angetan:
# Lustvoll-verrücktes Schmarrnmachen
# Blog wird Buch
# Buchbestellung, Porto und Bequemlichkeit
# Ich sammle Wörter und Augenblicke
# Die versehrten Wörter
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@ Li ssi: herzlichen Dank, für den Blogtipp!

eindeutig mehr

„Was mich immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, dass Begriffe, von denen wir meinen, sie sind absolut gesetzt, in bestimmten Zusammenhängen ihre Eindeutigkeit verlieren.“
Einer dieser Sätze, die mir auf der Zunge zergehen. Mützenfalterin schrieb ihn im Kommentarstrang ihres Artikels über den Künstler Aaron Siskind (> mehr …)
Ja, richtig, auch Wörter sind relativ. Genau das habe ich gemeint, als ich neulich schrieb, dass viele Wertmaßstäbe von der Definition der jeweiligen Gesellschaft abhängen.
Nimm mal, nur so als Beispiel, das Wort „Gewissen“. Was fällt dir dazu ein? Und dir? Und jetzt denkst du kurz an das, was deine Eltern darunter verstanden haben. Eben.
„ich schreibe aus visionen heraus, die sprache ist zwar wichtig, aber in erster linie transportmittel. ich wähle die worte, aber einen kult mach ich jetzt auch nicht aus ihnen“, schrieb Luisa Francia gestern in ihr Webtagebuch.
Und ich? Ja, ich schreibe auch vor allem, weil ich eine Vision, eine Idee, eine Absicht habe. Berühren, anrühren will ich. Etwas auslösen. Die Welt ein bisschen lebenswerter machen, weil Lesen gut tun kann. Ich will ein Lächeln in ein Gesicht zaubern oder das Herz unter diesem Gesicht zum Nachdenken bringen.
Doch es gibt noch etwas dazwischen: Worte sind Transportmittel, ja, auch für mich, doch sie sind mir mehr als dies. Und ja, ich mach gerne zuweilen einen kleinen Kult aus ihnen. Denn ich liebe es, nicht nur das gute Wort zu finden, sondern das bestmögliche. So gut ich kann. Und genau da sind wir wieder bei der Eindeutigkeit. Das Beste? Was für mich eindeutig das beste Wort ist, mag dich möglicherweise nicht erreichen. Doch ich schreibe weiter.
Dreimal doch in einem Absatz? Den kleinen Widerspruch dieses Wortes mag ich. Brauche ich – habe ich zuerst geschrieben. Nein, brauchen tu ich ihn nicht, aber er tut mir gut. Was so ein einziges kleines Wort mit vier Buchstaben für dich, für dich oder für dich bedeuten mag, ist ganz und gar nicht unbedeutend.
Doch und Aber tut echt gut.

Spurensuche #2

Was bleibt, sind Erinnerungen …

oben: dreimal meine Tante
unten links: ein Bild aus dem herbstlichen Kindergarten: Blätterspirale
unten rechts: ein Bild aus der Küche einer Freundin? Deren Kinder beim Baden? Wie gerne wäre ich da als Mäuschen dabeigewesen 🙂
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Jahrgang 1960

„Wer Banknoten nachmacht … wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft!“
Fotografieren ist aber hoffentlich erlaubt 🙂