Auf der Sprungschanze

Gestern, als wir die Kupfergrube Faluns umradelten, entdeckten wir am andern Ende der Stadt, im Norden, eine Sprungschanze.

Im Februar 2015 fanden dort wichtige internationale Wettkämpfe statt. Obwohl ich mit Hochleistungssport wenig bis gar nichts am Hut habe, gibt es doch ein paar Sportarten, die mich immer faszinierten. Skispringen gehört dazu. Selbst zu springen würde ich mich ja nie trauen, aber zugucken finde ich echt geil.

Als Irgendlink heute vorschlug, dahin zu radeln, war ich schnell angefixt. Auf der Karte war der Ort schnell gefunden und so sattelten wir flink unsere Stahlrosse.

Tickets für die Standseilbahn und das Museum bekamen wir in der Idrottshallen, dem Sportmekka Faluns.

Was soll ich sagen? Ich mag hohe Orte, wo man übers Land blicken kann. Und hier, hier oben, konnte man sogar sehen, wie und woher die SkispringerInnen fliegen.

Sprungschanze Falun

Wird Irgendlink springen?
 
 
Vor der Besteigung des Turms
  

Gleich steigen wir auf den Turm
    
 
von oben herab I
 
 
von oben herab II
 

Wieder unten setzen wir uns zu Kaffee und Zimtgebäck ins Café in der Idrottshallen und appen drauflos.

Auf der Rückfahrt bleiben wir auf dem Bahnhofsareal hängen … tja. Da bröselt Falunrot gar unwiderstehlich.

Container beim Bahnhof Falun

Kupfer oder das Rot Faluns

Das erste Mal habe ich vom Weltkulturerbe Faluns, der einst größten Kupfermine der Welt, gehört, als ich auf den Campingplatz Räfsnäs bei Ludvika getrampt bin. Mein freundlicher Fahrer hatte mir gestanden, dass er, obwohl er doch so nahe von Falun wohne – gerade mal 100 km oder so -, noch nie in der Mine gewesen sei.

Das zweite Mal hatte Thorsten etwas über das Kupferbergwerk gesagt, jener Wanderer, den wir in Ludvika als Zeltnachbarn gehabt hatten. Thorsten erwähnte das Falunrot, das ja viele schwedische Häuser als Farbe kleide.

Als ich schließlich vor fünf Tagen mit dem Bus von Borlänge nach Falun in die Stadt eingefahren war, sah ich überall Schilder mit entsprechenden Hinweisen und dachte, dass mir das bestimmt gefallen würde. Und Irgendlink ebenfalls.

Heute nun, zumal es nicht, wie gestern, regnete, sondern richtig tolles Ausflugswetter war, radelten wir die zwölf Kilometer zur Mine. 

 

Dalarna-Pferd
 
 
Unter der Treppe
 
Jürgen buchte eine Führung „unter Tag“, wohingegen ich mich mehr fürs Museum interessierte.

Hätte ich doch bloß ein paar Bilder von den Schautafeln gemacht, die im Treppenhaus zum zweiten Stock hingen. Operationen, wie sie in einem Bergwerk sicherlich immer mal wiedervorkommen, Amputationen nämlich, waren dort in der fürs späte Mittelalter typischen Art aufgezeichnet. Vier Männer brauchte es, zeigte das Bild, um bei einer Beinamputation zu assistieren. Einer, der sein Bein lassen musste, einer der das Bein oberhalb der Operation festhielt, einer, der den Fuß festhielt und der Vierte war jener mit der Säge. Unter dem Sägewerk eine Schale, in die das Blut tropfte. Stoische Gesichtsausdrücke. Selbst der Verletzte erschien mir ungerührt. Daneben eine Skizze, die das gleiche Prozedere an einem Arm zeigte. Weiter im Bild waren ein paar Skizzen, die das Abbinden und Verarzten der Schnittstelle illustrierten. 

So war das ganze oberste Stock des Museums der Gesundheitsvorsorge der Minenarbeiter gewidmet. Über Skorbut kann ich lesen, über Schröpfen, Aderlass und noch mehr Details über Amputationen – offensichtlich ein wichtiges Thema. 

 

Leben damals, im Minendorf
 
Auch über die Ernährung, die Ärzte und das Leben im Minendorf erfahre ich viel. Fast alles ist neben schwedisch noch in englisch beschrieben. Bald schwirrt mir der Kopf und ich setze mich ein wenig in den Aufenthaltsraum im Besucherzentrum, wo es freies WLAN gibt. 

Das Hotelzimmer, das ich für meine zwei letzten Nächte in Schweden buchen wollte, ist nicht mehr frei, erfahre ich per Mail. Mit Kreditkarte, hätte ich denn eine dabei, hätte ich es heute Morgen online buchen können. So aber war ich auf Mailverkehr angewiesen. Anrufen war mir zu umständlich; und zu teuer auch. Nun denn … es würde sich sicher etwas anderes finden.

Bald kommt Jürgen aus dem Stollen zurück, sehr glücklich und voller Geschichten über den Bergbau damals, über Kupfer, Eisen und Gold. Wir setzen uns auf eine Bank an der Sonne, dösen ein wenig, bevor wir mit den Rädern die große Grube umradeln, Bilder machen, Steine finden, staunen über dieses Naturwunder namens Kupfer.

 

Falunrote Scheune
  
Kupfergestein
 

Auf dem Rückweg realisiere ich, dass dies erst etwa der fünfte meiner bisher fünfzehn Tage meiner diesjährigen Schwedenreise ist, an dem es nicht geregnet hat. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mir die zwei letzten Tage meiner Ferien ein wenig anders einrichte als ursprünglich gedacht. Eigentlich hatte ich ja draußen schlafen wollen, mit Matte und Schlafsack, an einem Strand. Doch dieses Jahr, das bestätigen auch Schwedinnen und Schweden, regnet es wirklich sehr viel. Und darum habe ich mich für ein sehr günstiges Hotel entschieden. Vorhin habe ich doch noch eins gefunden.
Noch zwei ganze und ein halber Tag bleiben uns, bis Irgendlink weiter nordwärts, , reist und ich südwärts.

Wir genießen es einfach, hier zu sein. Ganz und gar im Präsens; und ganz und gar ohne Konjunktiv.