Schütteln

Ein bisschen wie Sand, den wir als Kinder durchs Sieb schüttelten und aus welchem wir die Steine aussortierten, kommt mir vor, was auf meinem Tisch liegt. Ein Haufen feiner Kleinigkeiten. Erinnerungen von der Reise. Schöne Verpackungen. Steine mit speziellen Formen. Karten. Prospekte. Quittungen.

Die vielen Bilder haben wir uns ein erstes Mal am Samstagabend angeschaut. Nicht alle. Es sind sehrsehr viele. Zwei iPhones und zwei Kameras. Und drei Wochen Zeit zum Staunen. Nein, ich mag jetzt nicht rechnen, weder Bilder zählen noch Gigabytes berechnen. Bin zu müde. Habe heute hundertzwanzig Mails gelesen. Meine und die vom Scheff. Und auch sonst viel gemacht. Unter anderem habe ich – aber bitte nicht weitersagen! – während der Arbeit auf Guuggl Mäps diese Streckenbilder hier gezeichnet …

Beim Draufklicken findet ihr die Strecke detailliert im Original … Herzlichen Dank an die Guuggl-Family!

Gestern Morgen, noch auf dem Einsamen Gehöft in der Pfalz, einmal mehr begriffen, dass es immer viel mehr ungeschriebene Texte geben wird als geschriebene.

„Über dies, über das müsstest du mal schreiben!“, sagen wir oft. „Das wäre ein tolles Thema für eine Geschichte.“
Oder: „Jene Idee liesse sich in einem Blogartikel einweben.“

Ob Blumen schöner blühen, wenn ihnen jemand dabei zusieht?
Ob Blumen schöner blühen, wenn ihnen niemand dabei zusieht?

Leben ohne Reissverschlüsse

Am Ewigen Birnbaum vorbei lasse ich das Auto ausrollen. Eine letzte Kurve noch, schließlich das einsame Gehöft. Wir sind wieder da.

Na ja, DA waren wir ja immer, aber nicht hierda, sondern dortda. Dada. Jaja …

Auspacken. Ankommen.

Später, im Bett, die Erkenntnis das die Zeit der Reissverschlüsse zu Ende ist. Endlich wieder ohne Reissverschluss vor Mücken und Regen sicher sein und ohne Reissverschluss den Liebsten strubbeln können. Und ohne Reissverschluss nachts pinkeln gehen – wie schön.

Nein, ich klage nicht. Ich habe nichts gegen Reissverschlüsse. Ihnen verdanke ich immerhin, dass ich nicht tausend, sondern nur hundertsieben Mückenstiche abbekommen habe. Und dass ich nachts nicht gefroren habe im warmen, reissverschlossenen Schlafsack, oben am Polarkreis. Dennoch ist es schön, in einem „richtigen Bett“ zu schlafen. Und auf ein richtiges Klo zu gehen (und auf einer richtigen Tastatur zu schreiben ebenfalls!).

Wir schauen zurück, beim Frühstück, rechnen ein paar Zahlen hoch. Ein Glas Honig haben wir vertilgt und einen halben Liter Olivenöl. Benzin auch einiges bei knapp sieben Litern auf hundert Kilometer. Wie viele Meter Klopapier ich wohl in der schwedischen und norwegischen Pampa hinterlassen habe, wenn meilenweit kein Klo zu sehen war? Und wie viele Buchstaben ich wohl bereits in die iFon-Tastatur geklickt und wie viele Liter Wasser ich unterwegs getrunken habe?

Zahlen – sie sagen nichts aus über die Qualität verlebter Zeit. Sie sagen nichts aus über jene Momente des Glücks, wenn ich in einem See, rücklings im Wasser liegend, die Wolken bestaunte und die Weite des Himmels mich berührte und mich selbst weitete. Zahlen sagen nichts aus über das Gefühl, das mich auf jener windigen Passhöhe erfüllt hat …

Weite. Wenn ich diese Reise in ein einziges Wort packen müsste, wäre es wohl dieses. Innen und außen. Nicht in Zahlen messbar. Weit.

Wieder da. Bin ich. Hier.

Punktlandung

„Jetzt müssen wir wieder aufpassen, was wir sagen!“, flüstere ich J. zu. Wir grinsen. Deutschland hat uns wieder. Die Zeiten, wo wir über unsere Zeltplatznachbarschaft lästern oder uns über sie Geschichten ausdenken konnten, sind vorbei. Hier, auf Behringens Camping in der Lüneburger Heide, ist dies allerdings auch nicht nötig. Neben uns wohnt ein gut deutschsprechendes pensioniertes norwegisches Paar, das von Italien her nach Hause fährt. Großzügige Menschen, die uns venezianische Tomätchen und Kaffee schenken.

Wie wir hier gelandet sind? Eben noch hatten wir auf der Autobahn dahinbrausend darüber geredet, die Nacht durchzufahren, weil es grad so gut lief, da hatte J. bei einer kleinen Rast auf seinem iFon gesehen, dass in der Nähe zwei Geocaches liegen. Nix wie hin. Weg von der Autobahn.

„Da rechts rein,“ lotste mich mein Liebster, den Blick auf die Karte auf dem Display seines digitalen Vielfunktionsgeräts.

„Da?“, frage ich. Wir stehen an der Pforte eines hübschen Campingplatzes. Das Schicksal mal wieder! Nix da mit die Nacht durchfahren. Wir checkten ein, bestellten Brötchen, bauten das letzte Mal unser Zelt auf …

Am nahen See finden wir später, trotz Dämmerung, zwei Caches. Das muss einfach sein. Immerhin verdanken wir es ihnen, dass wir heute Morgen gut ausgeschlafen vor dem Zelt mit den norwegischen Nachbarn plaudern können. Und frische Brötchen essen.

Noch knapp sechshundert Kilometer gilt es zu fahren. Ein kleiner Hüpfer im Vergleich zu den rund siebentausend, die wir in den letzten neunzehn Tagen gefahren sind. Zeit, um sich innerlich auf die Rückkehr in den Alltagsalltag einzustellen.

Bilder gibt’s heute keine, ich blogge mit Irgendlink Telefon, da er kostenlos ins Netz kann.

Heute bin übrigens ich dran. Mit den E meine ich. Bin ja gespannt wie J. da schafft. Von wegen abschreiben und so. (siehe seinen Artikel „auf dem Fischkutter der Erinnerung“ neulich).

Ach, noch was: Bloggen im Ausland ist nicht gratis. Ein Artikel kostet um die zwei Franken. Mit Bild. Meine Telefonrechnung versteigere ich liebend gerne. Angebote bitte an mich.

Na ja, andere kaufen sich dafür eine Tageszeitung und lesen diese, während wir zwei Verrückten schreiben … 🙂

Staffanstorp

Last Call … Wir zögern den Abschied aus Schweden heraus. Die letzten dreihundert Kronen werden in Knäckebrot umgewandelt, da sich Geld bekanntlich nicht essen lässt.

Auf dem Weg zu unser aller Nährmutter namens ICA-Markt entdecken wir kostenloses WiFi. Drum dieser letzte schwedische Artikel. An einer schattigen Mauer lehnend verfasst.

Neulich durch die Hölle gegangen, gestern Gott gefunden!

Auf dem Camping …

Geburtstagsgrüße an H.!

Höör mal!

Höör – jeder Deutschlehrkraft würden ob dieses Wortes die Haare zu Berg stehen! Gleich zwei Umlaute nebeneinander – igitt!

Richtung Süden fahren. Mittagspause in der Pampa. Essen und baden, so lebt es sich gut …

Irgendwann nach vielen Kilometern auf der E4 scherten wir aus um unsere letzte Nacht in Schweden fern vom Rauschen der Autobahn zu verbringen. Etwa fünfzig Kilometer noch bis Malmö, bis zur Großen Brücke sind es. Höörs Camping liegt abseits, grenzt an einen Tierpark und toppt preislich alles vorherige. Nach oben allerdings. Jönköping mal ausgenommen. Und Cadaquès im Mai.

Höörs Camping ist weder Weiler noch Dorf, er ist eine Stadt. Das Servicehuset ist in den Erdhügel gebaut und die Jugendherberge ebenfalls. Es wimmelt von Menschen. Eine Familie aus Bern, die Badminton spielt. Wir sitzen lange vor dem Zelt, trinken Bier*, lassen die Reise Revue passieren …

Nachts, beim Pinkeln, sehe ich den ersten Sternenhimmel seit langem. Aha, es ist nachts wieder dunkel. Ich kann um elf im Zelt nicht mehr lesen. Mitternachtssonne war mal. Akzepieren, dass sich das Rad der Zeit – oh Illusion, du! – dreht und wir morgen Abend oder so in 2Brücken sein werden.

Jetzt. In Höör sein. Im Zelt. Vor dem Regenschauer geflüchtet. Tee trinken.

(* ich darf wieder. Die Antibiotika-Borreliose-Kur ist vorbei!)

Am Anfang der Welt

… oder Lob der kleinen Dinge

Irgendwann kommt der neue Anfang. Du musst einfach immer weiter südwärts gehen. Du kannst ihn nicht verfehlen. Wenn du da bist, wirst du es merken. Einen großen See hat es dort. Endloses Meer vielleicht.

Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Ich will das nahende Ende unserer Skandinavienreise positiv sehen. Heute Abend wollen-sollen wir in der Nähe von Malmö sein, um morgen über die Große Brücke via Dänemark nach Deutschland zurückfahren zu können. Wieder zanken sich Bremse und Gaspedal in meinem Herz- und Kopfuniversum. Bleiben wollen, hier zum Beispiel, versus rechtzeitiges, stressfreies Heimfahren.

Gestern haben wir vieleviele Kilometer gefressen. Mit wenigen Pausen nur sind wir erst nach neun Uhr hier in Boxholm, ungefähr auf der Höhe der Mitte der Vätternsees (Ostseite diesmal) angelangt. Ein hübscher Badeplatz mit Campinggelegenheit. Sauber und für umgerechnet nur zehn Franken zu haben. Klein und fein.

Die kleinen Dinge, an- oder abwesend, sind es, die das Leben genüsslich oder mühsam machen. Klopapier zum Beispiel. Unentbehrlich. Zum Pinkeln natürlich. Und als Serviette, als Taschentuch, Händeputztuch, Hosenputztuch nach Kleckereien. Und als Mückenvernichtungswaffe. Womit wir bei einer weiteren sehr wohl entbehrlichen Kleinigkeit wären, den Mücken. Im Süden Schwedens zum Glück weniger präsent als im Norden, aber dennoch ein wesentlicher Qualitätsmaßstab für das Leben aller Reisenden. Hier, am Anfang der Welt, am kleinen Flus-See bei Boxholm, sind sie erträglich … Pluspunkte für unser Lebensgefühl.

Eine weitere Unentbehrlichkeit für den Camper und die Camperin sind weiche Schlafmatten. Betonung auf weich. Wenn die sichselbstaufblasbare Isomatte jedoch aus unerfindlichen Gründen an unauffindbarer Stelle leckt, wir es ungemütlich. Eine kleine Keinigkeit, ein paar Liter Luft an der richtigen Stelle, Klopapier oder Mücke da oder nicht … und sogleich sinkt oder steigt die Lebensqualität.

Manchmal wünsche ich mir die Fähigkeit, von Dingen und ihren An- oder Abwesenheiten unabhängig zu sein. Ich bin, als kleiner Anfang, dankbar für jede Sekunde dieser Reise und will sie auskosten. Mücken hin oder her. Und auch wenn die Matte weniger weich ist als zu Anfang. Wir haben ja zum Glück noch Klopapier. So what?

In Boxholm

Gefangen

Wären wir nicht auf dem tollen Camping in Bergsjö gestrandet, hätten wir unsre dortigen deutschen Nachbarn nicht getroffen. Und hätten wir mit denen nicht über „das müsst ihr gesehen haben“ gesprochen, wären wir kaum nach Järvsö gefahren. Bestenfalls mittendurch. So aber – das Schicksal hat uns geführt, wie J. zu sagen beliebt – konnten wir nicht ignorieren, was wir wussten. Dort sei das größte Gefägnis. „Das müsst ihr uuunbedingt hin!“, sagte B., die Nachbarin.

Auf Überlandstraßen kurvten wir also südwärts und fanden den Platz. DJURPARK stand auf den Wegweisern und für den Eintrittspreis hätten wir dreimal übernachten können. Hätte uns das Schicksal nicht dorthin – na, ihr wisst schon …

Netzmaschen. Grenzen. Innen. Außen. Wer ist wirklich gefangen? Die da drin? Ich? Wie frei bin ich wirklich? Die Illusion von vermeintlicher Freiheit – ich teile sie mit denen da drin. Meine Gitterstäbe heißen Zeit und Pflichten, Arbeit, Mietzinsrechnungen, Krankenkassenprämien und Beziehungsnetz. Nicht per se schlecht oder gut, einfach da. Selbstgewähltes Gehege: Freiheit bis zu den Grenzen, die da sind. Die mir das Schicksal …?

Ist die- oder derjenige weiser oder freier, die oder der sich mit den vorhandenen Grenzen abfindet oder der- oder diejenige, der oder die gegen diese angeht?

Auf den Grosstierzoo von Järvsö übersetzt: haben es jene Tiere leichter, die resigniert haben und sich mit den zugegeben riesigen Gehegegrenzen abfinden oder jene, die ständig in der Nähe der Grenzen herumschleichen, hoffend sie öffnen sich. Wenn ja, was dann? Was würden sie mit jener Freiheit anfangen. Da haben es wohl die in Gefangenschaft geborenen leichter.

In Gefangenschaft geboren – wie ich. Wie wir alle. Gefangen. Dochdoch, mir geht’s gut, danke. Ich habe ja frei, Urlaub. Neinnein, es ist nicht die Arbeit, die mich gefangen hält.

Illusion beides, die Gefangenschaft ebenso wie die Freiheit. Nur das Leben, das ist echt. Die Elche, Wölfe und Rentiere ebenso. Und ich auch.

Bild: ich bin so FREI, heute keins zu liefern. 🙂

Bergsjö

Steige ich auf der Beifahrerinnenseite ins Auto ein, vertraue ich J. mein Leben an. Fahre ich, legt er sein Leben in meine Hand. Autofahren ist latent lebensgefährlich, doch ist das Fahren in Schweden vergleichsweise mit der Schweiz stressfrei – über Land zumindest. Doch auch in Städten (Sundvall gestern als Beispiel) und trotz Rushhour ist es erträglich. Die geringere Autodichte macht es aus. Menschenaufläufe mag ich nicht wirklich. So gesehen ist Schweden perfekt für mich. Außerdem sind wir jetzt auch in den Breitengraden (61. Breitengrad) mit der für mich perfekten Temperatur angelangt. Ca. 25 Grad.

Nach den Hoppelpisten der letzten Tage sind wir gestern, nach drei Cachesuchen, gegen Mittag auf die E4 eingespurt. Dichter Verkehr heißt hier zehn Autos in Sichtweite. Hinter den Campern und Wohnwagen verdichtet sich das Ganze bis zur nächsten Zweispuren-Phase. Dort drücken wir aufs Gas und überholen, was möglich ist, um darauf am Ende der Phase wieder in die Einspurigkeit zu verfallen, denn der nächste Camper kommt bestimmt.

Selbst auf einer sogenannten „Schnellstraße“ wie der E4 wechselt sich die Kulisse ständig. Gestern waren es die laufend sich toppenden Wolkengebilde, die mit der wunderbaren Landschaft konkurrierten.

Dennoch ist es Tatsache, dass wir in den nächsten Tagen einiges an Kilometern fressen müssen, um am Weekend in der Pfalz sein zu können. Das Damoklesschwert im Nacken. „Friss Straße!“, sagt es. Gas und Bremse tanzen miteinander. Zanken zuweilen ein wenig. Das eine will vorwärts, während das andere dableiben will. Zwei Herzen in meiner Brust.

Vorwärtskommen gleich Geschwindigkeit mal Zeit – oder so. Doch wo ist vorwärts? Da wo ich hin will – wo immer das ist.

Gestern Abend war vorwärts ein bisschen rückwärts, will heißen nordwärts. Die E4 verlassen, den Wegweisern nach Bergsjö folgen. Wider alle Vernunft, da nirgends ein Zeltplatz kartiert ist, der Intuition folgen und auf DEM Zeltplatz landen, aus dem die BloggerInnenträume sind.

Ein dicker kauziger Platzwart heißt uns im besten Englisch willkommen. Ein Messie, unverkennbar. Sein offenes Haus spricht Bände. Wir sollen uns wohlfühlen, dürfen alles benutzen und der See sei genial. Dazu so billig, dass es fast schon peinlich ist.

Alles wahr. Kein Märchen. Und keine Mücken. Als uns nach dem Morgenbad im 20 Grad warmen Wasser die Nachbarin noch Kaffee, Brote und Jogurt bringt, fällt uns nur das doofe Wort „perfekt“ ein, zweistimmig. Herz, was willst du mehr?

Unlösbar

Weil doch Irgendlink den Südwärts-gleich-Heimweg fürchtet, sind wir einen Tag länger im Norden geblieben und haben gar nördlicher als die Nacht zuvor campiert. Punkt.

Klammer. Das war die geschönte Variante. Klammer zu.

Kurz nach dem gestrigen Aufbruch vom Normalinger Camping, nämlich als wir dort einen Geocache heben wollten, stellten wir den Verlust meines GPS fest. Erstes Suchen an den zweidrei üblichen Orten. Nicht da. Frage: Wo haben wir das Ding zum letzten Mal gebraucht und gesehen? Antwort zweistimmig: Beim letzten nicht gefundenen Cache!

Nachdem wir das Auto an einem schattigen Platz durchwühlt hatten (und ich den Tränen nahe war), überzeugte mich J., dass wir zurückfahren und nachschauen sollten. Meine ökologischen (denk an das Benzin!) und ökonomischen (haben wir denn Zeit?) Bedenken wischte mein Liebster beiseite: Was sind schon hundertfünfzig Kilometer mehr oder weniger bei rund sechs- oder siebentausend Kilometern? Letztendlich, ich gestehe es, hoffte ich natürlich, das wir mein TschiiPiiEs finden würden. Und ich wollte ja genauso gerne wie J. wissen, wo das Ding ist, nur war mir der Aufwand ein Gräuel. Doch da lockte die Möglichkeit, dass ich es, wider meine Art, irgendwo auf den Felsen bei Stausee liegengelassen hatte und es dort auf uns wartete. Vielleicht war es auch vom Autodach gefallen, falls ich es dort abgelegt haben sollte, wie J. zuweilen seine Brille. Die vermeintliche Abkürzung entpuppte sich als zwar schöner Umweg über ungeteerte Straßen, doch brauchten wir dafür viel Zeit, sehr viel sogar.

Nein, wir haben es nicht gefunden, mein Navigationsgerät. Auch am Abend nicht, nach nochmaligem Filzen des Autos (dafür den ebenfalls vermissten Ersatzautschlüssel). Das war nun die ungeschönte Variante.

Doch die Geschichte hat doch ein kleines Happyend, ein sehr schönes: da wir vorgestern vergeblich nach dem Cache am Stausee gesucht hatten, versuchten wir gestern erneut unser Glück. J. wurde fündig. Immerhin war die Fahrt, der Ausflug nordwärts, doch nicht vergebens gewesen. Auch noch aus einem andern Grund …

Die Weiterfahrt südwärts gestalteten wir anders als am Tag zuvor. Alles auf Nebenstraßen, meist ungeteerten, durch winzige Weiler, Kurs südwestlich, nicht weit von der E4-Küstenstraße und doch tempomäßig Welten von jener entfernt. Mit 50 – 80 Stundenkilometern und halbstundenlang ohne Gegenverkehr holperten wir Richtung Trehörningssjö. Endlich wieder Teerstraßen, jiippie!

„Da, ein Badeplatz!“ J.s Augen leuchten. „Lass uns ein Bad nehmen.“ Schon bald plantschten wir im zwanziggrädigen See neben dem Camping namens „Kerstin Uddes“ und beschloßen, hier zu bleiben.

Die Aufname ist eines der Schlussbilder des gestrigen Tages. Zehn Fußminuten entfernt ist ein kleiner Meditationsplatz mit Kräutergarten, Sauna, Ritual-Tipi und Dampfbad. Alles liebevoll gestaltet.

Heute Morgen, gleich nach dem Erwachen, ist sie wieder da, die große Frage: Wo steckt wohl das GPS? Wurde es gar aus dem Auto geklaut, auf dem Camping? Oder haben wir es doch am Stausee verloren und jemand fand es? Was dann? Kann jemand mit meinen gespeicherten Home-
Koordinaten meine Adresse lokalisieren? Werde ich es je wiederfinden oder zurückerhalten? Oder liegt es vielleicht doch irgendwo im Auto? Unlösbare Frage.

Wie sagt doch Kerouac, den J. so gerne zitiert: Finde dich mit Verlusten ab, und zwar endgültig. Ich übe noch.