
Bild: Kuschelige Wildkatzen. Am Nachmittag auf dem Bärner Wuchemärit auf dem Waisenhausplatz gefunden.
Fallmaschen & Herzgespinste

Bild: Kuschelige Wildkatzen. Am Nachmittag auf dem Bärner Wuchemärit auf dem Waisenhausplatz gefunden.

Bild: Eben im neuen „Natürlich leben“ in einem Artikel von Remo Vetter entdeckt.
(Heft 11/2010, Seite 37)

… aber sicher.
Ob Ziel oder nicht, ist vielleicht gar nicht mal so wichtig, wenn es schön ist, wie es ist.
Heute im Büro humpelnd einen Ordner geholt, Dinge gesucht und dies hier gefunden:

Erinnerungen an meine ersten Schreibmaschine-Testläufe als Erstklässlerin. Nein, nicht auf Vaters Hermes Baby, aber auf deren Vorgängerin. Bei der das A klemmte und jedes Mal von Hand zurück geklappt werden musste. Nix Kugelkopf, das kam erst später. Mein erstes Buch schrieb ich mit Original Courier. Klemmendes A? Perfekte Lipogrammmaschine, eigentlich.

… oder hässlich?
Bild: Palette. IPhone-Schnappschuss von gestern, Raststätte „Aire du Haut-Kœnigsbourg“
Wie alle wissen, die auf Europas Nah- und Fernwegen unterwegs sind, ist die Moral auf der Straße, sehr … nun ja … unterschiedlich. Die Moral? Eben habe ich dieses Wort als Synonym zum Wort Umgangsform missbraucht. Wie das in der Alltagsanwendung so üblich ist. Doch der Windows-Synonyme-Automat sagt, Moral habe eigentlich eher mit Anstand zu tun. Und mit Verantwortungsgefühl. Zweites gefällt mir. Und passt vielleicht zur erwähnten Erkenntnis, dass die Moral auf der Straße sehr unterschiedlich sei.
Verantwortungsbewusst und voraussichtig sollen wir fahren, sagte schon mein Fahrlehrer M. annodazumal. Was ich praktiziere. Das heißt: ich übe …
Aber ich schweife ab, wollte ich doch über jenen weiteren Gebrauch des Wortes Moral lamentieren, jenen wie er im Wort Moralist und Moralistin vorkommt. Was wir ja auf gar keinen Fall sein wollen. Ethisch und politisch korrekt denken, handeln, wirken und sein, ja, aber …
Woran erkennen wir denn nun, ob wir doch womöglich Moralistinnen oder Moralisten sind? Na, ganz einfach daran, ob wir uns empören, wenn jemand rücksichtlos oder riskant fährt OHNE jemanden zu gefährden. NichtmoralistInnen empören sich nämlich nur dann, wenn jemand rücksichtslos oder riskant und dabei auch andere gefährdend fährt. NichtmoralistInnen wissen, dass Nacherziehung auf der Straße nicht geht. Vergeudete Energie also, mich mit Moralfinger im Straßenverkehr zu ärgern.
Grenzfall heute: Da war dieses Brummirennen, eines von vielen beobachteten. Doch dieses hier fand direkt vor meiner Autonase statt. Zwei Niederländer wollten wissen, wessen Laster mehr drauf hat. Oder weniger Last drin. Oder weniger im Hirn. Ich weiß nicht, wie ihr es handhabt, aber ich drossle jeweils mein Tempo, wenn ich überholt werde, Moralistin ich, um den Überholweg des überholenden Wagens möglichst kurz zu halten und den Verkehrsfluss nicht zu behindern. Der Brummifahrer jedoch – jenen auf der Normalspur meine ich – tat nun nichts dergleichen. Beide fuhren erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Sprich neunzig plus. Auf einer 130km/h-Strecke wohlverstanden. Die Schlange, die sich hinter ihnen bildete, missachteten sie geflissentlich, bis irgendwann des einen Vernunft siegte. Oder der Motor murrte.
Weiterfahrend fragte ich mich, wie vielen dieser Männer und Frauen in den Lastern es Spaß macht, tagaus tagein, von Berufes wegen, Kilometer um Kilometer zu fressen? J., der auch hin und wieder für seine Firma Transporte machen muss, hasst diesen Teil seines Jobs. Wie viele Brummifahrer, die ich heute überholt habe, diesen ihren Job wohl ebenfalls hassen, den sie womöglich einst liebsten? Und, wo wir gleich dabei sind, fragte ich mich, wie viele andere Menschen sonst noch ihren Beruf hassen oder satt haben.
Ob die Typen, die mir das vor Tippfehlern strotzende Gewinn-Zertifikat, ausgestellt über Fr. 1000.—, persönlich abzuholen, geschickt haben, ihren betrügerischen Job mögen oder ihn nur des leicht verdienten Geldes wegen tun? Betrügerisch? Okay, sie bewegen sich in einer noch halb legalen Schattenwelt und ködern, wie ich im Internet schnell mal herausgefunden habe, mit reißerischen Versprechen von gemütlichen Werbefahrten, auf denen ich dann hochoffiziell die gewonnenen Fr. 1000.— in bar erhalten werde. Denn „bedauerlicherweise waren Sie leider nicht zu Hause“, als sie vor drei Wochen persönlich bei mir geklingelt hatten. Wer’s glaubt!
Im Reisebus drehen sie mir und meinen drei kostenlos mit eingeladenen Freundinnen und Freunden dann fette Kaufverträge über mehr als tausend Franken an. Wer nicht unterschreibt, wird unterwegs aus dem Bus geworfen. Immerhin nicht aus dem fahrenden, wie ich im Internet gelesen habe. Die Versuchung, der Firma einen furchtbar netten Brief samt Einzahlungsschein von mir zu schicken, ist groß. Ich würde schreiben, dass sie, wenn sie mir das Geld wirklich schenken möchten, es gerne auch so, ohne Gratisfahrt und Mittagessen für mich und meine drei Gäste, tun dürften. Kaum aussichtsreich, der Plan, und drum vergeudete Energie. Gutes Brennmaterial für J.s Ofen immerhin.
Was ich mit tausend Franken täte, müsste ich nicht lange überlegen …
Man nehme (frau auch) ein paar saftige Kohlblätter und klopfe sie weich, so dass der Saft austritt und sie ganz weich werden. Salbe braucht es, Haushaltfolie und einen Verband, allesamt als Schutz, doch die Hauptzutat ist eindeutig der Fuß, der geknickte, verstauchte, geschwollene Fuß. Hat man den, ist alles gut. Nun lassen sich nämlich alle erwähnten Zutaten zu einem sinnvollen Ganzen vernetzten in dessen Mittelpunkt besagter Fuß steht.
Fettende Salbe, weichgeklopfte Kohlblätter, Folie und Verband, in dieser Reihenfolge, sagte A. Und morgen dann nochmals Arnikakügelchen, mit Wasser auflösen, schluckweise trinken. Wie gut, dass mein Fehltritt bei P. und A. passiert ist und A. über solch tolle Wissensschätze verfügt!
Zurück in J.s Wohnung falle ich erschöpft in die Kissen. Fuß hochlagern, den Kohlwickel zubereiten und verblüfft beobachten, wie der Schmerz von akuten 100 Schmerzprozent, wo mir sogar die kleinste Bewegung und Berührung Schmerztränen in die Augen treibt bis zu ungefähren 40%, bei denen ich bereits wieder auf der Ferse gehen kann, abklingt.
Kein Kohl, Kohl wirkt Wunder!
So muss der Titel lauten, sagt Irgendlink. Ich will die neue Blogsoftware im Offline-Modus testen, die wir gestern Abend nach langem gemeinsamem Suchen im App-Shop gefunden und aufs Telefon geladen hatten. Sie muss nämlich, insbesondere für Auslandreisen, offlinetauglich sein, damit wir auch zukünftig auf Reisen bloggen können. Auch Bilder muss sie laden können. Und zwar ohne dabei, wie die WordPressapp, dauernd abzustürzen.
Die ersten Tests lassen hoffen. Der Pilgerreise steht nun blogtechnisch nichts mehr im Weg. Hoffentlich erholt sich J.s maroder Rücken bis dahin!
Feuergeister …
